mini|Dolores Schmidinger (2004) Dolores „Dolly“ Schmidinger (eigentlich: Maria-Dolores Andics-Schmidinger; * 21. September 1946 in Wien) ist eine österreichische Schauspielerin und Kabarettistin.
Leben Dolores Schmidinger kam schon als Kind mit Operetten in Berührung, da ihr Vater in den 1950er Jahren als Opern- und Operettensänger tätig war, u. a. an der Wiener Volksoper.
Sie begann während ihrer Lehre zur Kosmetikerin eine Ausbildung an der Schauspielschule Krauss. Ihre Karriere an Wiener Bühnen startete sie mit 17 Jahren in Wiener Kellertheatern. In der Saison 1964/65 stellte sie in Bronners Kabarett Theater am Kärntnertor ihr Talent unter Beweis und überraschte ihre männlichen Kollegen mit ihrem komödiantischen Talent. Dies ebnete ihr den Weg zu zahlreichen Kabarett-Sendungen im Fernsehen.
Leon Epp engagierte sie an das Wiener Volkstheater. Dort gehörte sie dem berühmten Nestroy-Ensemble unter Gustav Manker an und spielte an der Seite von Heinz Petters, Hilde Sochor, Brigitte Swoboda, Rudolf Strobl und Herbert Propst sowie in Uraufführungen von Peter Turrini (Rozznjogd, Die Wirtin, Der tollste Tag) unter der Regie von Bernd Fischerauer.
Ihr Filmdebüt hatte Dolores Schmidinger 1970 in Frau Wirtin treibt es jetzt noch toller. Neben einigen weiteren Rollen in Film und Fernsehen betätigte sie sich vor allem auf der Bühne. Sie bewies ihre Vielseitigkeit als Sängerin, Kabarettistin und Regisseurin und schaffte 1990 mit ihrem Kabarett-Programm Mit den Waffe(l)n einer Frau den großen Durchbruch. Einen weiteren großen Erfolg konnte die Künstlerin mit ihrem Programm Operation Punschkrapferl verbuchen. Die Kritiker sprachen in diesem Zusammenhang von […] überragendem komödiantischen Können genauso wie (sozialpolitische) kritische Treffsicherheit […].
In der Saison 2008/2009 inszenierte sie – als dritte Operette nach dem Bettelstudenten und dem Zigeunerbaron – den Vogelhändler im Großen Haus am Linzer Landestheater, wobei sie (für das Duett „Ich bin der Prodekan“) selbst in die Rolle einer Professorin schlüpfte.Die Künstlerin meinte in einem Interview mit der Dramaturgin Judith Deak vom Linzer Landestheater, ihr Vater habe in den 1950er Jahren im Vogelhändler den Adam gesungen, aber auch die Rolle eines der Zoologieprofessoren (den Würmchen) verkörpert – so würde sich der Kreis schließen. Während ihre Schulfreundinnen Rock ’n’ Roll gehört hätten, habe sie selber des Vaters Operetten-Klavierauszüge studiert, und da ihr Langzeitgedächtnis mit zunehmendem Alter immer frischer würde, sei dies sehr präsent. Zeitung Landestheater Linz vom November 2008.
Schmidinger engagiert sich neben ihrem Beruf als Künstlerin gegen Gewalt und Ausländerfeindlichkeit sowie für die AIDS-Hilfe, u. a. als Modell für eine Plakatkampagne mit dem Titel Sei so lieb. Dabei wurden die Darsteller nackt abgelichtet. Ihre Erfahrungen mit Bulimie hat sie in ihrem Buch Raus damit! verarbeitet.
Privates Dolores Schmidinger hat zwei Töchter, Therese (* 1979) mit dem Regisseur Helmut Froschauer und Sophie (* 1982) aus zweiter Ehe mit Eric Andics (Sohn des österreichischen Journalisten Hellmut Andics). Ihre Tochter Sophie Andics machte sie im Jahr 2000 durch die Geburt des Sohnes Leo zur Großmutter. Schmidinger war vier Mal verheiratet.
Kabarett und Programme Gurken haben keine Tränen, 1977, Konzerthaus, Wien Wann i geh, 1977 Immer bins i, 1988, k.u.k. Theater, Wien Mit den Waffe(l)n einer Frau, 1990 Die nackte Matrone 2 1/2, 1992 Rabenhof Theater, Wien (anschließende Tour durch die Bundesländer) Onkel Dai's Klotür – skurrile Zeitungsmeldungen und eigene Texte, 1994, Rabenhof Theater Heil ist geil, 1995, Rabenhof Theater, Wien (anschließende Tour durch die Bundesländer) Domina im Ausverkauf, 1997, Kulisse, Wien (anschließende Tour durch die Bundesländer) Der Versuch der alten Dame (Best of), 1999, Kulisse, Wien Im Anfang war das 'word' , 2000, Kulisse, Wien (bis 7. Dezember 2001 gespielt) Operation Punschkrapferl, 2002, Vindobona Die Queraussteigerin, 2003, Vindobona unartig, 2003, Vindobona Warum nennen's mich Dolores, 2006 Endlich suchtfrei!, 2009, Regie: Robert Mohor Ich war drüben, 2011, Kulisse
Theater Ab 1965 als Mitglied des Volkstheaters, Wien: Dreigroschenoper, Rolle der „Polly Peachum“ Die schöne Helena Liliom, Rolle der „Julie“ Rozznjogd, Rolle der „Sie“ Der tollste Tag Die Wirtin
Ab 1979 als Mitglied des Theaters in der Josefstadt, Wien: Figaro lässt sich scheiden, Rolle der „Susanne“ Der Talisman, Rolle der „Salome Pockerl“ Komödie der Irrungen
Wiener Kammerspiele: Die Kaktusblüte 40 Karat
Weiters: Grillparzer im Pornoladen, Rabenhof Theater, 1994 Kasimir und Karoline, Rolle der „Erna“, 2005, Volkstheater Wien Schöne Bescherung, Rolle der „Emily“, 2007, Wiener Kammerspiele Alltagsgeschichten, Rolle + Regie, 2007, Wiener Kammerspiele Die Präsidentinnen, 2007, Landestheater St. Pölten Heißhunger, 2008, Rabenhof Theater, Wien Der Vogelhändler, Rolle der „Fr.Prof. Dr.Dr.Niete“, 2008, Landestheater Linz Cabaret, Theater an der Wien Das Appartement, Theater an der Wien Das vierte Gebot (Anzengruber), Rolle der „Schalanterin“, Festspiele Berndorf I Am from Austria, Rolle Elfie Schratt, Vereinigte Bühnen Wien
Operetteninszenierungen Der Bettelstudent, Lehár Festival Bad Ischl, 2005 Der Zigeunerbaron, Lehár Festival Bad Ischl, 2008 Der Vogelhändler, Landestheater Linz, 2008
Film und Fernsehen 1968: Everlasting Love (Musikvideo) 1968: Donaugeschichten (Fernsehserie) 1969–1970: Der alte Richter (Fernsehserie) 1970: Frau Wirtin treibt es jetzt noch toller 1973: Frau Wirtins tolle Töchterlein 1973: Hallo – Hotel Sacher … Portier! (Fernsehserie) 1973: Tatort – Frauenmord (Fernsehreihe) 1975–1979: Ein echter Wiener geht nicht unter (Fernsehserie) 1978: Tatort – Mord im Krankenhaus 1980: Ringstraßenpalais (Fernsehserie) 1981: Wie Böhmen noch bei Österreich war 1981: Tatort – Mord in der Oper 1981: Der Bockerer 1985: Tatort – Des Glückes Rohstoff 1991: I love Vienna 1994: Höhenangst 1996: Der Bockerer II 1997: Lamorte (Fernsehfilm, Regie: Xaver Schwarzenberger) 1997: Qualtingers Wien 1998: Black Flamingos – Sie lieben euch zu Tode 1998: Die drei Posträuber (Regie: Andreas Prochaska) 1999–2000: Kaisermühlen Blues (Fernsehserie) 2000: Der Bockerer III 2008: Echte Wiener – Die Sackbauer-Saga 2009: Der Fall des Lemming 2010: Echte Wiener 2 – Die Deppat’n und die Gspritzt’n 2010: Die verrückte Welt der Ute Bock
Publikationen Raus damit! Bulimie, ein autobiographischer Ratgeber, Orac, Wien 1998 Ich hab sie nicht gezählt, Eine unartige Biografie, Kremayr & Scheriau KG, Wien, 2012 Im Bett mit dem Teufel: ein Wiener Krimi, Amalthea Verlag, Wien 2014, ISBN 978-3-85002-891-2 Hannerl und ihr zu klein geratener Prinz, Kremayr & Scheriau, Wien 2021, ISBN 978-3-218-01088-7
Auszeichnungen 1967/1968: Karl-Skraup-Preis Bester Nachwuchs/Nebenrolle 1975/1976: Karl-Skraup-Preis Beste schauspielerische Leistung 1988: Nestroy-Ring 1994: Salzburger Stier 1996: Ybbser Spaßvogel 2003: Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien 2014: Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien 2024: Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold
Weblinks
Biographie auf den Webseiten des Österreichischen Kabarettarchivs Oberösterreichische Nachrichten vom 4. November 2008 Oberösterreichische Nachrichten vom 3. November 2008 Oberösterreichische Nachrichten vom 29. Oktober 2008
Einzelnachweise
Kategorie:Filmschauspieler Kategorie:Theaterschauspieler Kategorie:Kabarettist (Österreich) Kategorie:Musicaldarsteller Kategorie:Träger der Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold Kategorie:Träger des Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um das Land Wien Kategorie:Karl-Skraup-Preisträger Kategorie:Johann-Nestroy-Ringträger der Stadt Wien Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1946 Kategorie:Frau