Der Bahnhof Roth ist der Bahnhof der mittelfränkischen Kreisstadt Roth. Er ist Teil der Bahnstrecke Treuchtlingen–Nürnberg, der Nebenbahn Roth–Greding sowie der für die S-Bahn Nürnberg erbauten Bahnstrecke Nürnberg–Roth.
Der Bahnhof wies 2024 insgesamt 6.100 Ein- und Aussteiger (montags bis freitags) auf, wovon 2.300 auf die S-Bahn entfielen.
Lage miniatur|Empfangsgebäude (2025)
Der Bahnhof liegt im Südwesten der Stadt, etwa 15 Gehminuten vom Marktplatz entfernt.
Geschichte Der Bahnhof lag teilweise auf dem Gebiet der damaligen Gemeinde Rothaurach (mit dem Ortsteil Kauernhofen) und teils auf dem Boden der Stadt Roth. Auf einer Länge von 600 m wurden die Gemeindegrenzen siebenmal gekreuzt.
miniatur|Auf das Jahr 1847 datierter Plan des ursprünglich geplanten Stationsgebäudes, das nicht realisiert wurde Im Juni 1845 war das Programm für die Station erstellt. Im Dezember 1846 wurde ein Entwurf für das Stationsgebäude in einer Sitzung der Obersten Baubehörde und der Generalverwaltung der Eisenbahnen vorgelegt. Nach der Berücksichtigung von Änderungen und der darauf folgenden Zustimmung entstanden im Laufe des Jahres 1847 Reinzeichnungen. Am 5. Februar 1848 erging die „allerhöchste Genehmigung“, mit Änderungen an der inneren Einteilung. Vorgesehen ein dreigeschossiges Gebäude mit einer Grundfläche von ca. 13 × 11 m und einem flachen Pyramidendach. Im Erdgeschoss waren diverse Räume für Reisende, ein Fahrkartenschalter und eine Waschküche vorgesehen. Im ersten Stock waren u. a. die Wohnung des Expeditors sowie eine Stationsdienerstube vorgesehen. Im zweiten Obergeschoss sollten eine Kasernstube und Küche für drei Bahnwärter entstehen, ferner eine Wohnung für einen Oberbahnwärter sowie ein gemeinsamer Abtritt.
Anfang 1849 stand fest, dass ein eingeschossiges interimistisches Betriebsgebäude errichtet werden soll, plangleich mit den Gebäuden der Bahnhöfe Georgensgmünd und Pleinfeld. Am 1. Oktober 1849 wurde der Bahnhof als Teil des Streckenabschnitts Gunzenhausen–Schwabach eröffnet. Am gleichen Tag wurde der Bahnhof, der damals noch die Bezeichnung „Roth a./S.“ (Roth am Sand) trug, in Anwesenheit zahlreicher Bürger feierlich eröffnet. Der vorgesehene Eröffnungszug fuhr dabei irrtümlich ohne Halt im Bahnhof durch.
Überlegungen von 1850, das ursprünglich geplante Bahnhofsgebäude anstelle einer Erweiterung des interimistischen Baus zur Ausführung zu bringen, scheiterten an der Ablehnung des zuständigen Ministeriums. 1856 wurde, nach einem anderen Plan, das endgültige Stationsgebäude errichtet, dessen Pläne nicht erhalten sind. Der Gebäudebestand umfasste Mitte der 1850er Jahre neben dem interimistischen Betriebsgebäude auch eine Lade- und Wagenremise sowie öffentliche Abtritte.
In Roth war eine von 1844 bis 1852 eine der acht Eisenbahnbausektionen der Strecke Nürnberg–Augsburg stationiert. 1861 wurde der Ort als „Bahnwärterhaus“ und „Eisenbahnhof“ bezeichnet.
1861 wurde der „Bahnhof Roth“ als Rother Ortsteil erstmals urkundlich erwähnt.
In den späten 1870er Jahren war Roth ein dreigleisiger Bahnhof an der eingleisigen Strecke Nürnberg–Treuchtlingen. Zur Anlage gehörten auch zwei Bahnsteige, verschiedene Gebäude, eine Laderampe und eine Waage. Zwischen 1900 und 1904 wurde der Ort Roth Bahnhof nach Roth eingemeindet. Im Bahnhof Roth zweigt die am 1. Juni 1888 eröffnete Bahnstrecke Roth–Greding ab. In ihrem Verlauf wurde etwa 1,5 Kilometer vom Bahnhof Roth entfernt eine weitere Station auf Rother Stadtgebiet (Lohgarten-Roth) eröffnet.
Im Januar 1886 wurde ein Plan für ein neues Bahnhofsgebäude vorgelegt, das in groben Umrissen dem Baukörper des heutigen Bahnhofsgebäudes glich. Ebenfalls wurde ein Plan für eine Ladehalle vorgelegt. Das Bahnhofsgebäude wurde um 1899 gebaut.
Im Jahr 1900 wurde der Bahnhof Roth von Rothaurach nach Roth umgemeindet, 1902 Kauernhofen nach Roth eingemeindet.
miniatur|Lageplan des Bahnhofs im Jahr 1900 Bis in das frühe 20. Jahrhundert hinein wurde der Bahnhof erweitert. Für die Lokalbahn entstand um 1886 eine Remise für eine Lokomotive. Im frühen 20. Jahrhundert entstanden die charakteristischen Bahnsteigüberdachungen. 1912 wurden drei mechanische Stellwerke der Bauform Spaeth, eine Befehlsstelle und zwei Wärterstellwerke, in Betrieb genommen. 1913 umfasste der Bahnhof fünf Bahnsteiggleise und weitere Nebengleise, verschiedene Gebäude und Gärten.
Am 14. Juni 1912 wurde Prinz Ludwig von Bayern anlässlich der Eröffnung eines nach ihm benannten Genesungsheims für Unteroffiziersfamilien am Bahnhof Roth empfangen. Verschiedene Vereine, die Feuerwehren von Roth und Kauernhofen sowie die Schuljugend standen aus diesem Anlass am Bahnhof Spalier.
Der Bahnhof war bis in die 1920er Jahre hinein aus der oberen Vorstadt nur auf einem Umweg über die Rednitzbrücke in der Bahnhofstraße erreichbar. Direktere, aber verbotene Wege führten entweder durch bäuerliche Wiesen im Rednitzgrund oder über die Bahnbrücken selbst, was zu Beschwerden führte. Vor diesem Hintergrund stellte der Stadtrat am 11. Mai 1920 fest, dass „die Schaffung einer Übergangsmöglichkeit zum Bahnhof von der Münchener Straße (…) einem dringenden Bedürfnis“ entspreche. Anfang 1921 begann die Reichsbahn mit der Planung zur Erneuerung der Rednitzbrücke, die den Anforderungen gestiegener Achslasten nicht mehr entsprach. Das städtische Bauamt legte im Mai 1921 einen „Plan zur Errichtung eines Talübergangs vom Bahnhof zur Münchener Straße im Zuge der Gredinger Bahnlinie“ vor. Dieser sah einen Fußweg vom Bahnhof durch den Rednitzgrund vor, der auf einer ansteigenden Holzbrücke neben der Bahn die Rednitz überqueren sollte. Ab 1924 gab es verschiedene Varianten für eine Brücke über die Flutmulde der Rednitzwiesen, eine Verbreiterung des Bahndamms im Rednitzgrund sowie einer hohen Brücke über die Rednitz. Die Stadt Roth sicherte sich die entsprechenden Flächen. Überlegungen, die Fußgängerbrücke über die Rednitz an die Bahnbrücke anzuhängen, wurde von der Bahn mangels Tragfähigkeit der Bestandsbrücke bzw. erheblicher Mehrkosten der geplanten neuen Brücke abgelehnt. Die Planungen der Reichsbahn sahen inzwischen vor, die alte eiserne Fachwerkbrücke durch einen Blechträger mit höherer Tragfähigkeit zu ersetzen. Der Stadtrat beschloss daraufhin am 23. September 1924, einen unabhängigen Rednitztalübergang zu bauen, mit einer Fußgängerbrücke über die Rednitz und einen Eisenbeton-Steg über die Flutmulde. Am 11. November 1924 bot die Reichsbahn der Stadt Roth an, die zur Zerlegung und Einschmelzung vorgesehene Brücke zu erwerben und als Fußgängersteg zu nutzen. Im Januar 1925 erwarb die Stadt die Rednitzbrücke von der Reichsbahn für 1600 Mark. Die Stadt erteilte den Firmen MAN Nürnberg und Johann Waltheim (Nürnberg) den Auftrag, den 350 Meter langen Übergang für rund 15.000 Mark zu bauen. Am 17. Juni 1925 zwischen 6 und 21 Uhr wurde die Rednitzbrücke angehoben, auf Verschubwagen um knapp fünf Meter nach Norden verschoben und auf eine bereitgestellte Rüstung abgesetzt. Mittels zweier Gefache wurde die Stützweite von 24 auf die benötigten 30 m verlängert sowie Belag und Geländer ergänzt. Die Eisenbahnbrücke wurde durch einen Neubau ersetzt. Das Bezirksamt Schwabach genehmigte am 22. Juli 1925 schließlich den Eisenbetonsteg, mit dessen Errichtung im August 1925 begonnen wurde. Im November 1925 war der Talübergang über die Rednitz fertiggestellt.
Das Stellwerk 1 wurde 1934 in ein Einheitsstellwerk umgebaut. 1938 folgte der Umbau der Befehlsstelle in die Bauform Siemens und Halske 1912.
Am 1. April 1945 gegen 15:10 Uhr wurde der Bahnhof Roth von acht Jagdbombern mit Splitterbomben und Bordwaffen angegriffen. Dabei wurden acht Personen verwundet und ein als „mittel“ klassifizierter Sachschaden angerichtet. Am 19. April 1945 wurde die Eisenbahnüberführung zwischen der Stadt, dem Verladebahnhof und dem Krankenhaus von deutschen Soldaten gesprengt, um den Vormarsch US-amerikanischer Truppen zu stoppen. Sie sollte ursprünglich im Frühjahr 1946 instand gesetzt werden. Letztlich wurde sie ab den frühen 1950er Jahren instand gesetzt und am 18. November 1952 wieder freigegeben. Ab 1963 wurde die Straßenbrücke der Abenberger Straße im Nordkopf des Bahnhofs erneuert. Der Bahnhof blieb von größeren Zerstörungen verschont. Zum Kriegsende, am 8. Mai 1945, war die Strecke Treuchtlingen–Nürnberg betriebsfähig, nicht jedoch die Strecke nach Greding. Der Berufsverkehr nach Nürnberg und Treuchtlingen wurde etwa gegen Ende Juni 1945 in sehr begrenztem Umfang wieder aufgenommen.
Noch in den 1950er Jahren richteten sich die Verkehrsströme von Berufspendlern nach Roth wesentlich nach der Eisenbahn.
1960 galt der Bahnhof Roth als Hauptdienststelle, dem unter anderem der Bahnhof Hilpoltstein als Nebendienststelle zugeordnet war.
1969 wurden die mechanischen Stellwerke durch ein Relaisstellwerk ersetzt. Ebenfalls 1969 ging ein zugbedienter Streckenblock zwischen Roth und Schwabach in Betrieb. 1978 wurde zwischen den Bahnhöfen Roth und Schwabach ein einseitiger Gleiswechselbetrieb in Betrieb genommen.
In den 1970er- und 1980er-Jahren wurden im Zuge der Planung der S-Bahn Nürnberg–Roth und der Schnellfahrstrecke Nürnberg–München verschiedene Varianten von Linienführungen von Fern- und S-Bahn zwischen Nürnberg und Roth erwogen.siehe auch:
Bei dem im Frühjahr 1986 begonnenen Bau des Westrings war die Unterquerung des Bahnhofs unter laufendem Bahnbetrieb die größte bauliche Herausforderungen.
Die „Flächendienststelle Roth“, zu der auch Hilpoltstein und Thalmässing gehörten, zählte 1987 insgesamt 130 Mitarbeiter.
Im späten 20. Jahrhundert wurde die Rednitz-Fußgängerbrücke durch einen Stahlsteg ersetzt.
Für die Einbindung der S-Bahn wurde die Güterhalle abgerissen. Ab etwa 1997 wurde unter laufendem Bahnbetrieb eine neue Unterführung erstellt, die zusammen mit der S-Bahn im Juni 2001 feierlich eröffnet wurde. Am 9. Juni 2001 ging parallel zur Strecke Nürnberg–Augsburg die Strecke Nürnberg–Roth in den Regelbetrieb. Der Bahnhof bekam im Zuge dessen nördlich des Empfangsgebäudes einen neuen, 7 Meter breiten und 145 m langen Mittelbahnsteig mit zwei separaten – nur von der S-Bahn genutzten – Gleisen 90 und 91, wobei das östliche Gleis ein Stumpfgleis, das westliche eine Verlängerung des am Hausbahnsteig vorbeiführenden Gleis 1 ist.
Im Zusammenhang mit der S-Bahn-Inbetriebnahme wurden die Busverkehre in und um Roth neu organisiert sowie zusätzliche Anrufsammeltaxi-Linien eingeführt.
2003 wurde im Zuge der Kleinen Landesgartenschau die Stiebertalbrücke eröffnet, die den Bahnhof mit der Münchner Straße verbindet.
mini|links|Bahnhof Roth, Treppenabgänge (1996)
2008 wurde ein historisches Rother Bahnsteighäuschen im Stadtgarten der Stadt aufgestellt.siehe auch OpenStreetMap-Eintrag Es war geplant, die ehemals vorhandenen Häuschen über den Treppenabgängen zu erhalten, die bei Bauarbeiten entfernt wurden. Deshalb ist beim Bahnsteig zu den Gleisen 4 und 5 nur eine Behelfsabdeckung vorhanden.
2017 wurde der Rückbau einer Tankanlage im Südosten des Bahnhofs beantragt, welcher 2020 vollzogen wurde.
Ende 2021 schrieb die DB die Erneuerung einzelner Nebengleise und Weichen sowie den Rückbau des westlichsten Gleises 8 aus.
Am 27. Oktober 2021 schloss der zuletzt als „Bahnagentur Franken“ bezeichnete personenbediente Fahrkartenverkauf im Bahnhof. Im März 2023 eröffnete ein Video-Reisezentrum.
miniatur|Weichenerneuerung nach Entgleisung (21. September 2025)
Am 24. Juni 2025 entgleiste im Nordkopf des Bahnhofs ein Bauzug. Infolgedessen kam es zu erheblichen Betriebseinschränkungen. Nachdem über mehrere Tage der Verkehr abseits der S-Bahn weitgehend ausfiel, fielen im Juli 2025 vor allem Züge der Regionalexpresslinie RE 60 zwischen Nürnberg und Roth aus. Bis Anfang August 2025 kam es zu Zugausfällen. Bis die beiden Weichen Ende September 2025 schließlich erneuert wurden, lag in diesem Bereich eine 20-km/h-Langsamfahrstelle.