mini|Schloss Moers und Luise-Henriette-Statue (2024)
Die Großstadt Moers [] (früher auch Murs, Meurs, Mörs) liegt am unteren Niederrhein am westlichen Rande des Ruhrgebiets in Nordrhein-Westfalen und ist eine Großstadt und kreisangehörige Stadt und die größte Stadt des Kreises Wesel im Regierungsbezirk Düsseldorf. Moers gehört zudem zur Metropolregion Rhein-Ruhr. Aufgrund der Lage im Norden der Rheinschiene und im Westen des Ruhrgebiets wird Moers Drehscheibe am Niederrhein genannt. Moers ist die größte Stadt Deutschlands, die weder kreisfrei noch Sitz eines Kreises ist und die einzige Großstadt in dieser Situation.
Geographie Räumliche Lage rahmenlos|rand|rechts|Flächennutzung
Die Stadt Moers liegt in der niederrheinischen Tiefebene zwischen dem Rhein und einer Reihe von Moränenhügeln, die sich nördlich von Hüls nach Norden erstrecken. Moers liegt im Süden des Kreises Wesel, 7 km westlich der Ruhrmündung in Duisburg und 13 km nördlich von Krefeld. In der Landesplanung ist Moers als Mittelzentrum eingestuft.
Geologie Unter dem Moerser Stadtgebiet liegen aus der Zeit des Oberkarbon resultierende kohleführende Schichten in einer Tiefe von 600 bis 800 Metern. Darüber befinden sich überwiegend aus Sand und Kies bestehende Schichten aus der Zeit des Devon und Tertiär, während das Gebiet vom Meer bedeckt war. Im Diluvium schoben Gletscher Geröll aus Skandinavien vor sich her, die im Umland Endmoränen aus Ton, Lehm und Sand bildeten. Die Bodenschichten bestehen aus bis zu 20 Meter mächtigen pleistozänen Kies- und Sandablagerungen. In der Nacheiszeit entstanden auf der linksniederrheinischen Niederterrassenebene des Rheins durch Erosion und wiederholte Verlagerung der zahlreichen Flussarme ein Mikrorelief. Durch fluviatile Akkumulation bildeten sich leicht höhere Bereiche, die sogenannten Donken, während die ehemaligen Rheinarme, in die die Hauptsammler des Entwässerungssystems der Stadt verlegt sind, einige Meter tiefer liegen und die sogenannten Kendel-Niederungen bilden. Die trockenen Donken werden überwiegend landwirtschaftlich genutzt, während im Bereich der Kendel Grünland vorherrscht.
In der Nacht zum 24. Juli 2009 erschütterte ein Erdbeben der Stärke 3,3 auf der Richterskala die Region Moers, Kamp-Lintfort und Neukirchen-Vluyn. Nach Auskunft der Erdbebenstation Bensberg lag das Epizentrum in Moers-Repelen und war das stärkste Erdbeben in der Region seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1955. Es war nach Angaben des Geologischen Dienstes auf den Steinkohleabbau zurückzuführen.Zeitungsbericht über das Erdbeben vom 24. Juli 2009Zeitungsbericht über das Erdbeben vom 24. Juli 2009
Klima Moers hat ein gemäßigtes Klima. Die jährlichen Niederschlagsmengen von rund 740 mm schwanken in den Monatswerten zwischen 46 mm im Februar und 81 mm im Juni. Die Sonnenscheindauer von etwa 1500 Stunden pro Jahr liegt in den Monatswerten zwischen 45 Stunden im Januar und 195 Stunden im August. Die durchschnittlichen Temperaturen haben eine Bandbreite von 3 °C im Januar und 19 °C Juli bei einem Jahresmittelwert von 11 °C (Quelle: Deutscher Wetterdienst, Mittelwerte 1961–1990).
mini|Das 30 Meter hohe Geleucht auf der Halde Rheinpreußen, die die höchste Erhebung in Moers ist
Stadtgebiet links|mini|Stadtteile von Moers:Der in der Karte mit Meerfeld angegebene Bereich gehört überwiegend zum Wohnplatz Rheinkamp-Mitte. Meerfeld ist keine amtliche Bezeichnung für einen Wohnbereich, wird aber von in diesem Gebiet liegenden kommunalen Einrichtungen und Sportvereine als historische lokale Bezeichnung verwendet. mini|Schlosspark Moers
Mit einer Fläche von 68 km² dehnt sich das Stadtgebiet von Nord nach Süd 14,9 km und von West nach Ost 7,7 km aus.
Die höchsten Erhebungen im Stadtgebiet sind die Bergehalde an der Römerstraße Halde Rheinpreußen mit 103,5 m und der Pattberg (eine Halde, benannt nach der ehemaligen Zeche Pattberg in Moers-Repelen) mit 85 m, die tiefste Stelle liegt bei Strommoers und beträgt .
Räumlich ist das Stadtgebiet in folgende drei Stadtteile gegliedert, die wiederum aus weiteren 22 Ortsteilen, amtlich als Wohnplätze bezeichnet, bestehen:Die nachfolgenden Stadtteile mit den angeführten 22 Wohnplätzen werden im offiziellen Stadtportal-FD 7.1 Vermessungswesen, Ausgabe vom 29. September 2011 für Moers (Internetfassung), so angegeben.
Moers: Moers-Mitte, Asberg, Scherpenberg, Hülsdonk, Hochstraß, Schwafheim, Vinn Kapellen: Kapellen-Mitte, Achterathsfeld, Achterathsheide, Bettenkamp, Holderberg, Vennikel Rheinkamp: Meerbeck, Utfort, Repelen, Baerler Busch, Genend, Rheinkamp-Mitte (Meerfeld, siehe „Anm. 1“), Bornheim, Eick und Kohlenhuck
Nachbarstädte Im Norden und Westen grenzen die Städte Rheinberg, Kamp-Lintfort und Neukirchen-Vluyn an Moers. Im Osten grenzen Duisburg (Rheinhausen und Homberg) an die Stadt. Mit Krefeld im Süden und Duisburg im Osten grenzt Moers direkt an zwei Großstädte, deren Angebote im Bereich Kultur, Freizeit und Bildung von den Moerser Bürgern mitgenutzt werden.
Geschichte Frühgeschichte und Römerzeit mini|hochkant=1.5|Moers-Asberg lag zur Römerzeit am Rhein. Römische Fundstellen in und bei Asciburgium
Archäologische Funde zeigen Andeutungen einer ersten Ansiedlung um 2500 v. Chr. im Raum Hülsdonk, um 500 v. Chr. sind weitere Siedlungsfunde im Raum Moers dokumentiert. In der Römerzeit wurde in den Jahren 12 und 11 v. Chr. das Lager Asciburgium auf dem Gebiet des heutigen Asberg von Drusus, einem Stiefsohn des Augustus, gegründet. 69 n. Chr. wurde das Lager durch den Bataver Iulius Civilis,Der angegebene Name „Claudius“ statt „Julius“ ist unter Historikern zumindest strittig. Hierzu: der auf dem Rückzug vom Bataveraufstand war, niedergebrannt, später jedoch wieder aufgebaut und um 85 als Kastell endgültig aufgegeben.
Allerdings sind römische Siedler und Soldaten noch bis zu ihrem Abzug vom Niederrhein um 410 n. Chr. im Bereich von Asberg nachweisbar: Auf dem Gelände des ehemaligen Kastells und des zugehörigen Lagerdorfes (vicus) wurden römische Münzen aus der Regierungszeit von Kaiser Gratian gefunden, der 383 n. Chr. ermordet wurde.Carl Hirschberg: Geschichte der Grafschaft Moers. 1904, S. 13 (Onlinefassung). Des Weiteren errichtete in der Spätantike Kaiser Valentinian I. (Regierungszeit 364 bis 375) auf dem Gelände des kaiserzeitlichen Kastells eine kleine Befestigungsanlage des Typs Burgus zum Schutz gegen Einfälle plündernder Germanen in diesem Bereich; hier waren limitanei stationiert. Unter den zahlreichen Funden in diesem Bereich ist auch ein in Deutschland einmaliger Fund eines fast komplett erhaltenen römischen Glasservices, das nun im Grafschafter Museum ausgestellt ist. Die historische Römerstraße von Köln nach Xanten durchquert Moers in Nord-Süd-Richtung (B57).
Mittelalter und frühe Neuzeit
Im 9. Jahrhundert wurde Moers als „Murse“ erstmals urkundlich in den Heberegistern des Klosters Werden erwähnt, das hier fünfeinhalb Mansen erwarb.Margret Wensky (Hrsg.): Moers. Die Geschichte der Stadt von der Frühzeit bis zur Gegenwart. Band 1. Verlag Böhlau, Köln 2000, ISBN 3-412-04600-0, S. 71/3. Die ursprüngliche Siedlung Murse lag allerdings nordöstlich vor der späteren Stadtmauer von Moers. Zentrum einer Ansammlung von Höfen war eine Kapelle, die später zur Bonifatius-Kirche vergrößert wurde. Der früheste schriftliche Hinweis für diese Kirche stammt von 1230, doch dürfte sie deutlich älter gewesen sein.Margret Wensky (Hrsg.): Moers. Die Geschichte der Stadt von der Frühzeit bis zur Gegenwart, Band 1. Böhlau Verlag, Köln 2000, ISBN 3-412-04600-0, S. 128. Diese stand im ehemaligen Friedhof im Bereich von Mühlen- und Rheinberger Straße. Die Bonifatius-Kirche war bis zu ihrer Zerstörung bei den kriegerischen Handlungen zwischen den Spaniern und den Oraniern im Bereich der Stadt um 1597 die Hauptkirche für die Bürger. Dagegen benutzten die Grafen ab 1363 eine neu errichtete Kapelle in der Stadt, die zudem ihre Grablege wurde. Diese Kapelle wurde später zur aktuellen Stadtkirche erweitert.Margret Wensky (Hrsg.): Moers. Die Geschichte der Stadt von der Frühzeit bis zur Gegenwart Band 1. Böhlau Verlag, Köln 2000, ISBN 3-412-04600-0, S. 130, 384.
Der Stadtname Moers leitet sich wohl von Moor oder Morast ab und ist darauf zurückzuführen, dass der damals noch mäandrierende Rhein hier große Sumpfflächen schuf, innerhalb derer sich die Menschen auf den höher gelegenen Plätzen ansiedelten. So war Moers bis ins 18. Jahrhundert noch oftmals von heftigen Hochwassern des Rheins heimgesucht.
Das Adelsgeschlecht der Grafen von Moers ist erstmals im Jahre 1160 nachweisbar. Im Archiv der Abtei Werden ist im Codex Ulphilas angegeben: „Wilhelmus .. Comes de Moers .. annis 8. obiit 1160 20 Junii“. Dieser Graf Wilhelm war von 1152 bis 1160 Abt der Abtei.Hermann Altgelt: Geschichte der Grafen und Herren von Moers. Bötticher, Düsseldorf 1845, S. 5 (Digitalisat Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf, 2011). Um diese Zeit wurden die ältesten Teile des Moerser Schlosses angelegt, da diese aus dem Zeitraum um 1200 stammen. Der nächste urkundlich nachweisbare Graf ist Dietrich von Moers († 1262) (Dietrich oder Theoderich geschrieben) und seine Nachfolger in der Grafschaft Moers.Hermann Altgelt: Geschichte der Grafen und Herren von Moers. 1845, S. 6.Unter Historikern ist strittig ob Abt Wilhelm und Dietrich I. bereits „Grafen“ und nicht nur „Edelmänner“ waren. Dietrich I. wird in Urkunden sowohl als Graf wie auch als Edelmann angeführt. Man vermutet, dass 1266 nach der Hinrichtung des Grafen von Isenberg, der Edelmann Dietrich von Moers, der vermutlich die Tochter Elisabeth des Isenberger geheiratet hatte, die Sicherheit für das Gebiet Moers als Nachfolger übernahm. Der Isenberger war für die militärische Sicherheit der Abtei Werden zuständig und damit für deren Besitzungen im Gebiet von Moers. Der Edelmann von Moers hätte damit die Funktion und den Grafentitel für das „Gebiet Moers“ übernommen.
Zwischen 1270 und 1280 kam es zu einer gravierenden Veränderung des Rheinverlaufs, sodass die Ansiedlung nicht mehr in unmittelbarer Nähe des Flusses lag, sondern ca. 7 km davon entfernt. mini|hochkant|links|Graf Adolf von Moers und Neuenahr Kurz nach dieser Änderung des Rheines vergrößerten die Edelmänner Dietrich und Friedrich von Moers 1288 ihren Grundbesitz im Bereich von Moers. Sie kauften dort einige Güter von der Abtei Werden.Margret Wensky (Hrsg.): Moers. Die Geschichte der Stadt von der Frühzeit bis zur Gegenwart, Band 1. Böhlau Verlag, Köln 2000, ISBN 3-412-04600-0, S. 73. Weiterhin überschrieb Friedrich von Moers ein Gut im Bereich von Repelen (in der Urkunde als „Rinkampe“ bezeichnet) an Graf Adolf V. und erhielt dieses zum Lehen.Christoph Jacob Kremer: Akademische Beiträge zur gülch-bergischen Geschichte, in der Urkunde vom 7. Lenzmonat (März) 1288. 1781, S. 186.
Am 20. Juli 1300 bekam Moers die Stadtrechte durch König Albrecht I. verliehen.Theodor Joseph Lacomblet: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheines und des Erzstiftes Cöln, Urkunde 1055, Band 2: 1201–1300. 1840, S. 620 (Online-Ausgabe 2009). Es folgte in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts die Befestigung der Stadt mit Mauern und Wassergräben für die Gebiete, die nahe der Burg lagen. Der ältere Teil im Bereich mit der Bonifatius-Kirche verblieb außerhalb der Stadtmauern. Erste schriftliche Hinweise für die Stadttore stammen von 1437/1438 für das „Steintor“ und 1446/1448 für die „Nyerporte“. Letztere verband den alten Bereich der Stadt und eine Erweiterung, die Neustadt, und war gleichzeitig eine Brücke. Diese führte über die „Moerse“, auch „Meer“ genannt. Dieses Tor wurde als „Meerportzen“ bezeichnet und war das spätere „Mattorn“. Der Bau der Neustadt begann vermutlich erst nach der Errichtung der Nyerporte, da sie in Urkunden erstmals 1446 erwähnt wird.Margret Wensky (Hrsg.): Moers. Die Geschichte der Stadt von der Frühzeit bis zur Gegenwart, Band 1. Böhlau Verlag, Köln 2000, ISBN 3-412-04600-0, S. 121–125.