mini|Porträt des Fridericus Richardus Mockelius als Straßburger Student, unbekannter Künstler, Öl auf Holz, 1613
Friedrich Richard Mockhel oder Mockel (; * 19. Oktober 1594 in Tübingen; † in Benfeld)Henning Witte: Diarium biographicum, In quo scriptores seculi post natum Christum XVII. praecipui … Juxta annum diemque cujusvis emortualem … descripti. Martin Hallervorden, David-Friderich Rhetius, Danzig und Königsberg 1688, S. 179.Arthur Bechtold: Beiträge zu einer Biographie Moscheroschs. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 32 (1917), S. 562–572, bes. S. 566. war ein Jurist und Diplomat, der als Kanzleidirektor der Grafschaft Hohenlohe-Waldenburg-Pfedelbach und als schwedischer Resident im Elsass amtierte.
Leben Kindheit in der Gastwirtschaft „Zum Goldenen Schaf“ zu Tübingen mini|hochkant|Restaurierte Fassade der ehemaligen Gastwirtschaft Am Markt 7 in Tübingen
Friedrich Richard Mockhel war eines von drei Kindern des Tübinger Ratsverwandten Johannes Mockel (1567–1631) aus Kirchheim unter Teck.Sohn des Pfarrers Sebastian Mockel (1537–1606) aus Beilngries und (⚭ 1566 in Tübingen) der Christina Wurzelmann. „Joannes Mugelius Kirchensis“ hatte sich 1582 in Tübingen immatrikuliert, erwarb 1588 als „Mockelius“ das Baccalaureat und wurde 1591 als „Meckel“ Stipendiat von Kloster Bebenhausen. Nach seiner Heirat 1593 mit der Tübinger „Schafwirtin“ des Gasthauses „Zum Goldenen Schaf“Später „Zum goldenen Lamm“ (Am Markt 7), nach Brand mit restaurierter Fassade wiedererrichtet, heute Evangelisches Gemeindehaus Lamm. Margaretha geborener Motzer (1561–1627), Witwe (⚭ 1582) des Gastwirts Johannes Lustnauer († 1592), wurde er 1593 von der Universität „dimittiert“.Friedrich Seck, Monika Balzert: Johannes Kepler - Sämtliche Gedichte. Olms, Hildesheim 2018, S. 333–337 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau). Er blieb dem akademischen Leben verbunden und stand in engem Kontakt u. a. mit Martin Crusius. Johann Mockel starb während einer Reutlinger Messe.
Studium Ersten Unterricht erhielten Friedrich Richard und seine Brüder von ihrem Vater Johannes Mockel, der im April 1601 die Domus Collegii (Gebäude der Philosophischen Fakultät) von Martin Crusius anmietete, um dort seine eigenen und fremde Kinder zu beschulen.Reinhold Stahlecker, Eugen Staiger (Hrsg.): Diarium Martini Crusii, Bd. III. H. Laupp, Tübingen 1958, S. 257. „Friedricus Richardus Mokhel“ aus Tübingen immatrikulierte sich am 7. Juli 1607 zusammen mit seinem Halbbruder Joseph Lustnawer (* 1592; † nach 1631)1631 Hofapotheker in Bamberg. und zum zweiten Mal am 20. Dezember 1614 in Tübingen. Zwischen 1612 und 1620 verteidigte er einige Disputationsthesen unter dem Vorsitz von Christoph Besold. Besold stellte 1616 sechs von ihm betreute Thesenreihen über Buch I, Titulus 1–6 der Pandekten, die von den Studenten Friedrich Richard Mockhel, Johann Joachim Kegel (1587–1635), Martin Neuffer, Georg Christoph von Schallenberg und Biberstein, Johann Leonhard Breitschwert (1595–1635) und Burkhard Ehinger (* um 1589; † 1633) in Disputationen verteidigt worden waren, zu einem Gesetzeskommentar zusammen.Christoph Besold: Ad tit. I. III. IV. V. et VI. lib. I. Pandectarum commentarii succincti. Johann Alexander Cellius, Tübingen 1616.S. 181 führt die Namen der sechs Respondenten auf.
Als Student ließ Mockhel 1613 ein Porträt in Öl von sich anfertigen.Porträt „Fridericvs Richardvs Mockelius Tvbingensis Anno Ætatis svæ XIX: Christi vero M.D.CXIII (= im 19. Jahr seines Alters, Christi aber 1613.)“, Öl auf Holz, 33 × 25 cm, Unbekannter Künstler des 17. Jahrhunderts, 1613; Auktionskatalog 2020 von Artnet Worldwide Corporation. 1617 war er Präzeptor des Grafen Georg Friedrich von Tübingen-Lichteneck (1601–1622).Alfred A. Strnad: Auf der Suche nach dem verschollenen „Codex Brisacensis“. In: Paul-Joachim Heinig (Hrsg.): Kaiser Friedrich III. (1440-1493) in seiner Zeit. Böhlau, Köln / Wien 1993, S. 467–516, bes. S. 488. Friedrich Richard Mockhel erwarb den akademischen Grad eines Lizenziaten der Rechte. Seine letzte Tübinger Disputation De praemiis dissertatio widmete Mockhel seinem neuen Dienstherren Graf Ludwig Eberhard von Hohenlohe-Waldenburg-Pfedelbach (1590–1650).
Kanzleidirektor der Grafen von Hohenlohe-Waldenburg-Pfedelbach mini|Hohenloher Amtssitz Schloss Pfedelbach, Renaiccance-Bau des 16. Jahrhunderts mit Umbauten der Barockzeit|300px
1620Bestallung des Friedrich Reichardt Mockhel zum Rat, Kanzleiverwalter und Sekretär mit Instruktion, 1620; Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein (Wa 50 Regierung Pfedelbach, Bü 38). bis 1631/32 war Friedrich Richard Mockhel Rat, Sekretär und ab etwa 1628 KanzleidirektorMockel, Friedrich Reinhard, Kanzleidirektor zu Pfedelbach, Urkunde vom 16. Juni 1628; Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein (Ba 5 Urkunden 1. Haus und Herrschaft Hohenlohe, U 78). von Graf Ludwig Eberhard von Hohenlohe-Waldenburg-Pfedelbach (1590–1650). Am nahm Mockhel als gräflich hohenlohescher Gesandter in Nürnberg an einem von Kaiser Ferdinand II. einberufenen Tag des Fränkischen Reichskreises teil, bei dem dieser die Erhebung von Kontributionen erreichen wollte.Franz Ludwig von Soden: Kriegs-und Sittengeschichte der Reichsstadt Nürnberg, Bd. II. Theodor Bläsing, Erlangen 1861, S. 254 (Google-Books). Als sich das kurbayerischen Regiment Schönberg zu PferdBenannt nach Otto Friedrich Freiherr von Schönberg (1589–1631) auf Wesel. von 1627 an in Franken und Schwaben aufhielt, waren Truppenteile für längere Zeit in den hohenlohischen Ämtern Hollenbach und Weikersheim einquartiert.Harald Drös: DI 73, Hohenlohekreis, Nr. 806 (online bei Deutsche Inschriften Online). Um die Lasten der Einquartierungen zu verringern oder vorzeitig zu beenden, wurden die hohenlohischen Räte Ludwig LurzingSohn von Ludwig Lurzing aus Rothenburg ob der Tauber, Gräflicher Kanzleirat und Amtmann zu Öhringen. und Lic. Friedrich Richard Mockel an den kurfürstlichen Hof zu Herzog Maximilian I. von Bayern nach München abgeordnet.Bericht der deswegen an den kurfürstlichen Hof in München abgeordneten hohenlohischen Räte Ludwig Lurtzing und Lic. Friedrich Richard Mackel (oder Mockel), 1627–1628 (1629); Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein (We 50 Schlossarchiv Weikersheim 6. Militaria, Bü 2044).
Im Streit der sechs Hohenloher Grafen mit dem Hochstift Würzburg um Chorherrenstift und Spital in Öhringen und das Kloster Schäftersheim verfasste „Reinhard Möckel“ in Pfedelbach zusammen mit anderen hohenloheschen Räten – Jakob Ludwig in Öhringen, Wolfgang Textor (1588–1650)Ururgroßvater von Johann Wolfgang von Goethe. in Neuenstein, Nikolaus von Helffant († um 1637)Sohn des Prokurators Valentin von Helffant aus Durlach. und Basilius Schmierer d. J. († 1631/35) in Waldenburg sowie Johann Christoph Assum (1581–1651) in Langenburg – ein Gutachten über die hohenloheschen Rechte an den Gütern.Bericht, o. J. (um 1628/30); Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein (GA 10 Gemeinschaftliches Hausarchiv, Abteilung III: Kirchliche und geistliche Stiftungen in der Grafschaft Hohenlohe, Schubl. 17 Nr. 3/9 u. a.).
Auf dem Kollegialtag der fränkischen Grafen zu Künzelsau wurden die beiden Hohenloher Räte Lic. Mockel und Lic. Georg MüllerAus Neuenstein, Rat in Schillingsfürst. am als Gesandte zum Regensburger Kurfürstentag abgeordnet, der von Juli bis November 1630 stattfand.Schreiben an Ein Hochpreißliches Corpus Evangelicorum von Sr. Fürstlichen Gnaden zu Hohenlohe Ingelfingen … die der Reichsgräflich-Fränkischen Evangelischen Deputations-Stimme halber entstandene Irrung betreffend. Heinrich Georg Neubauer, Regensburg 1775, Beylage N°. 1, S. 14 (Google-Books). Als Gesandter der fränkischen Grafen nahm „Lizentiat Mockhel, Kanzleidirektor in Pfedelbach“, an dem von Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen initiierten Leipziger Konvent (26. Februar bis 4. April 1631) der protestantischen Reichsstände teilJohann Philipp Abelin: Theatrum Europaeum, Bd. II. Matthias Merian Erben, Frankfurt am Main 1679, S. 293 (Google-Books). und unterschrieb am im Namen der Grafen und Herren des Fränkischen Kreises eine Eingabe des Konventes an Kaiser Ferdinand II.Copia Deß Schreibens, so an die Römische Keys. May. die zu Leipzig anwesende Chur-Fürsten, Graffen, Herren vnd Stätte, vnd dero Räht vnd Abgesandte den 18. Martii, Anno 1631. durch eygenen Curier ablauffen lassen. o. O. 1631, S. 30 (Google-Books).Burkhard Gotthelf Struve: Ausführliche Historie der Religions-Beschwerden zwischen denen Römisch-Catholischen und Evangelischen im Teutschen Reich, Bd. I. Jakob Schuster, Leipzig 1722, S. 716f (Google-Books). Mockel fertigte einen Bericht über das Treffen anBericht des Gesandten der fränkischen Grafen, Lizentiat Mockhel, Kanzleidirektor in Pfedelbach, vom Treffen der protestantischen Union in Leipzig (Leipziger Union), 1631; Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein (Oe 1 Partikulararchiv Öhringen, Bü 14291). und beriet sich mit dem Nürnberger Rat Johann Christoph Herpfer (1583–1654).Franz Ludwig von Soden: Kriegs- und Sittengeschichte der Reichsstadt Nürnberg, Bd. III. Theodor Bläsing, Erlangen 1862, S. 231 und 233 (Google-Books) Anschließend reiste er zu einer Konferenz zur Umsetzung der Beschlüsse des Konvents, die am begann, nach Nürnberg. Am 7. Mai 1631 wurde „Direktor Liz. Mockhell“ auf einem Konvent in Weikersheim zum Syndikus des fränkischen Grafenkollegiums bestellt.Anton Faber: Neue Europäische Staatscanzley, Bd. XLV. August Lebrecht Stettin, Ulm, Frankfurt am Main und Leipzig 1778, S. 416 (Google-Books). Am 1. Dezember 1631 hielt Friedrich Richard Mockel eine Rede (einen Panegyrikus) zu Ehren von König Gustav II. Adolf von Schweden,Nach Simone Giese: Studenten aus Mitternacht. Bildungsideal und peregrinatio academica des schwedischen Adels im Zeichen von Humanismus und Konfessionalisierung. (diss. phil. Tübingen; Contubernium. Tübinger Beiträge zur Universitats- und Wissenschaftsgeschichte 68). Steiner, Stuttgart 2009, S. 506 und 548, wurde die Rede im Druckort Straßburg gehalten. der an diesem Tag von Frankfurt am Main aus seinen Feldzug zur Eroberung von Mainz begann.Pierre Krieger: La ville libre d’Empire de Strasbourg et la Suède de Gustave II Adolphe durant la guerre de Trente Ans: négociations, alliance et propagande (1631-1633). Université de Strasbourg, Straßburg 2014, S. 199 und 204 (PDF), schildert die Straßburger Ereignisse im November und Dezember 1631 noch ohne eine Rolle Mockhels. Ende des Jahres 1631 schied Mockhel aus dem Dienst der Grafen von Hohenlohe aus und verzog nach Straßburg.Forderung an Friedrich Reichard Mockel zu Straßburg, 1631–1639; Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein (Ba 10 Regierung Pfedelbach 4. Haus Hohenlohe-Pfedelbach, Bü 433).
In schwedischen Diensten Sekretär von Axel Oxenstierna 1632 wurde Friedrich Richard Mockhel Sekretär des schwedischen Reichskanzlers Axel Oxenstierna. Im Sommer 1632 war er für einige Monate im damals schwedischen Mainz. Axel Oxenstierna hatte ihm dort das Haus des vor den Schweden geflohenen Kurfürstlichen Rates Dionysius Campius († 1641)Aus Eilendorf bei Aachen, Studium in Bologna und Mainz, Lic. iur., 1606 Dr. iur. utr., 1612–1616 Professur für Kirchenrecht, danach Assessor an der Juristischen Fakultät der Universität Mainz. als Dotation zugesprochen.Brief von Axel Oxenstierna an Friedrich Richard Mockhel vom 11. Juni 1632; Annelen Ottermann: Die Mainzer Karmelitenbibliothek. Logos, Berlin 2018, S. 328.