SWA/SIG/ABB (A)Be 4/8 Bauartbezeichnung: RBSABe 4/8 RBSBe 4/8 WSBBe 4/8 BDBe 4/8Nummerierung: 65–72 62–64 28–34 21–25Anzahl: 8 3 7 5Inbetriebsetzung: 1992 1993 1992 1993Achsformel: B0’2’+ 2’B0’Spurweite: 1000 mmLänge über Kupplung: 40,00 m 40,69 m 37,39 mBreite: 2,65 mAchsstand Triebdrehgestelle:Laufdrehgestelle: 2000 mm1800 mmDienstmasse (tara): 57,1 t 54,0 tBruttomasse: 77,5 t 73,6 tHöchstgeschwindigkeit: 90 km/h 80 km/hKurzzeitleistung: 1114 kW 960 kWDauerleistung: 640 kW 480 kWDauerzugkraft 48 kN 60 kNDurchmesser Triebrad (neu):Laufrad (neu): 720 mm720 mmStromsystem: 1200 V = 750 V = 1200 V =Sitzplätze 1. Klasse:2. Kl. inkl. Klappsitze:Stehplätze: 16104160  –124160 –108154Kupplungstyp: GFV Die  SWA/SIG/ABB (A)Be 4/8 aus den Jahren 1992/93 sind elektrische Niederflur-Triebzüge der Hersteller SWA/SIG (mechanischer Teil) und ABB (elektrische Ausrüstung), die bei drei Privatbahnen unter verschiedenen Stromsystemen im Einsatz standen.

Geschichte Im Jahr 1988 haben die vier Privatbahnen RBS, WSB, BD und BTI nach der Annahme des Angebotskonzepts Bahn und Bus 2000 im Jahr 1987 durch das Schweizer Stimmvolk entschieden, zusammen neue Niederflur-Triebzüge zu beschaffen. Die Finanzierung des neuen Rollmaterials erfolgte über einen Rahmenkredit zur Förderung konzessionierter Transportunternehmungen für die Jahre 1988–1992. Das Gesetz schrieb vor, dass sich der Bund (vertreten durch das BAV), die Kantone und die Bahngesellschaften an der Finanzierung beteiligen. Der Bundesbeitrag wurde erst ausgelöst, als die Kantone ihren Beitrag zugesichert hatten. Der Zweck der gemeinsamen Beschaffung bestand darin, durch Vereinheitlichung der Fahrzeuge Sammelbestellungen zu ermöglichen und dadurch zu möglichst günstigen Bedingungen einkaufen zu können. Dank der Zusammenarbeit war man davon ausgegangen, rund zwanzig Millionen Franken Investitionsmittel einzusparen. Der damals geschätzte Gesamtpreis lag bei 120 Millionen Franken statt 140 Millionen. Die Sammelbestellung bewirkte aber, dass die einzelnen Unternehmungen nur noch in der Farbwahl des Aussenanstrichs und des Sitzpolsters frei waren. Die drei Bahnen entschlossen sich dann zu einer einheitlichen Lösung für Aussenanstrich, Innenausstattung und Polsterbezüge bei allen 23 Zugseinheiten.

Die ursprünglich an der Beschaffung interessierte BTI stieg vor der Bestellung aus, weil sie die finanziellen Eigenmittel nicht aufbringen konnte. Sie hatte beabsichtigt, sich mit vier Fahrzeugen an der Beschaffung zu beteiligen. So blieben drei Bahnen übrig, die im Sommer 1989 bei SWA und ABB insgesamt 22 Doppeltriebwagen bestellten. Als Ersatz für den am 24. Juni 1989 ausgebrannten Be 4/4 18 bestellte die WSB nachträglich eine weitere Einheit. Trotzdem war die Beschaffung damals eine der grössten für schweizerische Privatbahnen.

Technik Als Basis für die neuen Fahrzeuge wurde das bewährte Konzept der Be 4/8 herangezogen, neu wurden die Wagenboden in Niederflurbauweise zwischen den Drehgestellen abgesenkt. Eine Doppeleinheit besteht nicht mehr aus einem Trieb- und Steuerwagen, sondern aus zwei baugleichen Triebköpfen. Da die Züge neu im Baukastensystem aufgebaut wurden, waren unterschiedliche Längen realisierbar. Die Drehgestelle wurden mit Luftfederung, hydraulischen Scheibenbremsen und Magnetschienenbremsen ausgestattet. Die Triebdrehgestelle erhielten zusätzlich eine Federspeicherbremse. Der Raddurchmesser wurde auf einheitliche 720 mm festgelegt. Die beiden Triebköpfe sind mit einer nur im Depot trennbaren Kurzkupplung untereinander verbunden, wobei bei den Versionen für die WSB und BD wegen der engen Radien weniger eng gekuppelt wurde.

Die Züge sind in Umrichtertechnik mit rechnergesteuerter Leit-Elektronik aufgebaut. Es sind vier Asynchronmotoren mit einer Dauerleistung von 140–160 kW eingebaut. Durch das neue Konzept mit zwei Triebköpfen konnten zwei praktisch vollständig autonome Antriebssysteme für beide Hälften redundant aufgebaut werden. Pro Wagenhälfte wurde ein Einholmstromabnehmer montiert. Die wesentlichen Teile der elektrischen Ausrüstung wurden auf dem Dach eingebaut.

RBS mini|ABe 4/8 in Fraubrunnen Aufgrund der sprunghaft gestiegenen Fahrgastzahlen durch die Einführung des 15/30-Minutenintervalls auf den Vorortslinien und dem 30/60-Minutenintervall auf der Linie Bern–Solothurn standen rasch zu wenig Fahrzeuge zur Verfügung. So mussten zur Entlastung teilweise Busse eingesetzt werden, man mietete auch bei der CJ eine dreiteilige Pendelzugkomposition. Deshalb bestellte die RBS acht ABe 4/8 für die Strecke Bern–Solothurn und drei Be 4/8 für den Vorortsverkehr.

Im Mai 1992 wurde als erster Zug der ABe 4/8 65 abgeliefert. Damit begann auch bei den Vororts- und Überlandbahnen ein neues Zeitalter der Niederflurfahrzeuge, wie sie bereits bei städtischen Verkehrsbetrieben praktiziert wurde. Am 23. Mai 1992 wurde der Zug am Tag der offenen Tür in Solothurn dem Publikum vorgestellt. Die Inbetriebnahme gestaltete sich wegen Störungen am Fahrzeug und an der Stromversorgung schwierig, Ende Juli 1992 fanden erste Probefahrten in Doppeltraktion statt. Man verzichtete aber auf Tests der Vielfachsteuerung mit den Be 4/8 41–61, da ein gemischter Einsatz erst ab 1995 vorgesehen war. Am 27. Juli 1992 wurden erste fahrplanmässige Leistungen auf der Vorortsstrecke Bern–Unterzollikofen gemacht. Am 3. August ging ein weiterer Triebzug in den Einsatz. Vom 16. August bis zum 30. September 1992 wurden dann beide Umläufe auf derselben Linie mit den neuen Fahrzeuge abgewickelt. Ab dem 1. Oktober 1992 wurden die Einsätze auf die Linie Bern–Jegenstorf ausgedehnt, zwischen Bern und Solothurn (der eigentlichen Einsatzstrecke) fanden erste Einsätze ab dem 9. Oktober 1992 ausserhalb der Spitzenzeiten statt. Kurz nach der Ablieferung wurde begonnen die Züge mit Wappen zu versehen, die die Orte entlang der Strecken repräsentieren. Nummer WappenSeite Solothurn WappenSeite Bern 62 Bolligen Ittigen 63 Worb Vechigen 64 Stettlen Ostermundigen 65 Stadt Solothurn Stadt Bern 66 Urtenen Moosseedorf 67 Lohn-Ammannsegg Lüterkofen-Ichertswil 68 Bätterkinden Schalunen 69 Büren zum Hof Fraubrunnen 70 Grafenried Jegenstorf 71 Zuchwil Biberist 72 Münchenbuchsee Zollikofen

Bereits vor der Auslieferung des ersten Zuges hatte die RBS entschieden, acht Zwischenwagen für die ABe 4/8 zu beschaffen. Sie wurden Ende 1992 bestellt. Weil die 1. Klasse in den Triebwagen beim Publikum durch den engen Sitzteiler 2+2 (in einem Schmalspurwagen) schlecht angekommen ist, entschied man sich, die Zwischenwagen als kombinierte AB-Wagen zu bauen und zum bewährten Sitzteiler 2+1 mit normalbreiten Sitzen zurückzukehren. Die Triebwagen wurden dann in reine Zweitklassfahrzeuge umgestuhlt. Die Triebzüge bekamen auf den Zwischenwagen oberhalb des 1. Klassabteils zwischen den Einstiegstüren gross die Anschrift «La Prima», welche sich rasch auch als Spitznamen für die Züge etablierte, in leicht abgeänderter Form auch als «Primeli». Im Jahr 1998 wurden auch für die verbliebenen drei Be 4/8 62–64, die bis zu diesem Zeitpunkt im Vorortsverkehr eingesetzt wurden, ein Beschaffungsantrag für Zwischenwagen AB bei Bund und Kantonen gestellt, damit eine einheitliche Flotte zur Verfügung stand und die gestiegene Nachfrage auf der Linie Bern–Solothurn abgedeckt werden konnte. Sie wurden im Jahr 1999 bestellt und 2001 abgeliefert.

mini|links|Be 4/12 72 kurz nach dem Umbau Umbau Als im Jahr 2009 die neuen RABe 4/12 «NExT» abgeliefert wurden, machte sich der RBS daran, die ABe 4/12 zu erneuern. Die Züge erhielten eine Klimaanlage und eine neue Inneneinrichtung. Die 1. Klasse wurde entfernt und durch ein Multifunktionsabteil ersetzt. Es wurden 18 seitlich angeordnete Klappsitze angebracht, zudem entstand viel Platz für Kinderwagen, Rollstühle und Velos. Die Kosten für den Umbau pro Komposition beliefen sich auf eine halbe Million Franken. Dazu gehörte auch ein neuer Anstrich in der Hausfarbe orange. In Anlehnung an die frühere Bezeichnung «La Prima» hatte sich der RBS den Namen «Seconda» ausgedacht. Als erstes Fahrzeuge wurde der Be 4/12 70 am 1. Februar 2010 den Medien präsentiert und von da an auf der S9 nach Unterzollikofen eingesetzt. Als zweites Fahrzeug wurde danach der ABe 4/12 72 umgebaut, damit beide Umläufe auf der S9 abgedeckt werden konnten. Neu hatten die Züge damit 160 Sitzplätze, 18 Klappsitze und 240 Stehplätze. Die restlichen Züge wurden zunächst noch in ihrem ursprünglichen Zustand belassen, erst mit der Ablieferung der zweiten Serie «NExT» im Jahr 2013 wurden sie analog den zwei bereits existierenden Fahrzeugen angepasst. Vorgängig wurde bereits im Dezember 2012 der Be 4/12 66 umgebaut, ab Mai 2013 kamen zunächst die Be 4/12 62 und 69 aus dem Umbau, ab Juni dann monatlich ein Fahrzeug in der Reihenfolge 65, 64, 67, 71, 68 und 63. Sie wurden fortan auf der S8 nach Jegenstorf eingesetzt. Später waren auch vereinzelt Einsätze auf der S7 zu beobachten, dies vor allem am Wochenende, um die doch bereits betagten «Mandarinli» zu entlasten.

Auch heute sind die Triebzüge noch auf der S8 und S9 im Einsatz, wobei an Wochenenden auf der S9 vermehrt die neu abgelieferten Be 4/10 «Worbla» anzutreffen sind.

WSB mini|Be 4/8 in Schöftland Auch die WSB kämpfte lange Zeit mit den gleichen Problemen wie der RBS. Die ständig steigenden Fahrgastzahlen führten dazu, dass zur Bewältigung der Verkehrsspitzen am Morgen und Abend sämtliche verfügbaren Fahrzeuge der Serien Be 4/4 9–14 (1965/66) und Be 4/4 15–27 (1978/79) mit den passenden Steuerwagen sowie die Be 4/4 7–8 (1954) mit den B 36–38 eingesetzt werden mussten. Vor allem die Fahrzeuge mit Jahrgang 1954 mussten ersetzt werden. Zudem war eine betriebliche Reserve dringend nötig, damit die Unterhaltsarbeiten ausgeführt werden konnten. Weil auch häufige Kollisionen mit Strassenfahrzeugen längere Werkstattaufenthalte nach sich zogen, entschied sich die WSB, sich an der Sammelbestellung mit sieben Triebwagen Be 4/8 zu beteiligen.

Nach der Ablieferung aller ABe 4/8 für den RBS wurde Ende September 1992 der erste Triebwagen Be 4/8 28 an die WSB abgeliefert. Ab Januar 1993 kamen die neuen Züge dann auch fahrplanmässig zum Einsatz. Die Fahrzeuge wurden ebenfalls getauft, der zusätzlich für den ausgebrannten Be 4/4 18 beschaffte Be 4/8 34 übernahm auch dessen Wappen der Gemeinde Teufenthal. Mit der Anbringung von Vollwerbung an gewissen Zügen verschwanden die Wappen und wurden später nicht mehr angebracht.

Nummer Wappen 28 Kanton Aargau 29 Bezirk Aarau 30 Bezirk Kulm 31 Schloss Liebegg 32 Schloss Schöftland 33 Schneggen Reinach 34 Teufenthal Mit der Einführung der Dachmarke AAR bus+bahn im Jahr 2002 erhielten alle Fahrzeuge ohne Werbung ein neues Design in silber mit hellblauem die ganze Höhe einnehmendem Schriftzug «AAR».

Im Jahr 2008 hat sich die WSB entschlossen per Fahrplanwechsel im Dezember 2009 auf ihren Linien die 1. Klasse wieder einzuführen. Aus diesem Grund wurde bereits im August 2008 der erste Be 4/8 30 mit 1. Klass- und Multifunktionsabteil in Betrieb genommen. Ebenso wurde das ganze Fahrzeug klimatisiert und mit Videoüberwachung ausgerüstet. Die 1. Klasse konnte bis zur Einführung im Dezember 2009 auch mit Fahrausweisen der 2. Klasse benutzt werden.