Steinsberg ist ein Gemeindeteil des Marktes Regenstauf im oberpfälzischen Landkreis Regensburg in Bayern. Bis zur bayerischen Gebietsreform im Jahr 1978 bildete der Ort eine eigenständige Gemeinde.
Geografie und Naturraum Steinsberg liegt rund 15 Kilometer nördlich von Regensburg und westlich des Kernortes Regenstauf auf den östlichen Ausläufern der Fränkischen Alb (Oberpfälzer Jura)Gerhard Frauenstein: Steinsberg und seine Landschaft. Eine kurze Geschichte der Landschaft. In: 850 Jahre Steinsberg 1170–2020, Regensburg 2020, S. 15–32.. Die Ortschaft erstreckt sich in einer geschützten Talsenke des prähistorischen Urnaabtals am Ostrand des ausgedehnten Schwaighauser Forstes.
Geologie und Bodenschätze Das Relief der Gemarkung ist durch eine Schichtenfolge aus drei Erdzeitaltern geprägt:
Aus dem Malm (Oberer Jura) finden sich Felsformationen aus Sedimentgesteinen eines prähistorischen Flachmeeres (Schwamm- und Korallenriffe vor ca. 156–140 Mio. Jahren). Aus der Oberkreidezeit existieren Sandstein- und Sedimentationsschichten (vor ca. 99–65 Mio. Jahren). Während des Braunkohletertiärs(vor ca. 20–5 Mio. Jahren) wurden Sande, Tone und Schluffe im einstigen Flusslauf der Urnaab abgelagert.
Diese geologische Vielfalt lieferte verschiedene mineralische Rohstoffe:
Die anstehenden Jura-Kalkfelsen dienten bis ins 18. Jahrhundert als regionaler Baustein für das Hofmarksschloss sowie Wohnhäuser und wurden in den 1950er Jahren von der Gemeinde zur Schottergewinnung für den Straßen- und Kanalbau gebrochen. Die sandigen Tone eigneten sich zur Ziegelherstellung Ab dem 19. Jahrhundert bestanden Ziegeleien (u. a. die Hofmarksziegelei ab 1812 sowie die Ziegelei Schöndorfer um 1900). Lehmabbau fand im Ortsteil Oberschlag bis in die 1990er Jahre statt. Der Flurname Erzgrube nordwestlich von Oberschlag weist auf historische oberflächennahe Eisenerzschürfungen hin; im Gelände finden sich verwitterte Gesteine mit Eisenoxiden.
Gemeindegliederung Zur ehemaligen Gemeinde Steinsberg gehörten drei Ortsteile Steinsberg (Hauptort), Oberschlag, Unterschlag.
Geschichte
Vor- und Frühgeschichte (Quelle: Gerhard FrauensteinGerhard Frauenstein: Auf den Spuren der Besiedlung bis zum Frühmittelalter. In: 850 Jahre Steinsberg 1170–2020, Regensburg 2020, S. 51–62; vgl. auch Walter Torbrügge: Die Bronzezeit in der Oberpfalz. Lassleben, Kallmünz 1975.)
Der Raum um Steinsberg weist eine lückenlose vor- und frühgeschichtliche Begehung und Besiedlung auf.
Im nahegelegenen Wolfsegger Hauptgeräumt wurden in der Karsthöhle Dürrloch eiszeitliche Tierknochen (u. a. Mammute, Höhlenbär, Wildpferd) sowie Skelettreste von mindestens zwölf Menschen aus der Jungsteinzeit nachgewiesen. Fundschichten belegen Nutzungen durch die Rössener Kultur (ca. 4500–4300 v. Chr.), die Münchshöfener Gruppe (ca. 4500–3800 v. Chr.), die Urnenfelderkultur (1300–800 v. Chr.) sowie die Hallstattzeit (800–450 v. Chr.).
Auf der südwestlich gelegenen Adlerwiese befindet sich ein vorgeschichtlicher Bestattungsplatz mit mindestens 15 Grabhügeln aus der Hallstatt- und Frühlatènezeit (800–300 v. Chr.). Im benachbarten Schwaighauser Forst liegen rund 130 weitere Grabhügel, darunter die 1845/46 archäologisch ergrabene Hügelgruppe bei Trischlberg, bei der Steinkranz-Hügel mit Skelett- und Brandbestattungen sowie Bronzebeigaben (Radnadeln, Spangen, Pfeilspitzen) freigelegt wurdenWilhelm Brenner-Schäffer: Bericht über die Ausgrabungen bei Trischelberg. In: VHVO 10, 1846, S. 386 ff..
Am Flurbereich „Wolf“ wurde eine eiserne, zweiflügelige Pfeilspitze mit Tülle gefunden, die typologisch in das Frühmittelalter (ca. 500–1050 n. Chr.) datiert wird.
Ersterwähnung und Namensherkunft (Quelle: Gerhard FrauensteinGerhard Frauenstein: Das Testament von Pfalzgraf Friedrich II. von Wittelsbach. Die Erstnennung von Steinsberg 1170. In: 850 Jahre Steinsberg 1170–2020, Regensburg 2020, S. 83–91; sowie Monumenta Boica, Collectio nova, Vol. X, München 1768, S. 239–244.)
Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte im Testament des Wittelsbacher Pfalzgrafen Friedrich II. von Wittelsbach, verfasst anlässlich seiner zweiten Pilgerreise nach Jerusalem (in der Forschung auf ca. 1170–1172 datiert). Friedrich delegierte darin sein Gut (predium Stainsperc) an den Salmann (Treuhänder) Ulrich von Sallach:
„Item predium Stainsperc, delegatum in manus Oudilrici de Salaha[…]“Testamentum Friderici Comitis Palatini de Wittelspach, ca. 1170/1172 (vgl. Walter Hofmeister: Steinsberg 1170 im Testament des Pfalzgrafen von Lengfeld-Wörth: „predium Stainsperc, delegatum in manus Oudalrici de Salaha“. (PDF; 2,9 MB) In: heimatforschung-regensburg.de, April 2019. )
Etymologisch setzt sich der Ortsname aus dem gotischen Begriff stains (Fels, Stein) und dem althochdeutschen berc (Berg) zusammen und nimmt Bezug auf den markanten Kalkfelsrücken des Weinbergs.
Mittelalterliche Grundherrschaft und die Salbücher Im Hoch- und Spätmittelalter gehörte Steinsberg administrativ zum Wittelsbacher Vitzthumamt Burglengenfeld (Unteramt Pettendorf):Monumenta Boica, Vol. IX Pars I (Hrsg. Dr. Francesci Wild), München 1852, S. 116–120 (Salbuch Ludwig II., 1240), S. 376 (Salbuch Heinrich XIII., 1280), S. 540 f. (Salbuch Ludwig IV., 1326).
Im Salbuch Herzog Ludwigs des Strengen (1240) wird Steinsberg als Wirtschaftseinheit mit drei Höfen („Steinsperc dri hove“) geführt, die Naturalabgaben an das Amt Pettendorf leisten mussten. Zudem werden Abgaben aus dem Steinsberger Forst verzeichnet („Steinsperc von dem vorste git man sehzic mutte habern, sehzig kaese, sechzic hunre“).
Das Salbuch Herzog Heinrichs XIII. (1280) differenziert Steinsberg (Stainsperch): Es bestand eine abgabepflichtige curia (Hof), eine abgabenbefreite herrschaftliche camera (Kammergut/Herrensitz) sowie eine zweite curia, die als Dienstlehen an den Marschall von Lengenfeld (Ul. Marscalci) vergeben war.
Das Salbuch Kaiser Ludwigs des Bayern (1326) bestätigt die Dreiteilung. Das Kammergut befand sich zu dieser Zeit im Besitz der oberpfälzischen Adelsfamilie der Paulsdorfer („De camera Stainzperg […] Paulsdorfer habet“), während die zweite Hofstelle weiterhin als Marschallsgut fungierte („Herm Marscalcus habet in feodo“).
1386 verpfändeten die Paulsdorfer ihre Höfe in Steinsberg und Hohenwarth für 40 Taler an die Regensburger Bürgerfamilie Lautenbecker. 1404 bzw. 1406 löste Ritter Heinrich Notthafft von Wernberg, Landrichter zu Burglengenfeld, diesen Besitz wieder aus. Im 15. Jahrhundert wechselten die Inhaber mehrfach über oberpfälzische Ministerialen- und Adelsgeschlechter (u. a. Loiblinger, Portner, Parsberger).Gerhard Frauenstein: Steinsberg bis zum Landshuter Erbfolgekrieg (1170–1505). In: 850 Jahre Steinsberg 1170–2020, Regensburg 2020, S. 93–108.
Hofmark Steinsberg Aus dem befestigten Herrensitz entwickelte sich im 16. Jahrhundert eine geschlossene Hofmark mit niederer Gerichtsbarkeit.Edmund Engl: Die Hofmark Steinsberg / Die Sanierung des Hofmarkschlosses. In: 850 Jahre Steinsberg 1170–2020, Regensburg 2020, S. 381–410. Zu den Inhabern zählten unter anderem die Familie Grienbeck (Sigmund und Hanns Sigmund Grienbeck) im 16. Jahrhundert und die Familie von Altmann (u. a. Matthes Altmann 1558–1578, Caspar Altmann 1578–1600 und Johann Georg Altmann von Winzer 1600–1621). Spätere Besitzer waren unter anderem die Familien von Silbermann (ab 1677) und von Axthalbe (Anfang des 19. Jahrhunderts).
Neben dem Hofmarkskomplex bestand das sogenannte Sitzhofgut, das als landwirtschaftliches Großanwesen zeitweise dem Regensburger Chorherrenstift St. Mang unterstand.
Kirchliche Entwicklung (Quelle: Gabriele ZieglerGabriele Ziegler: Kirchen- und Glaubensgeschichte der Pfarrgemeinde Steinsberg – Der lange Weg zur Dorfkirche St. Josef. In: 850 Jahre Steinsberg 1170–2020, Regensburg 2020, S. 437–485.)
Jahrhundertelang besaß Steinsberg kein eigenes Gotteshaus und war als Filiale der Pfarrei St. Peter und Paul in Bubach am Forst inkorporiert. Erst im 20. Jahrhundert entstand auf Initiative der Dorfgemeinschaft eine eigene Kirche: Der Grundstein für die Filialkirche St. Josef wurde 1928 gelegt; die Konsekration erfolgte am 12. Oktober 1930.
Moderne, Gebietsreform (Quelle: Hans Dechant et al.Hans Dechant, Edmund Engl: Die Gemeinde Steinsberg von 1945 bis 1978 / Steinsberg von 1978 bis heute. In: 850 Jahre Steinsberg 1170–2020, Regensburg 2020, S. 253–380, S. 842 ff.)
Bis weit ins 20. Jahrhundert war Steinsberg von Landwirtschaft, Ziegeleien und dörflichem Handwerk geprägt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs der Ort durch Baulandausweisungen und Zuzug aus dem Regensburger Raum. Am 1. Mai 1978 wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde Steinsberg im Zuge der bayerischen Gebietsreform in den Markt Regenstauf eingegliedert.
Wirtschaft und Kulturgeschichte (Quelle: Gerhard FrauensteinGerhard Frauenstein: Steinsberg und der Weinberg. In: 850 Jahre Steinsberg 1170–2020, Regensburg 2020, S. 33–49; Gerichtsaktenübersetzung von Edmund Engl (StAAm, Pfalz-Neuburg, Landrichteramt Burglengenfeld 101))
Der rund 400 Meter hohe Weinberg am Ostrand des Ortes war vom Hochmittelalter bis ins 19. Jahrhundert ein wärmebegünstigter Weinbaustandort. Ein schriftlicher Nachweis stammt aus einem Gerichtsakt des Jahres 1608: Die Pächter des St.-Mang-Sitzhofs klagten gegen Hofmarksherr Caspar Altmann, weil dieser einen ummauerten Weingarten an sich gezogen hatte:
„Verder unwidersprechlich wahr, das Junckher Altman den Ackher welcher vor disem mit einer Mauerung eingefangen, und ein weinperg gewesen mitten auß deß Sizpauern gründten gerißen. Wie dann wahr das von solchen weinperg dem Hochwürdigen herrn zu St. Mang in der Statt am hoff bey Regensburg wir Laimbacher jehrlich unser gebührende Zinß und gildt raichen müßen […]“StAAm, Fürstentum Pfalz-Neuburg, Landrichteramt Burglengenfeld 101
Im Häuser- und Rustikalsteuerkataster von 1812 wird der Weinberg der Hofmark bereits als „öde Gründe: Weinberganteil“ aufgeführt. Am Süd- und Südwesthang des Berges zeugen noch heute drei Terrassen mit Resten von Bruchstein-Trockenmauern, verwilderte Rebstöcke (Vitis) sowie wärmeliebende Magerrasenfluren von der historischen Nutzung.
Steingutfabrik (Quelle: Hau, EnglIngrid Hau, Edmund Engl: Die Steingutfabrik Steinsberg. In: Chronik-Team, Markt Regenstauf (Hrsg.): 850 Jahre Steinsberg 1170–2020. Chronik: Geschichten, Sagen, Hintergründe, Daten, Fakten und mehr…, Lochner/Pustet, Steinsberg/Regensburg 2020, S. 411–436. (online))
Im Zuge der Säkularisation und der napoleonischen Umbrüche zu Beginn des 19. Jahrhunderts suchte der Landadel nach neuen wirtschaftlichen Nutzungsmöglichkeiten seiner Güter. Um 1810/1812 gründete der damalige Hofmarksbesitzer Josef von Axthalbe direkt im Hofmarksschloss Steinsberg eine Manufaktur zur Herstellung von feinerem Steingut (Fayence/Geschirr). Die Rohstoffbasis bildeten die im Häuser- und Rustikalsteuerkataster von 1812 explizit aufgeführten örtlichen Sand-, Lehm- und Tegelgruben sowie der zugehörige Ziegelofen.
Um das Unternehmen aufzubauen, kooperierte Axthalbe mit Fachleuten und Investoren aus dem regionalen Adel und Unternehmertum, darunter Graf Joseph Heinrich von der Mühle-Eckart (auf Schloss Leonberg). Trotz der guten lokalen Tonvorkommen gestaltete sich der Betrieb wirtschaftlich herausfordernd: Neben Qualitätsschwankungen bei der Glasur und dem Brennvorgang führten hohe Transportkosten für Zuschlagstoffe sowie die Konkurrenz etablierter Manufakturen (wie in Regensburg/Prüfening, Nymphenburg oder Thüringen) zu Absatzschwierigkeiten.
Die Steinguterzeugung im Steinsberger Schloss blieb daher eine kurzzeitige Episode und wurde nach wenigen Betriebsjahren wieder eingestellt bzw. nach Leonberg verlagert. In Steinsberg konzentrierte sich die Tonverarbeitung in der Folgezeit wieder auf die reine Grobkeramik- und Ziegelherstellung (u. a. Ziegelei Schöndorfer um 1900 sowie Lehmabbau im Ortsteil Oberschlag bis in die 1990er Jahre).