mini|Tino Sehgal (2023) Tino Sehgal (* 1976 in London) ist ein deutsch-britischer Künstler. Er nennt seine Werke „konstruierte Situationen“. Diese werden von instruierten Personen „interpretiert“ und existieren nur im Moment, da sie weder dokumentiert noch medial reproduziert werden dürfen.

Leben Tino Sehgal wurde als Sohn eines in Deutschland lebenden Inders und einer Deutschen in London geboren. Seine Schulzeit verbrachte er in Böblingen bzw. Sindelfingen. Er studierte Volkswirtschaftslehre an der Humboldt-Universität zu Berlin und Tanz an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Er lebt in Berlin.

Zusammen mit Thomas Scheibitz gestaltete er den deutschen Pavillon bei der 51. Biennale in Venedig vom 12. Juni bis 6. November 2005. Dafür hatte er 30 Laiendarsteller für zwei Situationen ausgewählt. Zum einen This is so contemporary, was als Reflexion über die Position der Kunst in der heutigen Welt gedacht war. Im zweiten Werk, This is exchange, verwickelten die Akteure die Besucher in Diskussionen über das Thema Marktwirtschaft.

Sehgal wurde für den Preis der Nationalgalerie für junge Kunst 2007 nominiert.

Auf der dOCUMENTA (13), die 2012 in Kassel stattfand, bespielte Sehgal den lichtlosen Bode-Saal des Hugenottenhauses Kassel. Die eintretenden Besucher wurden von 12 Akteuren, einzeln oder in kleinen Gruppen, umgeben, die sie hör- und fühlbar singend, summend, kriechend, schnalzend in einem choreografisch festgelegten Grundrhythmus umtanzten und dabei versuchten, die Eingetretenen in das Geschehen einzubeziehen.Karlheinz Schmid: Seitenwechsel - Tino Sehgals dunkles Geheimnis. In. Kunstzeitung, Ausgabe August 2012, S. 7.

Sehgal ist mit der Kunsthistorikerin Dorothea von Hantelmann verheiratet. Das Paar hat zwei Kinder und lebt in Berlin.

Werk Die Kunst von Tino Sehgal nimmt allein in dem Moment Gestalt an, in dem der Zuschauer ihr begegnet. Für seine Arbeiten benutzt er Interpreten, die mit den Besuchern der jeweiligen Ausstellung in Form von Bewegungen, gesprochenen Worten oder Gesang in Kontakt treten. So lässt er zum Beispiel in einer Ausstellung als Museumswärterinnen verkleidete Interpretinnen einen Satz singen wie This is propaganda, you know, you know. Seine Arbeiten, die nur in Museen oder Kunstausstellungen realisiert werden, sind käuflich und können über Monate hinweg während der ganzen Öffnungszeit aufgeführt werden. Von sämtlichen seiner Arbeiten darf es auf ausdrücklichen Wunsch des Künstlers keine filmischen, fotografischen oder sonstige Dokumentationen geben. Auch werden keine Einladungen zu Ausstellungen gedruckt oder Katalogtexte veröffentlicht. Die An- oder Verkäufe der Werke finden ausschließlich durch mündliche Verhandlungen mit dem Künstler statt und bleiben daher nur in der Erinnerung aller Beteiligten bestehen.

In seiner Wahlheimat Berlin bekam er, ermöglicht durch den Hauptstadtkulturfonds,Berliner Festspiele / Martin-Gropius-Bau zeigen Tino Sehgal 2015 eine Werkschau im Martin-Gropius-Bau und ein weiteres Werk wurde im Haus der Berliner Festspiele aufgeführt.Tino Sehgal im Berliner Gropius-Bau - Kunst, die nicht von Dauer sein will, Rezension im Deutschlandradio Kultur vom 25. Juni 2015, abgerufen am 26. Juni 2015.

Auszeichnungen Baloise Kunst-Preis, 2004 Goldener Löwe der Kunstbiennale Venedig, 2013Tino Sehgal gewinnt den Goldenen Löwen der 55. Biennale von Venedig Berliner Bär (B.Z.-Kulturpreis), 2013 Globart Award, 2015 Hans-Molfenter-Preis, 2016

Ausstellungen Die Werke von Tino Sehgal sind seit 2001 bei verschiedenen Ausstellungen zu erleben. Die wichtigsten davon sind: 2002: I promise it’s political, Museum Ludwig, Köln 2003: Le Plein, Galerie Jan Mot, Berlin This is right, Wrong Gallery, London; Utopia Station, 50. Internationale Kunstausstellung der Biennale in Venedig 2004: Van Abbemuseum, Eindhoven This objective of that object, Galerie Johnen & Schöttle, Köln 2005: ICA, London Museu Serralves, Porto 2007: Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main This is so contemporary; This situation 2008: Magasin III, Stockholm 2010: Solomon R. Guggenheim Museum, New York City 2012: Tate Gallery of Modern Art, London These Associations; documenta (13), Kassel 2015: Werkschau im Martin-Gropius-Bau A year at the Stedelijk: Tino Sehgal, Stedelijk Museum, Amsterdam 2016: Albertinum in Dresden These Associations (abgerufen am 25. Juli 2016) (abgerufen am 25. Juli 2016). Carte Blanche to Tino Sehgal, Palais de Tokyo, Paris 2017: Fondation Beyeler, Basel 2019: Accelerator, Stockholm 2024: This joy, Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG), Neue Kammern im Potsdamer Park Sanssoucihttps://www.spsg.de/aktuelles/ausstellung/tino-sehgal-this-joy

Literatur Angeli Janhsen: Tino Sehgal, in: Neue Kunst als Katalysator, Reimer Verlag, Berlin 2012, S. 71–78, ISBN 978-3-496-01459-1 Hermann Pfütze: Tino Sehgal. Situationen zwischen Kunst und Alltag. In: Sinn und Form 1/2016, S. 88–96.

Weblinks Sebastian Frenzel: Dies ist keine Leere. Porträt in der taz, 6. Juni 2005

Einzelnachweise

Kategorie:Aktionskünstler (Deutschland) Kategorie:Künstler (documenta) Kategorie:Teilnehmer einer Biennale di Venezia Kategorie:Bildender Künstler (Berlin) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1976 Kategorie:Mann