Die Traisen entsteht am Zusammenfluss ihrer beiden Quellflüsse Türnitzer Traisen und Unrechttraisen. Sie ist ein rechter Nebenfluss der Donau im Süden Niederösterreichs. Die Gölsen ist ihr einziger größerer Nebenfluss.
Name Der Name des Flusses Traisen geht auf das keltische Wort *tragisamā zurück, was so viel bedeutet wie „die sehr Schnelle“.Bernhard Maier: Kleines Lexikon der Namen und Wörter keltischen Ursprungs. C.H. Beck OHG, München 2003, ISBN 3-406-49470-6, Stichwort Dreisam, S. 49. Der Name ist als „TRAGISA[mum] RIVUM“ auf einem römerzeitlichen Stein, der in St. Pölten gefunden wurde, überliefert.Spratzern, einst und heute, Kapitel Traisenhochwasser und Regulierungsmaßnahmen
Der Fluss war wiederum direkt oder indirekt Namensgeber für die angrenzenden Orte. Direkter Namensgeber war sie etwa für Traisen und Traismauer an der Mündung, in früherer Zeit ebenfalls für St. Pölten, dessen Name sich mit Treisma ad monasterium Sti. Ypoliti im Jahr 976 auf den Fluss beziehen lässt.
Geographie und Geologie Der Fluss hat eine Länge von 80 Kilometern und ein Einzugsgebiet von rund 1000 Quadratkilometern, das sich über einen Höhenbereich von 1750 bis herab auf 180 Meter erstreckt, womit er ein Viertel der niederösterreichischen Kalkalpen entwässert. Darunter sind die hohen Kalkstöcke von Gippel und Göller sowie die Bergmassive von Reisalpe, Tirolerkogel, Türnitzer Höger (alle um 1400 m) und der ausgedehnte Block des Traisenberges (1230 m). Das gesamte Flusssystem misst etwa 530 Kilometer Fließgewässer.
Oberlauf Der Fluss entspringt mit zwei Quellflüssen in der Nähe von St. Aegyd am Neuwalde und Türnitz in den Kalkalpen. Der südwestliche Teil heißt Türnitzer Traisen, der südöstliche Unrechttraisen. Die beiden Flüsse sind in ihrer Wassermenge vergleichbar. Im Schnitt führt die Traisen dort 10–15 Kubikmeter pro Sekunde. Der Oberlauf bis etwa Traisen liegt in den Kalkalpendecken.Mitteilung der Geologie- und Bergbaustudenten. Heft 1, Jahrgang 1, 1949
Türnitzer Traisen mini|links|Die Türnitzer Traisen auf Höhe Lehenrotte Die Türnitzer Traisen entsteht bei Türnitz aus dem Zusammenfluss ihrer beiden Quellflüsse Türnitz und Traisenbach.
Der Traisenbach entspringt nordöstlich des Traisenbergs (), ein mittlerer Zubringer ist der Högerbach, und sein westlicher Zubringer Retzbach entspringt nordwestlich des Traisenbergs (). Gemeinsam liefern sie eine mittlere Wassermenge von 2 m³/s zur Türnitzer Traisen. Bis Türnitz bestehen Gefälle von bis zu 30 ‰, der Bach verläuft meist in einem Kerbtal.
Nach der Einmündung der Türnitz, zwischen Türnitz und Dickenau, erweitert sich das Tal zu einem Kerbsohlental. Das Gefälle ist mit knapp 7 ‰ weit niedriger als bei den Zubringern, es entstehen flache Gleitufer mit unbewachsenen Schotterbänken und Flachwasserbereichen. Das Umland grenzt etwa niveaugleich an.
Zwischen Dickenau und Freiland verläuft die Türnitzer Traisen in einem engen, gewundenen Sohlental. Das Gefälle ist mit etwa 5 ‰ etwas geringer als das flussauf. Meist entstanden hier Prallufer, die direkt in den Hangwald übergehen. Dadurch sind Unterspülungen und Gehölz- und Wurzelstrukturen vorhanden. Die Türnitzer Traisen hat hier einen Mittleren Durchfluss von 4 m³/s.
Unrechttraisen mini|Die Unrechttraisen nahe der Quelle Die Unrechttraisen, der südöstliche Quellfluss, entspringt südwestlich des Traisenbergs in den nördlichen Kalkalpen . In St. Aegyd am Neuwalde vereinigt sich die Unrechttraisen mit den Zubringern Weißenbach und dem nahe Kernhof entspringenden Keerbach. Nach diesem Zusammenfluss führt die Unrechttraisen im Durchschnitt 2 m³/s, zuvor fehlt die oberirdische Wasserführung aufgrund Versickerung in den Schotterkörper teilweise völlig. Die Zubringer verlaufen in Kerbtälern mit bereichsweisen Talbodenerweiterungen, das mittlere Talgefälle beträgt 25 ‰ mit lokalen Steilstrecken bis 55 ‰.
mini|Blick von St. Aegyd–Untermitterbach / In der Walk in die Lurgenge, im Hintergrund der von links oben in die Bildmitte abgerutschte Teil der Paulmauer-Ostschulter Von St. Aegyd bis Untermitterbach durchfließt die Unrechttraisen ein Sohlenkerbtal, bis Hohenberg ein enges Kerbtal. Zwischen Untermitterbach und Thorhof, in der heutigen Lurgenge, verlegte in prähistorischer Zeit (vermutlich Riß-Würm-Interglazial) ein großer Bergrutsch von der Ostschulter der Paulmauer () die Unrechttraisen, worauf sich zunächst ein 11 km langer, in die Seitentäler verästelter Abdämmungssee bildete, der bald mit bis zu 80 m mächtigen Schotterablagerungen der Zubringer verfüllt wurde.Erich Spengler: Erläuterungen zur Geologischen Spezialkarte der Republik Osterreich, Blatt Schneeberg–St. Ägyd. Geologische Bundesanstalt, Wien, 1931, S. 78f. (PDF, 10,9 MB) Anm.: Spengler erkannte den Hangrutsch noch nicht, sondern führte die Ablagerungen auf tektonische Verstellungen zurück.René Hantke: Flussgeschichte Mitteleuropas : Skizzen zu einer Erd-, Vegetations- und Klimageschichte der letzten 40 Millionen Jahre. Enke, Stuttgart, 1993. S. 298f. ISBN 978-3-432-99781-0.Tobias Stöger: Röhrenkarren als Indiz für einen spätglazialen, durch eine Massenbewegung aufgestauten See (Hohenberg, NÖ). Masterarbeit, Universität Wien, 2017. (PDF, 4,4 MB)Lukas Plan, Tobias Stöger, Erich Draganits, Susanne Gier: A Pleistocene landslide-dammed lake indicated by karren features (Eastern Alps, Austria). Geomorphology 321:60–71, 2018. Nachdem die Unrechttraisen schließlich die Hangrutschmasse (Auf der Ried) wieder durchbrochen hatte, schnitt sie sich flussauf wieder in den zuvor aufgeschütteten Staukörper ein, von dem Reste nun als bemerkenswerte, mehrere Zehnermeter hohe Schotterterrassen beiderseits der oberen Unrechttraisen und in den Seitentälern zu beobachten sind, die wegen ihrer Ebenheit in für diese Gegend auffällig ausgedehntem Ausmaß wiesenbaulich genutzt sind.
Das mittlere Gefälle von St. Aegyd bis Untermitterbach ist mit über 11 ‰ verhältnismäßig hoch, jedoch weit geringer als flussauf. Die Ufer sind meist steil, häufig unterspült und dementsprechend reich an Gehölz- und Wurzelstrukturen. Sie grenzen über weite Bereiche direkt an den Hangwald.
Die Situation bis nach Freiland stellt sich (ausgenommen die ab Thorhof fehlenden Terrassen) ähnlich dar, einzig das Gefälle reduziert sich auf 8,5 ‰. Der Durchfluss beträgt bei der Einmündung etwa 4 m³/s.
Traisen In Freiland fließen die Türnitzer- und Unrechttraisen zusammen. Bis nach Schrambach, wo der Zögersbach mit 0,3 m³/s einmündet, verläuft die Traisen in einem Kerbtal, die Ufer sind überwiegend steil und aufgrund von Unterspülungen reich an Gehölzstrukturen, der Hangwald reicht bis ans Ufer. Bis Lilienfeld folgen Sohlenkerbtäler abwechselnd mit Sohlentälern. Hier bestehen flachere Gleitufer mit unbewachsenen Schotterbänken. Im weiteren Verlauf bis Traisen in einem engen Sohlenkerbtal dominieren Prallufer mit oftmals unterspülten Uferbereichen, die direkt in den Hangwald übergehen. Das Gefälle beträgt hier nur mehr 4,6 ‰, der Durchfluss hat sich auf 8 m³/s vergrößert. Bis zum Ort Traisen durchfließt der Fluss das Kalkalpenvorland.
Mittellauf Zwischen Traisen und Wilhelmsburg durchfließt die Traisen die Flyschzone. Der bis zu 800 m breite Talboden ist im Verhältnis zur Flussbreite als breit einzustufen. Das Gefälle ist mit 4,9 ‰ nur unwesentlich höher als flussauf. Es kommt hier zu großflächiger Ufererosion an den Prallufern und Schotterbänken an den Gleitufern. Im Mittellauf münden neben dem größten Zubringer, der Gölsen, ebenfalls der Steubach in Rotheau und der Kreisbach in Wilhelmsburg mit je etwa 0,3 m³/s ein.
Unterlauf mini|hochkant=2|Die Traisen bei ihrer Einmündung in die Donau Im Unterlauf ab Wilhelmsburg durchfließt der Fluss die Tertiärmolasse des Alpenvorlandes in einem bis zu fünf Kilometer breiten Tal und hat nur mehr wenige Zuflüsse. Diese münden, bis auf den Nadelbach, in die über den gesamten Abschnitt parallel zur Traisen fließenden Mühlbäche ein. Die Mühlbäche, die in Altmannsdorf rechtsufrig und knapp südlich der West Autobahn linksufrig ausgeleitet werden, entnehmen einen Großteil des Mittelwassers. (PDF; 2,7 MB) Flussab St. Pölten passiert die Traisen Herzogenburg, nachdem sie Traismauer durchflossen hat, mündet sie nach dem Kraftwerk Altenwörth in die Donau. Die Mündung wurde im Zuge des Baues des Donaukraftwerkes Altenwörth um acht Kilometer nach Osten verlegt.Mostviertel.info zur Traisen (PDF; 144 kB)
Renaturierung mini|Renaturierungsarbeiten beim Mitterhaufen Der Unterlauf der Traisen zwischen Traismauer und der Donaumündung verläuft in einem künstlich angelegten Flussbett. Dies hatte negative Einflüsse auf die benachbarten Augebiete, auch wird die Fischwanderung von der Donau in die Traisen erschwert. Nach ersten Renaturierungsplanungen wurde von der Verbund AG um Unterstützung bei LIFE+ angesucht. Ziel der Renaturierung ist die Umwandlung des 12,5 km langen, geraden Flussabschnittes in einen mäandrierenden Fluss mit entsprechender natürlicher Bewachsung. Nach Bewilligung durch LIFE+ und die angrenzenden Gemeinden wurde das Bauvorhaben 2013 begonnen und 2019 abgeschlossen. Rund um das Mündungsgebiet der Traisen wurden 150 Hektar neuer Lebensraum für heimische Tierarten sowie Stillgewässer und Flachwasserbereiche geschaffen. Die Gesamtkosten betrugen 30 Millionen Euro.
Zuflüsse Von der Quelle zur Mündung. Auswahl. Ohne die am Unterlauf dominierenden Mühlbäche, die teils sehr lang sind.
Fischbach, von rechts beim Hof In der Klaus von Türnitz Högerbach, von rechts am Ebnerhof von Türnitz-Traisenbachrotte Prünstbachgraben (?), von links am Ende der Traisenbachrotte Retzbach, von links gegenüber Türnitz-Moosbach Stelzerbach, von links bei Türnitz-Dickenau Raxenbach (?), von links nach Dickenau Torach, von links vor Türnitz-Moosbach Moosbachgraben (?), von rechts in Moosbach Kräuterbach, von rechts bei Türnitz-Lehenrotte Unrechttraisen, von rechts bei Türnitz-Freiland Zögersbach, von links vor Lilienfeld-Schrambach Schrambach, von links in Schrambach Reisenbach, von links in Traisen Gölsen, von rechts in Traisen Steubach, von links bei Eschenau-Rotheau Kreisbach, von rechts bei Wilhelmsburg
Wasserqualität mini|hochkant=0.9|Gewässerqualität 36 Prozent der Traisen entsprechen noch weitgehend dem natürlichen Zustand („sehr guter Zustand“). Damit gehört sie im Oberlauf zu den reinsten Gewässern Österreichs. Weitere 14 Prozent sind als „gut“ zu bezeichnen (keinerlei Flussbau oder energiewirtschaftliche Eingriffe), während 50 Prozent der Gewässerstrecken anthropogen verändert sind.fliessgewaesser.at zur Traisen
Wirtschaft Energie Entlang der Traisen wurden schon früh Mühlen gebaut. Durch die häufigen Niedrigwasser und die damit verbundenen Einbußen wurden immer mehr Mühlbäche errichtet (siehe dazu Harlander Coats). Heute bestehen an den Mühlbächen entlang der Traisen 16 Stromerzeugungsanlagen.Liste der Wasserkraftwerke der EVN Naturkraft Diese sind meist nur von sehr geringer Leistung und werden privat betrieben.
Verkehrs- und Transportweg Als Verkehrsweg wurde die Traisen aufgrund ihres sich häufig ändernden Flussbettes nur wenig genutzt. Einzig die Flößerei war lange Zeit weit verbreitet. So wurde das zum Wiederaufbau nach den Großbränden von 1474 und 1512 in St. Pölten benötigte Holz von Lilienfeld und Wilhelmsburg gekauft und über die Traisen getriftet. Wien wurde ab 1718 von der Traisen aus mit Brennholz versorgt. Die letzten großen Triften fanden um das Jahr 1861 statt. Danach wurden nur mehr geringe Mengen bis nach Lilienfeld transportiert.
Tourismus Für den Sommertourismus sind die Traisentäler wenig geeignet, was vor allem am steilen Gelände und an fehlenden Seen liegt. Zum Bergsteigen und Klettern hingegen finden sich viele lohnende Ziele, von denen einige (trotz längerer Anreise) zu den Wiener Hausbergen zählen: Gippel () und teilweise Göller () – mit weiter Fernsicht und möglichen Übergängen zur Rax-Schneeberg-Gruppe und zu den Mariazeller Bergen Muckenkogel () und Reisalpe ()