mini|300px|Maria-Hilf-Kapelle in Wernau mini|Altar mit Gnadenbild Mariahilf nach Lucas Cranach Die Maria-Hilf-Kapelle ist eine römisch-katholische Kapelle und das älteste Kulturdenkmal in der Stadt Wernau.
Die Kapelle im alten Friedhofsareal mit Einfriedungsmauer liegt am Südrand des alten Ortskerns von Steinbach. Er ist als alter Begräbnisplatz von kultur- und siedlungsgeschichtlicher Bedeutung. Barockzeitliche Epitaphien und Grabplatten erinnern an die adelige, reichsfreie Ortsherrschaft. Die Kapelle geht zurück auf ein Gelöbnis in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, als die Gegend von plündernden Truppen und Seuchen schwer heimgesucht worden war. So ist sie spezifischer Ausdruck barockzeitlicher Frömmigkeit im katholisch geprägten Steinbach.
Geschichte Einwohner des Ortes Steinbach, der seit dem Jahr 1938 zur Stadt Wernau gehört, hatten die heilige Maria um die Verschonung von einer Pestwelle gebeten und in diesem Zusammenhang die kleine Kapelle errichtet.Maria-Hilf-Kapelle Wernau Online auf www.katholische-kirchen-wernau.de. Abgerufen am 7. Juni 2020. Fälldaten des verwendeten Holzes deuten auf ein Baujahr um 1667 hin, womit die Kapelle das älteste noch heute bestehende Gebäude der Stadt Wernau ist. Im Jahr 1724 wurde die Kapelle mit dem Patrozinium Maria Hilf geweiht.Schutz vor dem schwarzen Tod Online auf www.esslinger-zeitung.de. Abgerufen am 8. Juni 2020.
Anselma Bopp, die Ordensgründerin der Thuiner Franziskanerinnen, bereitete sich hier um das Jahr 1850 auf ihr Klosterleben vor. Heute werden insbesondere an Maria Himmelfahrt Gottesdienste in der Kapelle gehalten, zudem ist die Kapelle aufgrund ihrer Lage inmitten eines Gartens als Ort für Trauungen beliebt.Wernauer Anzeiger, Amtsblatt der Stadt Wernau, vom 24. Januar 2025. mini|Karte von 1823 mit Maria Hilf Kapelle und altem Friedhof von Steinbach (linker Bildrand, Mitte) an der ehemaligen Hauptstraße nach Kirchheim
Architektur und Umgebung Kapelle Architektur Die Kapelle ist ein einschiffiger verputzter Saalbau, mit Drei-Achtel-Schluss, Dachreiter, Spitz- und Rundbogenfenster, der im Kern wohl spätgotischen Ursprungs ist. Über der Eingangstür im Westen erhebt sich der Dachreiter mit einem Spitzhelm aus Kupferblech, in dem sich eine einzelne Glocke befindet.
Innenraum Am Eingang zum flach gedeckten Innenraum befindet sich ein kleines Weihwasserbecken und das Seil, mit dem die Glocke täglich um 12 Uhr mittags zum Angelusgebet geläutet wird. Die Wände der Kapelle sind mit geschnitzten Holzfiguren geschmückt: Von der Pforte aus gesehen hängt links neben dem Altar eine Figur des heiligen Sebastian als Schutzpatron gegen die Pest, rechts eine Darstellung des heiligen Nepomuk als Schutzpatron gegen Überflutungen des nahegelegenen Steinbachs. An der von der Pforte aus gesehen linken Kapellenwand ist eine Holzfigur des heiligen Wendelin, rechts eine des heiligen Josef angebracht. Diese werden als Schutzpatrone der Bauern und Hirten bzw. der Handwerker verehrt, also derjenigen Bevölkerungsgruppen, von denen die Kapelle einst errichtet wurde. Den hölzernen, neugotischen von Staudenmaier aus Kleinsüssen geschaffenen Marienaltar ziert im oberen Bereich eine Kopie des Gnadenbildes Mariahilf von Lucas Cranach d. Ä., im unteren Bereich ein Gemälde, das die Anbetung der Hirten darstellt. Wie sich bei Renovierungsarbeiten herausgestellt hat, befinden sich unter dem Putz der Seitenwände Reste von Malereien aus dem 18. Jahrhundert.
Ehemaliger Friedhof Epitaphe und Grabplatten Im Bereich der ehemaligen Totenhalle befinden sich vier Epitaphe ehemaliger Steinbacher Ortsherren:
Heinrich Wilhelm von Freyberg und Eisenberg († Juni 1631 in Uhingen), Ortsherr zu Unterdiessen und bekannt als der Mann mit der eisernen Hand, von schwedischen Reitern im Dreißigjährigen Krieg bei Göppingen erschossen; mit Wappen Freyberg – Schadin von Mittelbibrach; Stain – Dorschin von Behlehemsdorf Johann Ulrich von Bubenhofen († 13. August 1664); mit Wappen von Bubenhofen – Blarer von Wartensee; Biel von Bielsberg, von Bernhausen Philipp Konrad von Liebenstein, Herr zu Steinbach und Ganerb zu Bönnigheim († 31. Oktober 1701), der in fürstlich ellwangischen Diensten stand, und seiner Frau Freifrau Anna Katharina von Müllenheim Marquard Philipp von Liebenstein, Herr zu Steinbach und Ganerb zu Bönnigheim († 28. September 1723)
Kräutergarten vor der Kapelle Vor der Westseite der Kapelle befindet sich ein Kräutergarten mit Thymian, Rosmarin, Dill und Lavendel.
Gefallenendenkmal für die Toten des Ersten Weltkriegs Vor der Ostseite der Kapelle wurde ein Kriegerdenkmal zur Erinnerung an 33 im Ersten Weltkrieg gefallenen Bürger des Ortes Steinbach errichtet. Das Denkmal erhielt eine spezifisch katholische Konnotation, das in Form einer Andachtskapelle errichtet wurde. Lebensgroße trauernde Soldaten flankieren den Zugang, im Inneren wird mit einer Kopie von Michelangelos Pietà der Schmerz um die verlorenen Söhne bildhaft umgesetzt. Die Namen der Gefallenen sind auf einer Metalltafel unterhalb der Pietà aufgeführt. mini|Kalvarienberggruppe, ehemals am alten Friedhof von Steinbach, mutmaßlich 16. Jahrhundert
Kreuzigungsgruppe aus der Renaissancezeit In früherer Zeit wurde die Erhebung, auf der die Kapelle steht, auch Kalvarienberg genannt. Eine Kreuzigungsgruppe aus dem 16. Jahrhundert, die sich ursprünglich an der Friedhofsmauer der Kapelle befand, ist heute am Kirchturm der benachbarten Kirche St. Magnus angebracht, um sie vor dem Verfall zu bewahren.Wernauer Wegkreuze Online auf www.katholische-kirchen-wernau.de. Abgerufen am 8. Juni 2020.
Literatur Anton Denzinger: Wernau Neckar, Werden und Wachsen, eine Chronik, von der Gemeinde Wernau (Neckar) herausgegeben zur Stadterhebung, 1968 Anton Denzinger, Diether Hauber: Wernau: 700 Jahre Pfauhausen und Steinbach 1276–1976. Gottlieb & Osswald, Kirchheim 1976. Ferdinand Schaller: Pfauhausen und Steinbach: Wernau am Neckar in alten Tagen. Sutton Verlag, Erfurt 2009, ISBN 978-3-86680-344-2. Michael Baumann: Wernau am Neckar, 1938–1988 aus der Reihe Archivbilder, Sutton Verlag, Erfurt 2010, ISBN 978-3-86680-648-1. Der Landkreis Esslingen – hrsg. vom Landesarchiv Baden-Württemberg i. V. mit dem Landkreis Esslingen, Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern 2009, Band 2, Seite 477, ISBN 978-3-7995-0842-1.
Einzelnachweise
Kategorie:Kirchengebäude in Europa Wernau Kategorie:Erbaut in den 1660er Jahren Kategorie:Basilika (Bautyp) Kategorie:Maria-Hilf-Kirche Maria Kategorie:Bauwerk in Wernau (Neckar)