James Henry Dominic Miller (* 18. Dezember 1968 in Haverfordwest; † 2. Mai 2003 in Rafah) war ein walisischer Kameramann und Dokumentarfilmer. Er wurde während der Dreharbeiten zu einer Dokumentation über palästinensische Kinder im Flüchtlingslager von Rafah von einem israelischen Soldaten erschossen.
Leben und Karriere Miller wurde als Sohn eines Armeeoffiziers und einer Schulleiterin geboren. Er wuchs ab seinem sechsten Lebensjahr auf den Äußeren Hebriden auf, wo seine Eltern stationiert waren. Später studierte er Fotojournalismus am London College of Communication. 1997 heiratete er Sophy Warren-Knott, das Paar bekam einen Sohn und eine Tochter.James Miller. Documentary-maker. The Independent, 7. März 2003
Miller arbeitete als journalistischer Freelancer und schloss sich als Berichterstatter 1995 Frontline News an, für die er unter anderem einen Bericht über den Bürgerkrieg in Algerien verfasste. Er fotografierte in Afghanistan und beschrieb die Afghanen vor der Machtübernahme der Taliban als „wonderful people“ mit großer Gastfreundlichkeit. Später dokumentierte er den Marsch der Taliban auf Kabul.Journalists Behind 'Beneath the Veil' and 'Unholy War' Tell Their Stories. Transkript eines Gesprächs bei Larry King Live am 26. Dezember 2001
1999 drehte er für Hardcash Productions seinen ersten Film, „Prime Suspects“. Der Film thematisiert ein Massaker im Kosovo und gewann den International Affairs Award der Royal Television Society.James Miller, Renowned filmer of recent conflicts Nachruf von David Henshaw im Guardian vom 7. Mai 2003
Ab 2000 arbeitete er unter anderem mit Saira Shah zusammen, die beiden reisten im Auftrag von Hardcash erneut nach Afghanistan. Dort entstanden die Dokumentationen „Beneath the Veil“ mit Miller als Kameramann, und „Unholy War“, bei der er Regie führte. Miller beschrieb die Arbeit zu „Beneath the Veil“ als außerordentlich schwierig, da das Filmen unter den Taliban verboten gewesen sei. Trotz der Verwendung versteckter Kameras wurde das Team mehrfach in Haft genommen. Bei „Unholy War“ seien die Aufnahmen auf dem Gebiet der Nordallianz zwar erlaubt gewesen, dafür habe die schlechte Versorgungslage und die rasche Veränderung der Lage große Probleme verursacht. „Unholy War“ wurde mit einem Emmy und dem Peabody Award ausgezeichnet.
Ab 2003 drehten Miller und Shah „Death in Gaza“ („Tödliche Feindbilder - Was die Intifada-Kinder empfinden“) über die Schicksale einzelner Kinder im Gazastreifen. Bei Dreharbeiten in Rafah wurde Miller nachts trotz deutlicher Kennzeichnung als Fernsehjournalist, Miller trug zu dem eine weiße Fahne und beleuchtete sie mit einer Taschenlampe, von der israelischen Armee erschossen. Der Film wurde von Saira Shah zu Ende gedreht und auf der Berlinale 2004 uraufgeführt. Posthum erhielt James Miller für „Death in Gaza“ drei Emmys, einen BAFTA-Award und den Rory Peck Award.Death in Gaza, Awards Internet Movie Database
Todesumstände und Folgen Die Obduktion ergab, dass Miller von einer Kugel aus einem M-16-Sturmgewehr von vorne, aus der Richtung israelischer Soldaten, in den Hals getroffen wurde. Die Jury des Londoner Untersuchungsgerichts von St. Pancras urteilte am 6. April 2006, dass ein israelischer Soldat gezielt auf ihn geschossen habe. Dieser Soldat wurde im Laufe der Untersuchung als Oberleutnant Hib al Haib identifiziert.Miller's family push for prosecution, The Guardian, 6. April 2006Gericht erklärt Doku-Filmer zum Mordopfer der israelischen Armee. Spiegel Online, 8. April 2006
Trotz dieses Schuldspruchs musste der Offizier in Israel keine Haftstrafe antreten, da man aufgrund zweier unterschiedlicher Gutachten, eines davon aus dem Waffenlaboratorium der Kriminalpolizei in Jerusalem, nicht eindeutig nachweisen konnte, dass die tödliche Kugel aus seinem Gewehr abgefeuert wurde. Brigadegeneral Avichai Mandelblith, der Generalstaatsanwalt der israelischen Armee, sah im März 2005 von einer Anklage ab, ordnete ein Disziplinarverfahren gegen Oberleutnant Hib al Haib an, welches binnen weniger Wochen niedergeschlagen wurde.
Die britische Regierung legte dagegen in Vertretung der Familie Millers Beschwerde ein und forderte die Auslieferung des Soldaten. Der britische Attorney General, Lord Peter Henry Goldsmith, stellte den israelischen Justizbehörden ein Ultimatum, um Ermittlungen gegen Oberleutnant Hib al Haib einzuleiten.Award-winning film-maker's death divides UK and Israel. The Independent, 6. August 2007 Das Ausbleiben einer israelischen Anklage wurde später im offiziellen Menschenrechtsbericht des britischen Außenministeriums kritisiert.Great Britain. Foreign and Commonwealth Office: Human rights: annual report 2007. The Stationery Office, 2008, S. 158.
Im April 2008 bot das israelische Außenministerium eine Zahlung von 1,75 Millionen Pfund an die Familie an, wenn einer Einstellung des Verfahrens zugestimmt werde.. Times online, 23. April 2008 Haaretz.com am 22. April 2008 Im Februar 2009 wurde berichtet, dass die Familie einer Kompensation von 1,5 Millionen Pfund zugestimmt habe.Shot Briton's family 'gets £1.5m' BBC online am 1. Februar 2009
Filmografie 1999: Prime Suspects 2000: Dying for the President 2000: Children of the Secret State 2001: Unholy War 2001: Beneath the Veil 2002: The Tramp and the Dictator 2002: The Road from Rio 2002: The Trade Trap 2002: The Perfect Famine 2002: Armenia: The Betrayed 2004: Death in Gaza
Auszeichnungen 1999: RTS Televisions Journalism Award für Prime Suspect (Current Affair – International) 2001: RTS Craft and Design Award für Beneath the Veil (Kamera) 2001: Emmy für Beneath the Veil (Produzent) und Unholy War (Kamera) 2001: SAIS-Novartis International Journalism Awards für Beneath the Veil . Johns Hopkins University Paul H. Nitze School of Advanced International Studies (SAIS) 2001: Peabody Award für Beneath the Veil und Unholy War . 2004: Rory Peck Award für Death in Gaza (posthum) 2005: Drei Emmys für Death in Gaza (posthum) (Outstand Directing for Non-fiction Program, Outstanding Cinematography for Nonfiction Programming, Exceptional Merit in Nonfiction Filmmaking)Emmy Awards 2005 in der Internet Movie Database
Weblinks
„Death in Gaza“ auf der Website der Berlinale (PDF-Datei; 117 kB)
Einzelnachweise
Kategorie:Kameramann Kategorie:Dokumentarfilmer Kategorie:Person im Nahostkonflikt Kategorie:Brite Kategorie:Geboren 1968 Kategorie:Gestorben 2003 Kategorie:Mann