Christa Meves, geborene Mittelstaedt (* 4. März 1925 in Neumünster), ist eine deutsche analytische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin und christlich-konservative Schriftstellerin.
Leben Christa Meves wurde als Tochter des Kunsterziehers und Malers Carl Mittelstaedt 1925 geboren. Sie besuchte das Gymnasium in Neumünster und erhielt 1943 ihr Abitur. Nach dem Studium der Geographie, Germanistik und Philosophie an den Universitäten Breslau und Kiel absolvierte sie ihr Staatsexamen in Hamburg, wo sie zusätzlich Psychologie studierte und 1948 examiniert wurde. Es folgte eine Psychagogenausbildung an den Psychotherapeutischen Instituten von Hannover und Göttingen. 1962 schloss sie in Göttingen ihre Zusatzausbildung zur Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin ab und arbeitete ab demselben Jahr in freier Praxis in Uelzen. 1992 erhielt sie die staatliche Anerkennung. Sie ist Mitglied der Psychotherapeutenkammer Niedersachsen.
Sie arbeitete in Uelzen. Sie hat mehr als 100 Bücher verfasst, die in bis zu 13 Sprachen, darunter Englisch, Niederländisch, Spanisch, Französisch, Jugoslawisch, Japanisch und Afrikaans, übersetzt wurden. Von 1978 bis 2006 war sie Mitherausgeberin der Wochenzeitung Rheinischer Merkur bzw. Christ und Welt. Meves ist auch Autorin der rechtskatholischen Zeitung Die Tagespost.
Im Jahr 1946 heiratete die evangelische Christa Mittelstaedt den habilitierten Augenarzt Harald Meves († 2003), mit dem sie zwei Kinder bekam. Ab 1973 war Christa Meves berufenes Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, aus der sie auf eigenen Wunsch 1984 ausschied. 1987 konvertierte sie zur römisch-katholischen Kirche.
Arbeit Christa Meves entwickelte auf Grundlage der neoanalytischen Antriebslehre und der Instinktlehre von Konrad Lorenz und Niko Tinbergen, der Entwicklungspsychologie und aus Erkenntnissen ihrer kinderpsychotherapeutischen Praxiserfahrung ein eigenes Konzept. Dieses wurde später durch Ergebnisse aus der Gehirn- und Hormonforschung abgestützt, was sie in dem Buch Geheimnis Gehirn dann niederlegte. Meves entwickelte eine Theorie von Persönlichkeitstypen, die sie in Darstellungs-, Ordnungs-, Einsiedler- und Hingabetypen unterschied.Christa Meves: Charaktertypen – Wer paßt zu wem? 2000, ISBN 3-930039-74-5.
In der Frage der psychotherapeutischen Behandlung im Strafvollzug warnte Meves davor, die „Reversibilität eingebahnter krimineller Verhaltensstörungen leichtfertig zu überschätzen“. Wiederholungstäter seien häufig gar nicht in der Lage, ihr Handeln zum Zeitpunkt der Tatbegehung situationsgerecht abzuschätzen, so dass ein vorsätzliches Begehen oft nicht vorliege und somit ein Strafvorwurf nicht gemacht werden könne.Rheinischer Merkur. Nr. 40, 4. Oktober 1996.
In ihrem Buch Manipulierte Maßlosigkeit unterzog sie die Bücher Der aufgeklärte Eros (1964) von Alex Comfort und Sexualerziehung (1970) von Helmut Kentler einer scharfen Kritik. Bei dem Buch von Kentler gewinne man „ganz deutlich“ den Eindruck, „dass hier echte Demagogie betrieben wird. Hier soll politisch verhetzt und gleichzeitig Anarchie gefördert werden. Die Anweisungen von Herrn Kentler“ zur Geschlechtserziehung seien teuflischen „Strategien zur Verderbnis des Menschen“ vergleichbar.Christa Meves: Charaktertypen – Wer paßt zu wem? 2000, ISBN 3-930039-74-5, S. 112. In ihrem Aufsatz Der verkopfte Mensch machte sie die Philosophie der Aufklärung und insbesondere Kants für eine Überbewertung des Denkens und eine Abwertung der Gefühle verantwortlich.Christa Meves: Charaktertypen – Wer paßt zu wem? 2000, ISBN 3-930039-74-5, S. 131. Die Religion ordnet sie hier einseitig dem Bereich des Gefühls zu.Christa Meves: Charaktertypen – Wer paßt zu wem? 2000, ISBN 3-930039-74-5, S. 133.
Politisches und religiöses Engagement 1981 gründete der Herder-Verlag den Freundeskreis Christa Meves, der ab 1996 zu dem Verein Verantwortung für die Familie (VFA e. V.) erweitert wurde. Hieraus ging dann unter der Leitung von Christa Meves das ECCM (Eltern-Colleg Christa Meves), eine fortbildende Elternschule, hervor. Dem ECCM angeschlossen sind das Väter-Colleg Christa Meves und das Eltern-Colleg Christa Meves, die ihre Kurse als Veranstaltungen des Engelwerkes und seines Kreuzordens anbieten.Engelwerk: Geistliches Programm am Winterberg 2015. PDF im Internet Archive abgerufen am 17. Dezember 2019Werk der heiligen Engel: Veranstaltungen 2019 in Österreich, Südtirol und der Schweiz. Abruf am 22. April 2020. Abruf am 22. April 2020.
In den 1970er Jahren hielt Meves einen Vortrag bei der rechtsextremen Gesellschaft für biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung.Robert Wagner: Deutsche Vereinigung für eine christliche Kultur e. V. (DVCK e. V.) Belltower.News, 9. Oktober 2018.
1978 schrieb Meves für Herbert Gruhl und dessen neugegründete Umweltpartei Grüne Aktion Zukunft (GAZ) an einigen programmatischen Punkten mit. Später wurde Meves als Mitglied der Kleinpartei AUF – Partei für Arbeit, Umwelt und Familie aktiv. auf: auf-partei.de, 16. Mai 2009. Für die Europawahl 2014 war sie die Spitzenkandidatin der AUF-Partei.Christa Meves war Spitzenkandidatin der AUF-Partei. In: Evangelische Nachrichtenagentur Idea, 28. November 2013. Sie setzte sich außerdem für das Familiennetzwerk ein, das christlich-konservative Positionen vertritt. (PDF; 116 kB)
Christa Meves war Mitarbeiterin der nationalkonservativen Zeitung Schweizerzeit. Sie schrieb auch für das 2012 als rechtsextrem eingestufte und daraufhin abgeschaltete Portal kreuz.net.
Sie konvertierte im Jahr 1987 zum Katholizismus und übt Kritik an der evangelisch-lutherischen Kirche.Freude am Katholischsein in: Von der Lust, katholisch zu sein, 15 Beiträge, hrsg. von Michael Müller, MM Verlag Aachen 1993, Seiten 231–252.
Rezeption und Kritik 1976 veröffentlichte Klaus Reblin, Hauptpastor an St. Katharinen in Hamburg und Generalsekretär des Deutschen Evangelischen Kirchentags, einen kritischen Artikel über Meves in der Wochenzeitung Die Zeit. Reblin fragte: „Für wen schreibt diese evangelische Frau? Wer liest die Hunderttausende von Büchern, die unter ihrem Namen im katholischen Herder-Verlag erscheinen? Nach allem, was ich von Meves gelesen habe, können es nur Menschen voller Ressentiments gegenüber der Moderne sein. Menschen, die eine Bestätigung ihrer Vorurteile gegenüber allem Neuen brauchen – schwarz auf weiß.“In: Die Zeit. Nr. 46/1976. Vgl. auch die Leserbriefe zu diesem Artikel (von Heinz-Dietrich Ortlieb, Ludwig Muth u. a.): Ruferin in der Wüste. In: Die Zeit. Nr. 51/1976.1976// 1978 veröffentlichte Christian Schultz-Gerstein im Spiegel einen kritischen Artikel über Meves. Der Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik schrieb 2001, Meves werde „von wissenschaftlichen Erziehungsberatern so wenig ernst genommen wie von der akademischen Psychologie“.M. Brumlik: Antidot contra Antichrist. In: Die Welt. 10. Februar 2001. Bestseller-Pädagogin Christa Meves erklärt, warum Marxisten der Pädophilie den Weg ebneten. In einem ihrer Bücher aus dem Jahr 2000 überschreite sie „die Grenzen einer engagierten, konservativen Lebensberatung in Richtung hetzerischer Weltanschauungstraktätchen“.
Einer der von ihren Kritikern meistzitierten Sätze stammt aus ihrem „Ehe-Alphabet“ (1973): „Die Frau hat von ihrer biologischen Aufgabe her ein natürliches Bedürfnis nach Unterwerfung, der Mann nach Eroberung und Beherrschung.“Peter Niggli, Jürg Frischknecht: Rechte Seilschaften. Wie die „unheimlichen Patrioten“ den Zusammenbruch des Kommunismus meisterten. Zürich 1998, S. 587.Jutta Ditfurth: Feuer in die Herzen. Plädoyer für eine ökologische linke Opposition. Düsseldorf 1994, S. 249. Kritiker werfen ihr auch vor, dass sie 1977 in einem Interview mit der damals rechtsextremen Zeitschrift Mut bekannte, „dank Ableistungen für Führer, Volk und Vaterland“ habe sie „in den letzten Kriegsjahren mehr praktische Psychologie und Pädagogik gelernt als später an der Universität“. Meves wurde auch vorgehalten, in politisch rechten Medien zu publizieren. Der Politikwissenschaftler Wolfgang Gessenharter wies 1989 darauf hin, dass sie nicht nur „gern gesehener Gast“ des Studienzentrums Weikersheim sei, sondern auch eine Frau, „die sich nicht scheut, in Presseerzeugnissen des rechtsextremen Verlegers Gerhard Frey (DVU) mit einem Interview aufzutauchen und mittlerweile auch in Schönhubers Zeitschrift ‚Republikaner‘ zu schreiben“.W. Gessenharter: Konservatismus und Rechtsextremismus – Nähen und Distanzen. (PDF; 140 kB) Friedrich-Ebert-Stiftung. Die Bundesregierung machte 1997 darauf aufmerksam, dass sie Kuratoriumsmitglied der „Ludwig-Frank Stiftung für ein freiheitliches Europa“ war, die Kontakte zu Gruppierungen des rechtsextremen Spektrums unterhielt.
Es wird außerdem kritisiert, dass Meves sexuelle Aufklärung als völlig überflüssig darstellt, wenn sie schreibt: „Das Ziel der geschlechtlichen Erziehung kann also unmöglich darin bestehen, Kenntnisse und Praktiken über sexuelle Vorgänge zu erwerben. … Sexualität ist, wie bei den Tieren, ein Triebgeschehen, zu dessen Funktionieren es absolut keiner Aufklärung bedarf.“Zit. n. Karl Abraham: Psychoanalytische Studien. Gießen 1999, S. 75. Der evangelische Pfarrer Helmut Schütz weist Meves’ Kritik an der von der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz herausgegebenen Aufklärungsbroschüre Let’s Talk About Sex entschieden zurück.Helmut Schütz: Missbrauchtes Vertrauen. Sexueller Mißbrauch als Herausforderung an Seelsorge, Kirche und Bibelauslegung. Gießen 2008, S. 77. Meves sei „ideologisch verblendet“.Helmut Schütz: Missbrauchtes Vertrauen. Sexueller Mißbrauch als Herausforderung an Seelsorge, Kirche und Bibelauslegung. Gießen 2008, S. 155.
Der Schriftsteller Richard Wagner zählt Meves zu den „fundamentalistisch auftretenden Damen“, die 1982 die geistig-moralische Wende erwarteten, aber heute „in bemerkenswerter Weise machtlos“ seien.Richard Wagner: Die Metaphysik des Machtwechsels. In: Berliner Zeitung, 5. Juli 2005. Meves’ Deutung von Harry Potter als „Zeichen unserer gottlosen Zeit“ blieb auch von katholischen Theologen nicht unwidersprochen.Der katholische Priester und Dogmatikprofessor Axel Schmid meint, in „Harry Potter“ stecke doch mehr, „als Meves darin entdeckt“. Vgl. Axel Schmid: Theologische Anmerkungen zu Harry Potter. Der katholische Priester und Theologieprofessor Norbert Clemens Baumgart schrieb, er teile Meves’ Pessimismus im Hinblick auf Harry Potter nicht. Vgl. N. C. Baumgart: Die Bibel ein(sch)muggeln? Die Suche nach mythologischen, religiösen und theologischen Spuren in den Harry Potter-Romanen. In: Harry Potter – Ein Literatur- und Medienereignis im Blickpunkt interdisziplinärer Forschung. Münster 2006, S. 75–102, hier 96.
Die katholische Schriftstellerin Luise Rinser empörte sich über einen Bericht von einem Treffen Homosexueller, in dem Meves schrieb: „Man wünscht sich wieder saubere, aufrechte junge Männer.“ Rinser kommentierte: „Also sind Homosexuelle keine sauberen, aufrechten Menschen? [Männer.] Also sind sie unsauber und geduckt und feige? Also entsprechen sie nicht dem Bild vom sauberen Deutschen, wie Hitler ihn haben wollte? Wie klein ist der Schritt zu der Forderung Hitlers nach SS-Idealgestalten?“Luise Rinser: Winterfrühling 1979–1982. Frankfurt a. M. 1982, S. 207. Hans-Georg Stümke und Rudi Finkler bezeichneten Meves in ihrem „Standardwerk“Stefan Bajohr u. a.: Der Unrechts-Staat. Bd. 2. Baden-Baden 1984, S. 288. Rosa Winkel, rosa Listen (1981) als „Deutschlands führende Homophobe“, weil sie „seit Jahren einen ideologischen Kreuzzug gegen Homosexuelle“ führe.Hans-Georg Stümke, Rudi Finkler: Rosa Winkel, rosa Listen. Homosexuelle und „Gesundes Volksempfinden“ von Auschwitz bis heute. Reinbek bei Hamburg 1981, S. 386f.
Auszeichnungen 1974 Wilhelm-Bölsche-Medaille 1976 Prix AMADE (der Association Monégasque pour le Développement de l’Enfance) 1977 Goldmedaille der Herderbücherei 1978Verdienstkreuz 1. Klasse des Niedersächsischen Verdienstordens