Die Hassan-Bek-Moschee (, auch ; , auch ; ) ist eine sunnitische Moschee in Tel Aviv-Jaffa, Israel. Die Moschee entstand zwischen 1915 und 1916 auf Initiative Hassan Beys (1882–1953),Nimrod Luz (): The Politics of Sacred Places. Palestinian Identity, collective memory, and resistance in the Hassan Bek mosque conflict. In: Environment and Planning D: Society and Space. Band 26, 2008, ISBN 978-3-7408-0263-9, S. 1036–1052, hier S. 1039. nach dem sie auch benannt ist. Die Pläne entwarf Jaffas städtischer Baudirektor Ben-Zion Gini (1869–1945). Der bis 1916 nicht vollendete Bau wurde 1923 abgeschlossen.

Die Moschee ist eine der bekanntesten muslimischen Gebetsstätten der Stadt und von weitem als Landmarke zu erkennen, denn für einen Sakralbau Tel Aviv-Jaffas ist ihre nach allen Seiten unverstellte Lage eher selten. Die Nutzung ihres Minaretts 1936/1937 und 1947/1948 durch Scharfschützen, um Tel Avivis in den Straßen abzuschießen, die in den 1970er Jahren versuchte Profanierung der seit 1948 verlassenen Moschee, das Ringen um die Wiedereinrichtung bis 1988 machten die Moschee im muslimisch-jüdischen Streit zu einem Sinnbild.

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Lage Die Moschee ist an drei Seiten flankiert von Straßen, dem adressgebenden Rechov haKovschim 82 () im Osten,Andrea Livnat (): 111 Places in Tel Aviv That You Shouldn’t Miss. Angelika Baumgartner (Photos), John Sykes (Übers.) Emons, Köln 2018, ISBN 978-3-7408-0263-9, S. 97. dem Rechov Joseph Loewy () im Süden sowie hier parallel Rechov haJarqon und Retzif Herbert Samuel () im Westen. An der Nordseite, wo der Zugang zur Anlage der Moschee besteht, erstreckt sich ein Parkplatz. Solch eine herausgehobene, von allen Seiten unverstellte Lage entspricht in etwa dem Zustand zur Bauzeit der Moschee,Andrea Livnat (): 111 Places in Tel Aviv That You Shouldn’t Miss, Angelika Baumgartner (Photos), John Sykes (Übers.) Emons, Köln 2018, ISBN 978-3-7408-0263-9, S. 96. ist aber im 21. Jahrhundert bei Sakralbauten im verdichteten Tel Aviv-Jaffa sehr selten.

mini|links|Luftbild der Moschee zwischen Rechov haKovschim (rechts), Rechov Joseph Loewy (vorn) sowie parallel Rechov haJarqon und Retzif Herbert Samuel (links) mit Blick zum Mittelmeer, 2007 Die Moschee befindet sich inmitten von Jaffas ehemaliger Vorstadt Manschiyya (, ),NN, “Masjid Hasan Bik”, auf: ArchNet, abgerufen am 29. Mai 2020. etwa einen Kilometer westlich von Lev Tel Aviv, dem historischen Stadtzentrum, und zwei Kilometer nördlich der Altstadt Jaffas. Manschiyya entstand ab den 1870er Jahren und erstreckt sich in nord-südlicher Richtung am Mittelmeer. Jenseits des westlich anliegenden Retzif Herbert Samuel trennt allein der von ʿAyin Hillel () entworfene Park Charles Clore () die Moschee von der See,Hadassah Aghion, Tel Aviv: Bauhaus & eclectic styles ['Tel Aviv: esprit Bauhaus et éclectisme', Paris: Marcus und Guysen, 2009, ISBN 978-2-7131-0284-4; engl.], Lisa Maronese (Übers.), Paris: Marcus, 2018, Seitenzahl wie hinter der Fußnotenzahl angegeben. ISBN 978-2-7131-0348-3. zu Fuß etwa 200 Meter Wegs. Manschiyya gehört mit weiteren ehemaligen Vororten Jaffas zum Stadtteil 5, der mit den Stadtteilen 3, 4 und 6 den Bezirk Mitte von Tel Aviv bildet.

Nach Zerstörungen im Palästinensischen Bürgerkrieg (1947/1948), Jahrzehnten des Verfalls, teilweiser Beräumung und Neuentwicklung des Viertels ab den 1980er Jahren präsentiert sich Manschiyyas Bebauung recht heterogen. Der ehemalige Bahnhof Jaffa von 1891, der Beit Giddi von 1900, der als Museum der Irgun (Akronym: EtZe"L) dient, und die Moschee sind im 21. Jahrhundert die einzigen Gebäude im Viertel, die schon vor 1947 bestanden. Das in seiner Bausubstanz besser erhaltene Viertel Kerem haTeimanim am Nordrand Manschiyyas gibt einen Eindruck davon, wie dieses bis 1947 bebaut war. Das ebenfalls weitgehend erhaltene östlich benachbarte Neweh Schalom dagegen ist schon von Beginn an lockerer bebaut gewesen als Manschiyya.

mini|Blick ostwärts über den Hof mit den achteckigen Sabils, 2012

Baubeschreibung Die erhöht gelegene AnlageAndrew Petersen, A Gazetteer of Buildings in Muslim Palestine: 4 Tle., Council for British Research in the Levant (Hrsg.), (=British Academy monographs in archaeology; Nr. 12), Oxford: Oxford University Press, 2001, Teil 2: ‹Ḥasan Bey Mosque› (Eintrag), S. 167. ISBN 978-0-19-727011-0. gliedert sich in den eigentlichen Moscheebau, das Minarett, Nebengebäude an der West- und Ostseite des großen Hofes, den nördlichen großen Hof mit zwei achteckigen Brunnen (hier anachronistisch auch Sabil genannt) zur rituellen Reinigung (Wudūʾ) sowie in zwei kleinere Höfe im Südwest- und Südosteck des rechteckigen Komplexes. Laut einem Bericht des Obersten Muslimischen Rats von 1941 maß die Grundfläche der erhöhten Anlage 21 mal 28 Meter.Nimrod Luz (), “Self-empowerment through the sacred culture and representation in the urban landscape: the Mosque of Hassan Bey and the Arab community of Jaffa”, in: Holy Places in the Israeli-Palestinian Conflict: Confrontation and Co-existence, Marshall J. Breger, Leonard Hammer und Yitzhak Reiter (Hrsg.), London und New York: Routledge, 2010, (=Routledge studies in Middle Eastern politics; Bd. 14), S. 249–262, hier S. 253. ISBN 978-0-415-54901-1. Der nördliche Hof – seit 1935 komplett gepflastert – war ursprünglich teils als Garten gestaltet.

mini|links|Nördlicher Hof mit Sabil vor Portal im Mittelrisalit der Moschee mit Stiftungstafel rechts, überragt vom Hotel der InterContinental Group, 2012 Während für Jaffas Bauten meist der gelb-braune, lokal gewonnene Karkur (Sandstein) genutzt wird, bestehen die Umfassungsmauern der Außenanlage, die Fassaden, inneren Pfeiler und Bandrippen der Gurtbögen aus weißem Kalkstein, womit die Moschee sich von anderen Bauten abhebt.Andrew Petersen, A Gazetteer of Buildings in Muslim Palestine: 4 Tle., Council for British Research in the Levant (Hrsg.), (=British Academy monographs in archaeology; Nr. 12), Oxford: Oxford University Press, 2001, Teil 2: ‹Ḥasan Bey Mosque› (Eintrag), S. 168. ISBN 978-0-19-727011-0. Eine zinnenbekrönte Mauer mittlerer Höhe aus Naturstein, durchbrochen durch rechteckige Öffnungen, umschließt die ursprüngliche Anlage und Zugang besteht an der Nordseite über eine Freitreppe durch ein ornamentiertes Tor mit Muqarnasbogen. Die Verzierungen sind dabei teils in Marmor gearbeitet.

mini|Blick südwestwärts durch den Innenraum mit Rundbogenfenstern zum Südwesthof, 2012 Die Moschee betritt man durch den Haupteingang im Mittelrisalit der Nordfassade zum nördlichen Hof, westlich vom Portal hängt eine Tafel, die an den Bau und Initiator erinnert. Der wohl proportionierte Moscheebau bildet ein Quadrat aus neun Jochen, deren Gliederung durch Strebemauern angedeutet die Außenwände in zwölf Segmente einteilt. Das Mitteljoch bekrönt eine niedrige Kuppel auf achteckigem kurzem Tambour, während flaches Dach mit Teerpappen die umliegenden acht Joche deckt, das auf Eisenträgern lagert. Diese leichte Konstruktion erlaubt schlanke Pfeiler und erübrigt Gewölbe.

mini|Südwand mit Mihrab und Minbar unter Dreipassfenster, Hufeisenbogenfenster jenseits der Bandrippe, 2012 Tageslicht fällt durch grüne und rote Scheiben ins Innere, die rundbogige Fenster an Ost- und Westseite wie hufeisenbogige im Süden und Norden zieren, bekrönt an allen Seiten durch rundgerahmte Dreipassfenster. Im Inneren gliedern Gurtbögen den Bau in neun Joche, die auf vier Pfeilern auf quadratischen Grundriss und den Wandpfeilern an den Außenmauern auflagern. Im quadratischen Mitteljoch bilden Pendentifs den Übergang zum innen runden Tambour. In der Mitte der Südwand befindet sich der konkav apsidial geformte Mihrab unter arabischen Inschriften und Dreipassfenster, westlich flankiert vom Minbar. Der Boden war vor 1948 mit Marmorplatten gefliest, die laut einem Zustandsbericht der Stadt Tel Aviv von 1978 weithin herausgebrochen waren.Mahmoud Yazbak, “The Islamic Waqf in Yaffa and the Urban Space”, in: Makan: Adalah’s journal for Land Planning and Justice, Bd. 2 (2010) ‹The Right to a Spatial Narrative›, S. 23–46, hier S. 40.

Kleine sich in Nord-Süd-Richtung erstreckende Seitenflügel im Westen und Osten des nördlichen Hofes schließen im Nordwest- und Nordosteck an den quadratischen Moscheebau an. Die Ecken als Übergang zu den Seitenflügeln sind jeweils durch Türme betont. Der östliche Turm misst nur fünf Meter, der westliche dagegen ist zum Minarett ausgebildet mit Zugang vom nördlichen Hof, zum Dach und zur Scherefe. Im Jahre 1985 wurde das Minarett 30 Meter hoch neu erbaut. Sein Inneres beleuchten Lanzettfenster, bis hinauf zur rundum bedachten Scherefe auf Höhe von 25 Metern. Im östlichen Nordflügel befinden sich Funktions- und Diensträume für Mitarbeiter der Moschee, der kleinere westliche Nordflügel wurde 1992 renoviert. Während der Renovierung ab 1988 wurde der etwa vier Meter breite Streifen um die ursprüngliche Anlage durch einen Zaun eingefasst und in der Folge begrünt.

Geschichte Jaffa entwickelte ab den 1860er Jahren Vorstädte außerhalb der Stadtmauern, die meisten mit je eigener ethnischer und/oder religiöser Prägung. Im Norden der Stadt entstanden Achawah (1899, palästinensische Juden), Adams City (1866, US-Angehörige der Church of the Messiah, mormonische Apostaten; 1869 württembergische Templer), Battej Feingold (1904), Battej Warschah (1871 Templer, ab 1907 polnische Juden), Battej Joseph (1904), Chatzer Schmerling (1860er Jahre, Juden aus Hebron), Jefeh Nof (1897), Kerem haTejmanim (1905, jemenitische Juden), Machaneh Jehudah (1896), Manschiyya (1870er Jahre), Mount Hope (1853, bergische und US-Protestanten), Neweh Schalom (1897), Neweh Zedeq (1887), Ohel Moscheh (1906), Tel Aviv (1909, osteuropäische Juden) und Walhalla (1900, palästinadeutsche Templer). Manschiyye war bald selbst von neuen Vierteln eingerahmt.

mini|Hassan Bey (rechts) mit Cemal Pascha (vorn) und weiteren osmanischen Offizieren, Erster Weltkrieg Hassan Bey (, 1882–1953), der zuvor Polizeichef Jaffas war, avancierte im Ersten Weltkrieg im August 1914 zum osmanischen Militärgouverneur für Jaffa und Umgebung. Am 17. Dezember 1914 verwies er feindliche Ausländer, also Briten, Franzosen, Serben und meist Russen, unter letzteren vor allem Juden, der Stadt.Mordechai Naor, The Twentieth Century in Eretz Israel – a Pictorial History, [סֵפֶר הַמֵּאָה – הִיסְטוֹרְיָה מְצֻלֶּמֶת שֶׁל אֶרֶץ־יִשְׂרָאֵל, Tel Aviv: , 1996; engl.], Judith Krausz (Übers.), Köln: Könemann, 1998, Seitenzahl wie hinter der Fußnotenzahl angegeben. ISBN 3-89508-595-2. Schon vor dem Krieg hatte Hassan Bey als Polizeichef Ambitionen gezeigt, die osmanische Herrschaft, als Sultanat und Kalifat ja eine islamische Cäsaropapie, zu stabilisieren. Dazu ergriff Hassan Bey Maßnahmen mit ideeller oder praktischer Wirkung (z. B. die Hassan-Bek-Moschee oder neue Straßendurchbrüche). Als breiten Durchbruch zum Hafen von Jaffa ließ er 1915 den Alten Basar mit seinen vielen Geschäften abreißen, der sich vom Hafen am Meeresufer entlang bis zum Platz am Uhrturm () erstreckte und als Teil eines Waqf (hier wohltätige Stiftung von Ladenlokalen, deren Mieten die nahe Moschee finanzierten) eigentlich geschützt war.Jaʿaqov Janon (), סְבִיב כִּכָּר הַשָּׁעוֹן: לְסַיֵּר בְּיָפוֹ עִם יַד בֵּן צְבִי, Jerusalem: , 2001Greg. Kal. / 5761Jüd. Kal. (30. Sep. 2000 – 17. Sep. 2001), S. 153. ISBN 965-217-192-1. Er requirierte zur Pflasterung Baumaterial mit Verweis auf Kriegsbedarf und ließ einen großzügigen Vorstadtboulevard anlegen, den er nach seinem vorgesetzten Befehlshaber an der Palästinafront, Cemal Pascha, benannte, seit 1950 Sderot Jeruschalajim genannt.

mini|Stiftungstafel westlich des Portals, 2012

Bau an der Moschee zwischen 1915 und 1923