mini|Diefflen Die Geschichte Diefflens ist seit seiner Gründung im Hochmittelalter historisch mit den Nalbacher Talgemeinden verbunden. Diefflen (hochdeutsche Aussprache: Dieflen; im örtlichen, moselfränkischen Dialekt Dejfeln) ist eine Ortschaft und ein Stadtteil von Dillingen/Saar im Landkreis Saarlouis (Saarland) und zählt etwa 4700 Einwohner.dillingen-saar.de Es liegt an der unteren Prims, einem Nebenfluss der Saar.
Der Ort gehörte als Teil des Hochgerichtes Nalbacher Tal zu den Nicht eingekreisten zum Heiligen Römischen Reich zugehörigen Territorien und Ständen. Aus dem bisherigen kommunalen Verband schied Diefflen durch die Angliederung an die Stadt Dillingen/Saar im Jahr 1969 aus. Das Primstal in der Umgebung der Ortslage ist seit der Altsteinzeit von Menschen besiedelt. Der örtliche Dialekt ist Teil der Moselfränkischen Dialekte und gehört damit zum westmitteldeutschen Dialektverband. Die traditionelle Hausform Diefflens ist das Südwestdeutsche Quereinhaus.
Geschichte Vor- und Frühgeschichte mini|Franz Xaver Leidinger: Pastor Philipp Schmitt (3. v. l.) während einer Konferenz mit seinen Amtskollegen der Nachbarpfarreien (2. v. l.: Johann Matthias Deutsch) 1843, 84 cm × 63 cm, Pfarrhaus Beckingen
Steinzeit Wie zahlreiche archäologische Funde belegen, war das Saar- und das Primstal bereits von der Altsteinzeit an durchgehend bis heute von Menschen besiedelt. Die Altsteinzeit ist u. a. durch einen Faustkeil aus Hüttersdorf vertreten. Das älteste Zeugnis für die Anwesenheit des vorgeschichtlichen Menschen in der Gegend stellt der „Ludweiler Faustkeil“, ein etwa 200.000 bis 300.000 Jahre altes Steinwerkzeug, dar.Aloys Lehnert: Geschichte der Stadt Dillingen/Saar. Druckerei Krüger, Dillingen 1968, S. 27. Die ältesten Siedlungsspuren in der Umgebung des heutigen Diefflen gehen auf die Jungsteinzeit zurück. Die Nied-Talweite war zu Beginn der Jungsteinzeit bewohnt (um 5000 v. Chr.). Keramikscherben und Steingeräte kennzeichnen den Siedlungsplatz dieser ältesten Bauern und Viehzüchter.
Zahlreiche Steinbeile, auch „Donnerkeile“ genannt, wurden aus dieser Zeit auf den Dillinger und Pachtener Gemarkungen und am Litermont gefunden.Hermann Maisant: Der Kreis Saarlouis in vor- und frühgeschichtlicher Zeit. Saarlouis 1971, S. 189. Im Jahr 1927 fand der Dieffler Landwirt Johann Nalbach im Areal „Grundbirngarten“ (Flur 3, Gemarkung Nalbach) zwei Steinbeile aus dem Neolithikum.Georg Colesie: Geschichte des Nalbacher Tales, Eine saarländische Heimatgeschichte. 2. Auflage. Nalbach 1990, S. 14. Steinbeile waren Holzbearbeitungsgeräte, sicherlich auch Waffen und Prestigeobjekte. Besonders die jung- und endneolithischen Beile (Hammer- und Streitäxte) werden meist als Waffen gedeutet.
Auf dem Gebiet der Dokumentation dieser Steinbeile haben im 19. Jahrhundert der Dillinger Pfarrer Philipp Schmitt und der mit ihm befreundete Saarlouiser Justizrat und Notar Nicolas Bernard Motte Beachtliches geleistet.Philipp Schmitt: Der Kreis Saarlouis und seine Umgebung unter den Römern und Celten. Trier 1850.Nicolas Bernard Motte: Manuscrit tiré des archives mêmes de Sarrelouis et de ses environs par Nicolas Bernard Motte Seigneur d’Altvillers (1777–1860), Handschrift in der Stadtbibliothek Saarlouis.
Bronzezeit Der mittleren Bronzezeit gehört ein Grabhügel mit einem Skelettgrab bei Saarwellingen an. Im Jahr 1953 wurde in einer Kiesgrube an der Prims bei Bilsdorf eine bronzene Lanzenspitze (Länge: 15,4 cm, Museum Saarlouis) gefunden. Ab der späten Bronzezeit (13.–9. Jahrhundert v. Chr.) werden Funde und Befunde zahlreicher. Spätbronzezeitliche Brandgräber sind aus Grabhügeln bei Niedaltdorf bekannt. Die für diese Epoche typischen Flachgräberfelder mit Brandbestattungen sind bisher in der Umgebung noch nicht gefunden worden. Aber aus der Zeit bald nach 1000 v. Chr. liegen mehrere Hortfunde aus dem Raum um den Wallerfanger Limberg vor, die zahlreiche Metallobjekte umfassen.
Im Jahr 1850 wurden bei Wallerfangen in den Gemarkungen „Eichenborn“ und „Lehmkaul“ reiche Bronzedepots der späten Urnenfelderzeit (9. Jahrhundert v. Chr.) gefundenen.Walter Zimmermann: Die Kunstdenkmäler der Kreise Ottweiler und Saarlouis. Düsseldorf 1934, S. 34.Johann Baptist Keune: Zur Urgeschichte der Kreise Ottweiler und Saarlouis. In: Walter Zimmermann: Die Kunstdenkmäler der Kreise Ottweiler und Saarlouis. Düsseldorf 1934, S. 301–338.
Eisenzeit Pfarrer Philipp Schmitt entdeckte im Grenzgebiet des Dieffler und Düppenweiler Gemeindewaldes am Verbindungsweg zwischen beiden Orten zwei Grabhügel.Philipp Schmitt: Der Kreis Saarlouis und seine Umgebung unter den Römern und Celten, Trier 1850, S. 14.Georg Baltzer: Historische Notizen über die Stadt Saarlouis und deren unmittelbare Umgebung, Erster Teil: Historische Notizen über die Stadt Saarlouis, Zweiter Teil: Historische Notizen über die unmittelbare Umgebung von Saarlouis, Nachdruck der Ausgabe von 1865, Dillingen/Saar 1979, Band II, S. 9.Saarforschungsgemeinschaft (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler der Kreise Ottweiler und Saarlouis, bearbeitet von Walter Zimmermann. 2., unveränderte Auflage von 1934, Saarbrücken 1976, S. 323. Fünf weitere Grabhügel fand Schmitt im Gebiet der heutigen Nalbacher Bruchstraße zwischen Prims und Bahnhof Nalbach.Philipp Schmitt: Der Kreis Saarlouis und seine Umgebung unter den Römern und Celten, Trier 1850, S. 28–29.Friedrich Schröter: Die römischen Niederlassungen und die Römerstraßen in den Saargegenden. In: Mitteilungen des Historischen Vereins Saar, I-IV, Saarbrücken 1846–1867, IV, S. 79, Nr. 13. Beim Bau des neuen Schulhauses in Nalbach (seit 2013 das Gemeinderathaus von Nalbach) entdeckte man bei den Ausschachtungsarbeiten eine römische Münze aus dem 4. Jahrhundert.Saarforschungsgemeinschaft (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler der Kreise Ottweiler und Saarlouis, bearbeitet von Walter Zimmermann, 2., unveränderte Auflage von 1934, Saarbrücken 1976, S. 328. Im Jahr 1931 fand Konservator Klein im Grenzgebiet zwischen Nalbach und Saarwellingen (Flur 5, Gemarkung Saarwellingen) eine Grabhügelgruppe mit Schwertern, Messern, Gefäßen und Knochenasche.
Auf dem Limberg fand man eine mehrfach gestaffelte Abschnittsbefestigung der Hallstattzeit (8.–6. Jahrhundert v. Chr.) und am Fuße des Berges ein Gräberfeld mit einem durch goldene Hals- und Armringe ausgezeichneten „Fürstinnengrab“ der Späthallstattzeit (um 500 v. Chr.). Weitere wichtige Nekropolen der Epoche liegen in Saarlouis-Fraulautern, Elm-Sprengen und Gerlfangen. Dies spricht für eine gewisse Zentrumsfunktion des Raumes in vor- und frühgeschichtlicher Zeit. Eine kleine Gräbergruppe der Frühlatènezeit (480–250 v. Chr.) konnte in Saarwellingen untersucht werden. In keltischer Zeit befand sich das heutige Dieffler Ortsgebiet im Einflussbereich der Stämme der Treverer und Mediomatriker.
Antike Im heutigen Dillinger Stadtgebiet befand sich die gallo-römische Siedlung Contiomagus. Sie entstand während der Besiedlungsphase nach der Eroberung Galliens durch Gaius Iulius Caesar von 58 bis 51 v. Chr. Contiomagus lag an der Kreuzung der Fernstraßen Metz-Mainz und Trier-Straßburg, im heutigen Stadtteil Pachten. 275/276 wurde Contiomagus im Zuge der Völkerwanderung zerstört und wieder aufgebaut.
Im Jahr 1824 entdeckte Nicolas Bernard Motte bei Bettstadt (Flur 7, Römerweg, Gemarkung Piesbach) Reste römischer Bauwerke. Es handelt sich dabei vermutlich um eine Villa rustica, die sich nach und nach zu einem Vicus erweiterte. Spuren von Brandschutt lassen eine gewaltsame Zerstörung vermuten. Die Siedlung lag an einer Römerstraße, die das antike Pachten über die Höhen hinter Diefflen und Nalbach mit einer römischen Siedlung bei Lebach verband.
Die jüngsten Funde der Epoche wurden im Jahr 1976 in Bilsdorf (Flur 5, Gemarkung Bilsdorf) beim Ausbaggern eines Weihers in einer Tiefe von 2,50 m gemacht. Es handelt sich dabei um römische Postamentsteine, die das Fundament eines römischen Fachwerkgebäudes bildeten. Darüber hinaus wurde im gleichen Fundgebiet ein römischer Kultstein (Höhe: 90, Schaft: 35 × 35 cm, Fuß und Oberteil: 50 × 50 cm) gefunden.Georg Colesie: Geschichte des Nalbacher Tales, Eine saarländische Heimatgeschichte. 2. Auflage. Nalbach 1990, S. 15–20.
Als gesichert gilt eine römische Militärstation auf dem Litermont.Friedrich Schröter: Die römischen Niederlassungen und die Römerstraßen in den Saargegenden. In: Mitteilungen des Historischen Vereins Saar, I-IV, Saarbrücken 1846–1867, II, S. 27, III, S. 20. Der heutige Name der Prims (Primantia/Bhrimantia) stammt noch aus der gallo-römischen Epoche. Ebenso geht der Name des Kondelerbaches im Norden der Dieffler Gemarkung vermutlich auf keltische Namensgebung zurück.Bernhard Kirsch: Warum heißt die Saar „Saar“ oder wer war vor den Kelten da? In: Unsere Heimat, Mitteilungsblatt des Landkreises Saarlouis für Kultur und Landschaft, 41. Jahrgang, Heft Nr. 2, 2016, S. 45–56, hier S. 48.
Mittelalter mini|Lage des Altortes Nalbach (Nagalbach) im Herzogtum Lothringen um das Jahr 1000
Diefflen (erste Nennung als Dieffendael; heutige Schreibweise durch königlich-preußischen Erlass vom 16. Januar 1858 festgelegt)Alois Scherer: Dieffler Geschichten – Diefflen, wie es einmal war in Dokumenten, Berichten, Erzählungen, Bildern. Dillingen/Saar 2009, S. 188. bedeutet „Siedlung im tiefen Tal“. Der Ortsname ist eine Lagebezeichnung, die die im Bezug auf die Prims am tiefsten gelegene Ortschaft im Nalbacher Tal bezeichnet. Analog dazu ist der im Bezug auf die Prims am höchsten gelegene Ort des Nalbacher Tales – Kirchberg – ebenfalls eine Lagebezeichnung, heute Körprich. Der Ort Diefflen wurde als Vorort von Nalbach primsabwärts vermutlich im Gebiet des heutigen Dieffler Dorfplatzes und am Petersberg angelegt.Alois Scherer: Dieffler Geschichten – Diefflen, wie es einmal war in Dokumenten, Berichten, Erzählungen, Bildern. Dillingen/Saar 2009, S. 20.
Der Altort Nalbach (mundartlich: Nôlbach) wurde um das Jahr 950 unter dem Namen „Nagelbach“ in der Mettlacher Wallfahrerurkunde des Erzbischofs Ruotbert von Trier erstmals urkundlich erwähnt.LHA Koblenz, Abt. 215, Nr. 3928, Blatt 4 verso. Der Ortsname1036: Nagalbac; 1048: Nagelbach; 1154: Nalbach; ca. 1195: Nagilbach; 1229: Nallenbach; 1280 Nalbach; 1287: Nailbach und Nalbach; 1324: Naelbach; 1527: Nolbach; 1631 Nahlbach; dann bis heute Nalbach dürfte in vorkarolingischer Zeit entstanden sein. Der Name könnte allerdings auch schon aus der Zeit vor der Fränkischen Landnahme, die in einem Zeitraum vom 5. bis zum 8. Jahrhundert erfolgte, stammen.Kurt Hoppstädter, Hans-Walter Herrmann (Hrsg.): Geschichtliche Landeskunde des Saarlandes, hrsg. vom Historischen Verein für die Saargegend, Band 1: Vom Faustkeil zum Förderturm, Saarbrücken 1960, S. 62–63. Der namensgebende Nalbach ist einer von drei Bächen (Nalbach, Fußbach, Etzelbach), die den Ort früher, vom Litermont herkommend, durchflossen. Heute sind alle diese Bäche verrohrt und münden in die Prims.Georg Colesie: Geschichte des Nalbacher Tales, Eine saarländische Heimatgeschichte. 2. Auflage. Nalbach 1990, S. 22.