Hans Kels (auch Kehls, Khels, Kelchs, Keltz, Käls) der Jüngere (* um 1508 bis 1510 in Kaufbeuren; † zwischen dem 1. Oktober 1565 und 1. April 1566 in Augsburg) war ein deutscher Bildschnitzer und Medailleur.

Leben Hans Kels der Jüngere wurde als Sohn des Künstlers Hans Kels des Älteren und seiner Frau Anna, geborene Müller, in Kaufbeuren geboren.

Nach der Ausbildung in der väterlichen Werkstatt begann seine Schaffensperiode um 1529. Seine Orientierung nach Augsburg erfolgte möglicherweise angesichts einer in Folge der Reformation geringeren Nachfrage nach Schnitzwerken für Kirchenausstattungen in Kaufbeuren und der Aussicht, in Augsburg vermehrt Aufträge von zahlungskräftigen und repräsentationsbedachten Patriziern zu erlangen. Dort war er als Modelleur zunächst in stilistischer Anlehnung an Christoph Weiditz, vielleicht sogar in dessen Werkstatt tätig.

Am 6. Dezember 1541 erwarb Hans Kels die Handwerksgerechtigkeit in der Zunft der Augsburger Maler, Glaser, Bildschnitzer und Goldschlager, die einen dortigen Wohnsitz voraussetzte. Hans Kels war mit der Augsburgerin Barbara, geborene Flicker, verheiratet, mit der er zunächst beim Schwiegervater, dem Goldschmied Hans Flicker, in der Nähe des Barfüßertores wohnte. Er war wohl mit dem Kistler Heinrich Cron, mit dem er wiederholt zusammenarbeitete, über dessen Frau Anna Flicker verschwägert. Im Jahr 1548 konnte Kels einen Lehrling einstellen. Ab den 1550er Jahren trat er in den Augsburger Steuerbüchern bereits als vermögender Bürger auf, der ein eigenes Haus in der Nähe der städtischen Münze besaß und sein Einkommen von Jahr zu Jahr steigern konnte. Mit seiner Frau hatte er zwei Söhne und zwei Töchter. Nach dem Tod des Malers Christoph Amberger 1562 übernahm er die Pflegschaft für dessen Kinder. Nach seinem eigenen Tod nahm sich sein Bruder Veit Kels seiner noch unmündigen Kinder an.

Der (kunst)historischen Literatur, wie z. B. Ilg und Baumann, gelang es in der Vergangenheit nicht immer, biographisch korrekt zwischen Hans Kels dem Jüngeren und seinem gleichnamigen Vater zu unterscheiden.

Werk Merkmale seines Werks Hans Kels der Jüngere arbeitete in Holz und schuf vor allem geschnitzte Reliefs, Bildnismedaillen und Raumausstattungen.

Sein Werk lässt sich, da er zunächst in der Werkstatt seines Vaters und ersten Lehrmeisters arbeitete und wohl auch später für gemeinsame Projekte dorthin zurückkehrte, nicht in allen Fällen von diesem unterscheiden (s. auch unten: Brettspiel/Spielsteine für den „Langen Puff“). Maßgebliche Einflüsse aus dem Augsburger Umfeld sind jedoch ebenso in seinem Werk erkennbar.

Grundlage der Gussmedaillen Hans Kels des Jüngeren ist jeweils das geschnitzte Holzmedaillon, und es erscheint sicher, dass er einige seiner Medaillons ohne jegliche Gussabsicht konzipierte. Den Metallguss ließ er ggfs. von anderen Kunsthandwerkern besorgen. Habich sieht gleichsam die beim Spielbrett von 1537 (s. u.) gezeitigte Meisterschaft bei den (späteren) Holzmedaillons fortgeführt. Er hebt den markanten Detailreichtum bei Bildnissen wie dem des in Birnbaum geschnitzten Georg Fugger (1541), bei dem jede Einzelheit (wie Brokat, Samt usw.) der großartigen Kostümpracht erkennbar sei, gleichsam als Abgrenzungs-, wenn nicht Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen zeitgenössischen Künstlern hervor. Viele dieser Feinheiten gehen herstellungsbedingt bei den entsprechenden Abgüssen verloren, wobei vor allem Bleigüsse durch die Handhabung über die Zeit noch weitere Qualitätseinbußen erleiden (vgl. die entsprechende Gussmedaille).

In Kels' Spätwerk erkennt Habich (1903) eine weichere, fast „impressionistische“ Behandlungsart, die „mit den Zufälligkeiten des Bronzegusses rechnet und aller mühsamen Nachziselierung enträt.“

Als ein charakteristisches Merkmal dieser Medaillen konstatiert derselbe die breite Lapidarschrift mit dicken Grundstrichen, die Hans Kels der Jüngere als integralen Bestandteil der Werke bereits im Holzmodell erhaben schnitt, während z. B. sein Zeitgenosse Friedrich Hagenauer, die Schrift erst in die vom Modell abgenommene Form mit vorgefertigten, viel feineren Punzen einzuschlagen pflegte. Einen weiteren wiederkehrenden Bildbestandteil der Kelsschen Medaillen stellt ein an zwei Stellen gebundener Kranz mit lanzettförmigen Blättern dar, der das Schriftfeld umgibt.

Im Gegensatz zu Habich schreibt Hampe das erwähnte Fugger-Medaillon ebenso wie vier allegorische Frauenfiguren im Germanischen Nationalmuseum und den Hauptanteil am herausragenden Brettspiel von 1537 (s. u.) eher Hans Kels Senior in Kaufbeuren zu und erkennt dem jüngeren Kels insgesamt eine geringere Kunstfertigkeit zu. Bezüglich der Medaillen passt dieser Gedanke jedoch schwerlich zu Augsburg als Verwertungsort und könnte wiederum leichter nachvollzogen werden, wenn man nunmehr beim Vater die verlängerte Werkbank des Sohnes sieht. Ab 1546 wäre auch naheliegend, dass Hans Kels der Jüngere Unterstützung von seinem nunmehr ebenfalls in Augsburg ansässigen Bruder Veit Kels erhielt, wobei beide Annahmen zunächst spekulativ bleiben. Auch die Klärung der Wirkungsorte Hans Kels des Jüngeren in den 1530er Jahren und seine Entwicklungseinflüsse in diesem Jahrzehnt vor Erlangung der Meistergerechtigkeit wäre in diesem Zusammenhang sicherlich aufschlussreich.

Sabine Haag fasst den aktuellen Forschungsstand mit folgenden Worten zusammen:

Neben einer durchaus möglichen stilistischen Entwicklung Hans Kels des Jüngeren wurde bislang nicht diskutiert, inwiefern in seinen vermeintlichen Qualitätssprüngen lediglich die Folgen von Unterschieden der künstlerischen Aufgabenstellung, des Qualitätsanspruchs und der Zahlungsbereitschaft der Kunden zu sehen sind.

Brettspiel/Spielsteine für den „Langen Puff“ (1537) und weitere Spielsteine Das 1537 von Hans Kels dem Jüngeren zusammen mit seinem Vater Hans und Bruder Veit Kels in Eiche, Nuss, Palisander/Rosenholz und Mahagoni für Ferdinand I. geschaffene Brettspiel für den „Langen Puff“ gilt als das Hauptwerk der Künstlerfamilie Kels.Brettspiel für den "Langen Puff", auf khm.at Das Zusammenwirken der drei Bildschnitzer in diesem hinsichtlich Stil und Kunstfertigkeit äußerst homogen erscheinenden Werk erschwert somit auch in fortgeschrittenen Schaffensphasen die Unterscheidung der drei Künstler und legt den Gedanken an eine „Marke Hans Kels“ mit einem hausinternen System konsistenter Arbeitsteilung und gegenseitiger Qualitätskontrolle nahe.

Darüber hinaus sind einzelne Spielsteine von anderen Brettspielen erhalten, die Hans Kels dem Jüngeren zugeschrieben werden, z. B. ein Stein mit dem Bildnis der Katharina von Aragon, Maximilian I. Die Musei del Castello Sforzesco im Castello Sforzesco besitzen einen ganzen Satz Spielsteine, darunter auch einen Spielstein mit dem Selbstbildnis von Hans Kels.

Plaketten bzw. Goldschmiedemodelle

Hans Kels dem Jüngeren werden vom Kunsthistorischen Museum folgende kleinformatige Reliefs in dessen Bestand zugeschrieben:

Musen (Klio, Polyhymnia, Terpsichore) und Tugenden (Caritas, Fides, Spes), Lindenholz, 1545 Justitia, vergoldete Bronze, 2. Drittel 16. Jahrhundert

Im Victoria and Albert Museum befindet sich ein mit letzterem vergleichbares Bildnis: Clio, vergoldete Bronze, 1545

Versuchsweise wurden verschiedene Holzmodelle für Goldschmiedearbeiten im Germanischen Nationalmuseum Hans Kels dem Jüngeren zugeschrieben: Relief mit trauernden Kindern, 2. Viertel 16. Jahrhundert Zwei Friesbänder

Schnitzbildnisse, Modelle und Bildnismedaillen Hans Kels der Jüngere schuf Bildnismedaillen der Habsburger und des Augsburger Patriziats in dekorativ-realistischer Manier. Erhalten sind u. a. folgende Bildnisse:

Raumausstattungen 1546 schuf er zusammen mit Heinrich Cron für Anton Fugger aus Eichen-, Fichten- und Nussbaumholz das Kabinett aus dem Fuggerschen Pfleghaus in Donauwörth, das heute im Bayerischen Nationalmuseum gezeigt wird.

Nachdem Ferdinand I. bei Anton Fugger hinsichtlich einer Empfehlung von Künstlern für die neu zu gestaltenden Decken des Goldenen Saales und der Paradiesstube in der Hofburg (Innsbruck) angefragt hatte, wurde Hans Kels zusammen mit Heinrich Cron und Christoph Amberger 1550 nach Innsbruck entsandt, um dort entsprechende Visierungen zu erstellen.Anmerkung: Der Goldene Saal und die Paradiesstube existieren nicht mehr in ihrer Renaissance-Form.

Mittelformatige Schnitzreliefs Im Klostermuseum der Benediktinerabtei Ottobeuren

Der auferstandene Christus erscheint Maria Magdalena, 1540 Sakristeischrank, Reliefs mit Sankt Theodor und Sankt Alexander, um 1560

Literatur Max Bernhart: Medaillen und Plaketten. Schmidt, Berlin 1920, S. 42–46 (Digitalisat). Erika Bosl: Hels (Kelchs, Keltz), Hans d. J. In: Karl Bosl (Hrsg.): Bosls bayerische Biographie: 8000 Persönlichkeiten aus 15 Jahrhunderten. Pustet, Regensburg 1983. ISBN 3-7917-0792-2, S. 411 (Digitalisat). Georg Habich: Hans Kels als Konterfetter. In: Hugo Helbing’s Monatsberichte über Kunst und Kunstwissenschaft. Jahrgang III. Vereinigte Druckereien und Kunstanstalten, München 1903, S. 7–19 (Digitalisat). Georg Habich: Die deutschen Medailleure des XVI. Jahrhunderts. Halle a. d. Saale, S. Riechmann 1916, S. 55–60 (Digitalisat) Albert Ilg: Das Spielbrett von Hans Kels. Sonderdruck aus dem Jahrbuch der kunsthistorischen Sammlung des Allerhöchsten Kaiserhauses. Wien 1885, S. 53–78 (Digitalisat). Theodor Hampe: Zur Genealogie der Künstlerfamilie Kels. In: Festschrift für Gustav von Bezold. Mitteilungen aus dem Germanischen Nationalmuseum. Nürnberg 1918/1919, S. 42–49 (Digitalisat). Ulrich Kirstein: Kels. In: Stadtlexikon Augsburg. Wißner-Verlag (Onlinelexikon).

Weblinks

Hans Kels in KENOM Erweiterte Suche des Münzkabinetts der Staatlichen Museen Berlin: Manuelle Suche mit folgenden Parametern: Im Suchfeld „weitere Pers.Körpersch.“ Auswahl „Medailleur“, dann im Auswahlfenster „weiter einschränken“ rechts daneben: „Kels, Hans“ Hans Kels im Metropolitan Museum of Art Hans Kels in der National Gallery of Art Hans Kels im Victoria and Albert Museum Hans Kels der Jüngere in Bildindex der Kunst und Architektur

Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Geboren im 16. Jahrhundert Kategorie:Gestorben im 16. Jahrhundert Kategorie:Medailleur Kategorie:Bildschnitzer Kategorie:Bildhauer der Renaissance Kategorie:Künstler (Kaufbeuren) Kategorie:Bildhauer (Augsburg) Kategorie:Mann