San Clemente al LateranoDiözese Rom rahmenlos|San Clemente, Fassade vom Atrium aus gesehen Patronat: Hl. Clemens von Rom Weihetag: 384 Rang: Basilica minor Orden: Dominikaner (OP) Kardinalpriester: Arrigo Miglio Pfarrgemeinde: Santa Maria in Domnica Anschrift: Via di San Giovanni in Laterano00184 Roma San Clemente, vollständig Basilica San Clemente al Laterano (lat.: Basilica Sancti Clementis in Laterano), ist eine Kirche in Rom im Rang einer Basilica minor. Sie ist dem Märtyrer Clemens I. geweiht, der in der Zeit von 88 bis 97 Bischof von Rom war. Die Kirche und das angrenzende Kloster gehören seit 1677 irischen Dominikanern.

Lage und Übersicht mini|Aufrisszeichnung der drei Entwicklungsstufen Die Kirche liegt östlich des Kolosseums zwischen der immer noch dem antiken Straßenverlauf entsprechenden Via Labicana und der heutigen Via di San Giovanni in Laterano, also an dem historischen Pilgerweg vom Lateran zum Forum Romanum.

Zu dem Gesamtkomplex gehören auf verschiedenen Ebenen: römische Gebäudereste des 1. bis 3. Jahrhunderts (mit einem Mithräum von ca. 240), möglicherweise eine staatliche Münzprägeanstalt (Moneta) Ausbau der antiken Räume als frühchristliche Basilika mit der Bezeichnung Titulus Clementis um 384 („Unterkirche“) mittelalterliche Basilika San Clemente über dem Niveau der frühchristlichen Kirche ab 1108 („Oberkirche“).

Vorgängerbauten mini|Schematischer Grundriss der antiken Gebäude unter San Clemente Bei dem großen Brand von Rom 64 n. Chr. waren die Gebäude im Umkreis der heutigen Kirche vollständig verwüstet worden. Reste der Fundamente eines zerstörten Gebäudes, die für die nachfolgenden Bauten wiederverwendet wurden, fanden sich bei Ausgrabungen. Auf den Trümmern wurden kurze Zeit nach dem Brand zwei Gebäude errichtet. Das größere (29 × 60 m), östlich gelegene, bestand aus einem großen Hof und zahlreichen, tonnengewölbten Kammern aus Tuffstein, die zum Hof hin geöffnet waren. Bei diesem Gebäude kann es sich um eine Moneta, eine staatliche Münzprägestätte gehandelt haben, die sich Inschriften zufolge in dieser Gegend befunden haben soll.

Westlich, nur durch eine schmale Gasse getrennt, schloss sich ein mehrgeschossiges Gebäude aus Ziegelsteinen an, dessen Räume ebenfalls um einen (allerdings wesentlich kleineren) Hof gruppiert waren.

Für dieses Gebäude gibt es zwei unterschiedliche Theorien:

Die erste Theorie schließt aus der aufwendigen Ausstattung mit Mosaikfußböden und Stuckarbeiten an den gewölbten Decken, dass es sich bei diesem großzügig ausgestatteten Gebäude um das herrschaftliche Wohnhaus des Konsuls Titus Flavius Clemens handelte. Daran knüpft die Legende an, dass der Konsul, ein Mitglied der flavischen Kaiserfamilie, mit seiner Familie zum Christentum übergetreten und später als Märtyrer gestorben sei und dass der spätere Papst Clemens I. ein freigelassener Sklave aus diesem Hause war und wie üblich, als Freigelassener den Namen seines ehemaligen Herrn übernommen hätte. Deshalb sei später der gesamte Komplex nach ihm benannt worden.

Nach der zweiten Deutung soll es wegen der Nähe zum Kolosseum und zu der nur einen Baublock entfernten Gladiatoren-Kaserne Ludus Magnus wahrscheinlicher sein, dass es sich um ein öffentliches Gebäude gehandelt habe, welches möglicherweise zur Moneta gehörte.Hugo Brandenburg: Die frühchristlichen Kirchen in Rom vom 4. bis zum 7. Jahrhundert, Regensburg 2013, S. 151f. Ein Hinweis für die Richtigkeit dieser Theorie kann darin gesehen werden, dass in der Regierungszeit von Kaiser Septimius Severus, um das Jahr 200, der kleine Innenhof eingewölbt und dort ein Mithräum eingebaut wurde, was in der Regel in öffentlichen Gebäuden geschah, wo die dortigen Angestellten für die mystischen, orientalischen Religionen empfänglich waren.Frank Kolb: Rom, die Geschichte der Stadt in der Antike, S. 616.

Die Frage, ob es sich im westlichen Gebäude um ein Privathaus oder eine öffentliche Einrichtung gehandelt hat, ist von Bedeutung für die Ursprünge der späteren Kirche. Bei einem Privathaus wäre es denkbar, dass möglicherweise bereits im 2. Jahrhundert in einem der Räume eine Hauskirche eingerichtet worden ist. Bei einem öffentlichen Gebäude wäre dies aber in der Zeit vor Konstantin unwahrscheinlich.Hugo Brandenburg: Die frühchristlichen Kirchen in Rom vom 4. bis zum 7. Jahrhundert, Regensburg 2013, S. 151ff. Ein Titulus Clementis ist jedenfalls für das 4. Jahrhundert bezeugt. Es gibt in Rom eine Reihe von Beispielen – so Santa Sabina –, dass solche Titelkirchen ursprünglich nicht nach einem Heiligen, sondern nach ihrem Stifter benannt worden sind, und dass erst durch spätere Generationen aus Unwissenheit fromme Legenden um diesen Namen kreiert wurden. Ob es sich bei San Clemente auch um einen solchen Fall handelt oder ob die Kirche von Anfang an dem verehrten Clemens von Rom geweiht war, ist unsicher.

Das Mithräum war in dieser Zeit jedenfalls noch in Benutzung, bis 391 die heidnischen Religionen verboten wurden. Es ist hier somit eindrucksvoll dokumentiert, wie in der römischen Antike verschiedene Religionen auf engstem Raum nebeneinander ausgeübt worden sind.

Geschichte und Baubeschreibung Die mutmaßliche Moneta war gegen 250 n. Chr. aufgegeben worden. Anschließend hat man den Innenhof und die Kammern mit Erde und Schutt der oberen Etagen verfüllt und auf dem so geschaffenen Fundament eine 35 × 29 m große Halle errichtet, deren Funktion bis heute nicht geklärt ist. Um das Jahr 384 wurde diese Halle unter Papst Siricius (384–399) in eine dreischiffige Basilika umgebaut und bereits damals dem als Heiligen verehrten Clemens I. geweiht. Die Räume im ersten Stockwerk der römischen Gebäude wurden zu Seitenschiffen verbunden und der frühere Innenhof als Mittelschiff überdacht. Zwei Reihen von je acht Säulen mit Arkaden trennten die Schiffe voneinander. Die Stirnwand wurde durchbrochen und im ersten Geschoss des westlichen Gebäudes – teilweise über dem Mithräum – eine breite, halbkreisförmige Apsis errichtet. Im Osten entstand ein Narthex mit fünf Arkadenöffnungen hinaus in ein Atrium. Auf der Nordseite der frühchristlichen Kirche wurde im 6. Jahrhundert auch ein Baptisterium eingerichtet.Hans Georg Wehrens: Rom – Die christlichen Sakralbauten vom 4. bis zum 9. Jahrhundert – Ein Vademecum. Freiburg 2016, S. 177f. mit Grundrissentwicklung Abb. 19.1. Besondere Bedeutung erlangte die frühchristliche Kirche durch die dort abgehaltenen Römischen Synoden von 417, 499 und 595. Im Jahr 417 bezeichnete Papst Zosimus die Kirche in seinen Briefen als sancti Clementis basilica.

mini|Marmor-Chorschranken mit dem Monogramm Johannes II. Anfang des 6. Jahrhunderts wurde die Innenausstattung der frühchristlichen Kirche erneuert, insbesondere der Altar mit Ziborium und die Altarschranken für das Presbyterium, alles gestiftet von dem damaligen Presbyter Mercurius, dem späteren Papst Johannes II. (533–535). Teile davon hat man später in der Oberkirche wiederverwendet, darunter die aus prokonnesischem Marmor gearbeiteten Chorschranken der Schola cantorum, einige mit dem Monogramm von Papst Johannes II. Diese Schrankenplatten gehören zu der ältesten in Rom nachgewiesenen Schola cantorum. Wegen der Vergleichbarkeit der Schmuckformen und der Verarbeitung mit entsprechenden Werkstücken in der Hagia Sophia in Konstantinopel wird vermutet, dass diese Chorschranken aus derselben Werkstatt stammen, zumal es zu dieser Zeit in Rom noch keine derart qualitätvollen Arbeiten gegeben hat.Hugo Brandenburg: Die frühchristlichen Kirchen in Rom vom 4. bis zum 7. Jahrhundert, Regensburg 2013, S. 157. Außerdem ist noch ein Teilstück von dem Architrav des Ziboriums erhalten geblieben, heute eingebaut in Bodennähe der linken Umfassungsmauer innen unter den letzten beiden Schrankenplatten; es trägt die Inschrift: ALTARE TIBI D(eus)S SALVO HORMISDA PAPA MERCVRIVS P(res)B(byter) CVM SOCIIS OF(fert) („Den Altar bringt dir, Gott, mit Genehmigung des Papstes Hormisdas der Presbyter Mercurius mit seinen Gefährten dar“.)

Auch die aus Carrara-Marmor gearbeiteten Säulen und Kapitelle des frühchristlichen Ziboriums stammen von Konstantinopeler Künstlern. Davon sind noch zwei Kapitelle erhalten geblieben, und zwar eines mit genetztem Korbgeflecht und ein zweites mit durchbrochenem Akanthusblattwerk. Das Kapitell mit dem Blattwerk trägt auf dem Rand der Deckplatte die Stifterinschrift: + MERCVRIVS P(res)B(yter) SanC(ta)E EC(lesiae Romanae) (servus) D(omin)NI („Mercurius, Presbyter der heiligen römischen Kirche, Diener des Herrn“). Diese beiden außerordentlich kunstvoll gearbeiteten Kapitelle sind in der Oberkirche am Renaissance-Grabmal des Kardinals Antonio Giacomo Venerio (am Ende des linken Seitenschiffs) wiederverwendet worden.Hans Georg Wehrens: Rom – Die christlichen Sakralbauten vom 4. bis zum 9. Jahrhundert – Ein Vademecum, Freiburg 2016, S. 179.

1084 wurde Rom von den Normannen unter Robert Guiscard geplündert und dabei auch San Clemente schwer beschädigt. Zur Stabilisierung vermauerte man die Bögen zwischen den Säulen und füllte die Flächen mit – zum Teil erhaltenen – Fresken aus, in denen die Clemenslegende erzählt wird. Die Stabilisierungsmaßnahmen hatten aber keinen nachhaltigen Erfolg.

mini|Grundriss der Oberkirche (12. Jh.) Unter Papst Paschalis II. (1099–1118), der selbst Kardinalpriester von San Clemente gewesen war, wurde die Ruine der frühchristlichen Kirche bis zur Höhe der Pfeiler verfüllt und als Fundament für die heutige Kirche (Bauzeit 1108–1128) benutzt. Etwa 20 m über dem Niveau der Römerzeit entstand der Neubau einer wiederum dreischiffigen, etwas kleineren Basilika (ca. 40 × 20 m) mit folgenden Besonderheiten: Über dem bisherigen Mittelschiff erstrecken sich jetzt das neue Mittelschiff und zusätzlich das rechte (schmalere) Seitenschiff, während das linke Seitenschiff die bisherigen Ausmaße beibehält; die Hauptapsis wird dem schmaleren Mittelschiff angepasst und ist flankiert von ungleich breiten Nebenapsiden. Beiderseits vier Säulenpaare mit jeweils einem Pfeiler am Anfang, in der Mitte und am Ende des Mittelschiffs (Stützenwechsel) tragen den Obergaden mit ursprünglich großen Rundbogenfenstern, darüber ein offener Dachstuhl. Die Säulen mit ionischen Kapitellen sind aus verschiedenen Steinsorten und haben glatte Schäfte – mit Ausnahme von den zwei Säulen mit Hohlstreifen in Höhe der Schola cantorum, die im Mittelschiff vor der Apsis aus den Schrankenplatten der Unterkirche eingebaut worden war. Als Kosmatenarbeiten des 12. Jahrhunderts kamen hinzu: Altarziborium und Bischofsthron in der Apsis, die beiden Ambonen und der Osterleuchter an der Schola cantorum, der Mosaikfußboden in allen Kirchenschiffen sowie die zwölf roten Porphyrplatten im Mittelgang als Hinweis auf die zwölf Apostel.Hans Georg Wehrens: Rom – Die christlichen Sakralbauten vom 4. bis zum 9. Jahrhundert – Ein Vademecum, Freiburg 2016, S. 178ff. mit Grundriss Abb. 19.2 und Rekonstruktionszeichnung Abb. 19.3. So entstand eine der schönsten mittelalterlichen Ausgestaltungen von Kirchenschiff und Chor in Italien.

Ab 1430 wurde die Cappella di Santa Caterina angebaut. Die Fresken von Masolino da Panicale, die das Martyrium der heiligen Katharina darstellen, gehören zu den ersten Werken der römischen Renaissance.Anton Henze u. a.: Kunstführer Rom, Stuttgart 1994, S. 166.

1645 übertrug Kardinal Camillo Pamphilj Kirche und Kloster dem Orden der Dominikaner, ehe beides 1677 auf die irischen Dominikaner überging, die während des Englischen Bürgerkriegs aus Irland hatten fliehen müssen.

Von 1715 bis 1719 hat Carlo Stefano Fontana, Neffe von Domenico Fontana, die Kirche im barocken Stil umgestaltet u. a. mit Stuckierung und Bemalung der Hochschiffwände und Einbau einer Kassettendecke.

1857 begann Pater Joseph Mullooly mit den Ausgrabungen, bei denen bis heute große Teile der Vorgängerbauten von San Clemente wiederentdeckt wurden.

Rundgang Außen mini|Äußeres von Südosten mini|Außenwand von Norden