mini|hochkant=1.2|Luftbild mit dem Neusiedler See im Vordergrund (2011)
Rust (, ) ist eine Freistadt (einer Statutarstadt anderer Bundesländer entsprechend) im Burgenland in Österreich.
Rust ist mit Einwohnern (Stand ) der kleinste Verwaltungsbezirk und die kleinste Statutarstadt Österreichs. Bekannt ist Rust als Stadt der Störche und als Weinbaugemeinde. Rust gehört seit 1921 zum österreichischen Burgenland und besitzt das Stadtrecht seit 1681, als es zur Königlich ungarischen Freistadt erhoben wurde.
Geografie Rust liegt am Westufer des Neusiedler Sees und an der Ostflanke des Ruster Hügellands, nahe der ungarischen Grenze.
Gemeindegliederung Rust besteht aus einer einzigen gleichnamigen Katastralgemeinde bzw. Ortschaft.
Nachbargemeinden
Geschichte In der vorchristlichen Zeit war das Gebiet Teil des keltischen Königreiches Noricum und gehörte zur Umgebung der keltischen Höhensiedlung Burg auf dem Schwarzenbacher Burgberg.
Später, unter den Römern, lag das heutige Rust dann in der Provinz Pannonien.
mini|links|Rust (Mitte links) und Umgebung am damals ausgetrockneten Neusiedler See, um 1873 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme)
Erstmals urkundlich erwähnt ist Rust im Jahre 1317 als Ceel () in einer Schenkungsurkunde des ungarischen Königs Karl Robert I. von Anjou-Neapel für seinen Gefolgsmann Desiderius Hedevary als .Geschichte. Die Freistadt Rust – ein historisches Porträt. In: freistadt-rust.at, abgerufen am 7. Juli 2020. Der deutsche Ortsname Rust entspricht damit dem ungarischen Ortsnamen . Der heutige ungarische Ortsname ist später lautgetreu aus dem deutschen Rust übernommen worden.
Um 1470 erhielt Rust das Marktrecht und seit 1524 haben die Ruster das von Königin Maria von Ungarn verbriefte Recht, als Markenzeichen ein gekröntes «R» in ihre Fässer einzubrennen. Dieses «R» wird auch heute noch als Gütezeichen im Korkbrand der Flaschenweine verwendet. Ab den 1520er Jahren geriet Rust vom nahe gelegenen Ödenburg her, wo 1522 ein Franziskaner lutherisch predigte, unter evangelischen Einfluss. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts bekannte sich Rust nahezu vollständig zum evangelischen Glauben und erlebte einen politisch-wirtschaftlichen wie einen geistlich-religiösen Aufbruch. Zur Grundherrschaft Ungarisch-Altenburg gehörig, sah sich die evangelische Gemeinde gegenreformatorischen Kräften gegenüber. Dennoch gestattete der Landtag 1647 den Bau einer evangelischen Kirche (der heutigen römisch-katholischen Stadtpfarrkirche), hinzu kamen ein Pfarrhaus und eine evangelische Schule. Die Gemeinde erlebte unter evangelischen Pfarrern und Lehrern eine Blütezeit, bis ab 1674 durch die teilweise gewaltsam vorgehende Gegenreformation ein Jahrhundert ohne eigene Kirche und Prediger folgte. Hausväter sicherten mit Hausandachten und Bibellese die Weitergabe des evangelischen Glaubens, während zugleich für die Kasualien der Dienst der katholischen Pfarrer in Anspruch genommen wurde.
Im Jahr 1512 erfolgte eine erste Befestigung der Stadt mit Mauern und Gräben, Rust wurde dennoch 1529 und 1532 während des Türkenkrieges zerstört. 1614 wurde dann eine Ringmauer als zweite Stadtbefestigung errichtet, welche heute noch in großen Teilen erhalten ist.
Im Jahre 1649 kaufte sich Rust von der Herrschaftsuntertänigkeit frei, die Stadt bezahlte dafür 60.000 Goldgulden und 500 Eimer besten Weines an die Habsburger: fast 30.000 Liter Ruster Ausbruch der Sorte Furmint. Am 3. Dezember 1681 erhielt Rust von König Leopold I. den Titel Königliche Freistadt (Reichstag in Ödenburg) – gegen einen großenteils von der evangelischen Bevölkerung aufgebrachten Betrag, was ihr die evangelische Kirche zunächst nicht zurückbrachte.
1918 bestand der (unverwirklicht gebliebene) Plan, von der Station der Raab-Oedenburg-Ebenfurter Eisenbahn in Sopron (Ödenburg) eine über Mörbisch am See nach Rust führende normalspurige Eisenbahn zu errichten.
Rust, bis 1921 zum Königreich Ungarn und danach zur Republik Österreich gehörend, übt seine Selbstverwaltung durch ein eigenes Stadtrecht aus. Da Rust bereits vor dem Anschluss des Burgenlandes an Österreich (ungarische) Freistadt war, wurde es nach 1921 einer Statutarstadt gleichgestellt und stellt seitdem den kleinsten Verwaltungsbezirk Österreichs dar.Freistadt Rust: Leitbild. Unsere Freistadt Rust. In: freistadt-rust.at, abgerufen am 28. Juni 2022.
Zum ersten Mal 1931 erwähnt, wurde 1932 die Ortsgruppe der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei gegründet.Rust in der NS-Zeit. In: ÖsterreichWiki.org, abgerufen am 3. Juni 2019. Bei der Volksabstimmung über den Anschluss Österreichs im März 1938 wurden 862 Ja-Stimmen und 1 Nein-Stimme abgegeben, die auf einer Gedenktafel für (angeblich) 100 % Ja-Stimmen keine Erwähnung findet. Drei Jüdische Familien wurden enteignet, teils vertrieben, teils in Lagern ermordet. Roma und Romnija wurden diskriminiert, in Lager verschleppt und ermordet. Vier Menschen mit Behinderung wurden im Rahmen der nationalsozialistischen Krankenmorde ermordet.
Seinen Status als Landesunmittelbare Stadt verlor Rust nach dem Anschluss Österreichs per 15. Oktober 1938. Es wurde dem Verwaltungsbezirk Eisenstadt (ab 1. Januar 1939 Landkreis Eisenstadt) zugeteilt.Verordnung des Landeshauptmannes von Niederdonau vom 12. Oktober 1938 über die Einteilung des Amtsbereiches Niederdonau in Verwaltungsbezirke (Verordnungsbl. f. d. Amtsbereich des Landeshauptmannes von Niederdonau, 8. Stück S. 33–35, vgl. § 1 Abs. 1 und 5) Digitalisat
Im Zweiten Weltkrieg gab es 113 Gefallene bzw. Vermisste. Die Rote Armee beendete am 2. April 1945 die nationalsozialistische Gewaltherrschaft. Nach dem Krieg wurden Funktionsträger der NSDAP und der Polizei in Entnazifizierungsprozessen zu Haftstrafen verurteilt.
2019 wurde Rust der Ehrentitel „Reformationsstadt Europas“ durch die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa verliehen.Siehe das Stadtporträt Reformationsstadt Rust. Österreich. In: reformation-cities.org, abgerufen am 1. Juni 2019 (gemeinsame Bewerbung um den Titel seitens der evangelischen und katholischen Pfarrgemeinde sowie der Stadtregierung; zur Geschichte der Reformation und Gegenreformation in Rust).
Bevölkerungsentwicklung
Der Bevölkerungshöchststand war 2021 mit 1984 Einwohnern. 2025 lebten nur mehr 1933 Menschen in Rust und waren es .
Kultur und Sehenswürdigkeiten
mini|Das denkmalgeschützte historische Zentrum der Stadt mini|Fischerkirche mini|Störche auf Rauchfängen
Altstadt: Der gesamte malerische Altstadtbereich von Rust ist heute denkmalgeschützt. Die zahlreichen Bürgerhäuser aus dem 16. bis 19. Jahrhundert besitzen gepflegte Renaissance-, Barock- oder historistische Fassaden mit schönen Fenster- und Portalrahmungen, Erkern, Wappen- und Stuckdekorationen. Charakteristische Rundbogenportale und Einfahrtsgewölbe führen in die idyllischen Innenhöfe bzw. zu den noch älteren Hoftrakten mit gedeckten Stiegenaufgängen und Arkaden, teilweise auch mit Resten der Stadtmauer. Das historische Stadtzentrum steht unter dem Schutz der Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten. Blauweiße Tafeln kennzeichnen die einzelnen Objekte. Rust ist aber – neben Salzburg und Krems – auch eine der drei Modellstädte Österreichs, die 1975, im Jahr des europäischen, architektonischen Erbes ausgezeichnet wurden, weil hier keine revitalisierte, sondern eine vitale Altstadt besteht. 2001 wurde die Ruster Altstadt gemeinsam mit der Region Neusiedler See in die Liste der UNESCO-Weltkulturerbe-Stätten aufgenommen. Bereits einige Male wurde Rust für seine denkmalpflegerischen und kulturellen Bemühungen als Schönste Stadt des Burgenlandes ausgezeichnet. Die Häuser besitzen noch heute ihre ursprüngliche Funktion als Wohn- und Betriebsstätten der Bürger.
Fischerkirche: das älteste und kunstgeschichtlich bedeutendste Bauwerk der Stadt. Bemerkenswert sind die Fresken aus dem 12. Jahrhundert, die im 19. Jahrhundert wiederentdeckt, aber erst im 20. Jahrhundert in mehreren Abschnitten freigelegt und saniert wurden. Die kleine Kirche ist heute Museum und wird für kulturelle Zwecke genutzt. Ihrer besonderen Akustik wegen finden jährlich während der Sommermonate Konzerte in diesem besonderen Kirchenraum statt.Wehrkirche Fischerkirche in Rust / Burgenland. In: burgenkunde.at, abgerufen am 3. Juni 2019.
Katholische Pfarrkirche Rust am See Evangelische Pfarrkirche Rust am See Stadtmuseum im Kremayr-HausStadtmuseum Rust. In: neusiedlersee.com, abgerufen am 23. Februar 2024. Pulverturm: Nordost-Eckturm mit Teilen der Ringmauer aus dem 16. Jahrhundert Kunsthaus Rust Weinakademie: Seit 1989 hat die erste deutschsprachige Weinakademie der Welt ihren Sitz in dem aus dem 17. Jahrhundert stammenden Seehof
Regelmäßige Veranstaltungen
Rust ist seit 1999 Schauplatz des International Guitar Festival Rust, das sich zu einem der bedeutendsten Gitarrenfestivals in Europa entwickelte, und dem britischen Komponisten John W. Duarte (1919–2004) gewidmet ist. Es wurde vom venezolanischen Gitarristen Gabriel Guillén gegründet, dem zusammen mit Jovan Pesec die künstlerische Leitung obliegt. Zahlreiche anerkannte Gitarristen aus Österreich und dem Ausland geben Meisterkurse und Konzerte. Weiters gibt es einen internationalen Gitarrenwettbewerb sowie Instrumenten- und Notenausstellungen.
Die Gedenkinitiative Rust bemüht sich um ein Denkmal, einen Gedenkort zur Erinnerung an alle anderen Opfer des Nationalsozialismus und der Roten Armee beim Kriegerdenkmal am Conradplatz 1.
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Die Stadt ist über die Ruster Straße (B52) mit der Landeshauptstadt Eisenstadt verbunden.
Einige Jahrzehnte lang war Rust Endpunkt der 1897 eröffneten und 1953 abgebauten Bahnstrecke Schützen am Gebirge–Sankt Margarethen-Rust. Der Endbahnhof St. Margarethen-Rust lag allerdings westlich weit außerhalb von Rust am Steinbruch St. Margarethen. Der nächste Bahnhof befindet sich seither an der Pannoniabahn in Schützen am Gebirge, ab Rust verkehren Busse nach Eisenstadt bzw. auch direkt nach Wien.
Durch das Gemeindegebiet von Rust verlaufen mit dem Nordalpenweg, dem Zentralalpenweg und dem Ostösterreichischen Grenzlandweg drei österreichische Weitwanderwege.
Weinbau Die Rebflächen in der Stadtgemeinde umfassen rund 450 Hektar, welche zum Weinbaugebiet Leithaberg gehören und berühmt für den Ruster Ausbruch sind. Zu den bekanntesten Weingütern zählen Feiler-Artinger und Triebaumer.
Öffentliche Einrichtungen Als Sicherheitsbehörde I. Instanz für die Stadt fungiert die Landespolizeidirektion Burgenland in Eisenstadt; deshalb werden für Rust wie für Eisenstadt Kfz-Kennzeichen mit dem Unterscheidungszeichen E vergeben. In der Stadt ist eine Polizeiinspektion eingerichtet, die dem Stadtpolizeikommando Eisenstadt untersteht.
Die Stadt Rust liegt im Sprengel des Bezirksgerichtes Eisenstadt.
Bildung Neben einem Kindergarten existieren eine Volks- und Mittelschule sowie die Volkshochschule. Außerdem hat die österreichische Weinakademie ihren Sitz in Rust.
Politik Gemeinderat
Der Gemeinderat umfasst aufgrund der Einwohnerzahl insgesamt 19 Sitze.