mini|hochkant=1.2|Panzerhaubitze 2000, ein selbstfahrendes gepanzertes Artilleriegeschütz mini|hochkant=1.2|Feldartillerie beschießt Falludscha, 2004 mini|hochkant=1.2|Artilleriebedienmannschaft mit 7,7-cm-Feldkanone 96 n. A., 1914

Artillerie (deutsch: Geschützwesen)Meyers kleines Lexikon. Bibliographisches Institut, 9. Auflage, Leipzig 1933, 1. Band, S. 108.Duden: Der große Duden – Fremdwörterbuch. 5. Band, 2. Auflage, Bibliographisches Institut, Dudenverlag, Mannheim / Wien / Zürich 1971, ISBN 3-411-00905-5, S. 70. ist der militärische Sammelbegriff für großkalibrige Geschütze und Raketenwaffen und auch der Name der Truppengattung, die diese Waffen einsetzt. Ihre Angehörigen werden als Artilleristen bezeichnet.

Im 19. Jahrhundert bildete die Artillerie „in den Organisationen der Heere neben der Infanterie und der Cavalerie die dritte Hauptwaffe,“Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände – Conversations-Lexikon. 11. Auflage, 2. Band, F. A. Brockhaus-Verlag, Leipzig 1864, S. 183 ff. also Kanonen neben Fußvolk und Reiterei. Heute gibt es ballistische Geschütze in allen Teilstreitkräften (Heer, Luftwaffe, Marine).Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden, Verlag Friedrich Arnold Brockhaus, 19. Auflage, 2. Band, Mannheim 1987, ISBN 3-7653-1102-2, S. 157–159.

Begriffe Etymologie mini|hochkant|Kugel statt Pickel auf dem Helm als Artillerietruppenkennzeichen bei preußischem Artilleriehelm Artillerie (französisch über provenzalisch artilla, „Festungswerk“, von mittellateinisch articula, abgeleitet von ars „Kunst“Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage, Hrsg. von Walther Mitzka, Verlag Walter de Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 32.) ist ein Fremdwort, dessen Verwendung im Deutschen seit dem 17. Jahrhundert bezeugt ist. Ursprünglich wurde es mit der Bedeutung „Geschütz“ verwandt, später bezeichnete es die Waffengattung der schweren Geschütze und die Truppeneinheiten, die sie bedienten. Entlehnt ist das Wort aus dem Französischen, wo das Wort artillerie für Geschütze oder die Gesamtheit des schweren Kriegsmaterials stand. Dieses Wort wiederum leitet sich von dem altfranzösischen Verb „artillier“ ab, das für „mit Kriegsgerät ausrüsten“ steht.Etymologie. Herkunftswörterbuch der deutschen Sprache. (= Duden. Bd. 7). Bibliographisches Institut, Mannheim 1963, ISBN 3-411-00907-1, S. 55.

Abgrenzung Der Name Artillerie, entlehnt im 16. (als Artelarei und Artelarey,Wilhelm Hassenstein, Hermann Virl: Das Feuerwerkbuch von 1420. 600 Jahre deutsche Pulverwaffen und Büchsenmeisterei. Neudruck des Erstdruckes aus dem Jahr 1529 mit Übertragung ins Hochdeutsche und Erläuterungen von Wilhelm Hassenstein. Verlag der Deutschen Technik, München 1941, S. 179 f. (Die Freiheyt der Artelarei. aus: Büchsenmeysterei. Christian Egenollfs Erben, 1582, S. 66–77.) auch Arckeley und ArckelleyLeonhard Fronsperger: Von Kayserlichen Kriegßrechten Malefitz und Schuldhaendlen / Ordnung und Regiment […]. 4., vermehrte und verbesserte Auflage. Sigmund Feyerabend und Simon Hüter, Frankfurt am Main 1566, Blatt 82 (Ampter der Arckeley).) und im 17. Jahrhundert aus dem Französischen, geht auf das Altfranzösische artill(i)er (mit Gerätschaft ausrüsten) zurück, wahrscheinlich einer Ableitung vom altfranzösischen tire (Ordnung, Reihe).

Die Artillerie ist in vielen Streitkräften, insbesondere in der Teilstreitkraft Heer, eine Waffengattung. Die Abgrenzung anhand der Waffenart – großkalibrige Rohrwaffe – ist nach dem Aufkommen von Raketenartillerie nicht mehr eindeutig.

Die Definition der Truppengattung ist weitgehend durch eine funktionelle Sichtweise ersetzt. Im Allgemeinen werden im Heer diejenigen Truppen zur Artillerie gezählt, die feindliche Bodenziele mittels großkalibriger Geschütze und mittels Raketenwerfer durch Steilfeuer bekämpfen.

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) definiert den Begriff „Artillerie“ im Vertrag über Konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE-Vertrag) von November 1990 in Artikel II wie folgt: „Artillerie“ bezeichnet großkalibrige Systeme, die Bodenziele in erster Linie durch Schießen im indirekten Richten bekämpfen können. Solche Artilleriesysteme bieten Truppenteilen der verbundenen Waffen die unerlässliche Unterstützung durch Feuer im indirekten Richten. Großkalibrige Artilleriesysteme sind Kanonen, Haubitzen sowie Artilleriewaffen, die Eigenschaften von Kanonen und Haubitzen miteinander verbinden, und Mörser sowie Mehrfachraketenwerfersysteme mit einem Kaliber von 100 Millimetern und darüber. Außerdem fallen alle künftigen großkalibrigen Systeme zum Schießen im direkten Richten, wenn sie sekundär zum Schießen im indirekten Richten geeignet sind, unter die Artillerieobergrenzen.

Die Flugziele bekämpfende Flakartillerie zählt in vielen Heeren als eigene Truppengattung oder ist Teil der Luftstreitkräfte, wo zumeist keine Truppengattungen eingeteilt sind. Die Marineartillerie ist eine Laufbahnverwendung, jedoch keine Truppengattung, da die Marine diese meist nicht definiert. Unterteilt wird in Schiffsartillerie, die als organischer Teil einer Schiffsklasse angesehen wird, und in früheren Zeiten in die Küstenartillerie zur Verteidigung von Hafenanlagen oder zur Kontrolle von Meerengen.

Unterteilung mini|Taktisches Zeichen der NATO für Rohrartillerie (blau bei Freundtruppenteilen) mini|Taktisches Zeichen für Panzerartillerie

Historisch wird die Artillerie der Landstreitkräfte unterschieden nach Geschützart: Wurfmaschinen, die von der Antike bis zum 16. Jahrhundert verwendet wurden. Rohrartillerie – seit dem 15. Jahrhundert mit Geschützen ausgestattet, bildete im Laufe der Geschichte verschiedene Untergruppen Raketenartillerie (in China entwickelt, in Indien gegen die Briten eingesetzt und von diesen übernommen).

und nach Verwendung

beim Landheer Schwere Artillerie mit Festungs- und Belagerungsartillerie Fußartillerie als schwerer Artillerie des Feldheeres (bespannte Geschütze, die Artilleristen zu Fuß und in Deutschland um 1900 mit Gewehr sowie Bajonett bewaffnet) – Infanteriegroßverbänden unterstellt Leichte Artillerie Feldartillerie als historischer Truppengattungsverbund, unterteilt in Fahrende Artillerie (teilweise ebenfalls Fußartillerie genannt, die Bedienung seit dem 18./19. Jahrhundert mit eigenen Sitzen auf Protze und Lafette, mitunter auch auf Handpferden oder Transportkarren sitzend; in Deutschland um 1900 bewaffnet mit Bajonett und Pistole, jedoch kein Gewehr) – Infanteriegroßverbänden unterstellt Reitende Artillerie (umgangssprachlich auch Fliegende Artillerie; schneller manövrierbar als die Fahrende Artillerie, Artilleristen gänzlich beritten; bewaffnet mit Kavalleriesäbel) – Kavalleriegroßverbänden unterstellt

bei der Marine Schiffsartillerie mit Rohr- und Raketensystemen Küstenartillerie

bei der Luftwaffe Flakartillerie mit Flak kurzer und mittlerer Reichweite FlaRak-Fliegerabwehrverbände mit Raketensystemen kurzer und mittlerer Reichweite

Modern wird die Artillerie des Heeres unterschieden in Rohrartillerie Panzerartillerie mit Panzerhaubitzen, seltener Kanonen als gepanzerte Selbstfahrlafetten, Feldartillerie mit gezogenen oder selbstfahrenden Geschützen – Sonderformen sind die luftverlastbare Luftlandeartillerie und die zerlegt auf Tragtieren transportierbare Gebirgsartillerie, letztere wurde in den meisten Heeren durch normale weitreichende Artillerie abgelöst, gezogen, z. B. FH 70, M777 Selbstfahrlafette Rad oder Kette lufttransportfähige Artilleriesystem Archer oder DANA Luftlandeartillerie früher mit rückstoßfreien Geschützen, in der Bundeswehr auch zeitweilig LARS Gebirgsartillerie mit Gebirgsgeschützen Raketenartillerie (in moderner Form seit dem Zweiten Weltkrieg) mit Boden-Boden-Werfersystemen, z. B. Leichtes Artillerieraketensystem, MLRS, ATACMS Aufklärende Artillerie (seit dem Ersten Weltkrieg), die – organisiert in Beobachtungsabteilungen – mittels Radar, Licht- oder Schallmesstechnik und Drohnen Artillerieziele wie gegnerische Artilleriestellungen, Bereitstellungsräume, Gefechtsstände, aber auch eigene Granateneinschläge ortet, Vermessungsaufgaben wahrnimmt und Wetterdaten auswertet. Bedeutung haben in modernen Streitkräften überwiegend nur noch die Panzerartillerie, die Raketenartillerie mit Mittleren Artillerieraketensystemen bis mittlere Reichweite, die aufklärende Artillerie sowie in kleinerem Maße die fahrende Feldartillerie insbesondere als Luftlandeartillerie. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Infanterie noch unmittelbar durch Infanteriegeschütze von den Regimentern unterstellten Einheiten unterstützt. Diese wurden durch Mörser in Mörserkompanien der Bataillone und durch Feldkanonen für die unmittelbare Feuerunterstützung abgelöst.

Munition

Neben den Artilleriegeschossen kann Artillerie über Raketen und Flugkörper als Wirkmittel verfügen. Der Raketenwerfer MARS kann unter anderem Raketen mit Spreng-/Splitterwirkung, Bomblettsubmunition und Panzerabwehrminen verschießen. Die Bundeswehr verfügt heute über Spreng-, Leucht-, Nebel-, Übungs- und Exzerziergeschosse.

Einsatz mini|Einsatz von Artillerie-Leuchtgranaten am Fuße des Fletschhorns mini|Einschlag eines Artilleriegeschosses auf dem Artillerie-Schiessplatz Simplon

Im modernen Kampf Indirektes Feuer ist ein Element des Gefechts der verbundenen Waffen, bei dem Feuer und Bewegung von eigenen Kampfverbänden so koordiniert wird, dass die Aufklärungs-, Wirkungs- und Bewegungsmöglichkeiten des Gegners minimiert werden. Dabei wirken direkt schießende Waffensysteme (wie z. B. Kampfpanzer, Panzerabwehrwaffen, Gewehre) eng mit indirektem Feuer von Bogenschusswaffen (Mörser, Artilleriegeschütze) und Mitteln der Luftstreitkräfte (Kampfhelikopter und Erdkampfflugzeuge) im Close Combat zusammen. Gleichzeitig ist die Artillerie das Wirkmittel im Deep Combat auf mittlere Entfernung in die Tiefe des Feindraumes, um Feinde in der Annäherung abzunutzen und diese zu erschweren.

Mit indirektem Feuer werden die eigenen Kampftruppen unterstützt, indem ein Gegner in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt und damit in seiner Kampftätigkeit behindert wird. Artilleriefeuer leistet einen wesentlichen Beitrag bei Sperren, Hindernissen und im Flankenschutz. Neben ihrer Funktion als Unterstützungswaffe vermag moderne Artillerie bis zu einem gewissen Grad auch eigene unterlegene Truppen auszugleichen, indem sie mit rasch verlegbarem Feuer in Räume wirkt, in denen sich keine eigenen Truppen befinden.

Indirektes Feuer mit Bogenschusswaffen wird nicht nur von staatlichen Streitkräften eingesetzt, sondern auch von nichtstaatlichen bewaffneten Gruppen, beispielsweise mittels ungelenkter Raketen, Mörser oder einzelner Artilleriegeschütze.Der Text dieses Abschnittes entstammt ganz oder teilweise dem Bericht „Zukunft der Artillerie“ des Schweizerischen Bundesrates vom 20. Januar 2016. Dieser Text untersteht nach Art. 5 Abs. 1 Bst. c des schweizerischen Urheberrechtsgesetzes als Bericht einer Behörde nicht dem Urheberrechtsschutz.

Indirekte Feuerunterstützung auf kurze Distanz Kampfverbände der taktischen Stufe (Bataillone) bekämpfen Ziele auf kurze Distanz (bis 10 Kilometer) mit Mörsersystemen. Aufgrund der steilen Flugbahn eignen sich diese besonders gut für den Einsatz in überbautem Gelände. Sie erlauben es, rasch Feuerschwergewichte (z. B. auf Truppenansammlungen oder Fahrzeuge) zu legen. Mit intelligenter Munition können auch Einzelziele punktgenau bekämpft werden.

Indirekte Feuerunterstützung auf mittlere Distanz (bis ca. 50 km) mini|Beleuchtungsmunition