Xingang (), auch Singang,Das Schriftzeichen wird Hochchinesisch Xīn und Taiwanisch (die ursprüngliche örtliche Volkssprache) Sin transkribiert. ist eine Landgemeinde () im Landkreis Chiayi der Republik China auf Taiwan.
Lage Xingang liegt im Nordwesten des Landkreises Chiayi in der Jianan-Ebene, knapp zwei Kilometer von der Stadtgrenze Chiayis entfernt. Die nördliche Begrenzung bildet im Wesentlichen der Fluss Beigang (Beigangxi). Die angrenzenden Gemeinden sind im Landkreis Chiayi Liujiao im Westen, Taibao im Süden, Minxiong im Osten und Xikou im Nordosten. Im nördlichen Landkreis Yunlin grenzen die Gemeinden Beigang und Yuanchang an. Die Entfernung zur Küste beträgt etwa 16,5 Kilometer.
Geschichte Vor Beginn der chinesischen Besiedlung war Xingang von austronesischen indigenen Völkern (Pingpu) der Ethnie der Hoanya bewohnt. Ab dem 17. Jahrhundert wanderten Han-chinesische Siedler vom Festland ein, die zum großen Teil aus der Gegend des heutigen Zhangzhou in der Provinz Fujian kamen. Die Gegend erhielt den Namen Bengang () – möglicherweise die Transliteration eines Ausdrucks aus der Hoanya-Sprache. In den Dagregisters van het kasteel Zeelandia der Niederländischen Ostindien-Kompanie ist der Ort unter dem Namen Ponkan erwähnt. Im Jahr 1750 wurde Bengang durch den Fluss Beigang überschwemmt und in einen nördlichen Anteil (Benbeigang, ) und einen südlichen Anteil (Bennangang, ) getrennt. Aufgrund wiederholter Überschwemmungen und Konflikten mit den Nachbarn verlegten die Bewohner von Bennangang während der Herrschaftszeit Jiaqings (1796–1820) die Siedlung nach etwas weiter südlich. Die neue Siedlung erhielt den Namen Sinnangang (). In der Endphase der Qing-Dynastie wurde der Name zu Singang bzw. Xingang () gekürzt. Während der Phase der japanischen Herrschaft in Taiwan (1895–1945) erfolgte 1920 eine größere Verwaltungsreform. Dabei wurde Xingang in seinen heutigen Grenzen als ‚Dorf‘ () gebildet, allerdings in das ähnlich klingende Xinxiang () umbenannt, da es schon mehrere andere Orte des Namens Xingang in Taiwan gab, und da Xingang schon seit langem seinen Zugang zum Meer durch Verlandung verloren hatte. Nach Übernahme Taiwans durch die Republik China nach Ende des Zweiten Weltkrieges erfolgte eine Rückbenennung in Xingang und ab 1950 war Xingang eine Landgemeinde () im neu gebildeten Landkreis Chiayi.
Bevölkerung Die große Mehrheit der Bevölkerung sind Hoklo (Minnan-Sprecher). Angehörige indigener Völker machen nur einen sehr geringen Anteil aus (Ende 2019 65 Personen, 0,2 %). Gliederung von Xingang250px|rahmenlos mini|Prozession während des Chaotian-Tempelfests mini|Beigangxi-Eisenbrücke
Verwaltungsgliederung Xingang ist in 23 Dörfer () eingeteilt:
Landwirtschaft Die Landwirtschaft hat immer noch große Bedeutung. Ortstypische Spezialprodukte sind Gemüsepaprika (im Jahr 2017 60 Prozent der taiwanischen Gesamtproduktion) und Tomaten. Außerdem werden Zierblumen (Prärieglockenblumen) gezogen, die überwiegend nach Japan exportiert werden.
Verkehr Xingang wird von mehreren Kreisstraßen durchzogen. In Ost-West-Richtung verlaufen die Kreisstraßen 166 (im Süden) und 164 (weiter nördlich). In Nord-Süd-Richtung verläuft die Kreisstraße 145A (145甲) und von Südwesten nach Nordosten die Kreisstraße 157. Die Provinzstraße 37 zieht von Süden nach Xingang und endet hier. Etwas östlich von Xingang verläuft die Nationalstraße 1 (Autobahn) in Nord-Süd-Richtung. Ebenfalls in gerader Nord-Süd-Richtung verläuft die Trasse der Taiwanischen Hochgeschwindigkeitsbahn (THSR) durch Xingang, die hier allerdings keinen Halt hat.
Besonderheiten Xingang weist mehrere sehenswerte Tempel auf. Im Jingzhong-Tempel ( ) im Dorf Datan, dessen heutige Ausstattung aus dem Jahr 1923 stammt, wird Yue Fei verehrt. Der Fengtian-Tempel ( ) im Dorf Daxing ist ein Mazu-Tempel im typischen Hokkien-Stil, dessen Ursprünge auf das Jahr 1700 zurückgehen. Der Tempel ist Endpunkt eine ausgedehnten Pilgerfahrt, die alljährlich im dritten Mondmonat, ausgehend vom Zhenlan-Tempel Im Stadtbezirk Dajia von Taichung ihren Ausgang nimmt. Im Dorf Xibei befindet sich ein weiterer kleinerer Mazu-Tempel, der Liuxing-Tempel ( ), der aus dem Jahr 1826 stammt. Im Dorf Nangang findet sich der 1739 erbaute Shuixian-Tempel ( ), der zu größeren Teilen noch im Originalzustand erhalten ist. Hier wurden ursprünglich die fünf daoistischen Meeres- und Wassergottheiten Shuixian Zunwang () verehrt. Später wurde der Kult überwiegend auf Mazu übertragen.
Die Beiganxi-Eisenbrücke ( ) ist eine 879 Meter lange eiserne 672-mm-Schmalspurbahn-Brücke über den Fluss Beigang, die im Jahr 1911 durch die japanische Kolonialverwaltung erbaut wurde. Sie war jahrzehntelang für den Zuckerbahn-Verkehr in Betrieb. Der Personenverkehr wurde am 17. August 1982 eingestellt und 1998 auch der Güterverkehr. Die Brücke wurde im Laufe ihrer Geschichte mehrfach durch Hochwasser schwer beschädigt.
Weblinks
Einzelnachweise
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