Die Austral-Inseln, , sind eine Inselgruppe im südlichen Pazifischen Ozean. Sie gehören politisch zu Französisch-Polynesien und damit zu den französischen Überseegebieten (Collectivités d'outre-mer, COM).
Geographie Die Austral-Inseln liegen südlich der Gesellschaftsinseln und bilden den südlichsten Archipel Französisch-Polynesiens. Sie gliedern sich in zwei Gruppen: Die Tubuai-Inseln im Nordwesten und die Bass-Inseln im Südosten. Zur Inselgruppe gehören geografisch von West nach Ost:
Tubuai-Inseln: Ilôts Maria oder auch Hull Rimatara Rurutu Tubuai Raivavae Bass-Inseln: Rapa oder Rapa Iti Marotiri oder auch Bass Rocks
Sowohl aus wirtschaftlicher als auch aus geografischer Sicht ist die Gruppe aus sieben weit auseinanderliegenden Inseln der kleinste der fünf Archipele Französisch-Polynesiens. Die Hauptinsel ist Tubuai.
Geologie Die Austral-Inseln bilden eine Kette von sieben Inseln, die sich von Südost nach Nordwest erstreckt. Sie sind das Produkt eines Hot Spot unter dem immer noch aktiven Macdonald-Seamount, der sich 338 Kilometer ostsüdöstlich der Bass Rocks (Marotori) bis ca. 40 m unter den Meeresspiegel erhebt. Die geologisch ältesten, mehr erodierten und zerklüfteten Inseln liegen im Nordwesten, die jüngeren im Südosten der Kette. Das geologische Alter der basaltischen Gesteine reicht von 28,6 Mio. Jahren auf Rimatara im Nordwesten bis zu 3,3 Mio. Jahren auf Marotiri im Südosten.Valérie Clouard & Alain Bonneville: Ages of seamounts, islands and plateaus on the Pacific plate. In: Foulger, G. R., Natland, J. H., Presnall, D. C., and Anderson, D.L. (eds.): Plates, plumes, and paradigms, Geological Society of America Special Paper No. 388, S. 71–90
Marotiri, die jüngste Insel, ist lediglich eine Gruppe von schroffen, vulkanischen Felsen ohne schützendes Korallenriff. Maria hingegen, die älteste, ist ein Atoll, dessen vulkanische Zentralinsel bereits vor langer Zeit im Meer versank, sodass nur vier Motus übriggeblieben sind. Die übrigen Inseln sind klassische Atolle mit einer Zentralinsel, einem Korallenriff und einem Saum von Koralleninseln in den verschiedenen Stadien der Entwicklung.
Vegetation Die Flora der Austral-Inseln wurde bereits von den polynesischen Ureinwohnern grundlegend verändert. Eine altheimische, weitgehend unzerstörte Vegetation findet man auf dem unbewohnten Atoll Maria. Auch auf Rapa gibt es in unzugänglichen Steillagen noch geringe Reste des ursprünglichen Bergregenwaldes.
Auf den vier größten Inseln (Rapa, Raivavae, Tubuai und Rurutu) wird die Vegetation von Sekundärwuchs dominiert. Die Strandvegetation unterscheidet sich kaum von der anderer pazifischer Inselgruppen, ist jedoch weniger artenreich. In den wenigen, vom Menschen ungestörten Bereichen dominieren Pisonia grandis, Heliotropen der Art Heliotropium arboreum (Synonyme: Argusia argentea, Tournefortia argentea) und Pandanus tectorius mit buschigen und kriechenden Pflanzen als Vor- und Unterwuchs.
In den niederen Lagen, außerhalb der kultivierten Flächen, finden sich Dickichte von Hibiscus tiliaceus. Die wahrscheinlich von den Europäern eingeführte Guave (Psidium guajava) hat sich ebenfalls stark verbreitet und bildet ausgedehnte, verfilzte Bestände bis in die mittleren Lagen. Große Bereiche sind jedoch durch frühere Brandrodungen geschädigt und von Ziegen abgeweidet, und es haben sich offene Graslandschaften mit wenigen, niedrigwachsenden Bäumen gebildet. In engen und feuchten Spalten haben sich dichte Bestände von Farnen angesiedelt. Die höheren Lagen im Windschatten der Berge sind stellenweise arid.Dieter Mueller-Dombois, F. Raymond Fosberg: Vegetation of the Tropical Pacific Islands, Springer-Verlag, New York-Berlin 1998, ISBN 0-387-98313-9, S. 400 ff.
Klima Das Klima ist tropisch bzw. subtropisch-feucht, allerdings im Vergleich zu den weiter nördlich gelegenen polynesischen Inseln relativ kühl, da die Austral-Inseln nördlich und südlich des Wendekreises des Steinbocks und damit im Grenzbereich der tropischen Klimazone liegen. Die Inseln Raivavae, Rapa und Marotiri liegen bereits in den Subtropen.
Die Jahreszeiten sind nicht sehr ausgeprägt. Die Temperaturen schwanken nur in geringem Umfang und die Regenmengen sind über die Monate relativ gleich verteilt. Die Tagestemperaturen sind selbst bei den weiter nördlich gelegenen Inseln selten höher als 30 °C. Bei den weiter südlich gelegenen Inseln des Archipels können die Nachttemperaturen gelegentlich sogar unter 15 °C fallen.
Für die Insel Rapa, die südlichste bewohnte Insel des Archipels, liegen folgende Jahresdurchschnittsdaten vor:http://www.klimadiagramme.de/Australien/rapa.html Temperatur 20,7 °C, Jahresregenmenge 2787 mm
Geschichte Die Vorgeschichte der Austral-Inseln liegt weitgehend im Dunkeln, da bisher nur wenige archäologische Grabungen stattgefunden haben.Patrick Vinton Kirch: On the Road of the Winds – An Archaeological History of the Pacific Islands before European Contact. University of California Press, Berkeley 2000, ISBN 0-520-23461-8 Der Zeitpunkt der Erstbesiedlung ist unklar, denn es liegen kaum Radiokarbondatierungen vor. Wegen der Randlage im Polynesischen Dreieck ist jedoch zu vermuten, dass die Austral-Inseln relativ spät besiedelt wurden, wahrscheinlich von den Gesellschaftsinseln, möglicherweise auch von Mangareva oder den Cookinseln. Verwandtschaftliche Beziehungen der Adelsfamilien der Austral-Inseln mit Clans der Gesellschaftsinseln sind belegt, so rühmte sich Häuptling Tamatoa von Tubuai seiner Abstammung von einem Ariki der Insel Raiatea.Edmundo Edwards: Raivavae. The Easter Island Foundation, Los Osos 2005, ISBN 1-880636-22-0, S. 15 Der amerikanische Archäologe Patrick Vinton Kirch geht sogar so weit, die Austral-Inseln, die südlichen Cook-Inseln und die Gesellschaftsinseln als einen großen Kulturraum anzusehen. Der neuseeländische Archäologe Atholl John Anderson nimmt an, die Insel Rapa sei um 1200 n. Chr. besiedelt worden.Atholl John Anderson et al.: Prehistoric human impacts on Rapa, French Polynesia. In: Antiquity, Vol. 80 vom Juni 2006, S. 340–354
Bei Atiahara an der Nordküste von Tubuai wurde ab 1995 unter der Leitung des amerikanischen Archäologen Mark Eddowes eine strandnahe Siedlung ausgegraben, vermutlich aus einer sehr frühen Siedlungsphase. Die Nahrungsreste aus Abfallgruben legen nahe, dass sich die Bewohner hauptsächlich von Meeresfrüchten (Fischen, Muscheln, Krustentieren) aus der Lagune ernährt haben. Als weitere Nahrungstiere dienten Schweine, Hühner und die Pazifische Ratte. Die Verarbeitung von Muschelschalen, wahrscheinlich auch für den Warenaustausch mit anderen Siedlungen, war integraler Bestandteil der Ökonomie. Die Datierung von Holzkohleresten erbrachte die Jahreszahlen 1453 (±150 Jahre) und 1113 (±50 Jahre).Mark Eddowes: Initial Results from Atiahara and Tetaitapu, Two Coastal Settlement Sites, Upon the Islands of Tubuai and Tahiti. In: Pataricia Vargas Casanova (ed.): Easter Island and Polynesian Prehistory, Instituto de Estudio de Isla de Pasqua, Universidad Santiago de Chile 1999, S. 7–30 Nach derzeitigem Stand der Forschung kann man daher eine Initialbesiedlung der Austral-Inseln im frühen 2. Jahrtausend n. Chr. annehmen.
Nach anfänglicher Besiedlung küstennaher Höhlen und Felsüberhänge entwickelte sich schnell eine stratifizierte Stammesgesellschaft in strandnahen Siedlungen. Die Siedlungsstruktur spiegelte die Gesellschaftsordnung wider. Es gab streng voneinander getrennte, aus vergänglichen Materialien errichtete Wohnhäuser für die Aristokratie, die Priester, den Mittelstand (Handwerker, Künstler), Krieger, adoleszente Jungen und pubertierende Mädchen.Donald Marshall: Raivavae. Doubleday & Co., New York 1961, S. 101 Wegen zunehmender Stammeskriege wurden die Strandsiedlungen aufgegeben, wahrscheinlich im 17. oder 18. Jahrhundert. Die Bewohner zogen sich auf stark befestigte Höhensiedlungen ins Landesinnere zurück, vergleichbar den Pā Neuseelands. Auf der Insel Rapa zum Beispiel sind 15 derartige Hügelfestungen nachgewiesen.Aufstieg und Fall auf Rapa. In: Abenteuer Archäologie, Heft 4, 2006, S. 8 Die Norwegische Archäologische Expedition zur Osterinsel und in den Ostpazifik von 1956 unter der Leitung von Thor Heyerdahl ermittelte für eine befestigte Siedlung auf dem Hügel Morongo Uta auf Rapa ein Alter von 200 bis 300 Jahren und datierte den Hatututi Festungskomplex auf Raivavae auf 1700 n. Chr. (±200 Jahre)Thor Heyerdahl & Edwin N. Ferdon: Reports of the Norwegian Archaeological Expedition to Easter Island and the East Pacific, Band 2, Forum Publishing House, Stockholm 1965, S. 115–116 Die zahlreichen Kriege und wohl auch der Raubbau an den natürlichen Ressourcen dürften die Bevölkerung bereits vor Eintreffen der Europäer drastisch reduziert haben.
Als erste der Austral-Inseln wurde 1769 Rurutu für Europa entdeckt. James Cook erreichte die Insel, er nannte sie Ohetiroa, während seiner ersten Reise in den Pazifik am 14. August 1769. Nachdem die Endeavour die Nacht vor der Insel gankert hatte, ließ Cook am folgenden Tag die Pinasse unter dem Kommando von Leutnant Gore ausbringen. Im Boot befand sich auch der Naturforscher Joseph Banks. Am Ufer lief eine große Zahl von bewaffneten Kriegern umher. Da Cook befohlen hatte, jedes Risiko zu vermeiden, kehrte die Pinasse wieder zum Schiff zurück, ohne eine Landung versucht zu haben.Captain Cook’s Journal during his first voyage round the world made in H.M. Bark “Endeavour” 1768-71. A Literal Transcription of the Original Mss. with Notes and Introduction edited by Captain W.J.L. Wharton, R.N., F.R.S. Hydrographer of the Admiralty. Elliot Stock, London 1893
Der Spanier Tomás de Gayangos erreichte als erster Europäer die Insel Raivavae am 5. Februar 1775 mit den Schiffen Aguila und Jupiter im Zuge einer von Manuel d’Amat i de Junyent initiierten Expedition nach Tahiti.Peter Henry Buck (Te Rangi Hīroa): Explorers of the Pacific. Bernice P. Bishop Museum Special Publication, Honolulu 1999, S. 61 Am Folgetag ließ Gayangos ein Boot mit Leutnant Benarcosi und zwei Übersetzern aus Tahiti ausbringen, sie wurden jedoch von mehreren Kriegskanus an der Landung in der Mahanatoa-Bucht gehindert.Jacques-Antoine Moerenhout: Voyages aux îles du Grand Océan. Bertrand, Paris 1837; englische Übersetzung: Arthur R. Borden: Travels to the Islands of the Pacific Ocean. University Press of America, Lanham (MD) 1993
James Cook entdeckte die Insel Tubuai im März 1777 während seiner dritten Reise, betrat die Insel aber auch dieses Mal nicht. Sein Bericht war Fletcher Christian, dem Anführer der Bounty-Meuterer, bekannt. Nach der Meuterei auf der Bounty am 28. April 1789 vor Tofua steuerte das Schiff zunächst Tubuai an, hielt sich dort aber nur eine Woche auf, um sodann nach Tahiti weiterzusegeln. Mit Vorräten versehen und mit mehreren tahitischen Frauen kehrten die Meuterer nach Tubuai zurück, um sich dort niederzulassen. Interne Streitigkeiten und blutige Auseinandersetzungen mit den Insulanern, bei denen 66 Tubuaianer getötet wurden, führten aber dazu, dass die Bounty schon drei Monate später wieder abfuhr.Caroline Alexander: Die Bounty. Berlin Verlag, Berlin 2003, S. 26–28
Rapa Iti wurde 1791 von George Vancouver, Marotiri 1800 von George Bass, Rimatara 1811 von dem britisch-tahitischen Sandelholzhändler Samuel Pinder Henry und das Atoll Maria 1824 schließlich von dem Walfangkapitän George Washington Gardner aus Nantucket für die westliche Hemisphäre entdeckt.Max Quanchi & John Robson: Historical Dictionary of the Discovery and Exploration of the Pacific Islands. The Scarecrow Press, Lanham (MD) 2005, S. XXJohn Dunmore: Who’s Who in Pacific Navigation. University of Hawaii Press, Honolulu 1991