mini|Karte mit Ausbissen der Newark-Supergruppe (schwarz) Die Newark-Supergruppe () ist eine lithostratigraphische Einheit vom Rang einer Supergruppe, die eine, beckenübergreifend kumuliert, maximal rund 15.000 Meter mächtige Abfolge von mindestens der Mittel-Trias bis in den Unteren Jura umfasst. Sie bildet die überwiegend siliziklastisch-sedimentäre, teils mit Basalten wechselgelagerte Füllung zahlreicher größerer und kleinerer fossiler Sedimentbecken an der Ostküste der USA und in den Seeprovinzen Kanadas. Die Ablagerung dieser Sedimente bzw. die Bildung der entsprechenden Becken und der damit einhergehende basaltische Vulkanismus stehen in engem Zusammenhang mit der Frühphase der Öffnung des Atlantischen Ozeans. Als Fundhorizonte der historisch ersten Dinosauriertrittsiegel und -knochen, der ersten weitgehend vollständig erhaltenen Fischfossilien sowie der ersten mesozoischen Insekten in Nordamerika haben die unterjurassischen Schichten der Newark-Supergruppe eine herausragende wissenschaftshistorische Bedeutung.
Historisches Der Name Newark Group wurde im Jahr 1856 von William Charles Redfield geprägt. Zuvor wurden die frühmesozoischen, oft rötlich gefärbten Siliziklastika der Ostküstenstaaten der USA aufgrund vermuteter Altersgleichheit mit faziell ähnlich ausgebildeten Abfolgen in der Sedimentüberlieferung insbesondere Großbritanniens verschiedentlich bezeichnet. So zunächst als Old Red Sandstone und ab den 1830er Jahren oft als New Red Sandstone. Redfield hielt den von ihm gewählten Namen für geeigneter, weil sich die paläontologischen Befunde dafür mehrten, dass diese Schichten jünger sind als der New Red Sandstone von Großbritannien. Obwohl sich das im Nachhinein als nur teilweise richtig herausstellte, setzte sich der Name Newark – anfangs auch in den Kombinationen und – im 20. Jahrhundert durch. Israel Russell favorisierte ihn in einer 1892 veröffentlichten Monographie wegen seines regionalen Bezuges, ohne innewohnende Mutmaßung über eine Korrelation mit einer bestimmten Gesteinseinheit Europas. Als solcher erfüllte er schon damals die Benamungsregeln der modernen Lithostratigraphie. Russell (1892) zählte, unter anderem basierend auf James Dwight Dana (1875), auch die Ausbisse in den kanadischen Seeprovinzen zum Verbreitungsgebiet des „“ hinzu.
Nach der Etablierung der „Theory of New Global Tectonics“ an der Wende von den 1960er zu den 1970er Jahren reifte die Erkenntnis, dass die Genese der Becken und damit auch die Ablagerung der Sedimente der Newark-Gruppe mit dem Auseinanderbrechen der westlichen Pangaea und der Entstehung des Atlantischen Ozeans zusammenhängen.siehe z. B.
Im Jahre 1978 schlug Paul Eric Olsen, der gerade am Peabody-Museum von Yale seinen Geologie-Bachelor erworben hatte, die Heraufstufung der Newark-Gruppe in den Rang einer Supergruppe vor, da inzwischen für einige der Beckenfüllungen eigene Gruppen errichtet worden waren (u. a. die Fundy-Gruppe und Dan-River-Gruppe; vgl. Beckennamen unten) und der Terminus „Newark-Gruppe“ mithin nicht mehr als Überbegriff für alle Beckenfüllungen geeignet war. 1984 erfolgte dann durch Olsen die offizielle Beantragung dieser Heraufstufung und deren Annahme durch den United States Geological Survey. Zahlreiche Publikationen in den folgenden Jahrzehnten sorgten dafür, dass der Name Olsen untrennbar mit der modernen, insbesondere sedimentologischen, stratigraphischen und paläontologischen Erforschung der Newark-Supergruppe verbunden ist.
Verbreitung mini|Abfolge randlakustrin-fluviatiler feinkörniger Siliziklastika der Balls-Bluff-Subformation der Bull-Run-Formation (Passaic-Formation nach neuer Nomenklatur; Chatham-Gruppe) des Culpeper-Beckens in einem Steinbruch bei Manassas, Virginia Die Gesteine der Newark-Supergruppe beißen diskontinuierlich in einem rund 100 Kilometer breiten Streifen zwischen den Appalachen und der Küstenebene aus, der sich vom Norden South Carolinas bis zum nordwestlichen Ende von Nova Scotia (Chedabucto Bay) erstreckt. Sie verteilen sich dabei auf sieben größere und rund 20 kleinere und sehr kleine strukturelle Reste von Sedimentbecken, die, prinzipiell Südwest-Nordost, parallel zu den Strukturen der Appalachen streichend, in Form von Halbgräben in das prä-mesozoische Grundgebirge eingesenkt sind. Die Namen der größeren Becken lauten wie folgt (von Südosten nach Nordwesten): Wadesboro Basin (North Carolina mit geringen Anteilen in South Carolina) Sanford-Durham Basin (North Carolina) Dan River-Danville Basin (North Carolina, Virginia) Culpeper Basin (Virginia, Maryland) Gettysburg-Newark Basin (Maryland, Pennsylvania, New Jersey, New York) Hartford-Deerfield Basin (Connecticut, Massachusetts, traditionell auch Connecticut (River) Valley genannt, weil der Connecticut River das Becken auf nahezu seiner gesamten Länge durchfließt) Fundy Basin (Nova Scotia) Ablagerungen, die aufgrund ihres Alters und ihres geologischen Kontextes enge genetische Beziehungen zur Newark-Supergruppe aufweisen, finden sich außerdem von Florida und Georgia (South Georgia Basin) bis Neufundland (Jeanne d’Arc-Flemish Pass Basin) im Untergrund der Küstenebene und des vorgelagerten Schelfs. In Nova Scotia gehen „“-Ausbisse und „“-Vorkommen sogar unmittelbar lateral ineinander über.
Erdgeschichtlich-regionalgeologischer Rahmen mini|Plattentektonische Rekonstruktion des westlichen Tethys-Raums und angrenzender Gebiete für die jüngste Trias (Rhaetium). Grüne Linien kennzeichnen kontinentale Gebiete mit Dehnungstektonik. Die Kette von Becken, in denen die Sedimente der Newark-Supergruppe und ihre begrabenen Äquivalente zur Ablagerung kamen, entstand ab der Mitteltrias im Zuge einer Dehnung der Erdkruste im nordamerikanisch-nordafrikanischen Abschnitt des weitgehend abgetragenen variszischen Gebirgsgürtels. Der nordamerikanische Teil des entsprechenden Systems aus Grabenbrüchen (engl. , abgekürzt CAM, genannt), das als mesozoisches Analogon zum Großen Afrikanischen Grabenbruchsystem gilt, wird als (ENARS) bezeichnet. Die Dehnungstektonik ist der regionale Ausdruck des Auseinanderbrechens des Superkontinentes Pangaea und stellt die Initialphase der Öffnung des Zentralatlantiks dar.
Mit diesem plattentektonischen Ereignis in engen Zusammenhang gebracht werden auch die Basalte, die im Bereich der Trias-Jura-Grenze in die sedimentäre Abfolge eingeschaltet sind. Die Basalte sind Teil der Zentralatlantischen Magmenprovinz (engl. , abgekürzt CAMP), die sich auch auf Nordwest- und Westafrika sowie den Nordosten Südamerikas erstreckt.
Mit dem Übergang zur Ozeanbodenspreizung („“) im eigentlichen Zentralatlantikbecken im weiteren Verlauf des Unterjura endet die kontinentale Krustendehnung und damit auch die Subsidenz und die Aufnahme von Sedimenten in den Becken der Newark-Supergruppe. Die Riftbecken im Osten Nordamerikas erfahren in dieser Phase sogar eine leichte Inversion, bei der sich der Bewegungssinn der vormaligen Abschiebungen umkehrt und sich in einigen der Beckenfüllungen Falten ausbilden. Als Ursache für diese Kompressionsphase werden das Einsetzen des „Ridge Push“ (siehe Aktive Lithosphärenplatten als Triebfeder der Plattentektonik) an der atlantischen Spreizungszone und/oder vom nordamerikanischen Kontinentalblock (Laurentia) ausgehende, der Plattenbewegung entgegengerichtete Trägheitskräfte vermutet. Seither wurden sowohl die jeweils jüngsten Schichten der Beckenfüllungen als auch die wahrscheinlich zwischen den heutigen Beckenresten (Depozentren) ursprünglich vorhandenen geringmächtigen Ablagerungen aufgrund ihrer mehr oder weniger permanenten Lage oberhalb der Erosionsbasis wieder abgetragen.
Stratigraphie mini|Rote Siliziklastika der Blomidon-Formation (Passaic-Formation nach neuer Nomenklatur; Chatham-Gruppe), überlagert von North-Mountain-Basalt (Talcott-Formation; Meriden-Gruppe), Fundy-Becken, Five Islands Provincial Park, Nova Scotia Die interne lithostratigraphische Gliederung der Newark-Supergruppe war in den vergangenen Jahrzehnten mehrfachen Veränderungen unterworfen. Noch Ende der 1980er Jahre wurden für die Füllung jedes größeren Beckens eigene Formations- und Gruppennamen verwendet. Insgesamt wurden 6 Gruppen und 57 Formationen unterschieden (die Formationen kleinerer Becken wurden dabei jeweils nicht in Gruppen zusammengefasst). Im Zuge einer Revision durch Weems & Olsen (1997) wurde die Anzahl der bis dahin ausgehaltenen Gruppen von neun auf drei reduziert und alle noch nicht einer Gruppe zugeordneten Formationen in eine dieser drei Gruppen gestellt. In einer nachfolgenden Revision (Weems et al., 2016) wurde, bei Erhöhung der Anzahl der Gruppen auf vier, die Anzahl der Formationen auf 16 weitgehend beckenübergreifende Einheiten reduziert. Demnach gliedert sich die Newark-Supergruppe wie folgt (von jung nach alt):
Portland-Gruppe (vormals Agawam-Gruppe; jüngeres Hettangium – Sinemurium) Longmeadow-Sandstein Boonton-Formation lateral mit beiden verzahnt: Mount-Toby-Konglomerat Meriden-Gruppe (jüngstes Rhätium – älteres Hettangium) Hampden-Formation East-Berlin-Formation Holyoke-Formation Shuttle-Meadow-Formation Talcott-Formation Chatham-Gruppe (Karnium – Rhätium) Passaic-Formation Lockatong-Formation Stockton-Formation Doswell-Formation Acadia-Gruppe (auf die kanadischen Seeprovinzen beschränkt; ? Oberperm, ? Anisium – ? Karnium) Evangeline-Formation (vormals Evangeline-Subformation der Wolfville-Formation; vgl. Sues & Olsen (2015)) Economy-Formation (vormals Economy-Subformation der Wolfville-Formation; vgl. Sues & Olsen (2015)) Honeycomb-Point-Formation mit unklarer Beziehung zu den übrigen Formationen: Chedabucto-Formation
In North Carolina und weiter südlich sind die Beckenfüllungen auf die Obertrias beschränkt. Als ältestes Schichtglied der Supergruppe galt noch 1997 der untere Teil der Wolfville-Formation („Lower Economy beds“; seinerzeit älteste Schichten der Chatham-Gruppe) des Fundy-Beckens, der bis mindestens in die obere Mittel-Trias hinabreicht. Nachfolgend sind kleinräumig an der Fundy-Bay-Küste von New Brunswick aufgeschlossene, und ursprünglich ebenfalls als mitteltriassisch betrachtete Schichten der sogenannten Honeycomb-Point-Formation, die in der 1997er Revision keine Erwähnung finden, aufgrund von paläomagnetischen und palichnologischen Befunden als wahrscheinlich oberpermisch eingestuft und mit der klar permischen Ikakern-Formation des Argana-Beckens in Marokko korreliert worden. Die Honeycomb-Point-Formation könnte aber noch vor dem Einsetzen der ENARS-Dehnungstektonik abgelagert worden sein. Als jüngste Ablagerungen gelten allgemein die obersten Schichten des Longmeadow-Sandsteins (vormals obere Portland-Formation, Agawam-Gruppe) im Hartford-(Teil-)Becken. Deren genaues Alter ist jedoch unsicher. In jüngeren Publikationen (2000 ff.) werden sie meist ins Sinemurium gestellt, während Ende der 1980er Jahre noch ein spätunterjurassisches Alter (Toarcium) veranschlagt wurde.
Lithologien mini|Handstück der basalen konglomeratischen Schichten der New-Oxford-Formation (Stockton-Formation nach neuer Nomenklatur) des Gettysburg-Beckens mini|Gestörte Silt-Tonsteine mit Einschaltungen geringmächtiger Feinsandsteinlagen, Blomidon-Formation (Passaic-Formation nach neuer Nomenklatur; Chatham-Gruppe) des Fundy-Beckens, aufgeschlossen im Küstenkliff südöstlich von Parrsboro, Nova Scotia
Sedimentgesteine – Fazies und Zyklen