Der Tüllinger Berg (Kurzform: Tüllinger, in der Schweiz meist Tüllinger Hügel) ist ein hoher teilbewaldeter Berg im Südwesten von Baden-Württemberg, am Dreiländereck von Deutschland, Frankreich und der Schweiz. An seiner breitesten Stelle beträgt die Ost-West-Ausdehnung etwa zwei Kilometer, seine Nord-Süd-Ausdehnung rund fünf Kilometer. Damit bildet er eine natürliche Grenze zwischen den Stadtgebieten von Lörrach und Weil am Rhein. Topographisch signifikant ist die Abbruchkante des Hochgestades der Rheintal- und Wiesenaue. Die Hangneigung des Tüllinger Berges mit seiner westlichen Bergnase prägt das umliegende Landschaftsbild. An den südöstlichen Ausläufern des Berges verläuft die Landesgrenze zwischen Deutschland und der Schweiz.

Der von zahlreichen Wanderwegen durchzogene Tüllinger Berg dient sowohl als Aussichtspunkt als auch als Naherholungsgebiet der Region Markgräfler Hügelland. Wegen seiner Bodenvielfalt und des milden Klimas wird an den Hängen des Tüllingers unter anderem der Markgräfler Wein angebaut. Weite Teile des Berges wurden zu Schutzgebieten erklärt und bilden ein wichtiges Habitat für Flora und Fauna.

Lage Der Tüllinger Berg liegt überwiegend innerhalb der Stadtgebietsgrenze von Lörrach, dessen östlich der Bergkuppe gelegener Stadtteil Tüllingen einen Ausblick auf das Dreiländereck, das Rheinknie sowie die umliegenden Städte Lörrach, Weil am Rhein und Basel bietet. An den nordöstlichen Ausläufern des Tüllinger Bergs befindet sich der Stadtteil Tumringen, am nordwestlichen Ende ist die Gemeinde Binzen gelegen. Der Osthang des Tüllinger Bergs ist wenig gegliedert. Verglichen mit dem östlich gelegenen Lörracher Stadtgebiet und der Talachse ragt der Tüllinger gut 160 Meter auf; gegenüber der Stadtfläche von Weil sind es ca. 181 Meter Höhenunterschied.

mini|Darstellung des Tüllinger Bergs auf einer Karte von 1916 Auf dem Tüllinger Berg befindet sich westlich der Bergkuppe der exponierte Ortsteil Ötlingen, der zur Stadt Weil am Rhein gehört. Dieser Bergsporn wird manchmal auch als „Ötlinger Berg“ oder „Ötlinger Hornspitze“ bezeichnet und ragt bis zu 355 Meter auf.Bußmann: NaturKultur der Weinberge zwischen Freiburg und Basel, S. 83. Von hier aus kann man neben dem sich westlich erstreckenden Rheintal auch den rund acht Kilometer entfernten Isteiner Klotz in Nordwestlicher Richtung sehen.

Westliche Hangausläufer liegen auf der Gemarkung von Haltingen. Einen flächenmäßig sehr kleinen Anteil am Tüllinger Berg hat die Schweizer Gemeinde Riehen, die am Südosthang – „Schlipf“ genannt – über einige Weinanbauflächen verfügt.Isabel Koellreuter: Schlipf. In: Gemeinde Lexikon Riehen.

Schutzgebiete Von 1980 sind behördlich weite Teile des Tüllinger Bergs zum Landschaftsschutzgebiet erklärt worden, um die Flächen für die Naherholung zu sichern.Landesarchivdirektion Baden-Württemberg, Landkreis Lörrach (Hrsg.): Der Landkreis Lörrach, Band II (Kandern bis Zell im Wiesental), Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1994, ISBN 3-7995-1354-X, S. 84. Weitere Schutzflächen wurden in den 1990er Jahren deklariert. So ist eine 345 Hektar große Fläche des Berges, die sich aus drei verschiedenen Teilgebieten zusammensetzt, als Schutzgebiet Tüllinger Berg und Tongrube Rümmingen nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ausgewiesen. Außerdem liefert die exponierte Lage des Berges vielen Wetterstationen wichtige Messwerte zur Wettervorhersage. Der Osthügel des Tüllinger Bergs gehört zum westlichen Rand des Naturparks Südschwarzwald. Der Tüllinger Berg ist ein naturschutzfachlich hochwertiger Kernlebensraum, der im Rahmen von vielen Projekten und Maßnahmen weiter aufgewertet werden soll.LUBW (Hrsg.): MOBIL – Modellregion Biotopverbund MarggräflerLand, 2017 (PDF), S. 39, 40, aufgerufen am 27. Mai 2020.

Auf dem Tüllinger Berg gibt es sechs verschiedene Schutzzonen:Natura 2000-Managementplan (PDF), aufgerufen am 14. Mai 2020. Landschaftsschutzgebiet Tüllinger Berg, Natura-2000-Gebiet („FFH-Gebiet“) 8311-341 Tüllinger Berg und Tongrube Rümmingen, flächenhaftes Naturdenkmal, Vogelschutzgebiet 8311-441 Tüllinger Berg und Gleusen (548 Hektar), gesetzlich geschützte Biotope im Offenland (gemäß § 30 BNatSchG) und gesetzlich geschützte Biotope im Wald (gemäß § 30 BNatSchG und/oder § 30a LWaldG).

Beschreibung Geologie → Siehe auch Geologie von Lörrach, Weil am Rhein, Haltingen, Ötlingen

Geologie des Tüllinger Bergs: Auf einem niedrigen Sockel von Elsässer Molasse, die über der Wiese ansteht, lagern die sogenannten Tüllingen-Schichten, hellgraue Süßwassermergel und -tone, wechsellagernd mit gelben Kalksteinbänken. Die Elsässer Molasse besteht aus Brack- bis Süßwassersedimenten, die in der Tertiärzeit (im Oligozän) mit und nach dem Zurückweichen eines zeitweilig in den Graben eingedrungenen Meeresarms abgelagert wurden. Die Tüllingen Schichten entstanden in der Folge (im späten Oligozän) in einem grabenrandnahen See des wieder festländisch gewordenen Grabens.

Der Ötlinger Berg ist ebenfalls eine Tertiärscholle, die vom Tüllinger Berg durch eine Nord-Süd-Verwerfung getrennt wird. Entgegen dem Augenschein lagert diese tektonisch höher als der Tüllinger Berg, wurde aber stärker von der Abtragung angegriffen, ein Beispiel für Reliefumkehr.

Der Dinkelberg wird vom Oberrheingraben nicht durch eine Verwerfung getrennt, sondern durch eine Flexur, in der die Muschelkalkplatte des Dinkelbergs abbiegend in die Tiefe des Grabens abtaucht. Da die Schichten westwärts wieder auftauchen entsteht eine Mulde am Ostrand des Grabens. Diese wurde in der Tertiärzeit aufgefüllt, wobei die Tüllingen Schichten die oberste Grabenfüllung darstellen. Der Erosionsleistung von Rhein und Wiese ist es zu verdanken, dass der Tüllinger Berg als Anhöhe zwischen Rheinebene und Wiesental herauspräpariert wurde.

Peter Merian beschrieb 1821 als Erster das Ausscheiden einer „Süßwasserformation“ am „Dillinger Berg“ und unterschied bei der Gesteinsbeschreibung drei Typen: erstens einen weißlich bis schmutzig gelben oder braunen, zerreiblichen Mergel, zweitens einen oft festen mit „einem im Großen flachmuschlichen Bruch“ und drittens einen festen, gelbgraulichen oder schwarzen Kalkstein mit Fossilien (Planorben und Lymnaeen).Wittmann: Geologische und geomorphologische Untersuchungen am Tüllinger Berg bei Lörrach, S. 514.

Der Berg entstand wie auch das Delsberger Becken durch GrabenbruchMineralienatlas - Tüllinger Berg. und besteht größtenteils aus Gesteinen des Paläogens bzw. des Neogens. In Nord-Süd-Richtung verläuft innerhalb des Tüllinger Bergs eine Verwerfung, eine weitere findet sich am Hangfuß. Dies hat zur Folge, dass die Schichtenfolgen der Gesteine im Berg zueinander verschoben sind.Stadt Weil am Rhein: Gemeinsamer Landschaftsplan zum Flächennutzungsplan 2022. Teilraum Weil am Rhein, S. 13.

Die Böden des Tüllinger Bergs bestehen aus Löss und tonig-sandigen, kalkigen Böden und werden für Reb- und Obstanpflanzungen genutzt. Besonders entlang des Berggrats befinden sich Schichten aus dem Oberoligozän aus Tonmergel, Süßwasserkalke und Feinsande. Einige Bereiche von geringerem Umfang bestehen aus Locker- bzw. Festgesteinskörpern mit weitgehend aufgelöstem Gefüge (Rutschmasse). Der Südwesthang wird aufgrund dieser Beschaffenheit als Schlipf bezeichnet.Geologische Karte des Landkreises Lörrach, Beilage zu: Landesarchivdirektion Baden-Württemberg, Landkreis Lörrach (Hrsg.): Der Landkreis Lörrach, Band I (Aitern bis Inzlingen), Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1993, ISBN 3-7995-1353-1.

Schlipfungen Aufgrund der geologischen Zusammensetzung des Tüllinger Bergs ist dieser immer wieder Erdschlipfen ausgesetzt. Bereits 1328 war in den Riehener Gemeindeakten von „dem sliffe“ die Rede, 1344 weisen auch Weiler Akten darauf hin. Von größeren Bergrutschungen wird in Chroniken der Jahre 1450, 1697, 1712, 1831 und 1910 berichtet.Otto Wittmann: Geologische und geomorphologische Untersuchungen am Tüllinger Berg bei Lörrach, S. 517–519.

Eine besonders starke Schlipfung ereignete sich am 22. Juli 1758. In der zeitgenössischen Schilderung heißt es, dass sich „der Rebberg im Schlipf auf eine unheimliche Art“ geöffnet habe. Die dabei gebildeten Löcher seien so groß gewesen, dass ganze Häuser hineingepasst hätten. Der Erdgang ließ Quellen versiegen, Wege und Rebstücke versinken. Der Weiler Teich wurde auf 180 Meter Länge zugeschüttet. Das Ereignis von 1758 wurde durch anhaltende Regenfälle sowie eine Überschwemmung der Wiese verursacht. Das „große Gerütsche“ hat der Basler Topografen und Zeichner Emanuel Büchel bildlich festgehalten.Staatsarchiv Basel-Stadt: Verwüstung durch die Überschwemmung der Wiese, 1758.9.12 (Dokument), Bilddokument von Emanuel Büchel, aufgerufen am 16. Dezember 2020. Die historischen Schlipfe fanden schon vor Jahrhunderten Eingang in die Flurnamen.Wittmann: Der Schlipfende Berg. S. 51.

Auch wenn die Schlipfe zur Riehener Seite aufgrund des steileren Hangs beträchtlicher ausfielen, gab es Erdrutsche auch zur Haltinger Seite hin. Auch nach 1758 entstanden größere Rutschungen, die nicht selten durch menschliche Eingriffe im Wegebau, bei Aushub von Gräben und Gruben sowie sonstigen Hanganschnitten verursacht oder begünstigt wurden. Obwohl die Bergschlipfe im 20. Jahrhundert seltener geworden sind, gab es auch in den 1960er und 1970er Jahren immer wieder durch sie verursachte Straßenschäden. Sowohl der Eisenbahntunnel von 1890 als auch der Ötlinger Berg weisen Molassemassen auf, die ursprünglich aus höheren Lagen des Tüllinger Bergs stammten.Wittmann: Der Schlipfende Berg. S. 51–59.

Naturräumliche Zuordnung Der Tüllinger Berg (201c) gehört nach der Systematik des Handbuchs der naturräumlichen Gliederung Deutschlands zum Naturraum 201 Markgräfler Hügelland innerhalb der naturräumlichen Haupteinheit 20 Südliches Oberrheintiefland und bildet ihren südlichsten Ausläufer.Landesarchivdirektion Baden-Württemberg, Landkreis Lörrach (Hrsg.): Der Landkreis Lörrach, Band I (Aitern bis Inzlingen), Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1993, ISBN 3-7995-1353-1, S. 30.

mini|zentriert|750px|Blick vom Westhang des Tüllinger Berges in nordwestliche Richtung auf Ötlingen

Flora und Fauna Der Tüllinger Berg weist Bestände der Zaunammer und des Wendehalses auf. Die Population der Zaunammer ist die größte Südbadens.Regierungspräsidium Freiburg: Natura 2000-Managementplan Tüllinger Berg, aufgerufen am 14. Mai 2020. Man zählte auch Bestände des Gartenrotschwanzes und Wiedehopfs. Im Käferholz wurde auch der Pirol beobachtet.Tülligerberg, Weil am Rhein, Deutschland, aufgerufen am 14. Mai 2020. Die Vielzahl von Vogelarten (insgesamt rund 40) in den strukturierten und altholzreichen Obstbaumwiesen machen das Gebiet des Tüllinger Bergs ornithologisch überregional bedeutsam.FFH-Gebiet und Vogelschutzgebiet "Tüllinger Berg und Gleusen", aufgerufen am 14. Mai 2020. In dem alt- und totholzreichen Buchenwald leben sowohl höhlenbrütende Waldvogelarten wie der Schwarz-, der Mittel- und der Grauspecht als auch die horstbrütenden Arten Schwarzmilan und Baumfalke. Diese Vogelarten nutzen das angrenzende Offenland für ihre Nahrungssuche.

Im Schlipf blühen im Frühjahr Wildtulpen (Tulipa sylvestris) zwischen den Weinreben. Diese Verwandte der heutigen Kulturtulpe wurde vermutlich im 16. Jahrhundert als Zierpflanze aus dem Mittelmeerraum in die Gärten Mitteleuropas eingeführt. Sie war am Kaiserstuhl, im Markgräfler Land und im Elsass weit verbreitet. Durch den Einsatz von Herbiziden in der Bodenbewirtschaftung sind die Wildtulpenbestände stark rückläufig.TRUZ: Wanderführer Tüllinger Berg, S. 71.

Verkehrswege mini|Passstraße im Winter zwischen Tüllingen und Weil