mini|Lilly Blaudszun (2019) Lilly Blaudszun (* 5. Juni 2001 in Bückeburg) ist eine ehemalige deutsche Politikerin (SPD) und politische Influencerin.
Leben Blaudszun wuchs im dörflichen Ortsteil Techentin von Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern auf. Im Alter von zwölf Jahren wurde sie durch eine Party des dortigen Jugendrats auf dessen Arbeit aufmerksam. Kurze Zeit später wurde sie Mitglied und Vorsitzende des Gremiums. Während eines Schülerpraktikums bei einem Abgeordneten der SPD im Schweriner Landtag kam ihr Interesse an einer Parteizugehörigkeit in der SPD auf. Letztlich angeworben hat sie der damalige Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier.
In der Folge engagierte sie sich für die Jusos. In den Jahren 2017 bis 2019 war sie stellvertretende Vorsitzende des Landesverbands Mecklenburg-Vorpommern und von 2017 bis 2019 eine der jeweils drei Koordinatorinnen der Juso-Schüler*innen- und Auszubildenden-Gruppe.
Im Jahr 2019 legte Blaudszun das Abitur am Goethe-Gymnasium Ludwigslust ab und begann ein Studium der Rechtswissenschaften an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). Dort arbeitete sie als studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht und Rechtsphilosophie und war bis Juni 2023 studentisches Mitglied des Fakultätsrats der Juristischen Fakultät der Viadrina. In Berlin arbeitete sie als studentische Hilfskraft des Bundestagsabgeordneten Frank Junge und betreute dessen Social-Media-Auftritt. Im April 2023 gab sie an, sich auf das Erste Juristische Staatsexamen vorzubereiten.
Dietmar Woidke holte sie zur Landtagswahl in Brandenburg 2019 in sein Wahlkampfteam. Ab Juli 2020 arbeitete sie für die SPD Mecklenburg-Vorpommern im Kommunikationsbereich und gehörte beim Wahlkampf zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern 2021 zum Social-Media-Wahlkampfteam von Manuela Schwesig. Außerdem gehörte sie ab November 2020 zum Bundestagswahlkampfteam der SPD. Sie agierte als Social-Media-Expertin der SPD im Bundes- und Landeswahlkampf 2021.
Die Wochenzeitung Die Zeit erwähnte die damals 18-Jährige im Jahr 2019 in ihrer Beilage „Die 100 wichtigsten jungen Ostdeutschen“. Im Umfeld des 39. SPD-Parteitags im Dezember 2019 übernahm sie die Betreuung des Instagram-Accounts der SPD. Auch Julia Lorenz vom Musikexpress äußerte sich in der Popkolumne zum Jahresrückblick 2019 über „die zielgruppenwirksam twitternde Jung-Sozialdemokratin Lilly Blaudszun, deren Social-Media-Auftritt als Antidot gegen den Bedeutungsverlust der SPD gesehen wird“. Die Nachrichtenwebsite Der Spiegel zählte sie Anfang 2021 zu fünf Politikern unter 30, von denen man 2021 noch hören würde.
Nachdem sie am 1. Februar 2019 das Foto eines Kaffeebechers des Juso-Bezirksverbandes Hannover mit dem Slogan „Mein Vaterland interessiert mich nicht die Bohne.“ getwittert hatte und darauf an sie gerichtete Drohungen in den sozialen Netzwerken aufgetaucht waren, versuchte sie, ihr Privatleben aus ihren Online-Aktivitäten herauszuhalten. Jedoch erwähnte eine Reportage im Tagesspiegel, dass sie mit der Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, fast täglich in Kontakt stand. Die SPD wollte mit Hilfe von Blaudszuns Social-Media-Aktivitäten gezielt junge Wähler ansprechen, doch hatte sie im Juni 2020 mit knapp 13.000 Abonnenten bei Instagram noch eine erheblich geringere Reichweite als der CDU-Nachwuchspolitiker und Bundestagsabgeordnete Philipp Amthor mit mehr als 90.000. Ihre Reichweite nutzte Blaudszun auch für Produktwerbung. Nach Kritik gab sie an, die Einnahmen an soziale Einrichtungen zu spenden.
Am 29. September 2021 gab sie auf Twitter ihren Rückzug aus der Politik bekannt und deaktivierte zwischenzeitlich ihren Twitteraccount. Sie war 2022 Mitglied der Bundesversammlung zur Wahl des Bundespräsidenten, nominiert durch die SPD Mecklenburg-Vorpommerns.Das sind die Delegierten aus MV für die Bundespräsidenten-Wahl, NDR, 12. Februar 2022
Im Oktober 2021 wurde sie ins Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentags gewählt. Seit dem 1. Februar 2022 war sie neben ihrem Studium als Mitarbeiterin für Soziale Medien und Kommunikation der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) mit Sitz in Neustrelitz tätig.
Im September 2022 reaktivierte Blaudszun ihre Social-Media-Accounts. Im Juli 2023 wechselte sie als Beraterin von der DSEE zur Werbeagentur BrinkertLück Creatives in Hamburg, die sie bereits 2020/21 im Bundestagswahlkampf für die SPD unterstützt hat. Seit 2024 ist sie für die Agentur 365 Sherpas tätig. Seit Januar 2026 ist sie zudem Sprecherin der mecklenburg-vorpommerischen Ministerpräsidentin Manuela Schwesig im Vorfeld der Landtagswahl 2026.
Positionen In Gastbeiträgen für das Online-Medium Vice und die Ostsee-Zeitung äußerte sich Blaudszun zum Thema Bildungspolitik. In einem Interview nach der Wahl zum SPD-Vorsitz 2019 kritisierte sie die Rolle der SPD in der Großen Koalition unter Merkel, zum Beispiel für ihre Klimapolitik sowie die Ratifizierung der Richtlinie (EU) 2019/790 (Urheberrecht im digitalen Binnenmarkt), lobte aber sozialdemokratische Projekte wie die Grundrente.
Sie sprach häufig über Ostdeutschland seit 1990 und die Rolle der Jugend für die Zukunft. Dabei sei es ihr wichtig, dass junge Menschen aus „dem Osten“ ihrer Heimat etwas zurückgeben können. Auch wichtig sei es, junge Menschen generell für Ostdeutschland begeistern zu können. Daher sei sie für ihr Studium auch nicht nach Westdeutschland gezogen, sondern habe bewusst die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) als Studienort ausgewählt.
Im September 2024 gehörte sie zu den Initiatoren des Offenen Briefs Eintreten für Würde, der sich für eine humane Asylpolitik einsetzt und gegen die Verschärfung der Migrationspolitik der Bundesregierung wendet und hierfür sozialdemokratische Werte anführt. Der Brief wurde als Online-Petition bis zum 16. Oktober 2024 von über 13.000 Personen unterzeichnet.
Öffentliche Kritik Im Februar 2026 geriet 365 Sherpas im Zuge einer politischen Debatte in Mecklenburg-Vorpommern in den Fokus der Öffentlichkeit. Anlass war die Ernennung von Lilly Blaudszun zur Sprecherin der Landesvorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) und Ministerpräsidentin Manuela Schwesig im Vorfeld der Landtagswahl 2026. Blaudszun ist gleichzeitig als Senior Associate bei 365 Sherpas tätig, was zu Kritik an möglichen Interessenkonflikten führte.
Kritiker, darunter der Landesverband des Bundes der Steuerzahler, äußerten, dass die parallele Tätigkeit Blaudszuns für die Partei im Wahlkampf und für eine Agentur, die in der Vergangenheit Beratungs- und Kommunikationsaufträge von der Staatskanzlei Mecklenburg-Vorpommern erhalten hatte, eine „Grauzone“ schaffe und Fragen zur Trennung von Regierungs- und Parteiarbeit aufwerfe. Dabei wurde auch auf Vergaben in vierstelliger bis fünfstelliger Höhe an 365 Sherpas sowie einen größeren Auftrag über mehr als 330.000 Euro an eine konzernverwandte Gesellschaft hingewiesen.
Regierungssprecher und Vertreter der Landesregierung wiesen die Vorwürfe zurück und betonten, die Aufträge seien vergeben worden, bevor Blaudszun bei der Agentur tätig geworden sei, und ihre Parteifunktion sei eine Entscheidung des SPD-Landesverbandes, nicht der Staatskanzlei. Zudem betonte die Landesregierung eine klare organisatorische Trennung zwischen Partei- und Regierungsarbeit.
Podcast Für den Jugend-Hörfunksender Fritz des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Berlin-Brandenburg startete Lilly Blaudszun zusammen mit Jakob Springfeld den Podcast „OKF – Ortskontrollfahrt“, in dem sie über das normale Leben in Ostdeutschland berichten und der seit 18. Juli 2024 in der ARD Audiothek veröffentlicht wird.
Weblinks
Jonas Jordan: vorwärts-Podcast „SPDings“: Lilly Blaudszun: Wie Frank-Walter Steinmeier sie in die SPD brachte, 19. Oktober 2022 (Audio: SPDings – der „vorwärts“-Podcast, Folge 13 mit Lilly Blaudszun)
Einzelnachweise Ironische Tweets: Frankfurterin Lilly Blaudszun sorgt für Furore in der Bundes-SPD, moz.de, 10. November 2019
Helena Serbent: 31 Tage – 31 Frauen: Mit Kaffeebecher gegen Patrioten – das ist Lilly Blaudszun, watson.de, 25. März 2019 Social-Media-Hoffnungen von CDU und SPD bild.de, Dezember 2019 30 Jahre MV Folge 7: Lilly Blaudszun, Medienhaus Nord, 19. Mai 2020 18-Jährige übernimmt Instagram-Account der SPD RedaktionsNetzwerk Deutschland, 6. Dezember 2019
Abitur. Oder: Auf der Zielgeraden?!, von NDR Newcomernews (Ein Medienbildungsprojekt des NDR-Landesfunkhauses MV mit Schülerinnen und Schülern.), ndr.de, 2. Mai 2018 Julia Lorenz: Popkolumne, Folge 44: Jahresrückblick: Was wir 2019 gelernt haben (Popkolumne-Sonderedition), musikexpress.de, 10. Dezember 2019 Ein Juso-Kaffeebecher treibt „deutsche Patrioten“ gerade zur Weißglut, watson.de, 8. Februar 2019 Nachwuchs-Hoffnung: Wie Lilly Blaudszun aus MV die Jugend zur SPD holen soll, Nordkurier.de, 27. Juni 2020
Kategorie:Politiker (21. Jahrhundert) Kategorie:Politischer Berater Kategorie:Podcaster Kategorie:SPD-Mitglied Kategorie:Person (Neustrelitz) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 2001 Kategorie:Frau