Florentinus Wang (* 17. Jahrhundert; begraben 20. Februar 1742) war ein deutscher Orgelbauer, der im 18. Jahrhundert im Herzogtum Nassau wirkte.

Leben und Werk Über Florentinus Wang sind kaum biografische Details bekannt. Er stammte aus Lützenburg (= Luxemburg) und machte sich in Hadamar mit einer Werkstatt selbstständig. In den Jahren 1708 und 1713 ist er als Pate in Hadamar nachgewiesen. Sein Wirkungsbereich erstreckte sich vor allem auf das nördliche Nassau, er wirkte aber auch in Landgrafschaft Hessen-Darmstadt.

Charakteristisch ist der fünfteilige Prospektaufbau mit außen zwei hohen Rundtürmen, seltener Spitztürmen. Zwei nach innen abfallende Harfenfeldern oder zwei hochrechteckige Flachfelder vermitteln zu einem niedrigen Rundturm in der Mitte. Ein Gesims verbindet die Rundtürme. Die Türme stehen auf Konsolen, die mit Rankenwerk geschmückt sind.Bösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Band 2/1. 1975, S. 408. Alternativ ist der mittlere Rundturm überhöht mit zwei nach außen abfallenden Flachfeldern. Wang baute einmanualige Orgeln ohne selbstständiges Pedal; nur in Dillenburg gab es ein freies Pedal. Bei einigen Orgeln wird das fehlende Pedalwerk durch die Gravität eines 16′ im Manualwerk aufgefangen. Alternativ oder unterstützend kommt eine Quinte 6′ zum Einsatz, die zusammen mit einem 8′ einen akustischen 16′ erzeugt.Binz: Die Wang-Orgel in der Kapelle von Schloss Oranienstein zu Diez. 2014, S. 148–149. Im Manualwerk finden sich häufig Terz neben einem meist fünffachen Cornett und ein Zungenregister.Fischer, Wohnhaas: Lexikon süddeutscher Orgelbauer. 1994, S. 448.

Wangs Schüler wurde Andreas Scheld, der in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts von Niederscheld aus arbeitete.Bösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Band 2/1. 1975, S. 165. Wang wurde am 20. Februar 1742 in Hadamar beerdigt.

Werkliste Kursivschreibung gibt an, dass die Orgel nicht oder nur noch das historische Gehäuse erhalten ist. In der fünften Spalte bezeichnet die römische Zahl die Anzahl der Manuale, ein großes „P“ ein selbstständiges Pedal, ein kleines „p“ ein angehängtes Pedal. Die arabische Zahl gibt die Anzahl der klingenden Register an. Die letzte Spalte bietet Angaben zum Erhaltungszustand oder zu Besonderheiten. Kursivschreibung zeigt an, dass die Orgel nicht oder nur noch der Prospekt erhalten ist.

Jahr Ort Kirche Bild Manuale Register Bemerkungen 1698–1701 Hattenrod Evangelische Kirche Zuschreibung Neubau; nicht erhalten 1703 Ettingshausen Evangelische Kirche I 8 Zuschreibung Neubau; 1878 ersetztBösken, Fischer: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Band 3/1, 1988, S. 293. 1703 Grünberg Stadtkirche I/p 12 Neubau; 1812 in die Hospitalkirche umgesetzt und nicht erhaltenBösken, Fischer: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Band 3/1, 1988, S. 424, 427. 1710 Diez St. Peter I Aufstellung einer gebrauchten Orgel; nicht erhaltenBinz: Die Wang-Orgel in der Kapelle von Schloss Oranienstein zu Diez. 2014, S. 146. 1715–1716 Diez Schloss Oranienstein, Kapelle zentriert|160x160px I/p Neubau; 1935 durch Wilhelm Sauer ersetzt; Gehäuse erhaltenBinz: Die Wang-Orgel in der Kapelle von Schloss Oranienstein zu Diez. 2014, S. 141–143. 1719 Dillenburg Evangelische Stadtkirche zentriert|160x160px I/P 13 Neubau; Prospekt erhaltenBösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Band 2/1. 1975, S. 129–132. 1722 Kirchähr St. Bartholomäus und St. Sebastian I Zuschreibung Neubau; nicht erhaltenBösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Band 2/1. 1975, S. 512. 1722 Niederselters St. Christophorus I Zuschreibung Neubau; nicht erhalten 1723 Eppenrod Ev. Kirche Zuschreibung Neubau; Gehäuse erhalten 1723 Flacht Ev. Kirche I 15 Zuschreibung Neubau; Gehäuse erhaltenBösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Band 2/1. 1975, S. 186. 1725 Schönbach Ev. Kirche zentriert|160x160px I Zuschreibung Neubau; reich verzierter Prospekt und 6 Register erhaltenFolkhard Cremer (Red.): Dehio-Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Hessen I: Regierungsbezirke Gießen und Kassel. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2008, ISBN 978-3-422-03092-3, S. 820. 1725 Emmerichenhain Ev. Kirche I 11 Neubau; Gehäuse und Register teilweise erhalten 1726–1727 Daaden Evangelische Kirche I/p 15 Neubau; 1908 ersetzt; Gehäuse erhalten (sehr ähnlich wie Haigar)Hammer: Orgelbau im Westerwald. 1971, S. 63. 1732 Haiger Evangelische Stadtkirche 160x160px I/p 14 1730 Neubauvertrag; Gehäuse und Register zur Hälfte erhaltenOrgel in Haiger. orgbase.nl; abgerufen am 7. Juli 2020. 1749? Steinbrücken Evangelische Kapelle 160x160px I 5 Neubau, Wang eindeutig zugewiesen, ursprünglich für die Hugenottenkirche (Usingen), 1908 nach Merkenbach, 1951 Psychiatrie Herborn, Ende 1980er Stadtkirche Herborn, seit 2013 Steinbrücken; weitgehend erhaltenOrgel in Steinbrücken. ekhn.de; abgerufen am 17. Juni 2020. ? Driedorf Ev. Kirche Neubau; 1819 verbranntBösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Band 2/1. 1975, S. 140. ? Siegen Unteres Schloss, Hofkapelle Vermutung Neubau, Disposition wie Oranienstein; nicht erhalten

Literatur Christian Binz: Die Wang-Orgel in der Kapelle von Schloss Oranienstein zu Diez. In: Nassauische Annalen, 2014, Band 125, S. 137–151.

Hubert-Gabriel Hammer: Orgelbau im Westerwald. Studien zum Orgelbau im Rheinland. A. Volk, Köln 1971.

Einzelnachweise

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