mini|Yogaübung Vrikshasana in der Gruppe Yoga – ( männlich; von yuga ‚Joch‘, yuj für: ‚anjochen, zusammenbinden, anspannen, anschirren‘Reallexikon der Medizin und ihrer Grenzgebiete, Verlag Urban & Schwarzenberg, Loseblattsammlung, München / Berlin / Wien 1974, Band 6 (S–Zz), ISBN 3-541-84006-4, S. Y 2.) ist eine aus Indien stammende philosophische Lehre, die eine Reihe geistiger und körperlicher Übungen bzw. Praktiken wie Yama, Niyama, Asanas, Pranayama, Pratyahara, Kriyas, Meditation und Askese umfasst. Der Begriff Yoga kann sowohl „Vereinigung“ oder „Integration“ bedeuten, als auch im Sinne von „Anschirren“ (Anschirrung,Reallexikon der Medizin und ihrer Grenzgebiete, Verlag Urban & Schwarzenberg, Loseblattsammlung, München / Berlin / Wien 1974, Band 6 (S–Zz), ISBN 3-541-84006-4, S. Y 2. vgl. „jochen“) und „Anspannen“ des Körpers an die Seele zur Sammlung und Konzentration bzw. zum Einswerden mit dem Bewusstsein verstanden werden. Da jeder Weg zur Selbsterkenntnis als Yoga bezeichnet werden kann, gibt es im Hinduismus zahlreiche Namen für die verschiedenen Yoga-Wege, die den jeweiligen Veranlagungen der nach Selbsterkenntnis Strebenden angepasst sind.

Yoga ist eine der sechs klassischen Schulen (Darshanas) der indischen Philosophie. Es gibt viele verschiedene Formen des Yoga, oft mit einer eigenen Philosophie und Praxis. In Europa und Nordamerika wurden bis vor kurzem unter dem Begriff Yoga oft nur körperliche Übungen verstanden – die Asanas oder Yogasanas – und der Begriff somit weitgehend mit Hatha Yoga gleichgesetzt.

Einige meditative Formen von Yoga legen ihren Schwerpunkt auf die geistige Konzentration, andere mehr auf körperliche Übungen und Positionen sowie Atemübungen (Pranayama), andere Richtungen betonen die Askese. Die philosophischen Grundlagen des Yoga wurden vor allem von Patanjali im Yogasutra zusammengefasst, auch die Bhagavad Gita und die Upanishaden informieren über Yoga.

Yoga, wie er im Westen gelehrt wird, beruht auf einer modernen Form, die ab Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden ist, oft gekennzeichnet durch eine Übernahme westlicher esoterischer Ideen, westlicher Psychologie, „mystischer Psychotechnik“,Reallexikon der Medizin und ihrer Grenzgebiete, Verlag Urban & Schwarzenberg, Loseblattsammlung, München / Berlin / Wien 1974, Band 6 (S–Zz), ISBN 3-541-84006-4, S. Y 2. physischen Trainings und wissenschaftlicher Annahmen durch englischsprachige und westlich ausgebildete Inder. In diesen Fällen stellt moderner Yoga eher eine New-Age-Lebenseinstellung dar als eine Form hinduistischer Spiritualität. Traditioneller, indischer Yoga unterscheidet sich grundsätzlich vom westlichen, modernen Yoga und enthält sehr viel komplexere Lehren und Praktiken als die modernen Formen.Cush, Robinson, York (Hrsg.): Encyclopedia of Hinduism. London (u. a.) 2008, S. 1034.

Der Yoga-Praktizierende und insbesondere ein Meister des Yoga wird Yogī bzw. Jogi (Sanskrit ) oder Yogin () genannt. Die weibliche Form ist Yoginī (), was allerdings auch „Zauberin“ bedeutet (siehe Yogini).

Am 1. Dezember 2016 wurde Yoga als Immaterielles Weltkulturerbe der UNESCO anerkannt.n-tv.de: Unesco adelt Yoga zum Weltkulturerbe. Abgerufen am 6. Dezember 2016.Yoga. UNESCO Intangible Cultural Heritage, 2016.

Etymologie Im Sanskrit meinte das Wort yoga vor 3000 Jahren ursprünglich das Anschirren oder Anjochen der Zugtiere vor einen Wagen.Peter Schreiner: Yoga – Grundlagen, Methoden, Ziele. Verlag E. J. Brill, Köln 1979, S. 19. Die Sanskrit-Verb-Wurzel yuj verweist auf einen alten indogermanischen Wortstamm, der sich heute noch in vielen europäischen Sprachen findet: Altgriechisch ζεῦγος oder ζυγός ‚zygós‘, lateinisch iugum, französisch joug, italienisch giogo, spanisch yugo, englisch yoke und deutsch Joch. Dabei liegt die Urbedeutung der Wurzel yuj im Anspannen der Zugtiere oder im Einspannen unter das Joch.Christian Fuchs: Die Geschichte des Yoga. In: Berufsverband Deutscher Yogalehrer (Hrsg.): Der Weg des Yoga. Verlag Via Nova, 6. Auflage, Petersberg 2009, ISBN 978-3-928632-02-7, S. 3. Die indogermanische Verbalwurzel yuj wird auch ieu geschrieben und meint anschirren, zusammenbinden, verbinden. Davon wurden althochdeutsch joh, gotisch juk, mittelhochdeutsch joch, schwedisch ok und altindisch yugá, yugá-m oder yóga-h abgeleitet.Duden: Das Herkunftswörterbuch. Der Duden in zehn Bänden, Band 7, Bibliographisches Institut, Mannheim / Wien / Zürich 1963, ISBN 3-411-00907-1, S. 296.

Im übertragenen Sinn wollte man später mit dem Wort Yoga das Anjochen der menschlichen Sinne und Triebe an den „Wagen des Geistes“ ausdrücken. In der Katha-Upanishad (Kapitel 1, Valli 3, Vers 4) wurden die fünf menschlichen Sinne (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten) mit den unterjochten Zugtieren gleichgesetzt („die Sinne nennen sie Rosse“). Yoga wurde (als Geistes-Technik) zum Mittel der Beherrschung der Sinne und Gedanken.Christian Fuchs: Die Geschichte des Yoga. In: Berufsverband Deutscher Yogalehrer (Hrsg.): Der Weg des Yoga. Verlag Via Nova, 6. Auflage, Petersberg 2009, ISBN 978-3-928632-02-7, S. 7.

Im Bhagavad-Gita findet sich eine Weiterentwicklung: „Wenn alle anderen Aktivitäten zurück gehalten werden und der Geist stetig in Shiva gehalten wird, dies nennt man kurzgefasst Yoga.“Christian Fuchs: Die Geschichte des Yoga. In: Berufsverband Deutscher Yogalehrer (Hrsg.): Der Weg des Yoga. Verlag Via Nova, 6. Auflage, Petersberg 2009, ISBN 978-3-928632-02-7, S. 10. Quelle im Bhagavad-Gita: VII, 2, 37, 6 f. Im Tantrismus sind Yoga als Anjochung des empirischen Bewusstseins an das transzendente Bewusstsein und Bhoga als Genuss, Lebensfreude und Lebensleid das gleiche.Heinrich Robert Zimmer: Philosophie und Religion Indiens. 2. Auflage, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1976, ISBN 3-518-07626-4, S. 515.

Geschichte mini|200px|Das „Mohenjo-Daro Siegel 420“ aus der Blütezeit der bronzezeitlichen Indus-Zivilisation, die Zentralfigur zeigt eine ithyphallische Figur auf einem Thron in einer Sitzhaltung, bei der sich die Fersen berühren und die Zehen nach unten deuten. mini|200px|Kapila, ein Weiser aus der Mythologie der Vedischen Hochkultur, gilt als der Urheber des Bhakti-Yoga. Aquarell aus dem 19. Jahrhundert. mini|Lahiri Mahasaya (1828–1895) im Lotussitz. Foto aus dem Buch von Paramahamsa Yogananda „Autobiographie eines Yogi“.

Bereits die älteren Upanishaden (ca. 700 v. Chr.) beschreiben Atemübungen und das Zurückziehen der Sinne (Pratyahara) in den Atman als Hilfsmittel der Meditation (Dhyana). Die mittleren Upanishaden, die um 400 v. Chr. entstanden, erwähnen mehrfach den Begriff Yoga und auch die wesentlichen Elemente des späteren Yoga-Systems. Der Yoga stand hierbei in enger Verbindung mit den Theorien, wie sie das philosophische System des Samkhya entwickelte, und bildete seine praktische Weiterführung.

Im indischen Epos Mahabharata um ca. 300 v. Chr. nimmt der Yoga bereits einen bedeutenden Platz ein und wird als praktisches Gegenstück zum theoretischen Sânkhya erwähnt. Während im Mahabharata und in den älteren Puranas der Weise (rishi) Kapila und andere als Begründer des Yogas genannt werden, erscheint an dieser Stelle in jüngeren Puranas Patanjali. Es darf jedoch angenommen werden, dass Patanjali die überlieferten Yoga-Lehren aus der Zeit zwischen dem 2. Jahrhundert v. Chr. und 4. Jahrhundert n. Chr. zusammenfasste. Sein Werk besteht aus 194 kurzen, auf vier Bücher verteilten Merksprüchen (Sutras).

Die klassischen indischen Schriften beschreiben vier Yogawege: Raja Yoga nennen sich die meditativ orientierten Stufen des Achtgliedrigen Yoga nach Patanjali (auch Ashtanga Yoga genannt: „Ashta“ = acht, „Anga“ = Teile). Jnana Yoga (Yoga der Erkenntnis, intellektuelle Richtung) Karma-Yoga (Yoga der Tat, des selbstlosen Handelns) Bhakti-Yoga (Yoga der Liebe/Verehrung/Hingabe an Gott oder eine Ishtadevata)

Der fünfte bedeutende Yogaweg, der sich zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert etablierte, ist das Hatha-Yoga (Yoga der Kraft oder des Impulse).

Ergänzend kann man noch folgende Systeme hinzurechnen: Mantra Yoga Laya Yoga Kundalini-YogaGeorg Feuerstein: Die Yoga Tradition. Geschichte, Literatur, Philosophie & Praxis. Yoga Verlag, Wiggensbach 2009, ISBN 978-3-935001-06-9, S. 78

Ursprünglich war Yoga ein rein spiritueller Weg, der vor allem die Suche nach Erleuchtung durch Meditation zum Ziel hatte. Die vielen Asanas entstanden erst im Laufe der Zeit. Ihr vorrangiges Ziel ist, den Körper so zu kräftigen und zu mobilisieren, dass er möglichst beschwerdefrei über einen längeren Zeitraum im Meditationssitz – z. B. Lotossitz – verweilen kann. Mit der Zeit erkannte man immer mehr die positive Wirkung der körperlichen Übungen auf das gesamte Wohlbefinden des Menschen. Die Asanas wurden weiterentwickelt, und die körperliche Betätigung im Yoga bekommt in unserer Zeit einen immer höheren Stellenwert. Einen ersten Niederschlag findet diese Entwicklung in der Entstehung des Hatha Yoga. Die „Hathapradipika“, ein Text aus dem 15. Jahrhundert, legt die Techniken dar, die den Körper als effektives Mittel zum Erreichen der existentiellen und spirituellen Ziele des Yoga einbeziehen.

Nachdem Vasco da Gama 1498 den Seeweg nach Indien entdeckt hatte, betrieben die Portugiesen zwar Handelsgeschäfte, verzichteten jedoch weitgehend auf christliche Missionierungsversuche. Die ab 1539 zunächst in Gestalt von Jesuitenmönchen aus Portugal nach Indien kommenden Missionare lehnten Yoga als Ausprägung des Hinduismus und damit als heidnisch ab. Ausgehend von Goa, der „Hauptstadt des Christentums in Asien“, hatten sich bis 1774 alle unter portugiesischer Herrschaft lebenden Inder der christlichen Religion zuzuwenden. Auch englische Kolonialherren (1756–1947) waren dem Yoga gegenüber wenig offen. Yoga wurde als ein Teil der indischen Kultur angesehen, die durch das englische Wertesystem zu ersetzen sei. Britische Missionare verbreiteten die anglikanische oder andere protestantische Konfessionen.

Am 21. Juni wird der Tag des Yoga begangen.

Yoga-Philosophie Wurzeln Da Yoga ursprünglich aus Indien stammt, liegen die Wurzeln der Yoga-Philosophie im Hinduismus und Teilen des Buddhismus. Das Individuum wird hier als ein Reisender im Wagen des materiellen Körpers gesehen. Der Wagen ist der Körper, der Kutscher der Verstand, die fünf Pferde die fünf Sinnesorgane, der Fahrgast die Seele, und das Geschirr heißt im Indischen „Yoga“. Die ältesten Aufzeichnungen finden sich in den Upanishaden. Der wichtigste Quelltext des Yoga ist das Yoga-Sutra des Patanjali.

Zur Veranschaulichung: Die ersten vier Sūtren des Patanjali, die den Kern des Yoga gebenDie Wurzeln des Yoga – Die Yoga-Sütren des Patanjali; mit einem Kommentar von P.Y. Deshpande, mit einer neuen Übertragung der Sütren aus dem Sanskrit herausgegeben von Bettina Bäumer. Otto Wilhelm Barth Verlag, Bern / München / Wien, 1976 und eine Art Mantra darstellen, lauten:

1. Atha yoga-anuśāsanam; wörtlich: „Nun die Yogadisziplin.“ Gemeint ist eine Art absolutes Jetzt, denn Dinge der Vergangenheit, ihr Wesen, seien es auch Gewohnheiten, sollen abgestreift werden. Dies meint ebenso Traditionen. „Aber es ist eine Tatsache, daß der Yoga sich gegen die konventionelle Bedeutung von Worten wendet. Er verwirft sogar vergangene Erfahrungen und ihre Versprachlichung (I 15).“ Die Begründung dafür findet sich in der 4. Sūtra. 2. Yogaś citta-vṛtti-nirodhaḥ; wörtlich: „Yoga ist das Aufhören (oder: Verhindern, oder: Kontrolle) der Geisteswendung.“ Sinngemäß: Yoga ist jener innere Zustand, in dem die seelisch-geistigen Vorgänge zur Ruhe kommen. Nirodhah verweist auf das Verlangsamen und Innehalten der (leiderzeugenden) Wirbelbewegungen (vṛtti) in unserem leiblichen Dasein (citta, im Sinne des menschlichen, verkörperten Geistes). 3. Tadā drastuḥ svarūpe'vasthānam; wörtlich: „Dann ruht der Betrachter in der Eigenform.“ Anders gesagt: Dann nimmt das sehende Prinzip (draṣṭṛ) – das beobachtende Denken, das jedem von uns innewohnt – in seiner Wesensnatur (svarūpa, leere Selbstform) Platz.