Die NFL-Teambesitzer sind die bestimmenden Personen hinter der amerikanischen Profi-Football-Liga National Football League.
Die National Football League ist keine eingetragene Organisation im eigentlichen Sinne. Im Wesentlichen besteht die Organisation aus der „Versammlung“ der Eigner der 32 Teams sowie dem Commissioner der NFL. Diese beschließen alle wesentlichen Rahmenbedingungen (Regeln, Abkommen) der Liga und auch über die Übernahme von Franchises oder Anteilen an diesen.
Um dieses Konstrukt aufrechtzuerhalten, wurden zwischen den Teameignern bestimmte Regelungen vereinbart. Die Grundlage für die heute geltenden Regeln wurden im Rahmen der Fusion der AFL und NFL gelegt und galten ab dem 1. Februar 1970. Sie wurden zwischenzeitlich mehrfach geändert und angepasst.
Ursprünglich waren die Teams meist im Besitz einer einzigen Person oder einer Gruppe von Investoren. Mit der Gründung der AFL 1959 wurde sogar der Versuch eines börsengehandelten Franchises unternommen. Die Erfahrung zeigte, dass insbesondere bei fehlenden Mehrheitsverhältnissen es zu Konflikten kam, die den Ligabetrieb und einzelne Mannschaften beeinflussen konnten.
Deshalb war ab 1970 die Vorgabe, dass der Teameigner mindestens 51 % der Anteile besitzen muss. 1985 wurde diese Grenze auf 30 % abgesenkt und eine Limited Partnership auf maximal 15 Personen begrenzt. Aber auch diese Regelung erwies sich insbesondere in Erb- und Nachlassauseinandersetzungen als hinderlich. Zum einen verhinderte sie, dass bereits zu Lebzeiten entsprechende Nachlassregelungen umgesetzt werden konnte und andererseits entstanden bei Erbfällen hohe Erbschaftssteuern.
1996 wurde festgelegt, dass maximal 25 Personen direkt oder indirekt Anteile an einem Franchise besitzen dürfen, gleichzeitig wurde festgelegt, dass diese 30 % für ein „Familienunternehmen“ gelten.1996 Resolution FC-6
2004 wurde vereinbart, dass bei Franchises die mehr als 10 Jahre im Besitz einer Familie sind, der „General Partner“ 20 % besitzen muss und weitere 10 % von seiner Familie kontrolliert werden müssen.2004 Resolution FC-1A 2009 wurde diese Anforderung, auch in Anbetracht zu erwartender Erbschaften, nochmals geändert. So mussten nunmehr 10 % im Eigentum des General Partners sein und 20 % im Familienbesitz. Die 10-Jahres-Regel gilt jedoch weiter. Ab 2015 musste der General Manager nur noch 5 % und seit 2022 nur noch 1 % des Teams besitzen. Im Herbst 2020 wurde festgelegt, dass Teams die keine entsprechenden Eigentumsverhältnisse besitzen und die keine Eigner haben, der die letztendliche Entscheidungsbefugnis besitzt, eine Strafe von bis zu 10 Millionen Dollar erhalten können. Einzelpersonen können mit bis zu 2 Millionen Dollar geahndet werden.
Am 27. August 2024 beschlossen die Eigentümer eine Änderung der Besitzregeln zu Gunsten von Beteiligungsunternehmen. Solche Unternehmen dürfen einen Anteil von drei bis zehn Prozent erwerben und müssen diesen mindestens sechs Jahre halten. Entsprechende Unternehmen müssen mindestens 2 Milliarden Dollar verfügbares Kapital besitzen und maximal 20 % des Kapitals des Unternehmens darf in eine Franchise investiert werden. Entsprechende Unternehmen dürfen sich an maximal sechs Teams beteiligen. Die Beteiligung ist von einer 3/4-Mehrheit der Teambesitzer zu befürworten. Die Teambesitzer legen fest, welche Finanzunternehmen grundsätzlich für eine Beteiligung in Betracht kommen.
Für die Green Bay Packers als einzige Mannschaft mit ausschließlichem Streubesitz und der Regelung, dass ein Aktionär nicht mehr als rund 4 % des Franchises besitzen darf, gilt eine Bestandsschutz-Regel.
Weiterhin dürfen Eigentümer nicht an mehreren Teams beteiligt sein. Seit 2018 ist es möglich, dass Teambesitzer auch Franchises anderer professioneller Sportsligen in der Stadt einer konkurrierenden NFL-Mannschaft besitzen dürfen. So wurde noch 2010 Stan Kroehnke beauflagt, für den Erwerb der Rams seine Anteile an einer Basketball-Mannschaft und einer Eishockey-Mannschaft an seinen Sohn abzutreten.
Nicht gewinnorientierten Organisationen oder Unternehmen ist der Besitz eines Franchises verboten. Eine Ausnahmeregelung besteht für die Houston Texans, hier hält der Harris County 5 % der Anteile, da das Stadion mit Unterstützung des County errichtet wurde.
Die Qualifikation zum Erwerb eines Anteils an einem Team wird durch die anderen Teambesitzer geprüft. Eine entsprechende Prüfung erfolgt nicht beim Vererben der Eigentumsrechte. Seit 2014 muss jedoch angegeben werden, welche Person als Nachfolger des Haupteigentümers gilt.
Arizona Cardinals
Chicago Cardinals/St. Louis CardinalsPhoenix Cardinals/Arizona Cardinals 1920–1929 Chris O’Brien 1929–1932 David J. Jones 1932–1947 Charles Bidwill 1947–1962 Violet Bidwill-Wolfner 1962–1972 Charles „Stormy“ Bidwill und Bill Bidwill 1972–2019 Bill Bidwill 2019– Bidwills Erben (Michael Bidwill)
Der Klempner und Anstreicher Chris O’Brien gründete 1899 in Chicago South Side eine Football-Mannschaft, die unter dem Namen Morgan Athletic Club antrat. Als Vertreter des später als Racine Cardinals bezeichneten Teams, nahm er am 17. September 1920 an der Gründung der American Professional Football Association, Vorgängergesellschaft der NFL teil.
Am 27. Juli 1929 verkaufte Chris O’Brien das Team an den Arzt David J. Jones für 12.000 Dollar. Dem Football-Enthusiast gelang es nicht, die Mannschaft gewinnbringend zu betreiben, so dass er sie schließlich 1932 an den Mitbesitzer der Chicago Bears Charles W. Bidwill verkaufte.
Der Jurist und Unternehmer Bidwill, bezahlte 50.000 Dollar für das Team. Die Änderung der Besitzverhältnisse wurde erst 1933 bekanntgegeben, da Bidwill vorher seine Anteile an den Bears veräußern musste. Nach seinem Tod am 19. April 1947 wurde seine Witwe Violet Bidwill Teameignerin. 1949 heiratete sie Walter H.S. Wolfner, der später als General Manager für das Team agierte.
Am 12. März 1960 stimmten die NFL-Eigner dem Verkauf von 10 % der Anteile am Franchise an den in St. Louis wohnenden Joseph Griesedieck (Falstaff Brewing Corporation) für 300.000 Dollar und dem Umzug des Teams nach St. Louis zu.
Am 29. Januar 1962 starb Violet Bidwill. Sie vererbte ihren Anteil von 82 % an den St. Louis Cardinals an ihre beiden Adoptiv-Söhne Charles Bidwill Jr. und William „Bill“ Bidwill. Walter Wolfner klagte gegen das Testament und verlor. 1965 wurde der Streit endgültig beigelegt. 1972 übernahm Bill die Anteile seines Bruders für sechs Millionen Dollar.
Bill Bidwill starb am 2. Oktober 2019. Sein Sohn Michael Bidwill ist als Nachlassverwalter, Chairman und Präsident der Arizona Cardinals.
Atlanta Falcons
Atlanta Falcons 1965–1997 Rankin M. Smith Sr. und Kinder, u. a. 1997–2002 Smiths Erben (Taylor Smith) 2002– Arthur M. Blank
Rankin M. Smith Sr. war Mitglied der Geschäftsleitung und später Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender der Life Insurance Company of Georgia. Ab 1959 war er in Initiativen involviert, um ein Profi-Sport-Franchise in Atlanta anzusiedeln. 1965 wurde ihm ein Franchise der American Football League angeboten. Auch die National Football League (NFL) wünschte sich eine Mannschaft in Atlanta. Smith setzte sich gegen zwei andere Konkurrenten durch und erwarb am 30. Juni 1965 für 8,5 Millionen Dollar ein NFL-Franchise. Davon waren 50.000 Dollar für das Franchise und 8,45 Millionen Dollar für den Abkauf von Spielern der anderen Teams. Das Unternehmen für das Franchise benannte er nach seinen fünf Kindern The Five Smiths, Inc. 64 % der Anteile hielt zunächst Rankin Smith selbst und die restlichen Anteile besaßen Howard Dobbs Jr., Cody Laird Jr. und I. M. Sheffield III (alle Miteigentümer der Versicherung), George Williams und W. Barrett Howell (Geschäftspartner von Smith), Smiths Anwalt M. E. Kilpatrick sowie Lindsey Hopkins. Keiner dieser Minderheitsaktionäre besaß mehr als 10 % der Anteile. 1979 verkaufte Sheffield seine Anteile.
Rankin Smith hielt später selbst ein Drittel der Anteile, während seine Kinder die restlichen 2/3 der Anteile hielten. Die Anteile von Smith waren stimmberechtigt, während die Anteile der Kinder nicht stimmberechtigt waren.
Im April 1990 verkauften der Sohn Rankin Jr. und die Tochter Carrol Smith Walraven ihre Anteile. Rankin Jr. war zu diesem Zeitpunkt Präsident des Franchises. Später im Jahr erwarben der Risiko-Kapitalgeber John Imlay und der Medienmagnat Tom Watson Brown jeweils 6 % der Anteile für 6 Millionen Dollar.
Bis 1990 war Smith Sr. im täglichen Geschäft der Atlanta Falcons aktiv, dann übertrug er die Verantwortung auf seinen Sohn Taylor Smith. Nach dem Tod von Rankin Smith am 26. Oktober 1997 führte Taylor Smith die Geschäfte als Nachlassverwalter für die Erben weiter. Bereits vor seinem Tod hatte er 56 % der Anteile an seine Kinder abgetreten.
Zum 6. Januar 2002 erwarb der Mitgründer der Baumarktkette The Home Depot Arthur M. Blank sämtliche Anteile an den Atlanta Falcons für 545 Millionen Dollar.
Baltimore Ravens
Baltimore Ravens 1996–2004 Art Modell 2004– Steve Bisciotti
Als Folge des Umzuges der Cleveland Browns Anfang 1996 nach Baltimore einigten sich der Teambesitzer Art Modell, die NFL sowie die beiden Städte darauf, dass Art Modell für Baltimore ein neues Franchise der NFL erhielt. Das Unternehmen hinter dem Franchise wurde von Cleveland Browns Inc. in Baltimore Ravens Inc. umbenannt. Der bisherige Minderheitseigner Al Lerner (neuer Eigner der Browns ab 1999) verkaufte 1997 seinen 9-%-Anteil für 32 Millionen Dollar an Modell.
1999 erwarb der Luftfahrt-Unternehmer Steve Bisciotti für 275 Millionen Dollar 49 % der Anteile an den Ravens. Damit verbunden war das Recht im Zeitraum zwischen 2004 und 2006 die restlichen Anteile für 325 Millionen Dollar zu erwerben. Diese Option wurde im Januar 2004 genutzt und nach der Genehmigung durch die NFL zum 9. April 2004 wirksam.
Buffalo Bills
Buffalo Bills 1959–2014 Ralph Wilson 2014– Terrence und Kim Pegula
Als Lamar Hunt für seine geplante Konkurrenz-Liga AFL entsprechende Franchise-Nehmer suchte, fand er in Ralph Wilson einen entsprechenden Investor für den Spielort Buffalo. Für das Franchise musste er 1959 den vereinbarten Betrag von 25.000 Dollar zahlen.
Wilson hatte aus dem Versicherungsgeschäft des Vaters den Mischkonzern „Ralph Wilson Industries“ aufgebaut. Wilson war bis 1959 ein Minderheitseigner der Detroit Lions. Durch informelle Gespräche 1965 mit dem Eigentümer der Baltimore Colts Carroll Rosenbloom brachte er die Fusion mit der NFL ins Rollen.
Am 25. März 2014 verstarb Wilson. Er war nach George Halas und Art Rooney mit 44 Jahren der langjährigste Besitzer eines Franchises. Das Franchise wurde nach dem Tod von seiner Witwe Mary und drei weiteren Personen als Nachlass verwaltet und entsprechend dem Testament zum Kauf angeboten.
Am 9. September 2014 wurde das Franchise vom früheren Ölindustrie-Unternehmer und jetzigen Besitzer mehrerer Sportfranchises in Buffalo und Umgebung (Eishockey, Lacrosse) Terrence Pegula und seiner Frau Kim gekauft. Er setzte sich damit gegen Donald Trump und Jon Bon Jovi durch, die ebenfalls Interesse gezeigt hatten. Pegula garantierte den Verbleib des Franchises in Buffalo. Das Geschäft mit einem Kaufpreis von rund 1,4 Milliarden Dollar wurde am 8. Oktober 2014 von den NFL-Teameignern genehmigt. Von 2014 bis 2023 waren die Bills neben der NHL-Franchise Buffalo Sabres Teil des Unternehmens Pegula Sports and Entertainment. Die Muttergesellschaft wurde 2023 aufgelöst und die Buffalo Bills damit faktisch ein eigenständiges Unternehmen.
Am 11. Dezember 2024 genehmigten die NFL-Eigner den Verkauf von rund 21 % des Teams an eine nicht stimmberechtigte Investorengruppe bestehend aus dem Investmentunternehmen Arctos, Rob Palumbo (Partner bei Accel-KKR), Sue McCollum (Eagle Brand), Theresia Gouw (Acrew Capital), Rob Ward (Meritech Capital), Mike Joo (Bank of America Securities), Tom Burger (Gridiron Capital), Vince Carter und Tracy McGrady (ehemalige NBA-Spieler) und Jozy Altidore (ehemaliger MLS-Spieler).
Carolina Panthers