mini|Schopenhauerhaus Schöne Aussicht 16 (Mitte) und Schöne Aussicht 17 (Links) in Frankfurt am Main, Ansicht von Sachsenhausen aus Diese Liste enthält die meisten Gebäude, in denen der Philosoph Arthur Schopenhauer und dessen Familienmitglieder wohnten. Diese befanden sich in Danzig, Hamburg, Weimar, Göttingen, Berlin, Dresden, München, Mannheim, Frankfurt am Main und in anderen Orten.
Die meisten Häuser gibt es nicht mehr. Das Gebäude Theaterplatz 1 a in Weimar ist erhalten, die Geburtshäuser von Johanna und Arthur Schopenhauer in Danzig wurden wieder aufgebaut. Das Grab von Arthur Schopenhauer befindet sich in Frankfurt am Main. Es wurden zahlreiche Straßen nach ihm benannt, und es gibt einige Denkmäler.
Danzig Heilige-Geist-Gasse 114 mini|hochkant|Schopenhauerhaus in Danzig, Nachbau Im Wohnhaus Heilige-Geist-Gasse 114 (heute ul. św. Ducha 47) wurde Arthur Schopenhauer 1788 geboren.Schopenhauer Haus in Danzig Forum Danzig
Das Gebäude war spätestens 1784 in den Besitz seines Vaters Heinrich Floris Schopenhauer gekommen. 1793 wurde es verkauft und die Familie zog nach Hamburg.
Anfang des 20. Jahrhunderts befand sich dort ein Schuhgeschäft Krefft. 1944/45 wurde das Gebäude beschädigt und danach in ähnlicher Form neu gebaut. Eine Gedenktafel erinnert an seine Geschichte.
Heilige-Geist-Gasse 81 mini|hochkant|Schildkrötenhaus in Danzig
Im Wohnhaus Heilige-Geist-Gasse 81 (heute ul. św. Ducha 111) wurde Johanna Trosiener, die Mutter von Arthur Schopenhauer, geboren.
Das Schildkrötenhaus, so genannt wegen einer Schildkröte im Giebel, wurde 1944/45 ebenfalls beschädigt und danach wieder aufgebaut. Heute befindet sich dort eine Bibliothek mit Veranstaltungsbereich.
Hamburg Neuer Weg 76 miniatur|Altstädter Neuerweg 1883 kurz vor dem Abriss Die Familie bezog 1793 das Haus im Altstädter Neuerweg 76.Arthur Hübscher: Jugendjahre in Hamburg. In: Schopenhauer-Jahrbuch. 51. 1970. S. 3–21, hier S. 3, hier als Neuer Weg 76 angegeben Die Welt ist mein Wille von Thomas Andre, Hamburger Abendblatt vom 21. September 2010
Die Straße wurde um 1890 abgerissen.
Neuer Wandrahm 92 miniatur|hochkant|Gegenüberliegende Straßenseite Neuer Wandrahm 1796 erwarb die Familie ein größeres Haus in der Straße Neuer Wandrahm 92, die bei Kaufleuten eine beliebte Wohngegend war. Dort waren auch die Geschäfts- und Lagerräume, an der Rückseite floss ein Kanal (Fleet) für den Warenverkehr. 1797 wurde hier die Tochter Adele geboren.
Das Ehepaar Heinrich und Johanna Schopenhauer verkehrte in den angesehensten Kreisen Hamburgs, es hatte gute Kontakte zum Großkaufmann Georg Heinrich Sieveking, dem Gelehrten Johann Albert Heinrich Reimarus, dem Dichter Friedrich Gottlieb Klopstock, dem Maler Wilhelm Tischbein und anderen.Arthur Hübscher, Jugendjahre in Hamburg, S. 3f., nach Johanna Schopenhauer Jugendleben und Wanderbilder. Band 2. Braunschweig 1839, Fragmente der Autobiographie aus dem Nachlass
Der junge Arthur wurde einige Male auf längere Auslandsreisen mitgenommen. Ab 1799 besuchte er die Privatschule von Dr. Runge in Hamburg. 1805 begann er eine Kaufmannslehre bei dem Senator Martin Jenisch. In diesem Jahr verunglückte der Vater Heinrich Floris Schopenhauer am Haus, wahrscheinlich durch Suizid. Die Mutter verkaufte daraufhin das Gebäude.
Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Straße für den Bau der Speicherstadt abgerissen.
Kohlhöfen 87
Die Familie bezog noch 1805 eine Wohnung in Kohlhöfen 87 (später Nr. 29). Dort bereitete die Mutter Johanna den Umzug für sich und die Tochter Adele nach Weimar vor, der 1806 erfolgte.
Das Haus wurde um 1890 durch einen Neubau ersetzt.
Haus Willink Der 18-jährige Arthur blieb in Hamburg und setzte seine Kaufmannslehre fort. Er wohnte in dieser Zeit bei dem Akkuranzmakler Gysbert Willink, einem früheren Geschäftspartner des Vaters.Arthur Hübscher: Jugendjahre in Hamburg. In: Schopenhauer-Jahrbuch. 51. 1970. S. 3–21, hier S. 12
Im April 1807 erhielt er endlich von der Mutter die Erlaubnis, die Lehre abzubrechen und eine wissenschaftliche Laufbahn zu beginnen. Dafür zog er zunächst nach Gotha.
Le Havre Ab 1797 lebte der 9-jährige Arthur Schopenhauer in Le Havre in Frankreich bei Grégoire de Blésimaire, einem Geschäftsfreund des Vaters, und dessen Sohn Anthim. Dort verbesserte er seine Sprachkenntnisse und wurde mit Kultur und Literatur (Voltaire) des Landes vertraut gemacht. Später schrieb er einmal, dies seien die schönsten Jahre seiner Kindheit gewesen.Arthur Hübscher, Jugendjahre, S. 6 1799 kehrte er nach Hamburg zurück.
Gotha miniatur|hochkant|Gymnasium illustre in Gotha Von Juni bis Dezember 1807 besuchte Arthur Schopenhauer das Gymnasium Illustre in Gotha. Er wohnte bei dem Philologieprofessor Karl Gotthold Lenz zur Pension.Roland Krischke: Schopenhauer in Gotha. Mitteldeutscher Verlag, Halle 2013; auch Schopenhauer in Gotha von Roland Krischke, in Thüringische Landeszeitung vom 23. März 2013, S. 4 Schopenhauer in Gotha und Weimar von Roland Krischke, Goethegesellschaft Erfurt
Wegen eines Spottgedichtes musste er im Dezember die Stadt verlassen und zog nach Weimar.
Weimar Wohnung Arthur Schopenhauer In Weimar bewohnte Arthur Schopenhauer ab Dezember 1807 eine kleine Wohnung. Von dort aus besuchte er regelmäßig seine Mutter, die vorher darauf bestanden hatte, dass er getrennt von ihr wohne.
Er besuchte das Gymnasium und begann einen intensiven geistigen Austausch mit dem Erfolgsautor Zacharias Werner. Anfang 1809 bekam er seinen Anteil des väterlichen Erbes nach Erreichen der Volljährigkeit ausgezahlt. Schopenhauer beendete das Gymnasium und ging zum Studium nach Göttingen.
Schillerstraße 10 Ab 1806 wohnte Johanna Schopenhauer mit der Tochter Adele im Haus der Hofrätin Ludecus an der Esplanade (an der Stelle des heutigen Hauses Schillerstraße 10).Vgl. den Spendenaufruf für eine Gedenktafel an der Schillerstraße 10 vom 22. Dezember 2016.
Dort begegnete sie bald Johann Wolfgang von Goethe, zu dem sie seitdem regelmäßigen Kontakt hatte. Sie empfing als erste dessen neu verheiratete Frau Christiane Vulpius, die bis dahin von der Gesellschaft wegen ihres niedrigeren Standes gemieden worden war.Brief von Johanna Schopenhauer an Arthur Schopenhauer vom 24. Oktober 1806
Johanna Schopenhauer baute einen literarischen Salon auf, der zum ersten gesellschaftlichen Treffpunkt der Weimarer außerhalb des Hofes wurde. Dazu gehörten der Kunstkritiker Carl Ludwig Fernow, der Verleger Friedrich Justin Bertuch und dessen Sohn Carl, Friedrich Wilhelm Riemer, der Maler Heinrich Meyer, der Dichter Christoph Martin Wieland und andere.Johanna Schopenhauer zeno.org, Biographie Im Frühjahr 1811 hatte der Sohn Arthur Schopenhauer eine Begegnung mit diesem während seines Besuchs in den Osterferien in Weimar. Auswärtige Gäste im Salon waren die Schriftstellerin Bettina von Arnim, die Philosophen August Wilhelm und Friedrich Schlegel, Hermann Pückler-Muskau, der Schriftsteller Zacharias Werner und andere.
Theaterplatz 1 a miniatur|hochkant|Theaterplatz 1a Ab 1813 lebte Johanna Schopenhauer im Haus Theaterplatz 1a, einem Anbau an einen Barockbau von 1784 in der Nähe des Theaters.Rolf Haage: Weimar. Ein Führer durch die Klassiker-Stadt. Erfurt 2011, ISBN 978-3-86680-829-4. S. 126 f. Dort wohnten auch die Tochter Adele und der Freund Georg Friedrich von Gerstenbergk. Johanna Schopenhauer setzte dort ihren Salon fort.
Im Frühjahr 1813 wohnte der Sohn Arthur kurze Zeit bei ihr und zog dann nach Rudolstadt. Im November kehrte er zurück und hatte mehrere Begegnungen mit Goethe. Der Orientalist Friedrich Majer machte ihn mit der altindischen Philosophie vertraut. Im Mai 1814 überwarf der Sohn sich völlig mit der Mutter und ging nach Dresden. 1819 kehrte er wegen der Pleite des Bankhauses Muhl kurz nach Weimar zurück.
Johanna Schopenhauer und die Tochter Adele wechselten 1829 nach Unkel und Bonn am Rhein.
Das Gebäude ist erhalten. Darin befindet sich heute ein Restaurant (Theater-Café).
Göttingen 1809 kam Arthur Schopenhauer zum Studium nach Göttingen. Er wohnte dort in einer kleinen möblierten Wohnung. Schopenhauer hörte vor allem naturwissenschaftliche Vorlesungen der verschiedensten Fachrichtungen und gelangte schließlich zum Philosophen Gottlob Ernst Schulze, der ihn mit Immanuel Kant und Platon bekannt machte und ihm damit letztendlich seinen weiteren philosophischen Weg wies.
1811 wechselte Schopenhauer an die neue Universität nach Berlin.
Berlin 1811 bis 1813 Ab 1811 studierte Arthur Schopenhauer in Berlin an der neu eröffneten Humboldt-Universität. Er hörte Vorlesungen von Johann Gottlieb Fichte und Friedrich Schleiermacher, wobei sich seine Bewunderung für diese in Verachtung wandelte. Er schätzte dagegen den Altphilologen Friedrich August Wolf, bei dem er mehrere Veranstaltungen über altgriechische Literatur hörte und der ihn unterstützte.
Im Frühjahr 1813 verließ Schopenhauer die Stadt wegen der drohenden Kriegsgefahr und ging zurück zur Mutter nach Weimar.
1820 bis 1822 Im März 1820 kam Schopenhauer wieder nach Berlin und hielt dort seine Antrittsvorlesung in der Universität. Seine darauffolgenden regelmäßigen Veranstaltungen legte er absichtlich auf die gleiche Zeit wie die von Hegel, was zu niedrigen Zuhörerzahlen führte.
Letzte Straße 34 Ab Mitte März 1820 wohnte Arthur Schopenhauer in einer kleinen möblierten Wohnung in der Letzten Straße 34 (heute Dorotheenstraße 83).Rudolf Borch: Zu den Berliner Wohnungen. In Jahrbuch der Schopenhauer-Gesellschaft. Band 29. 1942, S. 231 ff.Karl Voß: Berlin, Reiseführer für Literaturfreunde, vom Alex bis zum Kudamm, Berlin 1986, ISBN 3-548-04069-1, S. 56, 64, 65, 80, 85, 108, 119, zu den verschiedenen Wohnungen in Berlin
Das historische Haus gibt es nicht mehr.
Kronenstraße 55 Danach wohnte er kurz in der Kronenstraße 55.
Das Haus existiert nicht mehr.
Niederlagwallstraße 4 Ab Mai oder Oktober 1820 bewohnte Arthur Schopenhauer zwei Zimmer in der Niederlagwallstraße 4 (später Niederlagstraße 4.).Karlheinz Muscheler: Die Schopenhauer-Marquet-Prozesse und das preussische Recht. Mohr Siebeck, Tübingen 1996, S. 4, Anm., er nimmt den Mai an, Schopenhauer hatte den Oktober (seit 10 Monaten) angegeben. Dort warf er am 12. August 1821 die Zimmernachbarin Marquet aus dem Entrée, wo sie sich lautstark mit zwei Mägden unterhalten hatte. Da sie seitdem angeblich ein Zittern im Arm hatte, wurde er nach langen Prozessen zu Schmerzensgeld und lebenslangen Alimenten verurteilt.
1822 begann Schopenhauer eine Italienreise.
Das Haus existiert nicht mehr.
1825 bis 1831 Ab April 1825 lebte Schopenhauer wieder in Berlin und setzte seine Universitätskarriere fort.
Leipziger Straße 78 Er wohnte (1822 oder 1825?) in einer Wohnung in der Leipziger Straße 78.
Das Haus gibt es nicht mehr.
Behrenstraße 70 Vom 24. November 1828 und dem 15. Mai 1829 ist die Adresse Behrenstraße 70 bekannt.Ludger Lütkehaus: Das Buch als Wille und Vorstellung. Schopenhauers Briefwechsel mit Friedrich Arnold Brockhaus. Berlin 1996, S. 44, 47
In dem Haus eröffnete Mathilde Rohr 1833 einen literarischen Salon, den 1852 Theodor Fontane besuchte. Danach ging das Haus in den Besitz des Kultusministeriums über und wurde um 1890 durch einen Neubau ersetzt. Dieser wurde um 1944/45 zerstört.
Dorotheenstraße 30 Wahrscheinlich von 1829 bis 1830 lebte Schopenhauer in der Dorotheenstraße 30 (heute Nr. 90).Adressbuch Berlin, 1829 (?)
Das Gebäude wurde um 1890 durch ein neues ersetzt.
Französische Straße 17 Die letzte Wohnung in Berlin war in der Französischen Straße 17.
Von dort zog Schopenhauer 1831 wegen der drohenden Choleraepidemie nach Frankfurt am Main.
Rudolstadt Im Juni 1813 quartierte sich Schopenhauer im Gasthof „Zum Ritter“ in Rudolstadt ein, einem der modernsten Gasthäuser Thüringens in seiner Zeit. Er fand dort Ruhe vor den Kriegswirren der Umgebung. Schopenhauer verfasste seine Dissertation Über die vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde. Dabei genoss er die Umgebung bei ausgedehnten Spaziergängen.