Nikolai Nathan Fürst (* 1779 in Kopenhagen; † 11. Mai 1857 in Wien)siehe Nissen, C.A. (1891) S. 497–498 war ein deutsch-dänischer Autor, Publizist und Dichter der Frühromantik.

Familie Nikolai (auch Nicolai oder zumeist Nicolay) Nathan Fürst (ab 1821 Joseph Anton Friedrich Nikolaus Fürst) war Sohnsiehe Staudacher (2002), S. 136 des in Kopenhagen tätigen jüdischen Kaufmanns Moses Fürst und seiner Ehefrau Rachel, geborene Gugenheim, aus Altona (einer Schwester von Moses Mendelssohns Frau Fromet). Moses Fürst pflegte regen Briefwechsel mit Moses Mendelssohn. So schrieb Mendelssohn aus Berlinsiehe Kayserling, M. (1862), S. 554 im Juni 1784 Briefe an seine guten Brüder in Kopenhagen Herren Moses Fürst und Joseph Gugenheim. Der letztgenannte, Joseph Gugenheim (* 1743 in Altona; † 1805 in Kopenhagen), ein hauptsächlich in Berlin tätiger Kaufmann, war Schwager und Geschäftspartner sowohl des Moses Mendelssohn als auch des Moses Fürst zugleich, und somit ein Onkel von Nikolai Nathan Fürst.

Laufbahn und Konversion Schon früh fiel Nikolai Fürst mit literarischen Aktivitäten sowie als Lehrer der französischen Sprache auf. Im Jahr 1814 zog er nach Wien, wo er als Mitarbeiter einiger Journale und Zeitungen, vor allem als Mitglied der Redaktion der Wiener Zeitung lebte. 1816 veröffentlichte er die Briefe über die dänische Literatur, in denen unter anderem Werke von Ludvig Holberg rezensiert wurdensiehe Bandle, Oskar, Glauser, J. und Würth, S. (2004), S. 537. Er war Mitglied der Ludlamshöhle, trug wegen der Herkunft aus Dänemark den Ludlamsnamen Nils, das Nordenkind und dichtete zur Musik von Adalbert Gyrowetz den Text für das Kalifenlied.

Am 23. Januar 1821 konvertierte er in der Pfarre Roßau zum Katholizismus, wobei er in den Akten als Studiosus aufgeführt wurde und zudem auch die Übersiedlung und der Wohnort seiner Eltern erwähnt wurden: ...waren wohnhaft in Kopenhagen in Dänemark, nun in Wien Innere Stadt No. 1097. Fürsts Paten waren zwei prominente Schriftsteller-Kollegensiehe Staudacher (2002), S. 136, nämlich der Hauptredakteur des Blattes Österreichischer Beobachter und wirkliche k.k. Hofsekretär Joseph Anton von Pilat sowie der k.k. Legationsrat und Philosoph Friedrich von Schlegel (der selber 1808 vom lutherischen zum katholischen Bekenntnis konvertiert war). Wohl ihnen zu Ehren, erfolgte die Namensänderung nach der Konversion dementsprechend zu Joseph Anton Friedrich Nikolaus Fürst.

1824 reiste Fürst nach Paris, um sein Französisch zu perfektionieren und Korrespondenzen für deutsche Magazine zu schreiben. Nach der Julirevolution von 1830 kehrte er nach Wien zurück. Seit 1847 war er auch als Übersetzer für die Wiener Zeitung tätig. Er verfasste zahlreiche Artikel, teils auf Deutsch, teils auf Dänisch. Neben einigen Reisen blieb Fürst bis zu seinem Tod an einer Lungenvereiterungsiehe Staudacher (2002), S. 136 am 11. Mai 1857 in Wien ansässig. Ob der Wiener Schauspieler und Theaterleiter Johann Fürst (1825–1882) möglicherweise sein Sohn war, bleibt vorerst reine Spekulation.

Veröffentlichungen (Auswahl) Poesier (Kopenhagen 1806) Ines de Castro (Kopenhagen 1814) Briefe über die dänische Literatur (Wien, Verlag Carl Gerold, 1816)N. Fürst: Briefe über die dänische Literatur, Vorschau über Google-Bücher (besucht am 27. April 2020) Vermischte Schriften (Wien 1824)N. Fürst: Vermischte Schriften, Vorschau über Google-Bücher (besucht am 27. April 2020) Politische Caricatur-Sonette (München 1832)

Weblinks und Literatur Staudacher, Anna (2002): Jüdische Konvertiten in Wien, 1782–1868 – Teil 2 – Seite 136 Eingeschränkte Vorschau über Google-Bücher (besucht am 27. April 2020) Verlag Peter Lang, 2002. ISBN 9783631394069 Staudacher, Anna (2002): Jüdische Konvertiten in Wien, 1782–1868 – Teil 1 – Seite 234 Eingeschränkte Vorschau über Google-Bücher (besucht am 27. April 2020) Verlag Peter Lang. ISBN 9783631394069 Nissen, C. A. (1891), in: Dansk biografisk Lexikon (Band V. Faaborg – Gersdorff). Hrsg.: Carl Frederik Bricka. Gyldendalske Boghandels Forlag, Kjøbenhavn (1887–1905), Seite 497. Online, besucht am 27. April 2020. Erslew, Thomas Hansen (1843): Almindeligt forfatter-lexicon for Kongeriget Danmark med tilhørende Bilande, fra 1814 til 1840. Band 1 (A–J). Forlagsforeningens Forlag, Kjøbenhavn in Dänisch über Google-Bücher (besucht am 27. April 2020); hier: Werkverzeichnis auf S. 475 Bandle, Oskar, Glauser, J. und Würth, S. (2004): Verschränkung der Kulturen: der Sprach- und Literaturaustausch zwischen Skandinavien und den deutschsprachigen Ländern': zum 65. Geburtstag von Hans-Peter Naumann. Eingeschränkte Vorschau über Google-Bücher (besucht am 27. April 2020) S. 537. Francke Verlag, ISBN 9783772080302 Kayserling, M. (1862): Moses Mendelsohn: sein Leben und seine Werke. Online bei Google-Bücher (besucht am 27. April 2020) Verlag Hermann Mendelsohn (Leipzig), Seite 554

Einzelnachweise

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