mini|Parteiflagge der Renamo Die Resistência Nacional Moçambicana (kurz Renamo, für Nationaler Widerstand Mosambiks) ist eine konservative politische Partei in Mosambik. Während des Kalten Kriegs war sie mit dem Namen Movimento Nacional de Resistência (MNR) als eine vom südafrikanischen Apartheidregime geförderte und von Rhodesien aus operierende militärisch ausgebildete Rebellengruppe aktiv, deren Führung sich von der damaligen Außenpolitik Südafrikas Vorteile versprach, in dem sie gegen die sozialistisch orientierte FRELIMO und die mosambikanische Landbevölkerung bewaffnete Überfälle verübte.Joseph Hanlon: Mosambik. Revolution im Kreuzfeuer (= edition südliches Afrika. Bd. 21). Bonn 1986, S. 351.Jacob Mabe (Hrsg.): Das Afrika-Lexikon. Wuppertal / Weimar 2001, S. 412. In dieser Rolle war sie für die Ermordung und Entführung unzähliger Zivilisten sowie die Zerstörung von öffentlichen Einrichtungen und vielfältigem Privatbesitz in Mosambik verantwortlich. Ferner führte sie Angriffe gegen Ziele in Malawi, Sambia und Simbabwe. Konservative Regierungen und Unterstützer in Europa und in Nordamerika gewährten ihr materielle und politische Unterstützung.Rolf Steinbuch: Mosambik. Schwarz und arm und ziemlich weit weg. 2. Auflage, Schmetterling Verlag, Stuttgart 2010, S. 53.

Geschichte Anfänge und Aufbau Das Movimento Nacional de Resistência war eine Schöpfung ausländischer Geheimdienste und zunächst als Söldnerarmee aufgebaut. Für die Initiative und den Aufbau bildete Ken Flowers als damaliger Geheimdienstchef (CIO) Rhodesiens unter Premierminister Ian Smith die zentrale Führungsfigur. Dieser verfolgte das Ziel, eine Untergrundarmee in Mosambik zur Verfügung zu haben, mit der gegen Dekolonisationsprozesse im südlichen Afrika Abwehrmaßnahmen ergriffen werden konnten. Dazu bündelte er jegliche in seinen Einflussbereich tretende Angehörige Frelimo-feindlicher Gruppen zu dieser paramilitärischen Bewegung, die nach 1974 über die Grenze kommend in Rhodesien Schutz und Aufgaben suchten. Innerafrikanische Unterstützung erhielt er von Ron Reid Daly, dem Gründer der Selous Scouts in Rhodesien, der diese Sondereinheit nach dem Vorbild der portugiesischen Flechas aufgebaut hatte. Als Pseudooperationen bezeichnete Aktivitäten entwickelte sich ein breites Spektrum aus Infiltrations- und Zersetzungsaktivitäten mit teils terroristischen und bürgerkriegsartigen Zuständen.Joseph Hanlon: Mosambik. Revolution im Kreuzfeuer (= edition südliches Afrika. Bd. 21). Informationsstelle Südliches Afrika, Bonn 1986, S. 259–262.

Das Movimento Nacional de Resistência erhielt Unterstützung seitens Apartheid-Südafrika in verschiedener Art und Weise, durch militärische Ausbildung in Phalaborwa und im östlichen Caprivizipfel mit der südafrikanischen SADF-Gruppe Fifth Reconnaissance Commando und der South African Air Force sowie logistische Unterstützung durch die ESCOM. Koordiniert wurde das durch Mitglieder des südafrikanischen Militärgeheimdienstes (DMI), von denen eine enge Arbeitsbeziehung zum rhodesischen Geheimdienst bestand, der es dem Apartheidregime ermöglichte, seine ausländischen Unterstützer für südafrikanische Zwecke einzusetzen.Peace talks: seventh round collapses. In: Mozambique File September 1991, Mozambique Information Agency, Maputo, S. 11, online auf www.mozambiquehistory.net (englisch).Maritz Spaarwater: A Spook’s Progress. From Making War to Making Peace. Zebra Press, Cape Town 2012, S. 144–145.

Der rhodesische Geheimdienst betrieb nördlich von Salisbury bei Bindura die „Retreat Farm“, wo MNR-Kämpfer ausgebildet wurden. Mosambik verhängte am 3. März 1976 Sanktionen gegen sein Nachbarland Rhodesien. Das veranlasste dessen Geheimdienst CIO, ausgebildete Söldner über die Grenze zu schicken, wo sie in den mosambikanischen Provinzen Manica und Tete Anschläge verübten und dabei regionale Handelsunternehmen sowie medizinische Ambulanzen zerstörten.

Der Personalzuwachs für das MNR speiste sich aus vier Personengruppen, die aus für sie unzufriedenen Verhältnissen kamen. Das waren:Joseph Hanlon: Mosambik. Revolution im Kreuzfeuer (= edition südliches Afrika. Bd. 21). Informationsstelle Südliches Afrika, Bonn 1986, S. 271. Mitarbeiter des portugiesischen Geheimdienstes PIDE und seiner militärischen Einsatzgruppe Flechas sowie weiterer Angehöriger von damit verbundenen Spezialkommandos. Ehemalige Guerilleros, Polizisten und Soldaten aus dem Dienst der Frelimo, die entweder mit der dort verordneten strengen Moral nicht einverstanden waren oder wegen ausbleibenden Belohnungen sich von ihr distanziert hatten. Dazu zählten auch die ehemalige Kommandeure André Matsangaíssa und Afonso Dhlakama. Bereits Jahre vor der mosambikanischen Unabhängigkeit gab es vereinzelte Abtrünnige aus der Frelimo, die in den portugiesischen Machtstrukturen neue Wege suchten. Dazu zählte der Kommandant Zeca Caliate, der 1973 die Seiten wechselte und sich dann an Propagandaaktivitäten beteiligte. Auf Initiative des Jardim-Vertrauten und Hauptrekruteurs Orlando Cristina kam Caliate 1977 zum MNR. Orlando Cristina war bereits 1964 in Daressalam als PIDE-Agent in die Frelimo infiltriert worden. André Matsangaíssa kam erst 1977 nach seiner Flucht aus dem Umerziehungslager Sacuze bei Gorongosa zum MNR und gelangte durch die Rhodesier an dessen Spitze.Hanlon, 1986, S. 260–261. Ehemalige Frelimo-Funktionäre, die auf regionaler Ebene ohne Erfolg blieben. Eine Häufung von Überläufern zum MNR gab es nach den Lokalwahlen 1978 in Inhambane. Eine eigene Gruppe bildeten Medizinmänner und ehemalige Régulos (traditionelle lokale Oberhäupter auf unterster Ebene), die mit der Unabhängigkeitserklärung Mosambiks ihre regionalen Funktionen verloren hatten und zuvor in den kolonialen Herrschaftsstrukturen Portugals kleinräumlichen Einfluss in der Kolonie Mosambik hatten.

Aktivitäten und internationale Unterstützung Pseudooperationen waren eine vor allem im kolonialen Kontext verwendete Militärstrategie, die von Kolonialmächten und Minderheitenregimen zur Bekämpfung der einheimischen Unabhängigkeitsbewegungen genutzt wurden. Bei solchen völkerrechtswidrigen Einsätzen tarnten sich die unter der Kontrolle der Kolonialmacht stehenden Einheiten in den Uniformen der aufständischen Befreiungsbewegungen und nahmen sich deren Guerillataktiken an, um so verdeckte Operationen gegen die echten Befreiungsbewegungen durchzuführen. Dabei setzten Siedlerregime wie Rhodesien auf die Rekrutierung einheimischer Kräfte, da diese aufgrund ihres Phänotyps und der Beherrschung der lokalen Sprachen die perfekte Tarnung besaßen, um in den von den Befreiungsbewegungen kontrollierten Gebieten nicht sofort aufzufallen. Die Rekrutierung erfolgte dabei häufig unter Zwang, oft handelte es sich um gefangene Kämpfer oder politische Aktivisten aus den Reihen der Befreiungsbewegungen, die von der Geheimpolizei Rhodesiens unter schwerer Folter und Morddrohungen zur Kollaboration genötigt wurden. Einige dieser Pseudooperationen mündeten in Massakern an Geflüchteten und Angehörigen der Befreiungsbewegungen, zu deren abgelegenen Lagern sich die Pseudoguerillas aufgrund ihrer effektiven Tarnung zunächst unerkannt Zutritt verschaffen konnten, oftmals gefolgt von regulären rhodesischen Truppen, die in einer zweiten Angriffswelle unter Einsatz von mechanisierter Infanterie und Artillerie verheerende Zerstörung in den Camps anrichteten.

Im Rahmen solcher Operationen war der designierte Hauptgegner der Renamo die seit 1975 im benachbarten Mosambik regierende, sozialistisch orientierte Frelimo, sowie die von ihr beherbergten simbabwischen Befreiungsbewegungen, die von mosambikanischen Boden aus gegen Rhodesien kämpften. Mosambik gehörte zu den blockfreien Staaten, erhielt aber wesentliche entwicklungs- und verteidigungspolitische Unterstützung von Staaten des Ostblocks, insbesondere aus der DDR und der Sowjetunion, sowie von Kuba. Darüber hinaus war u. a. Schweden ein wichtiger entwicklungspolitischer Partner.J. Witney Schneidman: Frelimo’s foreign policy and the process of liberation. In: Africa Today (1978). S. 57–67. In Südafrika wurde diese Entwicklung als sehr bedrohlich eingeschätzt. Aus diesem Grunde entwickelte die südafrikanische Regierung diverse Abwehrstrategien, zu denen die Unterstützung von politischen und militanten Oppositionsbewegungen in den Frontlinienstaaten gehörte. Diese von Brigadier John Huyser, dem Chef des Planungsstabes in den SADF, entwickelte Vorgehensweise wurde zur militärischen „Standardantwort“ auf das als „politisch-revolutionären totalen Angriff“ bezeichnete außenpolitische Bedrohungsszenario in den 1980er Jahren. Die südafrikanischen Streitkräfte implementierten diese operablen Handlungsperspektiven in ihre voorste verdedigingstraegie (deutsch etwa: „Vorwärtsverteidigungsstrategie“), wodurch auch die „Rebellenbewegung“ Renamo von indirekter südafrikanischer Unterstützung profitierte.Niel Barnard: Secret Revolution. Memoirs of a Spy Boss. Tafelberg, Cape Town 2015, S. 45–46, 140.

Ende der 1970er Jahre war das rhodesische Minderheitsregime durch den Druck der internationalen Gemeinschaft, die ein weitgehendes wirtschaftliches und militärisches Embargo gegen Rhodesien initiiert hatte, gezwungen, Verhandlungen mit den führenden Vertretern der Mehrheitsbevölkerung aufzunehmen.William Minter, Elizabeth Schmidt: When sanctions worked: The case of Rhodesia reexamined. In: African Affairs, 87.347 (1988), S. 207–237. Nach dem Lancaster-House Abkommen wurde Rhodesien am 18. April 1980 schließlich als Simbabwe unabhängig. Damit fiel die faktische Basis der Renamo weg, die zuvor von rhodesischem Gebiet, mit von Rhodesien bereitgestelltem Kriegsmaterial aus agierte und innerhalb von Mosambik keine politische Basis besaß. Gemeinsam mit vielen ehemaligen rhodesischen Militärs und Angehörigen anderer Sicherheitskräfte, wanderten die führenden Kräfte der Renamo nach Südafrika aus. Dort wurden sie unter der Führung des südafrikanischen Militärgeheimdienstes (MI) neu konstituiert, um zukünftig den regionalen militärischen Zielen des Apartheidstaates dienlich zu sein.

Im Januar 1983 berichtete die US-amerikanische Publikation Africa Report, dass die Renamo massive Unterstützung von Südafrika erhalten habe. Diese Darstellung wurde vom US State Department bestätigt. Allerdings verneinte die südafrikanische Regierung eine solche Unterstützung. Der Economist berichtete, dass die Renamo finanzielle Unterstützung und Bewaffnung durch Südafrikas Streitkräfte erhalten habe. Ferner habe die Organisation Hilfen bei der Logistik für Ausbildungs, Führungs- und Kontrollausrüstungen empfangen. Zu diesem Zeitpunkt sollen 10.000 Kämpfer unter Waffen gestanden haben, die große Bereiche von Zentral- und Südmosambik kontrollierten. Im April wurde der Generalsekretär Orlando Christina auf einer Farm bei Pretoria von einem Attentäter erschossen.SAIRR: Survey of Race Relations in South Africa 1983. Johannesburg 1984, S. 595.

Am 16. März 1984 unterzeichneten der Staatspräsident Südafrikas, Pieter Willem Botha, und Samora Machel von der Frelimo-Regierung unter starkem Druck das Nkomati-Abkommen, in dem vereinbart wurde, dass Mosambik keine Guerillaaktivitäten des African National Congress bzw. des MK sowie des Pan Africanist Congress (PAC) vom Staatsgebiet Mosambiks aus zulasse und Südafrika im Gegenzug die Unterstützung der Renamo unterlässt. Während sich Mosambik weitgehend an das Abkommen hielt, verstieß Südafrika wiederholt dagegen und erklärte es 1985 aufgrund „mehrerer Verstöße“ offiziell für nichtig.South African History Online: South Africa and Mozambique sign a non-aggression pact. In: www.sahistory.org.za (englisch).Joseph Hanlon: Mosambik : Revolution im Kreuzfeuer. (= edition südliches afrika, Nr. 21), Informationsstelle Südliches Afrika, Bonn 1986, S. 302.