Die Aurubis AG (vormals Norddeutsche Affinerie AG) ist ein börsennotierter Produzent von Kupfer sowie Kupferwiederverwerter mit Sitz in Hamburg.
Nach der Übernahme des belgischen Kupferproduzenten Cumerio durch die Norddeutsche Affinerie AG im Jahr 2008 firmiert das Unternehmen seit April 2009 als Aurubis. Der Name Aurubis ist eine Wortneuschöpfung mit Anlehnung an die lateinischen Wörter für „rotes Gold“ (rubrum, aurum).
Das Unternehmen produziert jährlich über eine Million Tonnen Kupferkathoden und stellt daraus diverse Kupferprodukte her. Ferner verarbeitet Aurubis auch Blei, Zink, Zinn, Nickel, Silber, Gold und Metalle der Platingruppe in Abhängigkeit der vorausgehenden Recyclingmaterialien.
Geschichte Ursprünge und Entwicklung bis zum Hamburger Brand (1842) Der früheste bekannte Vorläufer von Aurubis ist die Firma Beit, Marcus und Salomon, Gold- und Silberscheider aus dem Jahr 1770. Dieses Unternehmen verhüttete zunächst Münzen und Edelmetall-Legierungen. Nach der Besetzung des damaligen Edelmetallhandelszentrums Amsterdam ab 1795 profitierte das Unternehmen von der angespannten Lage am Edelmetallmarkt, bevor es durch die Besetzung Hamburgs ab 1806 ebenfalls von französischen Besatzern blockiert wurde.
Seit die Hamburger Reeder ab etwa 1830 begannen, auf den Rückfahrten ihrer Auswandererschiffe von Nord- oder Südamerika Kupfererz mitzubringen, ergab sich ein lukrativer Markt. Im Laufe der Zeit verschob sich daher die Produktion zur Verhüttung von Erzen.
Ausweitung der Geschäfte bis zum Ersten Weltkrieg Nach dem großen Hamburger Brand von 1842 stieg erneut die Nachfrage nach Metallen, insbesondere nach Kupfer als nicht brennbares Baumaterial bspw. für die Dachdeckung. Im Jahr 1846 beteiligte sich Joh. Ces. Godeffroy & Sohn an der Beit, Marcus und Salomon, Gold- und Silberscheider unter Ferdinand Beit (1817–1870).Ferdinand Beit war Mitbegründer der BASF und Onkel von Alfred Beit. Das gemeinsame Unternehmen nannte sich Elbkupferwerk mit Hauptsitz auf der Hamburger Elbinsel Nordersand, heute Steinwerder. Es verarbeitete Kupfererze, die eigene und fremde Schiffe aus Südamerika, hauptsächlich aus Chile, im Hamburger Hafen anlandeten.Eric Zinnow: Die Beit-Chronik. Würzburg 1995, Handschrift Staatsarchiv Hamburg.
Bereits 1853 wurden im Rahmen einer Werkserweiterung Bedenken aufgrund der Arsenbelastung für die Stadt geäußert, die das Unternehmen 1856 jedoch mit der Zusage zu Umweltschutzmaßnahmen und weiteren Auflagen ausräumte. Der gleichzeitige Konjunkturaufschwung führte 1856 zur Gründung der Elbhütten-Affinier- und Handelsgesellschaft, wobei das Elbkupferwerk und das Beit’sche Stammwerk, ein Unternehmen von Marcus Solomon Beit, zusammengeführt wurden, um das Wachstum voranzutreiben., Handelskammer Hamburg, abgerufen am 6. Januar 2012. Um 1860 produzierte das neue Unternehmen mit rund 3000 Tonnen pro Jahr etwa 55 % der gesamten deutschen Kupferproduktion. Beit und Godffroy hielten je 25 % der Aktien während 50 % von der Allgemeinen Deutschen Credit Anstalt Leipzig gehalten wurden.
In der Zeit von 1857 bis 1864/1865 wurde aufgrund einbrechender Nachfrage, sinkenden Metallpreisen und abflachenden Erzrückfrachten erst die Werkstätigkeit sukzessive gedrosselt und schließlich komplett eingestellt. Zusammen mit der Norddeutschen Bank gründete ein Konsortium um Ferdinand Beit am 28. April 1866 die Norddeutsche Affinerie AG und übernahm das inzwischen stillgelegte Beit’sche Stammwerk wegen vielversprechender Zukunftsaussichten. Die Norddeutsche Bank war mit 75 % der Aktienanteile Hauptaktionär und -inhaber der neuen Gesellschaft.
Nach den ersten ruhigen Betriebsjahren kehrte das Unternehmen im Zuge der Gründung des Deutschen Reichs 1871 und der Einführung der reichsweiten Einheitswährung Mark (siehe auch: Goldmark) 1873 zur Affination verrufener Münzen zurück. Die von den deutschen Staaten und Freien Städten ausgegebenen Münzen, insbesondere die silbernen Taler, mussten recycelt werden.
mini|Elektrolyse auf der Peute um 1910 Im Jahr 1908 begannen die Ausbau- und Umzugsarbeiten der Norddeutschen Affinerie auf die Peute, einem Industriegebiet im heutigen Hamburg-Veddel, um alle Standorte zusammenzulegen und Raum für mögliches weiteres Wachstum zu erschließen. 1913 wurden die Umzüge abgeschlossen und die Altwerke abgerissen. In diesem Umbruch stiegen die neuen Großaktionäre Frankfurter Metallbank und Metallurgische Gesellschaft sowie die Deutsche Gold- und Silber-Scheideanstalt ein, woraufhin sich die Teilhaberschaft der Norddeutschen Bank auf 50 % reduzierte.
Zeit der Weltkriege Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 versiegte mit der Blockade der Nordsee durch die britische Royal Navy zunehmend der Zugang zu Rohstoffen und Vorprodukten, während gleichzeitig der Bedarf für Kriegsausstattung stieg. Durch die Not an Metallen wurden zunächst im Rahmen der ersten Metallspende des deutschen Volkes freiwillige Abgaben zu Kriegsgut verarbeitet. Später wurden durch Einflussnahme der staatlichen Kriegsmetall AG auch enteignete Haushaltsgegenstände sowie Kirchenglocken und Orgelpfeifen eingeschmolzen.Die Enteignung der Kirchenglocken. In: Mecklenburg. Zeitschrift des Heimatbundes Mecklenburg, Jg. 12/1917, S. 75 ff. Während des Krieges wurden zudem Kriegsgefangene belgischer und russischer Herkunft als Zwangsarbeiter beschäftigt.
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs 1918 war die Norddeutsche Affinerie durch die Umstellung auf eine Friedenswirtschaft, Arbeitskräftemangel, hohe Inflation und veraltete Ausstattung belastet. 1921 erfolgten große Investitionen in den Standort, um international konkurrenzfähig zu werden. 1926 stieg die British Metal Corporation zu 26 % bei der Norddeutschen Affinerie ein, während zwei Jahre später 51 % der Chemiefabrik J. E. Devrient AG erworben und in den Konzern auf der Peute eingegliedert wurden. Trotz der Weltwirtschaftskrise 1929 erwies sich das Unternehmen als stabil und war in der Lage, die Produktpalette zu erweitern.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 erlebte das Unternehmen einen massiven Aufschwung. Gleichzeitig mussten mit Richard Merton, Julius Levisohn und Heinrich Wohlwill drei Personen jüdischer Abstammung aus dem Vorstand zurücktreten. Mit Wilhelm Avieny von der Metallgesellschaft und Hermann Schlosser von der Degussa übernahmen 1939 zwei Personen leitende Funktionen im Aufsichtsrat, die eng mit der nationalsozialistischen Politik verbunden waren. Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs deckte das Unternehmen die Hälfte des deutschen Kupferverbrauchs und beschäftigte etwa 1450 Menschen. Ab 1940 war die Norddeutsche Affinerie ebenfalls an der Verarbeitung von Raubgold beteiligt, das im Rahmen der Leihhausaktion von jüdischen Besitzern erpresst worden war. Auch bei der zweiten Metallspende des deutschen Volkes spielte das Unternehmen eine tragende Rolle und schmolz neben freiwilligen Spenden ebenfalls enteignete Grabkreuze, Brunnen, Denkmäler und Kirchenglocken ein (siehe auch: Glockenfriedhof).Fotos, das den Umgang mit diesem Material zeigt, in: 100 Jahre Norddeutsche Affinerie, Hamburg 1966, S. 74 f. Die Bombenangriffe der Operation Gomorrha (Juli und August 1943) trafen das Werk eher indirekt: Das Werk erlitt zwar einige Bombentreffer, die Schäden hielten sich im Vergleich zu anderen Stadtgebieten jedoch in Grenzen. Der Betrieb lag dennoch zeitweise still, weil große Teile der Bevölkerung und der Belegschaft Hamburg verlassen hatten und sich erst nach und nach wieder einfanden. Deutlich gravierender waren die Schäden durch einen Luftangriff am 4. November 1944, der eigentlich der Harburger ÖlraffinerieHeute Holborn Europa Raffinerie GmbH. Zu den Bombardierungen dieser Anlage siehe gelten sollte. Im Werk der Norddeutschen Affinerie entstanden große Schäden. Der Betrieb kam bis Kriegsende nicht wieder in Gang.100 Jahre Norddeutsche Affinerie, Hamburg 1966, S. 78–80.
Zwangsarbeiter Während des Zweiten Weltkriegs war die Norddeutsche Affinerie wichtiger Zulieferer für die Munitionsindustrie und setzte in der Produktion Zwangsarbeiter ein. Zu Höchstzeiten im Juli 1944 waren von insgesamt rund 1900 Beschäftigen 806 Zwangsarbeiter beschäftigt, wobei ein unterbreitetes Angebot über weitere 1000 bis 1500 Zwangsarbeiter aus dem KZ Neuengamme abgelehnt wurde.
Nachkriegsjahre und Entwicklung bis zum Börsengang (1998) mini|1959: Verwaltungsgebäude der Norddeutschen Affinerie Nach Ende des Krieges und der Besatzung durch die Briten war das Werk von Demontagen bedroht. Eine erste wurde Anfang 1946 durchgeführt und betraf die Anlagen zur Aluminiumpulverherstellung. Mitte 1946 waren Demontagepläne jedoch obsolet. Mehrfach konnten zudem Beschlagnahmungen des seit dem Krieg auf dem Werksgelände lagernden Metalls verhindert werden. Nach anfänglichem Arbeitskräftemangel lief die Produktion in den verschiedenen Werksbereichen ab Mitte 1946 langsam wieder hoch.100 Jahre Norddeutsche Affinerie, Hamburg 1966, S. 81–85.
Mit dem Marshallplan 1947 und der folgenden Währungsreform 1948 folgte das „Wirtschaftswunder“, welches ebenfalls der Norddeutschen Affinerie zu alter Größe verhalf und erneut hohe Investitionen in den Standort mit sich führte.Zu den Investitionen und Innovationen siehe 125 Jahre Norddeutsche Affinerie Aktiengesellschaft, Hamburg 1991, S. 78 f. und 90 f. Auch internationale Lieferantenbeziehungen konnten vereinbart werden, beispielsweise mit Partnern in England, Belgien, Peru, Chile oder Afrika.100 Jahre Norddeutsche Affinerie, Hamburg 1966, S. 85–89. Bereits 1951 war das Produktionsniveau von 1938 erreicht; bis Mitte der 1960er Jahre verdoppelte es sich. Seit Anfang der 1960er Jahre stellte die Norddeutsche Affinerie aufgrund des Arbeitskräftemangels in der Bundesrepublik Gastarbeiter ein, vor allem aus Spanien, Griechenland und der Türkei.100 Jahre Norddeutsche Affinerie, Hamburg 1966, S. 90 f. 1973 beschäftigte das Unternehmen rund 3000 Mitarbeiter; 38,5 Prozent waren Gastarbeiter.125 Jahre Norddeutsche Affinerie Aktiengesellschaft, Hamburg 1991, S. 91.
Nach mehreren fehlgeschlagenen internationalen Beteiligungsversuchen gelang es dem Unternehmen ab 1969 mehrere Beteiligungen und Projekte wie an der Otavi Mining Company, Transvaal Alloys oder der Freeport Indonesia zu realisieren.125 Jahre Norddeutsche Affinerie Aktiengesellschaft, Hamburg 1991, S. 91 und 102. 1975 gründete das Unternehmen zusammen mit dem chilenischen Kupfererzeuger Codelco und den deutschen Hüttenwerken Kayser in Lünen das Joint Venture Deutsche Giessdraht GmbH.Hüttenwerke Kayser AG. Vor 125 Jahren in Berlin gegründet. In Handelsblatt, 21. März 1986.
Im Juli 1998 erfolgte der Börsengang der Norddeutschen Affinerie in Frankfurt. Dabei wurden 70 % der Aktien in den Free Float übergeben, während die Hauptaktionäre Inment Mining Corp., Mount Isa Holding und Degussa jeweils 10 % der verbleibenden Aktien hielten.
Unternehmen seit dem Börsengang Im September 1999 wurde der Joint-Venture-Partner Kayser vollständig von der Norddeutschen Affinerie übernommen. Im Jahr 2002 wurde Prymetall übernommen, welches zuvor zusammen mit den Wieland-Werken in Stolberg ein Kupfer-Vorwalzwerk betrieb.
Seit Mai 2007 ist Aurubis durch eine sogenannte virtuelle Kraftwerksscheibe – eine gesellschaftsrechtliche Beteiligung in Höhe von 115 MW – am Kohlekraftwerk Moorburg, das Vattenfall Europe in Hamburg-Moorburg für importierte Steinkohle errichtet hat, beteiligt. Durch einen langfristigen Liefervertrag, dessen Preisstellung sich an den Erzeugungskosten des entsprechenden Kraftwerks orientiert, wird Aurubis von Vattenfall bis 2040 pro Jahr eine Milliarde Kilowattstunden Strom beziehen. Im Februar 2008 übernahm die Norddeutsche Affinerie nach einer langen Auseinandersetzung mit A-Tec Industries über 91 % des belgischen Kupferbearbeiters Cumerio. Im April 2008 wurde durch einen Squeeze-out die Komplettübernahme für rund 777 Mio. EUR von Cumerio vollzogen.