mini|Marne-Schlacht, Abschnitt der Armee Foch
Die Schlacht in den Sümpfen von Saint Gond und die Kämpfe bei Fere-Champenoise (französisch: Bataille des Marais de Saint-Gond, englisch: Battle of the Saint-Gond Marshes) vom 6. bis 9. September 1914 waren zu Beginn des Ersten Weltkrieges neben der Schlacht am Ourcq ein entscheidender Kampfabschnitt in der Ersten Schlacht an der Marne. Die neu aufgestellte französische 9. Armee führte ab 6. September im engen Zusammenwirken mit der 5. Armee starke Gegenangriffe und hielt den Vormarsch des rechten Flügels der deutschen 2. Armee und des linken Flügels der deutschen 3. Armee auf. Vier Tage lang kam es zu schweren Kämpfen auf beiden Seiten. Die französische 9. Armee musste den Angriffen der deutschen 2. Armee (Garde-, 10. Armee- und 10. Reserve-Korps) und des rechten Flügel der 3. Armee (12. Armee- und 12. Reserve-Korps) standhalten, welche an der mittleren französischen Front durchbrechen wollten. Am 8. September kam es zum Höhepunkt des Kampfes, den deutschen Truppen gelang es, Fère-Champenoise zu besetzen. Am Morgen des 9. September war die Situation der französischen 9. Armee noch kritisch, auf allen Seiten griffen die deutschen Truppen an, stürmten das Dorf und die Burg von Montdement sowie den Mont-Août, erreichten das Westufer des Maurienne-Baches und stürmten noch das Dorf Mailly. Im Laufe des Nachmittags begannen die deutschen Truppen dann den Rückzug, der linke Flügel der deutschen 2. Armee wurde dabei heftig von der französischen 5. Armee verfolgt. Der zähe Widerstand der französischen 9. Armee in den Sümpfen von Saint-Gond hatte starke deutsche Truppenteile gebunden und es der französischen 5. Armee und der British Expeditionary Force erlaubt, an der Frontlücke zwischen der deutschen 2. und 1. Armee erfolgreich bei Château-Thierry nach Norden durchzubrechen.
Vorgeschichte Die deutsche 2. Armee unter Generaloberst von Bülow erreichte am 28. August die Oise und stieß zwischen Guise bis Saint-Quentin auf die Gegenoffensive der französischen 5. Armee. Der französische Oberbefehlshaber General Joseph Joffre verstärkte nach der Schlacht von St. Quentin (29. und 30. August 1914) die auf Paris und die Marne zurückgehende 5. Armee und zog im Raum Meaux vorsorglich Truppen aus dem Elsass und Lothringen zum Schutz von Paris zusammen. Ziel war es eine starke Gegenoffensive in die offene Flanke des deutschen rechten Flügels anzusetzen. Die deutsche 3. Armee verfolgte nach Südwesten, General von Hausen unterstützte ein Hilfsgesuch des Herzogs von Württemberg und ließ den rechten Flügel (XII. Armeekorps) seiner Armee nach Südosten auf Sompuis einschwenken. Das AOK 3 erkannte nicht eine offene Bresche, die sich zwischen der französischen 4. und 5. Armee aufgetan hatte. Die französische 4. Armee war in der Region Vitry-le-François ernsthaft bedroht und zwischen ihr und der 9. Armee öffnete sich eine Frontlücke von 20 km. Um diese Lücke zu schließen, musste Joffre weitere Truppen aus anderen Abschnitten herausziehen. Der bisherige Kommandeur des französischen 20. Corps im Raum Nancy. General Ferdinand Foch erhielt am 28. August das Kommando über die neugebildete Armeeabteilung Foch (am 5. September in 9. Armee umbenannt). Der 9. Armee werden aus anderen Frontabschnitten mit dem 9. und 11. Corps sowie die 9. Kavalleriedivision gebildet und zwischen 5. und 4. Armee eingeschoben. Als Stabschef der 9. Armee fungierte Oberst Maxime Weygand, bisher Führer des 5. Husaren-Regimentes, der bis zum Ende des Krieges mit General Foch eng verbunden bleiben sollte. Um den französischen Widerstand zu überwinden, forderte die OHL Generaloberst von Kluck auf, den linken Flügel der 1. Armee auf die Oise in Richtung Coucy - Matz anzunähern. Die französische 3. Armee (General Sarrail) und die 4. Armee (General de Langle de Cary) konnten sich in den Kämpfen in der Champagne und in den Argonnen behaupten, trotzdem war der französische Oberbefehlshaber gezwungen, eine neue Armee mit improvisierten Streitkräften aufzustellen, um die entstandene Frontlücke zwischen der 5. und 4. Armee zu schließen.
Aufmarsch Generaloberst Karl von Bülow glaubte, dass sich der Gegner über die Seine zurückgezogen hätte und befahl seinen Einheiten, die französische Nachhut zu vernichten und Einheiten bis ins Seine-Tal zu verfolgen und die dortige Eisenbahnlinie abzuschneiden. Das erste Hindernis, das überwunden werden musste, war der Verlauf des Petit Morin und der nördliche Flecken des Marais de Saint-Gond.
Am 5. September um 10 Uhr vormittags erhielt Foch von Joffre den Befehl den Rückzug zu beenden: Die 9. Armee hatte die Aufgabe den rechten Flügel der 5. Armee decken, die südlichen Zugänge der Sümpfe von St. Gond zu halten und einen Teil ihrer Streitkräfte auf das Plateau nördlich von Sezanne zu konzentrieren. Die Sümpfe von St. Gond liegen zwischen Epernay und Sezanne und werden vom Quellgebiet des Petit Morin bewässert. Das Plateau von Brie wird vom Fluss Petit-Morin durchschnitten, der nach Westen zu den Sümpfen von Saint-Gond abfließt. Die dortigen Wälder sind zahlreich und bedecken einen großen Teil des Plateaus. In Richtung Südosten am Rand des Kammes des Pariser Beckens ändert sich der Charakter des Landes. Das Höhen von Allemant bieten einen weiten Blick auf die Aube und die Seine. In der Mitte der Ebene stehen einige isolierte Gipfel wie der Mont-Août, von welchem man die Sümpfe vom Süden überblicken kann. Vom Mont Aimé konnte die Artillerie die Straßen von Reims nach Troyes und von Paris nach Châlons kontrollieren. Außerhalb der Routen über Reuvres und Broussy-le-Grand waren die Sümpfe vor ihrer späteren Einzwängung unpassierbar. Nach der Aufgabe von Champaubert musste sich das französische 9. Corps auf den südlichen Rand der Sümpfe von Saint-Gond-Sümpfe zurückziehen. Die linke Flanke mit der marokkanischen Division erhielt den Befehl sich nach St-Prix und Baye zurückzuziehen und dort zu halten. Die 42. Division unter General von Grossetti befand sich noch mit der Eisenbahn von Guignicourt her, im Antransport und wurde nach der Ausladung in Sezanne an der äußeren linken Flanke eingeschoben und stellte zwischen Villeneuve-lès-Charleville und Saint-Prix den Anschluss zum 10. Corps der 5. Armee her. Der linke Flügel der 9. Armee nahm südlich der Sümpfe von Saint-Gond Aufstellung, das 9. Corps hinter den Avantgarden mit Front nach Norden. Die marokkanische Division war zwischen Broussy-le-Grand und Broussy-le-Petit platziert. Die Brigade Blondlat griff Congy an, scheiterte jedoch und ging auf Mondemont zurück. Die 52. Reservedivision unterstützte bei Connantre. Die 17. Infanterie-Division räumte rechts Bannes und positionierte ihre Außenposten am Nordrand der Sümpfe, eine starke Avantgarde verblieb in Toulon-la-Montagne, Teile hielten die Dörfer Vert-la-Gravelle und Morains-le-Petit. Das 135. Regiment (17. Division) kämpfte in Toulon-la-Montagne und Morains-le-Petit und musste sich durch die Sümpfe auf den Mont-Août zurückziehen.
Der rechte Flügel der 9. Armee wurde vom 11. Corps an der Linie Ecury-le-Repos, Normée bis Lenharrée gebildet. Östlich letztgenannten Ortes klaffte eine 25 km lange Lücke zur 4. Armee, welche durch das 3. Kavalleriekorps von General de l'Espée ausgefüllt wurde. Während des Nachmittags ging das 9. Korps Dubois über Broussy und Bannes zurück und schob zwei Bataillone über die Sümpfe nach Toulon-la-Montagne. An der Linie Vert-la-Gravelle und Aulnizeux traf man auf das preußische Gardekorps, dessen Hauptmacht sich in Vertus versammelte. Der rechte Flügel der 9. Armee, welchen das 11. Korps unter General Eydoux sicherte am östlichen Rand der Sümpfe bei Morains-le-Petit weiter entlang Somme nach Sommesous, wo auch die 60. Reserve-Division herankam. Gegenüber rückte das sächsische XII. Armeekorps mit der 23. Reserve-Division vor. An der Linie Sommesous - Humbauville versuchte die 9. Kavalleriedivision (General de l'Espée) eine Lücke von etwa 19 km zwischen Fochs Rechten und den linken Flügel der Armee von Langle de Cary auszufüllen.
Beteiligte Streitkräfte mini|hochkant|General Foch mini|hochkant|Georges Humbert mini|hochkant|Paul-François Grossetti
Franzosen 5. Armee General Franchet d’Espèrey
1. Corps, General Henry Deligny 1. Division, General Marie Alexandre Émile Gallet 2. Division, Oberst Noël Garnier-Duplessix 10. Corps, General Gilbert Defforges 19. Division, General Gaëtan Bonnier, ab 5. Sept.: General Henry Bailly 20. Division, General Alphons Charles Ménissier 51. Division, General René Boutegourd
9. Armee General Ferdinand Foch, Stabschef: Oberst Maxime Weygand
42. Division, General Paul-François Grossetti 9. Corps, General Pierre Joseph Dubois Marokkanische Division, General Georges Louis Humbert 17. Division, General Jean Baptiste Dumas, ab 12. Sept. Pierre Amable Guignadaudet 52. Reservedivision, General Jules Battesti 11. Corps, General Joseph-Paul Eydoux 21. Division, General René Louis Radiguet 18. Division, General Justinien Lefèvre 22. Division General Joseph Maurice Pambet 60. Reservedivision, General Maurice Joppé, später Géraud François Gustave Réveilhac Kavalleriekorps l'Espée 9. Kavallerie-Division, General Jean de l'Espée Ab 10. September 6. Kavallerie-Division, General Antoine de Mitry
4. Armee General Fernand Louis Langle de Cary
Ab 9. September: 21. Corps (General Émile Legrand-Girarde) ab 14. 9. Zur 9. Armee 43. Division, General Pierre Ernest Lanquetot 13. Division, General Louis Henry Auguste Baquet
Deutsche Armee 2. Armee Generaloberst Karl von Bülow, Stabschef: Generalmajor Otto von Lauenstein 240.000 Mann (159 Bataillone, 40 Eskadronen, 152 Batterien mit 848 Geschütze)
mini|hochkant|Karl von Bülow mini|hochkant|Max von Hausen VII. Armeekorps, General der Kavallerie Karl von Einem 13. Division, Generalleutnant Kurt von dem Borne 14. Division, Gen.Lt. Paul Fleck X. Reserve-Korps, General der Infanterie Johannes von Eben 2. Garde-Res. Division - GenLt. Richard von Süßkind 19. Reserve-Division - GenLt. Max Bahrfeldt X. Armee-Korps, General der Inf. Otto von Emmich 19. Division - GenLt. Max Hofmann 20. Division - GenLt. Alwin Schmundt Gardekorps General d. Inf. Karl von Plettenberg 1. Garde-Division - GenLt. Oskar von Hutier 2. Garde-Division - GenLt. Arnold von Winckler
3. Armee Generaloberst Max von Hausen, Stabschef: Generalmajor Ernst von Hoeppner
XII. Reserve-Korps, General der Artillerie Hans von Kirchbach 24. Reserve-Division, Gen.Lt. Oskar von Ehrenthal 32. Division, Gen.Lt. Horst Edler von der Planitz 23. Reserve-Division, Gen.Lt. Alexander von Larisch
6. September mini|hochkant|Louis Franchet d’Espèrey
Am Morgen des 6. September begann General Franchet d’Espèrey eine unerwartete Gegenoffensive im Raum Montmirail. Die deutsche 2. Armee hatte die Linie Fontenelle (nordwestlich Montmirail-Marigny le Grand; 12 km südwestlich Fère-Champenoise) erreicht. Gegenüber der französischen 9. Armee hatte der linke Flügel der deutschen 2. Armee am 5. September den Befehl erhalten, weiter in Richtung Troyes und Vendoeuvre vorzustoßen. Der folgende Gegenangriff der bereits geschlagen geglaubten französischen 5. Armee, welche das Zentrum und den linken Flügel der 2. Armee angriff, überraschte Generaloberst von Bülow vollständig. Gleichzeitig griff die neu aufgestellte französische 9. Armee gegen den rechten Flügel der 2. Armee an, den das deutsche Gardekorps im Abschnitt Marais de Saint-Gond bildete. Im Abschnitt des französischen 9. Corps ging die 42. Division (General Grossetti) vor Tagesanbruch in Richtung Nordwesten gegen Soisy-Bouy und Villeneuve-lès-Charleville wieder in die Offensive, aber das über Corfélix und den Höhen des Saint-Prix vorgehende deutsche X. Armee-Korps zwang die Franzosen zum Rückzug. La Villeneuve ging um 8 Uhr morgens verloren, wurde aber um 9 Uhr morgens zurückerobert und ging gegen Mittag wieder verloren.