Ralf G. Jahn (* 5. September 1965 in Geldern) ist ein deutscher Historiker und Genealoge.

Leben Ralf Günter Jahn nahm nach dem Abitur 1986 und dem Wehrdienst 1986/1987 zum Wintersemester 1987/1988 ein Studium der Alten Geschichte, Klassischen Archäologie und Philosophie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn auf. Er machte er seinen Magister artium (M.A.) 1993 mit einer Arbeit über „Die Deszendenz des Augustus. Genealogische Untersuchungen zur Principatsgeschichte“.Ralf G. Jahn: Der Römisch-Germanische Krieg (9–16 n. Chr.). Dissertation, Universität Bonn 2001, S. 329. Anschließend war Jahn als Privatgelehrter und Dozent am „Institut für angewandte Methodik im Schulungsbereich“ tätig. Parallel dazu erarbeitete er bei Klaus Rosen seine Dissertation mit dem Titel „Der Römisch-Germanische Krieg 9–16 n. Chr.“ Die Arbeit wurde 1999 eingereicht; nach der mündlichen Prüfung im Februar 2000 wurde Jahn zum Dr. phil. promoviert.Ralf G. Jahn: Der Römisch-Germanische Krieg (9–16 n. Chr.). Dissertation, Universität Bonn 2001, S. 329–330. Aufgabe dieser Arbeit war eine die schriftlichen Quellen und archäologische Überreste sowie die dazugehörige entscheidende Forschung analysierende und weiterführende Darstellung des augusteisch-tiberischen bellum Germanicum, also über den Krieg des Arminius gegen das Römische Reich (Varusschlacht, Feldzüge des Germanicus).Ralf G. Jahn: Der Römisch-Germanische Krieg (9–16 n. Chr.). Dissertation, Universität Bonn 2001, besonders S. 16.

Außerdem studierte Jahn Historische Hilfswissenschaften/Archivkunde, Rheinische Landeskunde, Vor- und Frühgeschichte sowie Politische Wissenschaften und Polnisch. Zu seinen Spezialgebieten gehören der Adel, die Genealogie, die Geschichte des Niederrheins, Elitenforschung, Militärgeschichte und die Antike.Monika Kriegel: Camilla ausgeforscht. Gelderner Historiker ist Experte für die Adelsgeschlechter. In: Rheinische Post vom 31. März 2005 (Lokalausgabe Geldern). Ralf G. Jahn war beim Kreisarchiv Kleve tätig und ist jetzt freiberuflicher Historiker und wissenschaftlicher Genealoge. So ist er historischer Berater beim Genealogisch-Etymologischen Lexikon von Johann Heinrich Barth. Als historischer Dienstleister betreibt er genealogische Forschungen, verfasst und veröffentlicht Familien- und Firmengeschichten, Ortschroniken und ist als Ghostwriter tätig. Unter anderem fand Jahn heraus, wie Paris Hilton von Karl dem Großen abstammt (Ahne in 44. Generation, Kekulé-Nr. 13.307.362.148.216). Der Genealoge verfolgte Paris Hiltons Stammbaum bis ins 8. Jahrhundert zurück und spürte mehr als 1400 Verwandte auf, darunter auch US-Präsident Theodore Roosevelt. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung FAZ brachte ein großes Porträt über den „Sherlock Holmes der Genealogie“.

Jahn ist historischer Fachberater beim Mitteldeutschen Rundfunk („Der Friedrich-Schiller-Code“, „Schillers Schädel-Schicksal“, „Dunkelgräfin von Hildburghausen“, „Neues von der Dunkelgräfin von Hildburghausen“). Jahn verfasste auch die Gutachten über die ältesten Erwähnungen der Gemeinde WeezeRalf G. Jahn: Erste urkundliche Erwähnung der "villa Geizefurt" im Jahr 855. In: Weezer Geschichte. Jahrbuch 2004, S. 8–21. und des Ortsteils Geldern-VeertRalf G. Jahn: Veert wird 700 Jahre alt. In: Geldrischer Heimatkalender (GHK) 2007, S. 176–182..

Beim internationalen Gemeinschaftsprojekt 'Laat vriendschap helen, wat grenzen delen. Das Herzogtum Geldern als Brücke zwischen den Niederlanden und Deutschland' (2000–2001)Ausstellung „Das Goldene Zeitalter des Herzogtums Geldern. Geschichte, Kunst und Kultur im 15. und 16. Jahrhundert / De gouden eeuw van Gelre. Kunst en cultuur in het oude hertogdom“ (24. März bis 24. Juni 2001 Niederrheinisches Museum für Volkskunde und Kulturgeschichte Kevelaer, 8. September bis 18. November 2001 Museum Het Valkhof Nijmegen, 1. Dezember 2001 bis 10. Februar 2002 Stedelijk Museum Zutphen, 2. März bis 28. April 2002 Stedelijk Museum Roermond). oblag Jahn die Organisation und Durchführung des wissenschaftlichen Kolloquiums, die (Mit-)Herausgabe des Tagungsbandes, das Verfassen von Ausstellungstexten, die fachliche Beratung bei der Erstellung des Lehrer- und Schülerbandes „Das Herzogtum Geldern. Ein grenzüberschreitendes Geschichtsbuch für Schule, Museum und Archiv“, sowie das Verfassen mehrerer wissenschaftlicher Aufsätze. Der Historische Verein für Geldern und Umgegend e. V. erhielt für dieses Projekt 2002 den Preis „Aktive Bürgerschaft“ der „Stiftung Aktive Bürgerschaft“.

Lösen historischer Rätsel

Fall Schiller „Die Gebeine keiner anderen historischen Persönlichkeit haben ein so großes Interesse erregt und zu einer so großen Anzahl von fachwissenschaftlichen Publikationen mit kontroversen Ergebnissen und Meinungen geführt wie jene von Friedrich Schiller. Ihm werden nicht nur zwei Schädel, sondern auch zwei Skelette zugeschrieben,“ so der Anthropologe Herbert Ullrich.Herbert Ullrich: … und ewig währt der Streit um Schillers Schädel. München 2008, S. 85.

1826 hatte der Weimarer Bürgermeister Carl Leberecht Schwabe (1778–1851) aus der Schiller-Gruft im Kassengewölbe auf dem Jakobskirchhof einen Schädel geborgen, den Ludwig Friedrich von Froriep (1779–1847) als den Schillers bezeichnete und in der Fürstengruft neben Goethe beisetzen ließ. Seitdem wird dieser Schädel daher als „Schwabe-Schädel“ (von den Germanisten und Literaturwissenschaftlern) oder „Fürstengruft-Schädel“ (von den Naturwissenschaftlern) bezeichnet.

Der Fürstengruft-Schädel befand sich vom 24. September 1826 bis Ende 1826 in Goethes Wohnhaus. Am 25./26. September 1826 schrieb Goethe die Terzinen „Bei Betrachtung von Schillers Schädel“. Als Goethe dies dichtete, hatte er einen Totenschädel vor sich, den er für den Friedrich Schillers hielt. Dies geschah allerdings nicht im Beinhaus (das Gedicht beginnt mit dem Vers „Im ernsten Beinhaus wars, wo ich beschaute“), sondern in Goethes Haus, wo der Schädel auf einem blauen Samtkissen unter einem Glassturz lag. Kurz vor der Einbettung der vermeintlichen Gebeine und des Schädels Schillers in den Sarkophag am 16. November 1827 wurde der Fürstengruft-Schädel in Goethes Auftrag abgegossen. Der Abguss befindet sich heute in Goethes Wohnhaus am Frauenplan.

Seit 1883 wird in der Fachwelt über die Echtheit des Schädels heiß diskutiert – insbesondere unter Anatomen und Anthropologen. 1911 unternahm August von Froriep (1849–1917), der Enkel von Ludwig Friedrich, Ausgrabungen im Bereich der Gruft des ehemaligen Kassengewölbes und förderte 63 Erwachsenenschädel zutage. Er diagnostizierte den Schädel Nr. 34 als jenen von Schiller. 1912 präsentierte August von Froriep diesen als den zweiten Schiller-Schädel, der daher auch „Froriep-Schädel“ heißt.

Beim interdisziplinären Forschungsprojekt „Der Friedrich-Schiller-Code“ des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) und der Klassik-Stiftung Weimar, das das Rätsel um die Echtheit von Schillers Schädel lösen wollte, war Ralf G. Jahn als Historiker und Genealoge maßgeblich beteiligt.Walter Hinderer: Schiller und kein Ende. Metamorphosen und kreative Aneignungen. Würzburg 2009, S. 50f. Die Regisseurin war Ute Gebhardt. Jahn, der „Mann im Hintergrund“, wie er im Film genannt wird, hat zunächst die Familienstammbäume der Schillerschen Familie geprüft und erweitert und nach noch lebenden Nachfahren geforscht.Herbert Ullrich: … und ewig währt der Streit um Schillers Schädel. München 2008, S. 128. Insgesamt hat Jahn 3798 Vorfahren und Verwandte Schillers namentlich ermittelt. Lebende Nachfahren aus dem Mutterstamm hätten die Untersuchung erheblich vereinfacht. Jahn untersuchte erstmals den Mutterstamm Schillers und kam zu dem Ergebnis, dass es keine lebenden Nachkommen in direkter weiblicher Linie gibt.Ute Gebhardt: Die modernen Naturwissenschaften im Dienst der Schiller-Schädel-Forschung. In: Jonas Maatsch u. Christoph Schmälzle (Hrsg. im Auftrag der Klassik Stiftung Weimar): Schillers Schädel. Physiognomie einer fixen Idee. Begleitband zur Ausstellung „Schillers Schädel – Physiognomie einer fixen Idee“, Schiller-Museum, Weimar, 24. September 2009 bis 31. Januar 2010. S. 177–201, bes. S. 178f.

Nachdem bewiesen war, dass der Fürstengruft-Schädel genetisch nicht zu einem Bruder der Schiller-Schwester Christophine Reinwald (1757–1847) passte, musste das Projekt erweitert werden. In diesem Zusammenhang erforschte Ralf G. Jahn die genaueren Umstände am württembergischen Hof im Zeitraum um Schillers Geburt. Die gewonnenen Indizien sprachen hypothetisch für eine Vaterschaft des Herzogs Carl Eugen von Württemberg zu Schiller. Das Haus Württemberg stellte genetisches Vergleichsmaterial zur Verfügung. Doch der Vergleich der Y-Chromosomen zeigte keinerlei Verwandtschaft in väterlicher Linie.Ute Gebhardt: Die modernen Naturwissenschaften im Dienst der Schiller-Schädel-Forschung. In: Jonas Maatsch u. Christoph Schmälzle (Hrsg. im Auftrag der Klassik Stiftung Weimar): Schillers Schädel. Physiognomie einer fixen Idee. Begleitband zur Ausstellung „Schillers Schädel – Physiognomie einer fixen Idee“, Schiller-Museum, Weimar, 24. September 2009 bis 31. Januar 2010. S. 177–201, bes. S. 197.

Die DNA-Analysen wurden von namhaften Molekularbiologen (Walther Parson, Odile Loreille, Michael Coble) in Europa (Institut für gerichtliche Medizin der Medizinischen Universität Innsbruck) und USA (Armed Forces DNA Identification Laboratory, Rockville/Maryland) ausgeführt und kamen zu dem Ergebnis, dass der „Fürstengruft-Schädel“ nicht der Schädel Schillers sein kann. Die DNA-Analysen der Verwandten, der Schwestern und der Nachkommen Schillers ergaben eindeutig Übereinstimmungen hinsichtlich der mtDNA und den Y-Chromosomen, aber keineswegs mit dem „Fürstengruft-Schädel“. Die Befunde der morphologisch-metrischen Methoden kommen im Gegensatz dazu zu dem Schluss, dass der „Fürstengruft-Schädel“ der echte Schiller-Schädel sei.Walter Hinderer: Schiller und kein Ende. Metamorphosen und kreative Aneignungen. Würzburg 2009, S. 54f.