Der Wahl-O-Mat ist eine internetbasierte Wahlentscheidungshilfe, die seit 2002 von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) betrieben wird. Sie wird für in Deutschland anstehende Europa-, Bundestags- und Landtagswahlen angeboten. Darüber hinaus verlinkt die Wahl-O-Mat-Website auf Webseiten der bpb, die Hintergrund-Informationen zu der anstehenden Wahl liefern.

Der Wahl-O-Mat bietet Bürgern die Möglichkeit, durch die Bewertung vorausgewählter politischer Thesen die eigene Meinung mit den Meinungen der zur Wahl stehenden Parteien zu vergleichen. Die Thesen werden von Jungwählern für jede Wahl zusammengestellt und richten sich vorrangig auch an diese Zielgruppe.Die Entstehung eines Wahl-O-Mat, bpb.de, 27. Juli 2017, abgerufen am 25. Mai 2019.„Bei der Auswahl der Thesen für unseren Wahl-O-Mat bezogen wir uns vor allem auf jene Themen, zu denen die Parteien unterschiedliche Meinungen haben und die besonders auch für junge Menschen von Interesse sind.“ und „Der Wahl-O-Mat richtet sich zudem insbesondere an Politik-Neulinge und Erst- und Jungwähler.“ aus Häufig gestellte Fragen, bpb.de, 3. Mai 2019, abgerufen am 25. Mai 2019 So wurde der Thesenkatalog für die Bundestagswahl 2013 von einem Redaktionsteam aus 25 Jungwählern im Alter von 18 bis 26 Jahren aus verschiedenen Teilen der Bundesrepublik entwickelt.

Angebot und Nutzung Der Wahl-O-Mat wurde bis Juni 2024 über 130 Millionen Mal genutzt. Er stand seit 2002 zu 66 Wahlen zur Verfügung – zu sechs Wahlen zum Deutschen Bundestag, fünf Wahlen zum Europäischen Parlament und zu 55 Landtagswahlen. Den Nutzungsrekord hält der Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl 2025 mit etwa 26 Millionen Aufrufen. Bei Landtagswahlen ist mit 2,95 Millionen Nutzungen die Landtagswahl in Bayern 2023 Rekordhalter. Zur Wahl des Europäischen Parlaments 2024 wurde der Wahl-O-Mat 14,8 Millionen Mal genutzt.

+ Nutzungszahlen des Wahl-O-Mats (in Tausend)Europ.Parla-mentBun-des-tagAb-dec-kung2002 — — 3.600 1/3 2003 97 — — — 1/4 2004 — — 38 72 — 895 3/6 2005 315 90 5.200 3/3 2006 140 145 — 74 47 4/5 2007 49 1/1 2008 — 94 — 216 2/4 2009 — — — — — — 1.580 6.740 2/8 2010 650 1/1 2011 985 515 105 315 — 310 — 5/7 2012 1.270 170 255 3/3 2013 1.200 — 604 13.270 3/4 2014 121 283 107 3.890 4/4 2015 146 348 2/2 2016 1.810 1.110 — 717 488 4/5 2017 — 2.610 297 560 15.700 4/5 2018 2.780 1.060 2/2 2019 315 254 590 237 9.824 5/5 2020 334 1/1 2021 1.870 1.030 310 604 430 21.251 6/6 2022 904 1.470 130 335 4/4 2023 2.950 509 176 1.310 4/4 2024 467 674 426 14.800 3/3 2025 546 26.000 2/2 2026 2.150 … … 714 … 2/2 Abd. 5/5 4/5 5/5 3/5 5/6 5/6 2/6 1/5 3/5 5/5 5/5 4/5 4/5 3/5 4/5 3/5 5/5 7/7 73/95

Auch wenn sich der Wahl-O-Mat vorwiegend an junge Wähler richtet, wird er von allen Altersklassen genutzt. Ein Drittel der Nutzer ist unter 30 Jahre alt, ein Viertel 50 oder älter (Stand 2018, im Jahr 2005 lag der Anteil der über 60-Jährigen noch bei nur 5 Prozent). Frauen sowie Menschen ohne Abitur sind unterrepräsentiert.Die Nutzer des Wahl-O-Mat, bpb.de, 29. Oktober 2018, abgerufen am 25. Mai 2019.Stefan Marschall: Idee und Wirkung des Wahl-O-Mat, bpb.de, 12. Dezember 2005, abgerufen am 25. Mai 2019.

Geschichte Die Anwendung basiert auf dem „StemWijzer“ aus den Niederlanden (Instituut voor Publiek en Politiek, IPP) und wurde zur Bundestagswahl 2002 erstmals in Zusammenarbeit mit der studentischen Agentur für politische Kommunikation Politikfabrik in Deutschland angeboten. Seitdem wurde die Wahlhilfe im Vorfeld von Wahlen auf wichtigen politischen Ebenen eingesetzt, d. h. bei allen Bundestags- und Europawahlen seit 2002 sowie bei bisher 55 Landtagswahlen.

Funktionsweise Etwa vier Wochen vor der jeweiligen Wahl wird der Wahl-O-Mat zur Verfügung gestellt. Der Benutzer bezieht zu 38 (bis 2008: 30)Stefan Marschall: Wahlen, Wähler, Wahl-O-Mat, bpb.de, 24. Januar 2011, abgerufen am 25. Mai 2019 politischen Thesen zunächst mit den Antwortmöglichkeiten „stimme zu“, „neutral“ oder „stimme nicht zu“ Stellung. Es besteht auch die Möglichkeit, Thesen zu überspringen und damit gar nicht zu bewerten. Nach der Bearbeitung aller Fragen kann er beliebig vielen der nicht übersprungenen Thesen doppeltes Gewicht geben.

Die eigenen Stellungnahmen werden dann mit den autorisierten Antworten verschiedener Parteien verglichen. Die Berechnungsvorschrift dafür ist öffentlich einsehbar.Rechenmodell des Wahl-O-Mat (PDF), bpb.de, 11. Juli 2019, abgerufen am 4. September 2021 Als Auswertung erhält der Benutzer ein Balkendiagramm, das zeigt, mit welcher Partei er wie stark übereinstimmt, sowie eine Tabelle mit dem detaillierten Vergleich der eigenen Antworten mit den Aussagen der ausgewählten Parteien.

Seit der Version zur Wahl des Europaparlaments 2009 werden alle zu den jeweiligen Wahlen zugelassenen Parteien berücksichtigt, die die Fragebögen beantwortet haben. Vorher war nur eine Auswahl der in den Parlamenten vertretenen Parteien möglich. Ursprünglich konnte der Benutzer nur die Aussagen von maximal acht Parteien gleichzeitig vergleichen. Die bpb sah darin eine bessere Übersicht und Vergleichbarkeit.„Eine Auswertung von mehr als acht Parteien gleichzeitig kann im Wahl-O-Mat nicht mehr sinnvoll und für den Nutzer nachvollziehbar dargestellt werden.“ , Stand vom 15. Juli 2009, wahl-o-mat.de, abgerufen am 4. September 2009.In archivierten FAQ zur Bundestagswahl 2009 noch enthalten: https://www.wahl-o-mat.de/bundestagswahl2009/wahlomat.zip, abgerufen am 24. Mai 2019.„Der Wahl-O-Mat richtet sich zudem insbesondere an Politik-Neulinge und Erst- und Jungwähler. Hier ist es besonders wichtig, zum einen die eigenständige und bewusste Auseinandersetzung zu fördern, zum anderen aber auch die Ergebnisse möglichst übersichtlich, klar strukturiert und leicht verständlich darzustellen. Dieses Ziel lässt sich mit einer selbst gewählten und immer wieder neu auszuwählenden begrenzten Anzeige der Parteien besser erreichen.“ FAQ – Warum kann ich maximal acht Parteien gleichzeitig in die Auswahl nehmen?, wahl-o-mat.de, abgerufen am 24. Mai 2019. Diese Limitierung wurde jedoch aufgehoben.

Zudem wird eine herunterladbare Tabelle angeboten, in der alle Antworten der Parteien und sonstigen politischen Vereinigungen in einer PDF-Datei zusammengefasst sind.FAQ – Warum kann ich maximal acht Parteien gleichzeitig in die Auswahl nehmen?, wahl-o-mat.de, abgerufen am 26. Mai 2019. Sie wird jedoch erst auf der Seite „Ihr Wahl-O-Mat Ergebnis“ zum Download angeboten, obgleich sie keinen Bezug zum eigenen Wahl-O-Mat-Ergebnis nimmt.

Bei der Europawahl 2019 können die Wahl-O-Mat-Nutzer auf Basis einer Teilmenge der Antworten ihre Übereinstimmung mit Parteien anderer EU-Staaten vergleichen lassen. Dazu kann man die Antwortdaten an das NGO VoteWatch Europe weiterreichen lassen.VoteMatch Europe 2019, bpb.de, 12. März 2019, abgerufen am 26. Mai 2019.

Seit den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg 2021 können die Eingaben der Nutzer im „Tuning“ nachträglich verändert und die Änderungen direkt nachvollzogen werden. Außerdem wurde mit dem „Parteienvergleich“ eine Funktion eingeführt, mit deren Hilfe die Unterschiede der Positionen von bis zu drei Parteien dargestellt werden können.

An den Wahl-O-Mat angelehnt, entstanden auch themenspezifische Angebote wie der Digital-O-Mat (Netzpolitik) oder der Sozial-O-Mat (Sozialpolitik).Digitalomat klopft digitale Themen der Parteien ab. In: Linux-Magazin, 29. August 2017.

Erarbeitung der Themen Die Fragen (Thesen) des Wahl-O-Mat entstehen in einem strukturierten, mehrstufigen Verfahren. Grundlage dafür sind zunächst die Wahlprogramme und programmatischen Aussagen aller zur Wahl zugelassenen Parteien. Auf dieser Basis entwickelt ein Redaktionsteam mögliche Thesen. Dieses Team besteht aus verschiedenen Personen: Jungwähler, Experten aus Wissenschaft, Journalismus und Bildung sowie Vertreter der Bundeszentrale für politische Bildung oder der jeweiligen Landeszentrale für politische Bildung.

In einem ersten Redaktionsworkshop erarbeitet dieses Team zunächst eine größere Anzahl an Thesen. Diese werden anschließend den Parteien vorgelegt. Alle zur Wahl zugelassenen Parteien beantworten die Thesen und können ihre Position zusätzlich mit einer kurzen Begründung von bis zu 500 Zeichen erläutern. In einem zweiten Schritt findet ein sogenannter Auswahlworkshop statt. Dort wählt die gesamte Redaktion aus den ursprünglichen Thesen eine kleinere Anzahl aus. Entscheidend für die Auswahl ist, dass die Thesen wichtige Themen der Wahl behandeln und dass die Parteien dazu möglichst unterschiedliche, also kontroverse Positionen vertreten. Dadurch können Nutzer die Parteien besser voneinander unterscheiden und gleichzeitig ein breites Spektrum politischer Themen kennenlernen. Die Auswahl über ein Team von Jungwählern wurde von der Neue Zürcher Zeitung 2026 kritisiert.

Die Parteien selbst sind nicht an der Formulierung oder Auswahl der Thesen beteiligt. Ihre Rolle besteht darin, die Thesen zu beantworten und ihre Positionen zu begründen sowie diese Antworten zu autorisieren. So soll sichergestellt werden, dass der Wahl-O-Mat einerseits unabhängig erstellt wird und andererseits die offiziellen Positionen der Parteien korrekt wiedergegeben werden.

Medienpartner Der Wahl-O-Mat ist auf dessen originärer Website wahl-o-mat.de zugänglich. Darüber hinaus kooperiert die Bundeszentrale für politische Bildung mit Online-Medien, die ihn in deren Websites integrieren. Es handelt sich bei den Medienpartnern überwiegend um Websites etablierter Zeitungs- und Zeitschriften-Verlage, öffentlich-rechtlicher und privater Rundfunkanstalten sowie Internetdienstanbieter. So wurden beispielsweise im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 auf wahl-o-mat.de insgesamt 61 Medienpartner gelistet. Die Anzahl dieser Integrationen kann als hohe Akzeptanz durch die Medien interpretiert werden.

Kritik und Kontroversen Seit der Einführung gab es in den Wahlkämpfen immer wieder Kontroversen unter anderem aufgrund der Fragenauswahl, der eingeschränkten Antwortmöglichkeiten oder des Wahrheitsgehalts der von den Parteien gegebenen Antworten.Du sollst nicht flunkern. In: Spiegel Online, 23. September 2009. Außerdem wurden Einschränkungen der Parteienvergleichsmöglichkeiten sowie der Parteienvorauswahl moniert und nach rechtlichen Auseinandersetzungen im Laufe der Zeit abgebaut.

Kritik an Thesen und Beantwortungsmöglichkeiten Von einigen Parteien und Politikern wurde etwa vor den Bundestagswahlen 2005 kritisiert, dass einige Abfragen nicht mit den offiziellen Aussagen der jeweiligen Wahlprogramme übereinstimmen. Im Jahr 2006 wurde kritisiert, dass Fragestellungen „nicht professionell ausgearbeitet“ oder auch „nicht einfach mit Ja oder Nein zu beantworten“ seien. So lehnten die Parteien CDU und SPD gemeinsam eine Zusammenarbeit zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern 2006, 2011 und 2016 ab.

Berücksichtigung kleinerer Parteien Der Wahl-O-Mat berücksichtigte in den ersten Jahren nur größere Parteien, bis dies 2008 durch eine Eilentscheidung des Verwaltungsgerichts München untersagt wurde.Az.: M 7 E 08.4347 Um diese Entscheidung zu umgehen, wurde der Bayerische Jugendring alleiniger Software-Lizenznehmer in Bayern und stellte den Wahl-O-Mat bei sich online – weiterhin ohne kleinere Parteien zu berücksichtigen. Daraufhin ließ die ödp auch dem Bayerischen Jugendring per einstweiliger Anordnung untersagen, den Wahl-O-Mat ohne Berücksichtigung der ödp zur Landtagswahl in Bayern 2008 freizuschalten.