mini|Trauben der weißen Rebsorte Riesling mini|Traube und Blatt der roten Rebsorte Cabernet Sauvignon mini|Video: Weinanbau und -verarbeitung

Weinbau, Weinanbau oder Rebbau (Schweiz) werden in Weinbaugebieten synonym verwendet. Die Begriffe bezeichnen die Kultivierung (auch die Wissenschaft) von Reben zum Zwecke der Gewinnung von Trauben, um daraus Wein herzustellen. Der Weinbau wird vom Winzer (auch als Weinhauer, Weinbauer oder Weingärtner bezeichnet) betrieben. Die Herstellung des Weines erfolgt im Keller (Weinkellereien, Winzereien). Alle Arbeiten und Einrichtungen, die für die Herstellung des Weines erforderlich sind, werden in der Kellerwirtschaft behandelt. Sie wird auch als Önologie bezeichnet.

Der Weinbau beinhaltet die Geschichte, die Verbreitung und wirtschaftliche Bedeutung der Rebe, die Organe des Rebstockes, die Rebsorten und Rebenzüchtung, Rebenvermehrung, Neuanlage, Pflanzung, Pflegemaßnahmen (Rebschnitt, Erziehung, Bodenpflege und Düngung) und den Pflanzenschutz (Nützlinge, Krankheiten, Schädlinge, Sonstige Schädigungen), Produktionsmethoden im Weinbau, Ausbildungsmöglichkeiten.

Geschichte

mini|Karte der Flüsse Euphrat und Tigris mini|Weinbau im alten Ägypten

Die weiten Gebiete südlich des Kaspischen Meeres und des Zwischenstromlandes (Euphrat, Tigris) bis zum Persischen Golf gelten als Entstehungszentren der Weinrebe (Kulturrebe – Vitis vinifera) und des Weinbaus. Schon 5000 v. Chr. lässt sich im Südkaukasus (heute Georgien), sowie in der vorderasiatischen Landschaft Sumer (heute südlicher Irak) erstmals der Anbau von Weinreben durch Menschenhand nachweisen. Der Weinbau breitete sich von dort im gesamten Nahen Osten aus, und etwa 1700 v. Chr. kultivierten auf Kreta die Minoer Edelreben. Griechische Kolonisten dürften im 7./6. Jh. v. Chr. erstmals Rebstöcke nach Gallien (Massalia → Marseille) gebracht haben.

Im September 2008 barg ein Team aus armenischen, irischen und US-amerikanischen Archäologen in Südarmenien in der Höhle Areni-1, auch „Vogelhöhle“ genannt, Tontöpfe und eine Weinpresse. Auf etwa 4000 v. Chr. schätzen Archäologen der University of California die Weinpresse. Die Presse, mit der Weintrauben der heutigen Gattung Vitis vinifera verarbeitet wurden, und die dazugehörenden Tonkrüge zeigen, dass sich die Weinproduktion bereits in einem gut entwickelten Stadium befunden haben muss.

Verbreitung und Bedeutung Die Rebe stellt bestimmte Klimaansprüche und gedeiht in der gemäßigten Klimazone. Auf der nördlichen Halbkugel liegt die Anbauzone etwa zwischen dem 30. (20-°C-Isotherme) und 50. Breitengrad (10-°C-Isotherme). Auf der südlichen Halbkugel der Erde liegt die Anbauzone zwischen dem 30. und 40. Breitengrad. Reben gedeihen von sehr heißen (Südkalifornien) bis zu kühlen (England, Luxemburg), von sehr feuchten bis zu sehr trockenen Anbaugebieten (Central Valley in Kalifornien). Reben werden auf steilen Hängen (Moseltal, Wachau, Douro-Tal, Ahrtal, Ruwer) und auf ebenen Flächen kultiviert. Die Kultivierung ist in den verschiedenen Gebieten sehr unterschiedlich (Handarbeit, Maschineneinsatz). Auch die Bepflanzungsdichte variiert von 10.000 Reben/ha (Bordeaux, Champagne) bis 600 Reben/ha (Vinho-Verde-Region in Portugal). Die nördlichsten Weinbaubetriebe finden sich auf Gotland sowie in der Nähe des Kernkraftwerkes Olkiluoto, wobei Letzterer mit Abwärme des Kernkraftwerks beheizt wird.

Der Weinbau ist eine der ältesten spezialisierten Agrarkulturen. Der Anbau der Rebe prägt die Landschaft und die Wirtschaft ganzer Gebiete. Umgekehrt spiegeln die Landschaft, der Boden mit seiner Mineralität und die klimatischen Bedingungen sich im Wein wider, was der Franzose mit dem weit gefassten Begriff „Terroir“ für die Standortbedingungen umschreibt. Heute besinnt man sich auf die Natur und die natürlichen Lebensgrundlagen, aber auch auf Tradition und so kommt den Weinbaugebieten als Erholungsraum und dem Betrieb als Arbeitsstätte steigende Bedeutung zu. In den letzten drei Jahrzehnten hat sich die weltweite Weinbaufläche maßgeblich verändert. Eine massive Intensivierung des Weinanbaus erfolgte ab dem 20. Jahrhundert in den „neuen Weinbauländern“ (Kalifornien, Südafrika, Südamerika, Australien oder Neuseeland), dem Rückgänge in den klassischen Weinbauländern (Europa, Kaukasus und Mittelmeerraum) gegenüber stehen.

Weltweinbauflächenentwicklung In der Einleitung eines Berichtes der Internationalen Organisation für Rebe und Wein (OIV) steht (unter Nutzung von Tha für tausend Hektar):

Umfangreiche Statistiken über die Entwicklung der Weinbaufläche und der Weltweinwirtschaft gibt der regelmäßig erscheinende OIV Jahresbericht „Statistical report on world vitiviniculture“. Im Einzelnen sind dies folgende Mitteilungen: Weinbauflächen der Länder der Welt. Situation und Statistik des Weinbaues weltweit. * Gemäß OIV betragen die weltweiten Rebflächen 2023 insgesamt 7200 Tha. Pressemitteilung der OIV über die weltweite Lage des Weinbaues. die Weltweinstatistik

Größte Erzeugerländer mini|Entwicklung und Verteilung der Weinernte auf der Welt mini|Verteilung der Weinbaufläche auf die Kontinente Stand 2009 mini|Entwicklung der Weltweinbaufläche in Millionen ha 1971–2007 + Größte Erzeugerländer (2021) nach produzierter Weinmenge.NB: Die jeweilige Gesamtanbaufläche der Länder beinhaltet auch Flächen für den Anbau von Tafeltrauben und Rosinen. Erzeuger-land Pro-duk-tion(1000 hl) Anbau-fläche(ha) Welt gesamt 261.737 7.327.311 50.232 718.457 37.648 797.600 35.000 964.226 24.070 393.274 14.820 146.244 13.436 209.625 12.482 211.099 10.826 125.586 8.744 103.421 7.359 194.268 5.908 782.600 4.522 97.500 4.451 188.891 3.600 80.605 2.664 40.720 2.590 64.470 2.460 46.000 2.416 109.489 2.100 49.450 1.430 138.000

Laut der Rebflächenstatistik 2019 des statistischen Bundesamtes waren 67 % der Rebflächen in Deutschland mit Weißweinreben bestockt, 33 % mit Rotweinreben.Rebflächenstatistik 2019, Statistisches Bundesamt. (PDF).

Wirtschaftliche Bedeutung Die jahrtausendealte Tradition des Weinbaues hat es mit sich gebracht, dass der Weinbau und der Wein für die Bevölkerung eines Gebietes ein Teil der Lebensart ist und dazugehört. Weinkultur ist zu allen Zeiten Ausdruck der Lebensfreude und Lebenskultur gewesen. Beziehungen zwischen Reben und Wein einerseits, Landschaft und Kultur des Menschen andererseits sind vielfältig und haben einander beeinflusst. Bildende Kunst, Dichtung, Brauchtum und Religion haben Rebe und Wein zu allen Zeiten geehrt und gepriesen. Wein verkörpert ein Stück abendländischer Kulturgeschichte. Der Weinbau ist eine der ältesten Kulturen. Die Weingärten prägen die Landschaft und die Wirtschaft ganzer Länder und geben die Voraussetzung für touristische Nutzung.

In den letzten 2000 Jahren ist auch der Weinbau durch die sehr wechselvolle wirtschaftliche Entwicklung geprägt. Schon sehr früh versuchten die Römer, die Produktion zu beeinflussen. Domitian gab den Befehl, die Hälfte der Weingärten im Römischen Reich außerhalb Italiens zu roden, um dem Verfall des italienischen Weinpreises entgegenzuwirken. Mit Beginn des Industriezeitalters wurde dem Weinbau in Europa durch die Einschleppung der Reblaus und der Pilzkrankheiten Peronospora (Falscher Mehltau) und Oidium (Echter Mehltau) gewaltiger wirtschaftlicher Schaden zugefügt. Erst nach Ende des Zweiten Weltkrieges erholte sich die gesamte Weltwirtschaft und damit der Weinbau.

Die Mechanisierung erleichterte und verbilligte die Traubenproduktion und viele wissenschaftliche Erkenntnisse führten zum Einsatz von verschiedenen Agrochemikalien. Das führte nicht nur zu einer Qualitätsanhebung, sondern sicherte die Produktion. Der weltweit höchste Weinverbrauch lag in den Jahren 1976 bis 1980 in der Zeit einer großen weltweiten wirtschaftlichen Expansion. Bis 1990 sank die Produktion und stieg anschließend wieder an. Besonders in Europa stieg aber der Überschuss an Wein deutlich an. Der Hauptgrund für den Rückgang des Konsums und des zunehmenden Überschusses war der Rückgang des Pro-Kopf-Verbrauches in den wichtigsten Weinerzeugerländern von Frankreich und Italien. Sehr hohe Weinernten in den Jahren 1982 und 1983 taten das Ihrige noch hinzu.

Europa verfügt über ungefähr 2/3 der Weltweinbaufläche. Asiatische und nordafrikanische Staaten verfügen auch über beachtliche Rebflächen, aber aus religiösen und kulturellen Gründen hat dort die Weinerzeugung deutlich geringere Bedeutung. Dort steht die Erzeugung von Rosinen und Tafeltrauben im Vordergrund. Der Konsum von Wein in den Ländern der Erde ist sehr unterschiedlich. Wein ist vorwiegend in den Ländern des christlich-europäischen Kulturkreises von Bedeutung. Der Pro-Kopf-Verbrauch hängt stark vom Einkommen der Bevölkerung ab. Besonders in den Mittelmeerländern zählt Wein traditionell zum täglichen Leben. Seit den 1960er Jahren ist ein Rückgang des Weinkonsums festzustellen. Trotz Verbrauchszunahme in anderen Industriestaaten von Nord- und Westeuropa sowie Nordamerika, Japan und anderen asiatischen Ländern konnte der weltweite Konsumrückgang nicht ausgeglichen werden, sodass es zu einem Rückgang der weltweiten Anbaufläche mit Reben gekommen ist. mini|Veränderung des Pro-Kopf-Verbrauches an Wein in einigen Ländern 1992–2004, Quelle OIV 2004

Flächen pro Rebsorte Die gesamte Anbaufläche für Weinreben betrug 2016 etwa 4,2 Millionen Hektar. Die 20 Rebsorten, die weltweit die größten Rebflächen belegten (Stand 2016) machten zusammen ca. 58,3 % der Gesamtfläche weltweit im Weinbau aus. Rebsorte Rebfläche ha 2016K. Anderson, N. R. Aryal: Database of National, Regional and Global Winegrapes Bearing areas by Variety, 1960 to 2016, Format: xlsx, (englisch), 30. August 2020. Cabernet Sauvignon 310.671 Merlot 266.440 Tempranillo 219.379 Airén 203.801 Chardonnay 201.649 Syrah 181.185 Grenache 150.096 Sauvignon Blanc 124.700 Trebbiano Toscano 120.343 Pinot Noir 105.480 Sangiovese 73.464 Riesling 73.464 Bobal 59.189 Cabernet Franc 56.052 Côt 52.233 Monastrel 51.930 Rkatsiteli 51.374 Pinot Gris 48.570 Mazuelo 47.312 Macabeo 38.625 restliche Rebsorten 1.729.475 Weltanbaufläche 2016 4.165.432

Weinbaugebiete

Ein Weinbaugebiet (Weinbauflur (AT), Rebbauzone (CH)) ist eine geografische Region, in der Wein mit der Bezeichnung des Weinbaugebietes angebaut werden darf. In der Regel sind Weinbaugebiete historisch gewachsen, weil in bestimmten Regionen eines Landes Reben gedeihen und gute Traubenqualität regelmäßig erzeugt werden kann und in anderen nicht (ungenügende Traubenreife, häufige Winter- oder Spätfrostgefahr u. a.). Sie sind heute in den meisten Ländern gesetzlich festgelegte Gebiete (mit genau geregelter Bezeichnung). Diese Gebiete und deren Lagen sind vom Klima, der Lage und der Bodenbeschaffenheit geeignet der Rebe eine gute Entwicklung zu ermöglichen. Alle mit Reben bepflanzten Flächen sind in einem Weinbaukataster zu führen. Die Regelung für die Führung eines Weinbaukatasters besteht nicht in allen weinbaubetreibenden Ländern der Welt.

Rebe mini|Triebspitze einer europäischen Rebe mini|Nahaufnahme einzelner Rebblüten. Die Blütenorgane von Käppchen, Staubgefäßen und Fruchtknoten mit Narbe sind deutlich zu erkennen

Die Rebe ist eine der ältesten Kulturpflanzen. Mit zunehmender systematischer Nutzung sind durch die menschliche Nutzung und natürliche Kreuzungen (Zufallskreuzung) aus den Wildreben Kulturreben entstanden. Kulturreben sind ausgesuchte (Mutation, natürliche Kreuzung) Abkömmlinge der Wildrebe, die beginnend im 18. Jh. gezielt weitergezüchtet wurden. Schätzungen besagen, dass es heute weltweit rund 10.000 bis 25.000 Rebsorten geben soll. Davon hat aber nur ein geringer Anteil wirtschaftliche Bedeutung.

Die Weinrebe gehört botanisch zur Ordnung der Kreuzdorngewächse (Rhamnales). Eine Familie davon sind die Rebengewächse (Vitaceae).