Johannes Rütiner (* 11. November 1501 in St. Gallen; † 1556 ebenda) war ein Schweizer Kaufmann, Politiker, Chronist und Kopist.

Leben und Werk Johannes Rütiner war der Sohn des Webers und Leinwandkaufmanns Hans Rütiner und dessen Frau Adelheid. Von 1520 bis 1524 studierte er an der Universität Basel humanistische Allgemeinbildung und war anschließend als Weber und Leinwandkaufmann tätig.Rütiner als Leinwandkaufmann. In: Ursula Brunold-Bigler: Historien von Krieg, Pest und Hunger. Bemerkungen zu den «Commentationes» des Johannes Rütiner. In: Schweizerisches Archiv für Volkskunde. 94. Jg., Nr. 2, 1998, doi:10.5169/seals-118015#221, S. 184 Ende 1527 heiratete Rütiner Engla, geborene Keiser. Zusammen hatten sie sechs Kinder. Als einziges Kind überlebte ihn seine damals 13-jährige Tochter Anna.

Parallel zum beruflichen Aufstieg verlief seine politische Karriere. Ab 1534 wurde er «Elfer», das heißt einer von elf Abgeordneten der Weberzunft und somit Mitglied des St. Galler Grossen Rates. Ab 1549 gehörte er dem Kleinen Rat an und war auch als Eherichter tätig.Rütiners Erlebnisse als Eherichter. In: Ursula Brunold-Bigler: Historien von Krieg, Pest und Hunger. Bemerkungen zu den «Commentationes» des Johannes Rütiner. In: Schweizerisches Archiv für Volkskunde. 94. Jg., Nr. 2, 1998, doi:10.5169/seals-118015#220, S. 183

Rütiner verfasste unter dem Titel «Diarium» als Zeichen seiner Zugehörigkeit zur humanistisch gebildeten Elite der Stadt St. Gallen von 1529 bis 1539 in lateinischer Sprache chronikalische Denkwürdigkeiten über das St. Galler Alltagsleben. Die tagebuchartigen Aufzeichnungen sind in zwei Bänden in der Vadianischen Sammlung der Ortsbürgergemeinde St. Gallen überliefert und umfassen 591 vollbeschriftete Blätter mit über 1400 Eintragungen. Rütiners am häufigsten erwähnte Informantin war die Hebamme Anna Bösch (* 1474). Sie arbeitete in zahlreichen städtischen Privathaushalten und gewann so einen vertieften Einblick in die Gesellschaft. Bösch stand in Rütiners Diensten, als die beiden jüngsten Kinder Johannes (1536) und Barbara (1538) zur Welt kamen. Die Hebamme versorgte ihn mit Informationen über Liebschaften, Missbrauch und Ehebruch, berichtete jedoch als Zeitzeugin auch über den St. Gallerkrieg 1489, den sie selber erlebte.

Johannes Rütiner kopierte auch die Schriften von seinem Freund Johannes Kessler, von Joachim Vadian und Johannes Stumpf. Rütiner war im Besitz einer umfassenden Bibliothek und katalogisierte St. Galler Privatbibliotheken.

Literatur Ursula Brunold-Bigler: Historien von Krieg, Pest und Hunger. Bemerkungen zu den «Commentationes» des Johannes Rütiner. In: Schweizerisches Archiv für Volkskunde. 94. Jg., Nr. 2, 1998, S. 175–187 (doi:10.5169/seals-118015#212). Thomas von Liebenau: Aus dem Diarium des Johannes Rütiner von St. Gallen. In: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde. Bd. 4, 1905, S. 45–53 (Digitalisat). Carla Roth: The Talk of the Town. Information and Community in Sixteenth-Century Switzerland, 2022. (https://doi.org/10.1093/oso/9780192846457.001.0001)

Weblinks

Rütiner Johannes im Bibliothekskatalog Swisscovery .

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