Die Parkeisenbahn Wuhlheide (auch Berliner Parkeisenbahn, BPE und offiziell BPE Berliner Parkeisenbahn Wuhlheide gGmbH) ist eine vorwiegend von Kindern und Jugendlichen betriebene Schmalspurbahn in der Wuhlheide in Berlin-Oberschöneweide.

Betrieb Wie bei anderen ehemaligen Pioniereisenbahnen übernehmen Kinder und Jugendliche einen Großteil des Betriebs. Sie sind für fast alle Dienstposten selbst verantwortlich, wie Schaffner (ab neun Jahren), Schrankenwärter (ab zehn), örtliche Aufsichten, Zugführer (ab zwölf) sowie Fahrdienstleiter (ab 15). Dagegen müssen Lokführer und Rangierleiter erwachsen (ab 18) sein.

In einem Kurssystem erlernen die Kinder mit fortschreitendem Alter weitere Qualifikationen und können sich so zum Wagenmeister, Lokführer oder Fernmeldetechniker ausbilden lassen. Über 170 Parkeisenbahner kümmern sich um den Betrieb. Die Berliner Parkeisenbahn ist steuerrechtlich als gemeinnützig und in der Jugendarbeit als „Träger der freien Jugendhilfe“ anerkannt.

Die Kinder- und Jugendarbeit liegt weitgehend in den Händen ehrenamtlicher Mitarbeiter. Bahnaufsichtsbehörde ist die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. Rechtsgrundlage ist seit 1980 die Bau- und Betriebsordnung für Pioniereisenbahnen.

Durchschnittlich fahren jedes Jahr etwa 60.000 Gäste mit der Bahn.

Geschichte Entstehung mini|Der Bahnhof Eichgestell (2002) mini|hochkant|Gleis im Park (2006)

Bereits 1951 wurde im Pionierpark „Ernst Thälmann“ (damals noch Berliner Pionierrepublik genannt) eine Arbeitsgemeinschaft „Junge Eisenbahner“ gegründet, die auf dem Ostberliner Weihnachtsmarkt vor dem Berliner Dom mit Unterstützung und Fahrzeugen der Dresdner Pioniereisenbahn eine Liliputbahn betrieb.40 Jahre. S. 2. Weitere Erfahrung konnten die Pioniereisenbahner in den Sommermonaten auf einer Schmalspurbahn im Zittauer Gebirge sammeln.

1954 wurde dann die Trasse im Wuhlheider Park vermessen, der Bau aber erst 1956 angegangen: Am 3. Januar 1956, dem 80. Geburtstag des Präsidenten der DDR, Wilhelm Pieck, verkündeten Verkehrsminister Erwin Kramer und die Führung der Deutschen Reichsbahn (DR), im Pionierpark „Ernst Thälmann“ eine Pioniereisenbahn (PE) nach dem Vorbild anderer Pioniereisenbahnen in der DDR und der Sowjetunion zu bauen.40 Jahre. S. 3.

Die Eisenbahn wurde in nur sechs Monaten Bauzeit durch die ehrenamtliche Arbeit von rund tausend Eisenbahnern und vielen Freiwilligen aus der Berliner Bevölkerung fertiggestellt.

Pioniereisenbahn Am 10. Juni 1956, dem Tag des Eisenbahners, wurde sie von Verkehrsminister Kramer eröffnet und dem Magistrat von Ostberlin als Rechtsträger übergeben. Sie hatte damals als Fahrzeugbestand zwei Diesellokomotiven und acht halboffene Personenwagen.40 Jahre. S. 4. Sie war die sechste Pioniereisenbahn in der DDR. Die Streckenlänge betrug 6,9 km. Die Pioniereisenbahn diente auch in erheblichem Maß der Nachwuchsförderung für die Deutsche Reichsbahn.40 Jahre. S. 4, 7.

1963 erhielten die jugendlichen Eisenbahner Uniformen von der DR, die denjenigen der DR weitgehend entsprachen. Für die jüngeren Mitarbeiter gab es allerdings auch kurze Hosen.40 Jahre. S. 6.

1973 wurden in Vorbereitung auf die X. Weltfestspiele der Jugend und Studenten sämtliche Betriebsanlagen generalüberholt. Dabei wurden auch die Fahrzeuge modernisiert. 1978 übernahm die DR die Betriebsführung der Bahn als einzige der Pioniereisenbahnen in der DDR. Alle anderen blieben kommunale Einrichtungen.40 Jahre. S. 7. Die DR sah in der Bahn in erster Linie eine Ausbildungseinrichtung. Das Publikumsinteresse an der Bahn trat dadurch in den Hintergrund, auf hohe Fahrgastzahlen wurde kein Wert gelegt. So stand im Vordergrund, eine „moderne“ Bahn zu haben. Dies führte auch dazu, dass historisches Wagenmaterial nicht erhalten wurde.40 Jahre. S. 8.

Mit dem Bau des Pionierpalastes 1979 musste die südlich des Badesees gelegene Strecke auf dessen Nordseite verlegt und der damalige Bahnhof Badesee aufgegeben werden. Der Bahnhof Pionierpalast (heute Eichgestell) entstand neu. Die Streckenlänge betrug nun 7,2 km.40 Jahre. S. 10.

1982 wurde als Betriebsreserve eine weitere Diesellokomotive beschafft, Ns 4. In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre kam es zu einem Umdenken hinsichtlich des historischen Wertes der Bahn. 1987 erhielt die PE deshalb mit einer restaurierten Lokomotive der Berliner Trümmerbahn von LOWA ihre erste Dampflokomotive.

Nach der Wende mini|Bahnhof Wuhlheide-Parkeisenbahn (2010)

1990 wurde die Pioniereisenbahn Berlin in Berliner Parkeisenbahn umbenannt, die Betriebsführung blieb aber zunächst in den Händen der DR, wo sie als Abteilung des Instandhaltungswerks für Signal- und Telekommunikationstechnik geführt wurde. Einerseits ergab sich durch die wirtschaftlichen Folgen der Wiedervereinigung Deutschlands eine Bedrohung für den Weiterbestand der BPE, andererseits entstanden unterstützende Vereine, die Schmalspurbahn-Freunde Berlin e. V. und der Förderverein der Berliner Parkeisenbahn e. V.

Spätestens seit 1992 drängte die Deutsche Reichsbahn darauf, aus der Verantwortung für die BPE entlassen zu werden. In dieser schwierigen Zeit wurde auch das Projekt eines Anschlusses der Berliner Parkeisenbahn an den Bahnhof Berlin Wuhlheide der S-Bahn Berlin angegangen: Zur Saisoneröffnung am 28. März 1992 schlug der damalige Senator für Jugend und Familie, Thomas Krüger, früher selbst einmal Pionier-Eisenbahner, symbolisch den ersten Schwellennagel für das Projekt ein.40 Jahre. S. 11. Der tatsächliche Baubeginn erfolgte aber erst am 15. August 1993.40 Jahre. S. 14.

1992 fand in der Wuhlheide das II. Internationale Feldbahntreffen statt, bei dem zahlreiche Gastfahrzeuge auf den Gleisen der Parkeisenbahn zu besichtigen waren. Es wurde zu einem glänzenden Werbeerfolg der Berliner Parkeisenbahn und gab den Schwung, die Bahn in die Trägerschaft einer GmbH zu überführen.

Im gleichen Jahr konnten zwei weitere Dampflokomotiven als Leihgaben in Betrieb gehen: Die Merapi und die Bielefeld. So konnte kurz vor Weihnachten 1992 erstmals Betrieb mit drei Dampflokomotiven gleichzeitig geboten werden. Eine vierte Dampflokomotive, Luise Las, folgte – ebenfalls als Leihgabe – 1994.40 Jahre. S. 16.

Zum 1. April 1993 ging der Betrieb auf die „BPE Berliner Parkeisenbahn gemeinnützige Gesellschaft mbH“ (BPE) über, deren Gesellschafter heute die Vereine Parkeisenbahn Wuhlheide e.V. und Dampf-Kleinbahn Mühlenstroth sind. Der Verein Parkeisenbahn Wuhlheide e.V. entstand aus der Fusion der Schmalspurbahn-Freunde Berlin e.V. (SBF) und „Freunde der Parkeisenbahn Wuhlheide e.V.“ (FPW) im März 2024.

Am 15. Oktober 1993 wurde die neue, 0,6 km lange Strecke vom Bahnhof Badesee zum S-Bahnhof Wuhlheide eröffnet – wieder durch den Senator für Jugend und Familie, Thomas Krüger. Die Planung hatte noch die DR durchgeführt, finanziert wurde der Bau durch den Senat von Berlin. 1995 wurde, nachdem der Fuhrpark immer weiter gewachsen war, die Betriebswerkstatt um eine neue Werkstatthalle ergänzt. Am 3. Oktober 1995 besuchte der Regierende Bürgermeister, Eberhard Diepgen, die Berliner Parkeisenbahn.

Seit 1997 im Stellwerk Badesee ein sogenannter Selbststellbetrieb eingerichtet wurde, kann der Betrieb auf dieser Strecke bei unbesetztem Stellwerk automatisiert durchgeführt werden.

2006 bis 2010 mini|Jugendarbeit bei der BPE: AG Fernmeldetechnik

2006 wurde die BPE in „Parkeisenbahn Wuhlheide“ umbenannt, während die Betreibergesellschaft weiter unter der Bezeichnung „BPE Berliner Parkeisenbahn gemeinnützige Gesellschaft mbH“ firmiert.

Im Frühjahr 2007 wurden durch Brandstiftung im Bahnbetriebswerk der BPE zahlreiche Fahrzeuge zerstört oder beschädigt. Ein Großteil der Schäden konnte bis Ende 2007 behoben werden.

Am 27. März 2010 konnte der neue Bahnhof Haus Natur und Umwelt, der sich an der Strecke Badesee–Freilichtbühne befindet, in Betrieb genommen werden.Der Preß’-Kurier, Heft 2/2010, S. 37. Der Bahnhof wurde 2020 in Parkbühne umbenannt.

Missbrauchsaffäre (2011) Im Oktober 2011 wurde bekannt, dass es in den vorangegangenen Jahren zum sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch bei der Parkeisenbahn tätige Erwachsene gekommen war. Die Täter wurden strafrechtlich verfolgt.Uta Eisenhardt: Vor Gericht – Missbrauch im Freizeitpark. Die tageszeitung vom 13. März 2012. Einige der Beschuldigten waren auch bei anderen Eisenbahnvereinen tätig.Andreas Kopietz: Kinderschänder: Pädophile entdecken Schmalspurbahnen für sich. Berliner Zeitung vom 7. November 2011. Zur Aufarbeitung des Geschehens und zur Neuausrichtung der Parkeisenbahn wurde bei der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft ein runder Tisch eingerichtet. Zum Beauftragten für den Aufarbeitungs- und Weiterentwicklungsprozess bei der Einrichtung wurde der frühere Bürgermeister von Treptow-Köpenick Klaus Ulbricht berufen.

Die Betreibergesellschaft reagierte, nachdem ihr die Vorfälle bekannt geworden waren, durch sofortige Entlassung der Beschuldigten und informierte die Eltern aller Parkeisenbahner sowie die Behörden.Pressemitteilung der Berliner Parkeisenbahn vom 26. Oktober 2011.

Es wurden Seminare zur Missbrauchsprävention durchgeführt, von allen Beschäftigten und ehrenamtlichen Mitarbeitern polizeiliche Führungszeugnisse eingefordert und ein neues pädagogisches Konzept erarbeitet.Thomas Loy: Nach Missbrauchsfällen – Parkeisenbahn: Neues Konzept vorgelegt. Der Tagesspiegel vom 15. November 2011. Außerdem wurden eine Kinderschutzbeauftragte engagiert, verstärkte Mitspracherechte der betreuten Kinder und Jugendlichen eingeführt und durch bauliche Maßnahmen Transparenz geschaffen. Seit den Missbrauchsfällen gibt es Kinder- und Jugendvertreter.Mehr Transparenz und Mitbestimmung bei der Parkeisenbahn. Berliner Morgenpost vom 15. März 2012.

2013 bis 2018 2013 konnte die erste von zwei durch den Senat finanzierten Stellen für Pädagogen besetzt werden.

Seit Jahresmitte 2014 unterstützen zwei Pädagogen des Kooperationspartners „tjfbg“ (Technische Jugendfreizeit- und Bildungsgesellschaft gGmbH). 2014 richtete die Parkeisenbahn als Großereignis das Mitarbeiterfest zum 90-jährigen Jubiläum der S-Bahn Berlin aus.

2015 wurde durch Beginn der Zusammenarbeit mit der Berliner Sparkasse begonnen, den abgestellten Salonwagen umzubauen und ihn wieder betriebsfähig zu machen.

Zur Saisoneröffnung 2016 wurde der umgebaute Salonwagen jetzt KNAX-Wagen, dem Publikum vorgestellt und ist seitdem im Fahrbetrieb im Einsatz, er kann z. B. für Kindergeburtstage gebucht werden. Am 18./19. Juni 2016 feierte die Parkeisenbahn ihren 60. Geburtstag, es gab eine Fahrzeugparade, ein buntes Programm und es sind Dampf- und Dieselzüge auf allen befahrbaren Strecken unterwegs gewesen.

2017 wurde zwischen der Parkeisenbahn und Theo e. V. eine enge Zusammenarbeit beschlossen. Um dies auch der Öffentlichkeit zu zeigen, wurde der Personenwagen 6201 nach erfolgreicher Revision als Theo-Wagen mit Figuren aus den Theo Geschichten wieder in Betrieb genommen. 2017 wurde der Bahnhof Freilichtbühne in Bahnhof Stadion umbenannt und der Bahnsteig am Bahnhof Hauptbahnhof wurde die gesamte Fläche wieder nutzbar gemacht, dazu wurden Blumenbeete entfernt. Im Rahmen dieser Umgestaltung wurden für die Kinder- und Jugendarbeit an der Ostseite des Bahnhofes eine Aufenthalts- und Veranstaltungsfläche geschaffen.

Das Instandhaltungsprogramm der Wagen wurde 2018 weitergeführt, die Havelländische Eisenbahngesellschaft (HVLE) unterstützte die Parkeisenbahn beim Wagen 6202, dieser wurde in Farben der HVLE gestaltet. Als Besonderheit wurde der Wagen mit einem Dienstraum ausgestattet, der als Steuerwagen umgebaut werden kann; das ist einmalig bei einer Parkeisenbahn. 2018 konnte auch durch die Finanzierung einer Privatperson der offene Sommerwagen 6311 aufgearbeitet und in Betrieb genommen werden; dieser hat ein rollstuhlgerechtes Abteil und eine hohe Sitzplatzkapazität.

2019 bis 2024