Oberödenhart, eine Wüstung im Truppenübungsplatz Hohenfels, war zuletzt ein Ortsteil der Gemeinde Nainhof-Hohenfels im ehemaligen Landkreis Parsberg.

Geographische Lage Die Einöde lag im oberpfälzischen Jura der Südlichen Frankenalb etwa vier Kilometer nördlich von Hohenfels auf rund 485 m über NHN östlich des Kammerthals.

Geschichte Oberödenhart erscheint 1264 im Besitz der Parsberger.Jehle, S. 66 Nach dem Salbuch der Herrschaft Hohenfels von etwa 1494/1500 bestand die Ansiedelung „Obern Ethenhard“ aus zwei Anwesen.Wilhelm Volkert: Gerichtsverhältnisse im Pflegamt Hohenfels vom 15. bis zum 18. Jahrhundert. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg 100 (1959), S. 156Jehle, S. 300 Dabei blieb es jahrhundertelang. Um 1600 ist der Weiler als „Oberettenhard“ im Kartenwerk von Christoph Vogel unter dem Amt Hohenfels verzeichnet.Günter Frank und Georg Paulus: Die pfalz-neuburgische Landesaufnahme unter Pfalzgraf Philipp Ludwig (Regensburger Beiträge zur Heimatforschung, 6). Kollersried 2016, S. 499 Gegen Ende des Alten Reiches, um 1800, hatten die beiden Anwesen die Größe eines Dreiviertel- und eines Halbhofes; daneben gab es ein gemeindliches Hirtenhaus.Jehle, S. 489

Im Königreich Bayern wurde um 1810 der Steuerdistrikt Unterödenhart gebildet und 1811 zum Landgericht Parsberg gegeben. Diesem gehörten die Dörfer bzw. Einöden Unterödenhart, Aicha, Butzenhof(en), Machendorf, Oberödenhart, Pöllnricht und Sichendorf an.Jehle, S. 536 Mit dem zweiten bayerischen Gemeindeedikt von 1818 entstand daraus die Ruralgemeinde Unterödenhart.,Jehle, S. 545 zu der 1884 noch die Einöde Mehlhaube hinzukam.Jehle, S. 555

Als 1938 ein Wehrmachtsübungsplatz in der Oberpfalz errichtet wurde, musste die Gemeinde Unterödenhart und damit auch Oberödenhart abgesiedelt werden und ging 1944 offiziell im Heeresgutsbezirk Hohenfels auf.Jehle, S. 518Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799-1980. München 1983, S. 547 Nachdem 1925 Oberödenhart noch von 22 Personen bewohnt war, lebten dort nach Auflassung des Heeresgutsbezirks und der Wiederbesiedelung durch Flüchtlinge und Vertriebene im Herbst 1950 wieder 13 Bewohner, allerdings in Notunterkünften. Diese mussten sie im Herbst 1951 in kurzer Frist verlassen, als der US-Truppenübungsplatz Hohenfels errichtet wurde; in ihm wurde die Einöde zum zweiten Mal zur Wüstung. Dort festgestellte untertägige mittelalterliche und frühneuzeitliche Befunde gelten als Bodendenkmäler.Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege: Regierungsbezirk Oberpfalz, Landkreis Neumarkt i. d. Opf., Markt Hohenfels, Bodendenkmäler, Stand 1. Mai 2020, S. 13 Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde das Gebiet des „alten“ Truppenübungsplatzes am 1. Oktober 1970 dem Markt Hohenfels angeschlossen.

Einwohner- und Gebäude-/Hofzahlen 1500: 2 AnwesenJehle, S. 300 1800: 2 Anwesen, HirtenhausJehle, S. 489 1830: 22 Einwohner (3 Häuser)Karl Friedrich Hohn: Der Regenkreis des Königreichs Bayern, geographisch und statistisch beschrieben, Stuttgart und Tübingen: Cotta, 1830, S. 167 1838: 22 Einwohner (3 Häuser)Joseph Lipp (Bearbeiter): Matrikel des Bisthums Regensburg. Regensburg 1838, S. 295 1867: 23 Einwohner (13 Gebäude)Joseph Heyberger: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon, München 1867, Sp. 798 1871 24 Einwohner (6 Gebäude; Großviehbestand 1873: 2 Pferde, 25 Stück Rindvieh) 1900: 25 Einwohner (3 Wohngebäude) 1925: 22 Einwohner (2 Wohngebäude) 1950: 13 Einwohner in Notwohngebäuden

Kirchliche Verhältnisse Das Dorf gehörte seit altersher (so um 1600)Frank/Paulus, S. 503 zur katholischen Pfarrei St. Ulrich zu Hohenfels im Bistum Regensburg. Dorthin gingen die Kinder bis zur Absiedelung in die katholische Schule; um 1950 besuchten die Kinder der Neusiedler die Schule der Gemeinde Nainhof-Hohenfels in Nainhof.

Literatur Manfred Jehle: Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 51: Parsberg, München 1981

Einzelnachweise

Kategorie:Geographie (Hohenfels, Oberpfalz) Kategorie:Wüstung im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz Kategorie:Ersterwähnung 1264