Der Festungskrieg des Jahres 1813 umfasst alle kriegerischen Ereignisse des Jahres 1813 um diejenigen Festungen in Europa außerhalb Frankreichs, die noch von französischen Truppen besetzt waren. Diese Ereignisse standen im Zusammenhang mit den Feldzügen der Befreiungskriege oder waren unmittelbare Folgen dieser Feldzüge.
Nach dem Rückzug der napoleonischen Armee aus dem Russlandfeldzug zum Ende des Jahres 1812 waren die von französischen Truppen besetzten Festungen östlich des Rheins zunächst ohne Unterstützung durch ihre Hauptarmee. Dies änderte sich für diejenigen Festungen, die nicht zu weit im Osten lagen, während der napoleonischen Feldzüge im Jahre 1813. Nach der Völkerschlacht von Leipzig aber zogen sich die verbliebenen französischen Truppen wieder über den Rhein zurück mit der Folge, dass alle noch von französischen Truppen besetzte Festungen östlich des Rheins der Belagerung durch alliierte Truppen preisgegeben waren.
Die Gesamtstärke der Napoleonischen Truppen in den von ihnen gehaltenen Festungen war beträchtlich. Man muss von einer Zahl deutlich über 100.000 ausgehen.Plotho gibt 80.000 an, berücksichtigt aber nicht die Festungen, die förmlich noch in das französische Kaiserreich integriert waren, dies betrifft insbesondere Hamburg und Mainz
Französische Festungen an der Weichsel Danzig Die Belagerung von Danzig im Jahre 1813 war mit einer Dauer von 11 Monaten und beteiligtem militärischem Personal zwischen 60.000 und 80.000 Mann eine der längsten und aufwändigsten des 19. Jahrhunderts. An militärischem Aufwand wurde sie erst durch die Belagerung von Sewastopol während des Krimkrieges übertroffen.
Vorgeschichte mini|500px|Stadtpanorama von Danzig um 1643, von Osten mit den alten Befestigungsanlagenvgl. bevorzugt Köhler, Förster S. 1085 ff und Plotho Band 1, S. 233, Band 2, S. 533. Danzig war von Mitte März 1807 bis zum 24. Mai 1807 von napoleonischen Truppen belagert und beschossen worden. Am 24. Mai 1807 kapitulierte die preußische Besatzung Danzigs und verließ am 27. Mai 1807 die Stadt. Im Frieden von Tilsit vom 7. und 9. Juli 1807 wurde Danzig zu einem selbstständigen Staatsgebilde erklärt und am 21. Juli 1807 die sogenannte Republik Danzig ausgerufen. Diese Republik stand immer unter der Hegemonie Frankreichs und Danzig blieb von napoleonischen Truppen besetzt und erhielt einen französischen Gouverneur. Im Interesse Frankreichs wurden die vorhandenen Befestigungen durch die Besatzung immer weiter ausbauten.
Nach dem gescheiterten Russlandfeldzug von 1812 ließ Napoleon eine starke Besatzung in Danzig zurück und erklärte die befestigte Stadt zur Festung ersten Ranges. Die Besatzungstruppen standen unter dem Befehl des französischen Generals Jean Rapp, der auch die Position des Gouverneurs von Danzig bekleidete, den er früher schon 2 Jahre innegehabt hatte. General Rapp hatte dem Russlandfeldzug Napoleons im Jahre 1812 mitgemacht und war mehrfach verwundet worden. Am 18. Dezember 1812 traf er in Danzig ein.vgl. Köhler, S. 239, Rapp S. 43. Die Besatzung, die ihm unterstand, setzte sich zusammen aus französischen, polnischen, bayerischen, sächsischen, niederländischen und italienischengenauer Neapolitaner Mannschaften, und solchen aus den Rheinbundstaaten. Darunter waren viele Kämpfer des Russlandfeldzuges, die Verletzungen und Erfrierungen davongetragen hatten.
mini|hochkant|Denkmal des General Jean Rapp auf dem Champ-de-Mars in Colmar Am 26. Januar 1813 ließ Napoleon im Moniteur feststellen: Tatsächlich befanden sich am 20. Januar 1813 36.000 Mann napoleonischer Truppen in Danzig, davon lagen 5900 im Lazarett und rund 20.000 waren nicht kampffähig, erschöpft und krank aus Russland zurückgekehrt.vgl. Köhler, S. 243. In der Stadt brach das Fleckfieber aus, das in den folgenden Monaten Tausende töten sollte.
Nach 1807 war Danzig zu einem sogenannten Hauptwaffenplatz der napoleonischen Truppen ausgebaut worden. Die Stadt war vollgestopft mit Waffen, Munition und militärischer Ausrüstung: Dort waren über 100.000 Musketen und über 500 Geschütze gelagert.
Die Besatzung hielt nicht nur die befestigte Stadt, sondern auch die vorgelagerten Dörfer,heute sind dies alles Stadtteile von Danzig um sich von dort mit Lebensmitteln und Viehfutter zu versorgen. Die heftigsten Kämpfe der folgenden Monate tobten um diese Vororte.
Ereignisse bis zum 1. Mai 1813 Zu Beginn des Jahres 1813 standen den Besatzern nur 6.000 bis 7.000 Kosaken unter Platow gegenüber, die die Stadt bis zum 21. Januar 1813 weitgehend einschließen konnten.vgl. Köhler, S. 253. Anfang Februar 1813 trafen russische Infanterietruppen ein.Nach Düring am 3. Februar 1813. Der russische Generalfeldmarschall Wittgenstein bestimmte nun den russischen General Friedrich von Löwis zum Befehlshaber der Belagerungstruppen vor Danzig.
Am 4. Februar 1813 befahl General Rapp seinen neapolitanischen Truppen einen Ausfall um das Dörfchen Strieß (heute polnisch Strzyża) einzunehmen. Dies gelang nur vorübergehend und die Neapolitaner wurden unter Verlusten zurückgeschlagen. Ebenso erging es Reichsbundtruppen, die sich zu einem Ausfall hinreißen ließen und 250 Mann verloren.vgl. Köhler, S. 258. Am 6. Februar griff die Besatzung ihre russischen Belagerer wieder an, um Langfuhr (heute polnisch Wrzeszcz) einzunehmen. Dies gelang und die Russen gaben nun auch das benachbarte Strieß auf.
Am 27. Februar 1813 wurde die Radaune von den Russen abgeleitet, was in Danzig später einen Mangel an Löschwasser führte. Man behalf sich mit Wasser aus der Mottlau.mini|300px|Danzig im Jahre 1898, noch immer mit den starken Befestigungen im Osten Am frühen Morgen des 5. März 1813 um 4:30 Uhr griffen die russischen Truppen vor Danzig von allen Seiten die Vororte und ihre Besatzungen an. Nach anfänglichen Erfolgen zeigten sich die Besatzungstruppen durch ihre überwiegend französischen Offiziere taktisch besser geführt und eroberten bis zum Abend fast alle Positionen zurück. Die Russen verloren 850 Mann und 170 Gefangene, die Besatzungstruppen 670 Mann.
Am 9. März 1813 trafen die ersten preußischen Landwehrtruppen vor Danzig ein.
Ab dem 12. März 1813 blockierten englische Kriegsschiffe Danzig von der Seeseite her. Bis dahin waren immer wieder Versorgungsschiffe in Danzig eingelaufen, was nun unterbunden wurde.
Am 24. März 1813 unternahm die Besatzung Danzigs mit Erfolg einen größeren Ausfall nach Osten entlang der Küste, um sich mit Lebensmitteln zu versorgen. Da auch nach dieser Aktion die Versorgung der Besatzung kritisch war und blieb, setzte der französische Gouverneur von Danzig General Rapp eine sogenannte „Verpflegungskommission“ unter General Heudelet ein, die unverzüglich Hausdurchsuchungen durchführte, um verborgenen Vorräte aufzudecken.vgl. Sporschil, Band 4, S. 170 ff, Köhler S. 280. Diese Kommission legte fest, dass alle entbehrlichen Pferde nach und nach zu schlachten seien.
Das Fleckfieber kostete in Danzig bei weitem die meisten Opfer: Im Januar 1813 zählte man 50 Tote durch diese Krankheit pro Tag, im Februar bereits 130 Tote pro Tag; am Ende des Monats waren 15.000 Kranke bettlägerig. In der zweiten Hälfte des März 1813 stieg die Zahl der täglichen Toten auf 200, 18.000 Kranke lagen in den Lazaretten auf Stroh. Im April 1813 staben noch 3.000 Menschen, im Mai 2.000.siehe Köhler, S. 281.die Zahl der Opfer wird wie folgt angegeben: Januar 1.500, Februar 4.000, März 4.000, April 3.000, Mai 2.000, vgl. Köhler, S. 281, weitere Quellen nennen 17.000 Tote bis Mitte April.
Am 23. April 1813 traf der russische General Herzog Alexander von WürttembergAlexander von Württemberg war durch Heirat seiner Schwester Onkel des Zaren Alexander I. vor Danzig ein, um das Kommando über die Belagerungstruppen zu übernehmen. Ehe dies geschehen konnte, kam es am 27. April 1813 zu einem größeren Ausfall der Besatzung von Danzig wiederum nach Osten entlang der Küste, um sich neu mit frischen Lebensmitteln einzudecken, was auch gelang.
Ereignisse bis zum Ende des Waffenstillstands von Pläswitz
Am 1. Mai 1813 übernahm Herzog Alexander die Führung der Belagerungstruppen, General Löwis übernahm eine der Divisionen vor Danzig. mini|Herzog Alexander Friedrich Karl von Württemberg,Gemälde von George Dawe in der Militärgalerie des Winterpalastes zu St. Petersburg Der Herzog ging sofort energisch zur Sache: Er ließ alle Lebensmittel und alles Vieh im Umkreis von 10 km1,5 preußische Meilen soweit fortschaffen, dass es vor Ausfällen der Belagerten in Sicherheit war, den Belagerern aber zur Disposition stand. Bewohner der Dörfer, die in diesem Gürtel um Danzig wohnen bleiben wollten, durften für höchstens 3 Tage Lebensmittel bei sich behalten. Weiter ließ der Herzog 3 Kolonnen von je 160 Fuhrwerken zu 4 Pferden aufstellen, denen die Aufgabe zufiel, unter militärischer Bedeckung Lebensmittel und Viehfutter aus Ostpreußen und Pommern heranzuschaffen. Weiter wurde befohlen, die Frische Nehrung östlich von Danzig durch Schanzen vor weiteren Requirierungen der Belagerten zu schützen. Da es außerhalb Danzigs keine Weichselbrücke gab, wurden bewaffnete Fähren bereitgestellt, mit denen auch Kavallerie übersetzen konnte.
Am 1. Mai 1813 war die Truppenstärke der Belagerer nicht mehr als 13.000 Mann. Diese Mannschaftsstärke wurde nun Zug um Zug auf bis Mann anhob. Wieder abrückende russische Truppen wurden durch preußische Landwehr ersetzt.
Die Stärke der Besatzung Danzigs betrug am 1. Mai 1813 etwa 12.000 kampfesfähige Männer, 8.000 lagen im Lazarett. Anfang Mai ging allerdings das Geld aus, das zur Zahlung das Soldes und anderer Auslagen benötigt wurde. Der Gouverneur Rapp ernannte eine ''Kommission'' unter General Heudelet mit dem Auftrag Geld zu beschaffen. Heudelet ließ zwei bis drei Dutzend wohlhabende Bürger festsetzen und erpresste von ihnen 2 Millionen Franken als formale Anleihe.
Um den Mangel an Lebensmitteln zu beheben, unternahmen die Besatzungstruppen ab Ende Mai wieder Ausfälle in die Umgebung, um sich zu versorgen. Es kam fast täglich zu kleineren Gefechten.
Am 8. Juni trafen 20 russische Kanonenboote vor Danzig ein. Sie begleiteten 8 Transportschiffe, die mit Munition beladen waren.vgl. Köhler, S. 294.
Am 9. Juni 1813 erreichte eine kleine Flotte englischer Kriegsschiffe die Weichselmündung und verstärkte die Belagerer mit einer Batterie Congrevescher Raketen. Am gleichen Tage unternahm die Besatzung einen größeren Ausfall, der zu anhaltenden Gefechten führte. Dabei wurden von den am Ausfall beteiligten Truppen große Anstrengungen unternommen, alles erreichbare Getreide zu mähen, obwohl es noch gar nicht reif war. Eine ganze Reihe Transportfuhrwerke wurden mitgeführt, um die Mahd nach Danzig hineinzuschaffen.
Später an diesem Tage traf erst die Nachricht von dem Waffenstillstand von Pläswitz ein. Die dort vereinbarte Pflicht zur Versorgung der belagerten Stadt während des Waffenstillstandes, wurde von den Belagerern zögerlich erfüllt. Die Belagerer hatten kaum genug Lebensmittel um Danzig zu versorgen.Sporschil sagt, Danzig sei nicht versorgt worden. Nach den anderen Quellen scheint dies falsch zu sein. Beide Seiten benutzten die Zeit des Waffenstillstandes, um ihre Stellungen weiter zu befestigen.
Herzog Alexander erkrankte im Juli am Fleckfieber und musste am 31. Juli 1813 das Kommando vorübergehend an den Fürsten Wolkonski abgeben.
Anfang August trafen weitere Schiffe der russischen Flotte ein. Diese war nun mit 83 Kanonenbooten, 2 Fregatten und 2 Korvetten vor Danzig vertreten.
Am 18. August 1813 traf die Nachricht vom Ende des Waffenstillstandes ein.alle Bemühungen um Frieden waren mit der Kriegserklärung Österreichs an Frankreich vom 12. August 1813 gescheitert Die Oberkommandierenden beider Seiten einigten sich durch Depeschen darüber, die im Waffenstillstand genannte Frist von 6 Tagen zu respektieren und die Kampfhandlungen am erst 24. August 1813 um 12:00 Uhr wieder aufzunehmen.