mini|Alfa Romeo 8C 2300 Monza mini|Das Nachfolgemodell mit dem 2600-cm³-Motor auf der Retro Classics 2020

Die Bezeichnung Alfa Romeo 8C war der Oberbegriff für eine Automobilserie des italienischen Herstellers Alfa Romeo, die von 1931 bis 1939 hergestellt wurde. Sie war aus der gleichzeitig weitergebauten Serie 6C weiterentwickelt worden. Die Bezeichnung 8C steht für Achtzylinder, Der Hubraum betrug zunächst 2336 cm³. Entsprechend hießen diese Fahrzeuge „8C 2300“. Neben zahlreichen, von verschiedenen Firmen wie Zagato, Touring, Castagna, Pininfarina, Figoni, Vanden Plas und anderen karossierten Straßenmodellen gab es auch Versionen für den Rennsport.

Alfa Romeo produzierte sie in drei Formen. Das waren der Le Mans, die längere Fahrgestellversion mit dem obligatorischen Rücksitz, der dieses berühmte Rennen von 1931 bis 1934 viermal in Folge gewann, das kurze Chassis Mille Miglia Spider, wiederholter Straßenrennen-Champion bei Wettbewerben in ganz Europa, und der Grand Prix Monza, dominant in der ersten Hälfte der 1930er Jahre im sogenannten „Open-Wheel-Rennsport“. Außerdem wurden zwei Siege bei den 24 Stunden von Spa erzielt.Alfa Romeo 8C (englisch) Tazio Nuvolari, Rudolf Caracciola, René Dreyfus und andere begründeten und bestätigten den damaligen Weltruhm der Marke Alfa Romeo auf den 8C-Monza-Modellen.

Hintergrund Der Ingenieur Vittorio Jano wurde 1923 nach Mailand geholt, um einen Rennwagen für Alfa Romeo zu entwerfen. Er wurde aber bald mit der Entwicklung von Straßen-Serienfahrzeugen beauftragt, nachdem sich das Unternehmen nach zwei sportlich sehr erfolgreichen, aber finanziell unrentablen Saisons vom Rennsport zurückgezogen hatte.

Janos erste Arbeit für Alfa Romeo war der 6C 1500, der Anfang 1927 auf den Markt kam. Dieser Wagen mit Sechszylindermotor war eigentlich speziell für den Straßeneinsatz entwickelt worden, aber die leistungsgesteigerten Versionen für die Rennstrecke erwiesen sich als sehr wettbewerbsfähig. Tatsächlich gewann der 6C drei Jahre nacheinander die Mille Miglia. Vom Erfolg des 6C ermutigt, brachte Alfa Romeo 1930 Janos P2-Grand-Prix-Auto heraus und beauftragte ihn, für 1931 einen neuen Sportwagen und ein Grand-Prix-Auto zu entwerfen. Der neue Wagen, der Alfa Romeo Tipo A war eine äußerst vielschichtige zweimotorige Maschine, die kaum wettbewerbsfähig war. Der neue Sportrennwagen 8C 2300 hingegen ist als einer der besten und erfolgreichsten Rennwagen, die jemals gebaut wurden, in die Geschichte eingegangen.

Technik mini|Alfa Romeo 8C 2,3 Liter, Kompressor

Janos oberste Priorität lag in der Entwicklung eines neuen und vor allem größeren und stärkeren Motors, um sich der ständig wachsenden Konkurrenz zu stellen. Wie beim P2 von 1924 entschied er sich für einen längs eingebauten Achtzylinder-Reihenmotor, den er von Grund auf neu konzipierte. Der Motor wurde mit zwei Zylinderblöcken zu je vier Zylindern aufgebaut. Der Zahnradantrieb der obenliegenden Nockenwellen und des Aufladegebläses lag zwischen den Zylinderblöcken. Dadurch wurden die Torsionsschwingungen der Kurbelwelle und der Nockenwellen verringert. Die beiden Blöcke waren zunächst aus Grauguss, der bald durch eine leichtere Aluminiumlegierung ersetzt wurde. Der Hubraum konnte durch einen außergewöhnlich langen Hub von 88 mm und eine Bohrung von 65 mm auf etwas mehr als 2,3 Liter angehoben werden. Der Motor wurde mit einem Roots-Kompressor zusätzlich leistungsgesteigert. In der Serienversion leistete der Motor zwischen 155 und 165 PS. Die Wettbewerbsmotoren kamen auf rund 180 PS. Die Leistung wurde über ein Vierganggetriebe auf die Hinterachse übertragen.

Zum Erfolg des 6C so trug das leichte Chassis bei: Ein Leiterrahmen aus Stahlblech wurde in zwei Versionen mit langem (3100 mm) und kurzem (2750 mm) Radstand angeboten. Für die Grand-Prix-Version „Monza“ wurde der Radstand auf (2650 mm) gekürzt. Ein fahrbereites („Rolling“) Chassis mit kurzem Radstand wog 1000 kg. Beide Achsen waren starr und an halbelliptischen Blattfedern mit Reibungsdämpfern aufgehängt. Der Wagen hatte mit Seilzug mechanisch betätigte Trommelbremsen.

Rennhistorie Straßenrennen mini|Der 8C 2300 von Baconin Borzacchini und Amedeo Bignami bei der Mille Miglia 1932 am Passo della Raticosa

Die ersten 8C 2300 debütierten 1931 bei der Mille Miglia. Von Tazio Nuvolari und Luigi Arcangeli wurden zwei Autos mit Zagato-Karosserie eingesetzt. Die beiden neuen 8C waren sehr schnell, hatten aber während des gesamten Rennens Reifenprobleme. Deshalb und wegen eines Unfalls von Nuvolari ging der Sieg an Rudolf Caracciola im 7,1-Liter-Mercedes-Benz SSK. Einige Wochen später gewann Nuvolari im Regen die Targa Florio. Das war der Beginn einer Serie, in der der 8C 2300 jeden dieser beiden „Klassiker“ dreimal hintereinander gewann.

Grand Prix mini|Tazio Nuvolari im 8C 2300 Monza beim Monaco Grand Prix 1932

Die beiden bei der Targa Florio eingesetzten Autos hatten einen nochmals verkürzten Radstand von 2650 mm. Sie waren als Zwischenlösung für den Grand-Prix-Einsatz gebaut worden, bis der zweimotorige Tipo A fertig war. Beide Typen wurden beim Großen Preis von Italien am 25. Mai 1931 in Monza nebeneinander eingesetzt. Das Debüt des Tipo A war überschattet vom tödlichen Trainingsunfall von Arcangeli. Während des Rennens wechselte Nuvolari nach zwei Stunden von seinem Tipo A in einen 8C 2300 und gewann zusammen mit Giuseppe Campari das Rennen.

Die später gebauten Grand Prix 8 2300 erhielten nach diesem Sieg den Namen „Monza“. Interessanterweise wurde die geschlitzte Kühlerabdeckung, die das typischste Merkmal des „Monza“ wurde, bei den 1931er Modellen nicht gefunden. Der 8C 2300 war in mehreren Grand-Prix-Rennen erfolgreich, bis er 1932 durch den Tipo-B-Monoposto ersetzt wurde.

Le Mans mini|Der Alfa Romeo 8C 2300LM von Raymond Sommer und Luigi Chinetti, Sieger der „24 heures du Mans“ im Jahr 1932

Nach dem Großen Preis von Italien trat Alfa Romeo mit dem 8C 2300 beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans an. Für diesen Einsatz wurde eine weitere, deutlich veränderte Version des 8C 2300 vorbereitet. Es erhielt ein langes Chassis mit einem Radstand von 3100 mm, weil zusätzlicher Platz für die vorgeschriebene Viersitzer-Karosserie benötigt wurde, die Zagato aus Aluminium baute. Drei Fahrzeuge wurden vorbereitet, aber nur zwei im Rennen eingesetzt, nachdem der Motor des dritten Wagens im Training irreparabel zerstört worden war. Die stärkste Konkurrenz bildeten erneut die Mercedes SSK, denen die Streckencharakteristik mit ihren langen Geraden entgegenkam.

Die vom Alfa-Romeo-Werksteam eingesetzten 8C 2300 fielen nach 99 Runden aus. Aber ein von den Briten Earl Howe und Tim Birkin privat gemeldeter 8C war noch im Rennen und erzielte den Gesamtsieg mit einem Vorsprung von über 100 km auf den schnellsten Mercedes. Der 8C dominierte das Rennen auch in den folgenden drei Auflagen und erzielte 1933 sogar einen Dreifachsieg. 1935 erreichten die 8C 2300 zum fünften Mal in Folge eine Podestplatzierung durch einen zweiten Platz mit Pierre Louis-Dreyfus und Henri Stoffel.

Verbleib Während von der Straßenversion des Alfa Romeo 8C 2300 etwa 188 Einheiten gebaut wurden, ist die exakte Anzahl der Rennmodelle nicht belegt, wohl auch wegen modellüberschreitender Umbauten.