mini|Burg und Kirche Sankt Bartholomäus mini|Marktplatz mini|Hauptstraße mini|Wehr an der Püttlach mini|Luftbild aus Richtung Süden (2025) mini|Erlebnisfelsen Pottenstein mit Sommerrodelbahn, Skywalk und Schöngrundsee Pottenstein ist eine Stadt im Landkreis Bayreuth (Regierungsbezirk Oberfranken). Der Touristenhotspot und staatlich anerkannte Luftkurort liegt in der Fränkischen Schweiz.
Geografie Lage Pottenstein befindet sich im Naturpark Fränkische Schweiz/Veldensteiner Forst. In der Nähe des Gemeindeteils Hohenmirsberg liegt die Hohenmirsberger Platte (Aussichtsturm auf 614 m Höhe; einer der höchsten Punkte in der Fränkischen Schweiz). Durch den Ortskern fließt die Püttlach, in die der Haselbrunnbach und nahe dem Kurpark der Weihersbach mündet. Das gemeindefreie Gebiet Prüll liegt östlich des Hauptortes und wird komplett vom Gemeindegebiet umschlossen.
Gemeindegliederung
Es gibt 37 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Die Klumpermühle ist im 20. Jahrhundert abgegangen.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Elbersberg (Gemarkungsteil 1), Haßlach, Hohenmirsberg, Kirchenbirkig, Kühlenfels, Leienfels, Pottenstein, Püttlach, Regenthal, Tüchersfeld, Vorderkleebach und Waidacher Forst (Gemarkungsteil 0). Die Gemarkung Pottenstein hat eine Fläche von 8,435 km². Sie ist in 2018 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 4179,68 m² haben. In ihr liegt neben dem namensgebenden Ort der Gemeindeteil Siegmannsbrunn.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn) Hummeltal, Pegnitz, Betzenstein, Obertrubach, Gößweinstein und Ahorntal.
Geschichte Bis zur Gemeindegründung Die Geschichte Pottensteins lässt sich bis zur ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 918 zurückverfolgen. Die Burg Pottenstein wurde ca. 1060 von Graf Boto von Pottenstein (1028–1104; Aribone) erbaut. 1323 erhielt der Ort Stadtrechte. Die Stadt Pottenstein war Obervogtamt des Hochstifts Bamberg. In Pottenstein befand sich im 16. und 17. Jahrhundert ein Eisenhammer, der vom Wasser der Püttlach betrieben wurde.Franz Michael Ress: Geschichte und wirtschaftliche Bedeutung der oberpfälzischen Eisenindustrie von den Anfängen bis zur Zeit des 30-jährigen Krieges. Verl. d. Histor. Vereins von Oberpfalz u. Regensburg, Regensburg 1950, S. 177. Heute erinnert noch die Flurbezeichnung Hammermühle an den abgegangenen Eisenhammer.
In der Nacht vom 1. auf den 2. September 1736 brach im Stadtkern ein Feuer aus, das sich rasch zu einem Stadtbrand ausweitete. Alle 65 innerhalb der Stadtmauer gelegenen Häuser, darunter die Stadtpfarrkirche, deren Glocken schmolzen, der Pfarrhof, das Schul- und Kirchnerhaus sowie das Rathaus wurden ein Raub der Flammen. Mit Ausnahme des Bürgerspitals und der Burg existieren im Stadtgebiet daher keine vor 1736 erbauten Gebäude.Brauch erinnert an Pottensteins schwerste Stunden. In: Nordbayerischer Kurier. 22. September 2023, S. 14.
Seit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 gehört der Ort zu Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen im Königreich Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die Gemeinde.
Zeit des Nationalsozialismus Am 10. Juli 1942 erließ das SS-Führungshauptamt den Befehl zur Aufstellung eines Karstwehrbataillons, das am 15. November 1942 in SS-Karstwehr-Bataillon umbenannt wurde. SS-Standartenführer Hans Brand, ein promovierter Geologe, war für die Aufstellung und Ausbildung des Bataillons zuständig. Hierzu wurde auf der Bernitz-Hochebene bei Pottenstein das Bataillonslager für 600 Rekruten errichtet. Vom 12. Oktober 1942 bis zum Tag der Befreiung am 16. April 1945 existierte dazu im Ort ein von Brand gefordertes Außenlager des Konzentrationslagers Flossenbürg, in dem 746 Häftlinge Zwangsarbeit für die SS-Karstwehr verrichten mussten. Die Häftlinge wurden im Straßenbau eingesetzt, mussten einen Stausee – den heutigen Schöngrundsee – als Wasserübungsstrecke anlegen sowie die nahe gelegene Teufelshöhle erschließen und zu einer Schauhöhle ausbauen.Martin Droschke: In Pottenstein […]. In: Franken 2024. Franken-Wissen für das ganze Jahr. Emons Verlag, Köln 2023, ISBN 978-3-7408-1797-8, Blatt 12. Oktober. Zunächst waren sie in einer Jugendherberge in Mariental, ab Frühjahr 1943 in der Scheune des Brauereibesitzers Mager („Mager-Scheune“) in Pottenstein untergebracht. Neun von ihnen verloren in Pottenstein ihr Leben, 37 innerhalb weniger Wochen nach ihrer Rückkehr nach Flossenbürg. Im April 1945 wurde das Lager aufgelöst.Die Hölle in der Nachbarschaft in: Nordbayerischer Kurier vom 7. November 2023, S. 11.
Kein Hinweis erinnert im Ort an dieses Geschehen.Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation. Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 184. Der Zweite Weltkrieg endete für Pottenstein am 16. April 1945 mit der Besetzung durch amerikanische Truppen, nachdem am Tag zuvor die SS-Truppen abgezogen waren. Hans Brand wurde zum Ehrenbürger der Stadt ernannt.
Displaced Persons Wie in Bayreuth, Pegnitz und Creußen entstand in Pottenstein eine nicht unbedeutende jüdische Gemeinde von Displaced Persons (DPs). Beim Einmarsch in die Stadt am 16. April 1945 befreiten die Soldaten des 48. US-Panzerbataillons die Häftlinge aus dem örtlichen Konzentrationslager. Einige von ihnen blieben in Pottenstein und wurden in beschlagnahmte Wohnungen einquartiert. Ab Sommer 1945 führte der amerikanische Militärrabbiner Abraham Spiro Juden aus überfüllten Flüchtlingslagern in die Landkreise Pegnitz und Bayreuth. Die Stadt Bayreuth entwickelte sich bald zu einer zentralen Anlaufstelle für aus dem Osten ankommende Juden. Mangels Wohnraum war die dortige jüdische Selbstverwaltung gezwungen, zahlreiche dieser Menschen nach Pegnitz und Pottenstein weiterzuleiten.
Im Juni 1945 lebten bereits 25 jüdische Überlebende des Holocaust in Pottenstein. Durch die organisierte Zuwanderung vergrößerte sich die DP-Gemeinde rasch. Mit Sitz in Pottenstein wurde das erste jüdische Komitee im Landkreis gegründet, und bald entwickelte sich in der Stadt ein abwechslungsreiches jüdisches Leben. Zum kulturellen Leben gehörte der Sportverein Makabi, dessen Fußballer in der Liga Rayon Franken spielten. Juden aus dem gesamten Landkreis zogen am ersten Jahrestag ihrer Befreiung in einem Trauerzug vor die „Mager-Scheune“. Am 11. August 1946 gründeten die Pottensteiner Juden den zionistischen Verein Achida, der die uneingeschränkte Einreise aller Juden nach Erez Israel forderte. Das Jüdische Komitee Pottenstein lässt sich bis Anfang 1948 nachweisen. Im Sommer 1950 verließen die letzten Juden den Ort.
Eingemeindungen Vor der Gemeindegebietsreform gehörte Pottenstein zum damaligen Landkreis Pegnitz.Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950, München, 1952
Am 1. Januar 1972 wurden die Gemeinden Haßlach und Kirchenbirkig sowie Gebietsteile der aufgelösten Gemeinde Tüchersfeld eingegliedert. Am 1. Juli 1972 kam Püttlach hinzu, gleichzeitig wurde der Landkreis Pegnitz aufgelöst. Am 1. Januar 1975 folgte Vorderkleebach und am 1. Januar 1978 Hohenmirsberg. Am 1. Mai 1978 wurden die Gemeinden Kühlenfels, Leienfels und Regenthal sowie ein Teil der aufgelösten Gemeinde Elbersberg eingemeindet.
Einwohnerentwicklung Im Zeitraum von 1988 bis 2018 wuchs die Stadt von 5045 auf 5226 um 181 Einwohner bzw. um 3,6 %. Ein Höchststand wurde am 31. Dezember 1996 mit 5549 Einwohnern erreicht.
Politik Stadtrat mini|Rathaus Nach der letzten Kommunalwahl am 15. März 2020 hat der Stadtrat 20 Mitglieder. Die Wahlbeteiligung lag bei 70,2 %. Die Wahl brachte folgendes Ergebnis:Kommunalwahl bei pottenstein.de, abgerufen am 27. August 2020 Partei Sitze Anteil CSU 3 15,97 % SPD 1 5,13 % Christliche Wählerunion/unabhängige Wählervereinigung (CWU-UWV) 3 14,32 % Die Bürger Pottenstein und Umland (BPU) 3 16,30 % Junge Liste (JL) 2 11,51 % Freie Wählergemeinschaft (FWG) 4 19,06 % Bürgerunion (BU) 4 17,70 % Weiteres Mitglied und Vorsitzender des Stadtrats ist der 1. Bürgermeister.
Bürgermeister Erster Bürgermeister war seit 2002 Stefan Frühbeißer (CWU-UWV). Er hatte sich am 17. März jenes Jahres gegen Dieter Bauernschmitt (CSU) durchgesetzt, der das Amt zwölf Jahre lang ausgeübt hatte.Ein Pottensteiner Urgestein feiert seinen 70. bei nordbayern.de, abgerufen am 14. Dezember 2015 bei mainwelle.fm, abgerufen am 14. Dezember 2015 Durch die Wahl von Frühbeißer in den Bayerischen Landtag (ab 30. Oktober 2023) führte 2. Bürgermeister Roland Lang bis zur Neuwahl am 18. Februar 2024 die Geschäfte vertretungsweise.Radio Plassenburg zur Bürgermeisterwahl, abgerufen am 17. November 2023 Am 18. Februar 2024 wurde Christian Weber (JL) zum Ersten Bürgermeister gewählt. Er gewann mit 65,5 % der Stimmen gegen Birgit Haberberger von der CSU. https://www.nn.de/region/pegnitz/christian-weber-jl-mit-65-5-prozent-der-stimmen-zum-neuen-burgermeister-von-pottenstein-gewahlt-1.14055209 Weber war bereits seit der Kommunalwahl 2020 der 3. Bürgermeister und Stadtrat der Stadt Pottenstein. Am 26. Februar 2024 wurde er offiziell im Stadtrat vereidigt. https://www.kurier.de/inhalt.pottenstein-neuer-buergermeister-vereidigt.d37b3a4e-859a-4b46-a292-4052c534e1c3.html
Von 1936 bis 1945 und erneut von 1953 bis 1972 war Hans Dippold Bürgermeister von Pottenstein. Der Gast- und Landwirt war bereits 1931 der NSDAP beigetreten und wurde 1939 NSDAP-Ortsgruppenleiter. Dippold war Ehrenbürger der Stadt und ist auf einer 2015 errichteten Stele als solcher genannt. Diese posthume Ehrung ist in der Bürgerschaft umstritten, wurde vom damaligen Bürgermeister Frühbeißer jedoch verteidigt.Pottenstein ehrt Nazi-Bürgermeister in: Nordbayerischer Kurier vom 10. Dezember 2015, S. 19.
Wappen
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke mini|hochkant|Altarbild mit Bergfried in der Kunigundenkirche mini|Österlich geschmückter Elisabethbrunnen auf dem Pottensteiner Marktplatz Die 1000-jährige Burg Pottenstein war Aufenthaltsort der Ehefrau von Ludwig IV. (Thüringen) und später heiliggesprochenen Elisabeth von Thüringen im Jahr 1228 Die Pfarrkirche St. Bartholomäus mit Rokokodekor (um 1775) Die Kunigundenkirche enthält ein Altarbild, auf dem die Burg Pottenstein noch mit Bergfried zu sehen ist Die Burgruine Leienfels im Gemeindeteil Leienfels Die Himmelsleiter, ein 37 m hoher BOS-Funk- und Aussichtsturm,Aussichtsturm Pottensteiner Himmelsleiter auf fraenkische-schweiz.bayern-online.de, abgerufen am 5. Januar 2017 steht ca. 1,2 km südöstlich der Burg Pottenstein im Landschaftsschutzgebiet unweit der Hofmannskapelle.
Baudenkmäler
Museen mini|Das Fränkische-Schweiz-Museum unterhalb der Kalksteinfelsen in Tüchersfeld Burgmuseum auf der Burg Pottenstein Fränkische-Schweiz-Museum im Gemeindeteil TüchersfeldOffizielle Website des Fränkischen Schweiz-Museums Tüchersfeld Scharfrichtermuseum PottensteinOffizielle Website des Scharfrichtermuseums Pottenstein
Natur und Freizeit mini|Eingangsbereich zur Teufelshöhle Teufelshöhle, auf einer Länge von 1,5 km begehbare Tropfsteinhöhle. Die Teufelshöhle ist eine der größten und bekanntesten Höhlen in Deutschland. Sie wurde im Oktober 1922 von dem Geologen und Bergbauingenieur Hans Brand im schon seit langem bekannten Teufelsloch entdeckt und bis Pfingsten 1931 in zwei Etappen für die Besucher erschlossen. Sie hat jährlich rund 160.000 Besucher. Südöstlich des Ortskerns liegt am Weihersbach das Felsenbad Pottenstein, das wohl schönste Freibad Frankens. Dem Felsenbad gegenüber befinden sich eine Sommerrodelbahn und der Schöngrundsee, zu dem sich hier der Weihersbach aufstaut, mit einem Bootsverleih. Pottenstein liegt im Klettergebiet Nördlicher Frankenjura. Im Ort befindet sich ein Kletterwald.