mini|Basis der Rothaar sind Asten (rechts) und Langewiese (von dort bis zur Bildmitte). Auf dem Bild im Hintergrund zu erkennen sind alle wichtigen Gipfel der Kühhuder Rothaar sowie die Hohe Hessel in der Rüsper Rothaar.

Die Rothaar, Namensgeberin des Rothaargebirges, ist ein Gebirgskamm desselben zwischen dem Wittgensteiner Land im Südosten und dem Sauerland im Nordwesten in den Kreisen Siegen-Wittgenstein, Hochsauerlandkreis und Kreis Olpe, Nordrhein-Westfalen. Er gliedert sich in die bis 771,2 m hohe Kühhuder Rothaar im Nordosten und die bis 756,0 m hohe Rüsper Rothaar im Südwesten, wobei von der Kuhhüder Rothaar die knapp unter 700 m bleibende Schmallenberger Höhe abzweigt und mit dem Hauptkamm zusammen die Latropschlucht an der Latrop um das gleichnamige Kleindorf Latrop einfasst.

Lage Die Rothaar wird nach Nordosten, westlich des Höhenweilers Hoheleye, durch die B 236 und die B 480 zwischen Bad Berleburg und Schmallenberg begrenzt. Nach Südwesten endet sie, in knapp 27 km (Luftlinie) Entfernung, an der B 62 zwischen Hilchenbach und Erndtebrück in Lützel. Im Kammbereich liegen nur die Weiler Schanze, Kühhude und Jagdhaus, in der Latropschlucht liegt das Kleindorf Latrop. Davon abgesehen ist die Rothaar unbewohnt und komplett bewaldet.

Nach Südosten geht der Kamm einigermaßen fließend in das Auer Ederbergland über; in Kammnähe liegen hier (von Nordost nach Südwest) Girkhausen, Schüllar, Wingeshausen sowie der inselartig im Wald gelegene Weiler Rüspe und das ähnlich inselartige Kleindorf Zinse. Etwas vom Kamm entfernt liegen insbesondere die Hauptgemeinden Bad Berleburg und Erndtebrück, wobei ein nicht kleiner Kammabschnitt auf Berleburger Gemarkung liegt.

Nördlich um die Schmallenberger Höhe gruppieren sich im angrenzenden Offenland Oberkirchen, Grafschaft, Schmallenberg und Fleckenberg; weiter südwestlich grenzt die Rothaar an weitere bewaldete Höhenzüge und die Nachbarorte Milchenbach, Selbecke, Schwartmecke (ebenfalls Gemarkung Selbecke), Oberhundem, Rinsecke, Marmecke (letztere zwei ebenfalls Oberhundemer Gemarkung), Albaum (Gemarkung Würdinghausen) und Heinsberg liegen in Rodungsinseln, die sich im Falle von Milchenbach und Heinsberg auf einen einzigen Ort beschränken, während die Dörfer dazwischen durch Rodungsbrücken miteinander verbunden sind. Erst in Hilchenbach liegt wieder eine Stadt und überdies ein größeres zusammenhängendes Siedlungsgebiet (Kernsiegerland) in Rothaarnähe. Die Stadtteile Oberndorf, Helberhausen, Vormwald und Grund liegen unmittelbar an das Waldgebiet angrenzend, wobei nur Grund heute noch ein frei stehendes Dorf ist; auf ihren Gemarkungen liegen auch einige Gipfel des Rothaarkamms.

Einzige größere Straße über die Rothaar ist die Landesstraße 553, die Rüspe mit Oberhundem verbindet. An ihr liegen der Rhein-Weser-Turm und der Panorama-Park Sauerland Wildpark. Ebenfalls über den Kamm verläuft die als Weidiger Weg in Wingeshausen startende Kreisstraße 42 (SI) nach Jagdhaus und als Jagdhäuser Straße weiter nach Fleckenberg. Demgegenüber endet der in Bad Berleburg startende Homrighäuser Weg (K 39) an der Kreisgrenze bei Kühhude und auf HSK-Seite die Straße Am Stünzel aus Grafschaft in Schanze bereits vor Erreichen des Kamms.

Naturräumliche Zuordnung und Gliederung Die Rothaar ist naturräumlich wie folgt zugeordnet und gegliedert: (zu 33 Süderbergland) (zu 333 Rothaargebirge) (zu 333.5 Winterberger Hochland) 333.52(0) Kühhuder Rothaar 333.521 Latropschlucht 333.522 Schmallenberger Höhe (zu 333.4 Westrothaarhöhen) 333.41 Rüsper Rothaar

Die Kühhuder Rothaar im Nordosten unterscheidet sich von der Rüsper im Südwesten insbesondere darin, dass sie nur zwei nennenswerte Scharten hat, in denen der Kamm immer noch auf um 700 m Höhe bleibt, und sehr allmählich nach Südwesten abflacht. Die Rüsper Rothaar ist demgegenüber in ihrer Richtung schwankend und weist diverse tiefere Scharten auf, die Teilkämme abtrennen.

Die vom Nordosten der Kuhhüder Rothaar nach Westen abzweigende Schmallenberger Höhe sowie die von ebender und dem Hauptkamm der Rothaar eingerahmte Latropschlucht waren auf Blatt Arolsen aus dem Jahr 1963 noch nicht als Unter-Naturräume eingezeichnet gewesen. Man muss sich die Grenzen von Blatt Arnsberg aus 1969 desselben Autors gewissermaßen nach Osten verlängert denken.

Zuordnung und Nachbar-Naturräume Die Zuordnung der Kühhuder Rothaar zum Winterberger Hochland, dem Gebirgsrumpf des Rothaargebirges, ist zunächst einmal schlüssig. Sie setzt den in der Langewiese bei Neuastenberg und Langewiese etwas abgeflachten Kamm des Astenbergs um den 841,9 m hohen Kahlen Asten mit der bis 818,5 m hohen Hunau als Nordwest- und der bis 816,1 m hohen Ziegenhelle als Südostflügel nach Südwesten fort.

Etwas unglücklicher ist die Zusammenfassung der Rüsper Rothaar mit dem Auer Ederbergland (333.42) und den Brachthäuser Hohen Waldbergen (333.40) zu den sogenannten Westrothaarhöhen. Prinzipiell ist der Übergang zum Ederbergland links der Eder in der Tat fließend – was übrigens die Kuhhüder Rothaar nicht minder betrifft.

Allerdings sind die Brachthäuser Hohen Waldberge ein deutlich abgegrenzter und geomorphologisch gänzlich andersartiger Landschaftsteil des Rothaargebirges, der sich vor allem aus wuchtigen Solitärbergen zusammensetzt. Die Waldberge haben praktisch keinen Kammcharakter und Hoher Wald und Kindelsberg weisen Schartenhöhen auf, die im Kamm- und Hochflächenbereich des Rothaargebirges praktisch nicht vorkommen. Selbst das Wolfshorn als unmittelbarer Nachbar des Hohen Waldes kommt noch auf eine Schartenhöhe von um 120 m – was in der Rüsper Rothaar nur der Hauptberg Härdler schafft (während innerhalb der Kühhuder Rothaar überhaupt keine tiefere Scharte liegt).

Alles in allem bilden die beiden Rothaarabschnitte eine Einheit, die sich einerseits deutlich von den westlich an die Rüsper Rothaar angrenzenden Waldbergen unterscheidet und andererseits nicht minder deutlich von der an der Kammlinie im Südosten nach der kurzen Übergangslandschaft Lützeler Pass (333.13) angrenzenden Hochfläche des Ederkopf-Lahnkopf-Rückens (333.01). Das nach Südosten sich anschließende, tief zertalte Ederbergland überragen sie deutlich, umso deutlicher den Schmallenberger Grund (335.10) um Schmallenberg, der sich nördlich an die Schmallenberger Höhe anschließt, und den Hundemgrund bei Oberhundem westlich der Rüsper Rothaar.

Die Höhenlagen des Oberlenneberglandes (33652), an die die Rothaar nach Nordwesten grenzt, sind geomorphologisch zwar ähnlich, doch fallen die Gipfelhöhen zum sogenannten Milchenbacher Rücken um etwa 100 m. In der Karte von 1954 des Handbuchs der naturräumlichen Gliederung Deutschlands war das Oberlennebergland inklusive Saalhäuser Bergen noch komplett dem Rothaargebirge zugeordnet worden, bis 1960 kam es allerdings zur neuen Haupteinheit Südsauerländer Bergland (3362) und in der Feingliederung im Jahr 1969 zu den Südsauerländer Rothaarvorhöhen (3362), die ziemlich genau die zwischen 1954 und 1960 aus dem Rothaargebirge ausgegliederten Landschaften enthält. Beim Rothaargebirge bzw. bei der Rothaar verblieben nur die über 700 m erreichenden Rücken von Riesenberg (727,7 m) und Kahleberg (711,4 m) als Nordöstbegrenzung des Hundemgrundes, deren Scharten (Riesenberg zum Hauptkamm und Kahleberg zu Riesenberg) jeweils auf gut 645 m liegen, während die Scharte vom Kahleberg zum „eigentlichen“ Milchenbacher Hauptrücken bereits auf nur noch 588,1 m liegt.

Grenzziehung Die Außengrenze der Rothaar erhält man frappierend genau, wenn man von seiner Nordostgrenze zur Langewiese, der südwestlichen Taleinfassung der Untersten Hesselbach (zur Odeborn), nach Nordwesten verlängert bis zum Bundesstraßendreieck der B 480 mit der B 236 westlich von Hoheleye, nach Südwesten alle Höhenzüge einschließt, die innerhalb der 600-m-Höhenlinie liegen (und in den Tälern, je nach Kriterien, etwas tiefer geht). Am Kamm endet die Rothaar exakt an der ersten Scharte unter 600 m, die auf 581,2 m den Pfaffenhain (658,5 m) als westliche Verriegelung des Lützeler Passes abtrennt. Ähnliches gilt für die Trennlinien zum Oberlennebergland (s. o., jedoch auch an fast allen anderen Übergängen) und zu den Brachthäuser Hohen Waldbergen (Scharte auf 591,9 m).

Minimal von den 600 m abweichen wird man beim Kippesberg (651,9 m) südöstlich Milchenbachs, im Nordwestrücken des über 100 m höheren Härdler (756,0 m), dessen Scharte auf 606,3 m liegt. Überdies zählt Martin Bürgener den bis 661,1 m hohen rücken des Burgkopfes trotz Scharte auf 607,0 m bereits zum Auer Ederbergland. Allerdings ist diese Scharte bemerkenswert schmal und die Bacharme vom Westerbach, eines der beiden Hauptarme im System der Kappel, und der Dengessiepen aus dem System der Röspe berühren sich fast; die 600-m-Höhenlinien haben hier einen Abstand von nur etwa 180 horizontalen Metern.

Umgekehrt zählte Bürgener den Hermeskopf (611,7 m, Scharte auf 594,1 m) südwestlich von Röspe noch randlich zur Rothaar, ebenso den Homberg (630,7 m, Scharte auf 586,5 m) im Norden von Wingeshausen sowie den gipfelfreien Riedel Ewigeberg östlich davon, dessen Steilabfall zum Auer Kessel erst bei einer etwas geringeren Höhe einsetzt. Auch der Kamm der eigentlichen Schmallenberger Höhe endet nach Westen erst etwas westlich einer Scharte auf 595,6 m, wo er erst jenseits eines letzten Randgipfels auf 603,6 m steil abfällt.

Am nördlichen Steilhang der Schmallenberger Höhe zum Schmallenberger Grund sowie am nordwestlichen Übergang der Rüsper Rothaar zum Hundemgrund ist die Naturraumgrenze jeweils auf um 500 m herabgesetzt, wodurch am Hundemgrund auch noch ein paar isolierte Randkuppen zur Rothaar gerechnet werden. Diese Hänge bilden gewissermaßen eigene Unternaturräume, die indes nicht so abgeschlossen in sich sind wie die überall unter 600 m gelegene Latropschlucht. Letztere wird übrigens nicht nur von der Schmallenberger Höhe und der eigentlichen Kühhuder Rothaar eingefasst, sondern auch, nach Südwesten, vom östlichsten Abschnitt der Rüsper Rothaar – was ein weiteres Argument dafür wäre, die Rothaar insgesamt als Einheit zu sehen und nicht auf verschiedene Über-Naturräume zu verteilen.

Kühhuder Rothaar mini|hochkant=2.5|Detailkarte der Kühhuder Rothaar mit Schmallenberg im Nordwesten und Bad Berleburg im Südosten

Die Kühhuder Rothaar bildet den Nordostteil der Rothaar. Ihre Scharte im Nordosten () liegt auf 726,8 m ü. NHN in unmittelbarer Nähe zum Abzweig der B 480 von der B 236, welche hier, etwa 1 km westlich Hoheleyes, den Kammbereich der vom Astenberg mit dem Kahlen Asten her kommenden Langewiese bei Langewiese und Neuastenberg verlässt, um sich, über den östlichen Talrand der Waldsiepen, dem Tal der Lenne bei Oberkirchen durch dieses flussabwärts nach Schmallenberg zu wenden. Die B 480 wiederum folgt dem Tal der Odeborn weiter nach Girkhausen, Schüllar und Bad Berleburg, bis diese in Raumland in die Eder mündet.

Die Rhein-Weser-Wasserscheide ist hier gleichzeitig die historische Grenze vom Fredeburger Land zur Grafschaft Wittgenstein, heute Kreisgrenze zwischen Hochsauerlandkreis und Kreis Siegen-Wittgenstein. Auf der Wittgensteiner Seite liegt das Naturschutzgebiet Rothaarkamm am Grenzweg, auf der hochsauerländischen Seite das NSG Waldreservat Schanze.

Albrechtsberg Knapp die Nordosthälfte (Luftlinie sind es 3,8 km) des Hauptkamms nimmt der Albrechtsberg (; ) ein, der nach Südwesten nur allmählich abflacht; 850 m westsüdwestlich seines Gipfels steht auf 752,0 m ein Heidenstock. Nach Nordwesten fließen die erwähnte Waldsiepen, ihr Nebenbach Große Bellmecke sowie die Hartmecke zur Lenne. Am Philippskopf (756,3 m), etwa in der Mitte dieses Abschnitts, zweigt ein Rücken nach Nordwesten mit dem Weiler Schanze (zu Schmallenberg) ab, der die Basis für die Schmallenberger Höhe bildet. In Schanze wurde früher eine Straßenverbindung von Berleburg nach Schmallenberg durch eine Wegesperre abgeriegelt.