Die Graswurzelbewegung The Green Belt Movement (GBM; ) ist eine internationale Nichtregierungsorganisation, die sich vor allem auf Umweltschutz und die Entwicklung von sozialen Gemeinschaften konzentriert. Sie wurde im Jahr 1977 von der Kenianerin Wangari Maathai gegründet.

Die Bewegung führte in den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens Baumpflanzungsaktionen zur Aufforstung durch, um der Entwaldung und somit auch der Bodenerosion in Kenia entgegenzuwirken und um die Verfügbarkeit von Holz, der Hauptenergiequelle zum Kochen, sicherzustellen. Daneben steht die Entwicklung eines umweltbewussten Umgangs mit der Natur im Mittelpunkt der Aktivitäten. Seit 1977 wurden von der GBM über 30 Millionen Bäume gepflanzt und über 30.000 Frauen in Forstwirtschaft, Imkerei, Nahrungsmittelverarbeitung und anderen Möglichkeiten der Einkommenssicherung ausgebildet. Maathai etablierte in der Bewegung auch den Einsatz für die Stärkung der Frauen in der Gesellschaft, Ökotourismus und wirtschaftliche Entwicklung. Für ihre Arbeit in der Grüngürtel-Bewegung wurde sie 2004 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Grundproblematik Die Entwaldung, gegen die die Grüngürtel-Bewegung kämpft, führt zu einer Vielzahl von Problemen. Durch die fehlenden Bäume kommt es zur Bodenerosion, die zu einer Desertifikation (Wüstenbildung) führt. Diese macht den Anbau von Obst und Gemüse sehr aufwändig bis unmöglich. Die großflächige Abholzung der Wälder verursacht außerdem einen Mangel an Feuerholz. Der Zwang, Brennholz zu sparen, führt zu einer Verstärkung der Mangelernährung, da die betroffenen Menschen sehr oft auf das Herdfeuer verzichten und nicht kochen. Dadurch werden Hauptnahrungsmittel wie Maniok, Yams und Süßkartoffeln vom Speiseplan gestrichen, da sie roh nicht verzehrt werden können. Durch die fehlende Wiederaufforstung werden die Frauen in den Dörfern gezwungen, immer weitere, zeitraubende Wege zurückzulegen, um Brennholz für die Familie zu besorgen. Die ersatzlose Abholzung der Wälder übt außerdem großen Druck auf die Tierwelt aus, deren Lebensraum sich immer weiter verkleinert. Die Entwaldung nimmt ebenfalls negativen Einfluss auf die Regenmenge: Die kühle Luft, die aus einem Wald aufsteigt, prallt mit warmen Luftmassen zusammen. Dadurch bilden sich regelmäßige Regenfälle. Die radikale Abholzung führt zu weniger Bäumen, weniger kühler Luft und dadurch zu insgesamt weniger Regen.Ilona Eveleens: Kenias grüne Lunge atmet auf, Artikel in der taz vom 14. November 2009, abgerufen am 6. Mai 2012. Die daraus folgende Trockenheit begünstigt wiederum die Wüstenbildung und führt zu Missernten.

Geschichte Vor der Gründung des Green Belt Movements miniatur|Wangari Maathai, die Initiatorin der Green Belt Movement

In den 1920er Jahren gründete der britische Forstwissenschaftler Richard St. Barbe Baker mit Unterstützung des afrikanischen Chiefs Josiah Njonjo in Zentralkenia die „Men of the Trees“ (, heute „International Tree Foundation“), eine später international tätige Gemeinschaft zur Wiederaufforstung Kenias. Die Bewegung geriet jedoch nach dem Tod Njonjos in Kenia in Vergessenheit. Nach der Gründung des Umweltprogrammes der Vereinten Nationen (UNEP) im Jahr 1972 und der Einrichtung des UNEP-Hauptquartieres in Nairobi engagierten sich einige europäische Nichtregierungsorganisationen (NGO) in Nairobi, um die Umsetzung der getroffenen Vereinbarungen zu überwachen. Zu diesem Zweck wurde das Environment Liaison Centre (heute: Environment Liaison Center International (ELCI)) gegründet, dem Wangari Maathai beitrat, und dessen Vorsitzende sie einige Jahre später wurde. 1974 wurde das Environment Liaison Centre von der UNEP anerkannt und Maathai eröffnete im Karura Forest eine erste, kleine Baumschule. Diese diente vor allem auch dazu, um die im Wahlkampf ihres Mannes, des Parlamentsabgeordneten Mwangi Maathai, versprochenen Arbeitsplätze im Wahlkreis Lang’ata zu schaffen. Kurze Zeit darauf gründete Maathai die Envirocare Ltd., eine Firma, deren Tätigkeitsschwerpunkte die Säuberung und Entrümpelung von Lang'ata und das Pflanzen von Bäumen waren. Dem Unternehmen, das seinen Sitz in Maathais Wohnhaus hatte, war kein großer Erfolg beschieden. 1976 starben während einer Dürre, in der die Stadt Nairobi die Bewässerung von Blumen und Bäumen verboten hatte, alle Setzlinge in der Baumschule ab.

Gründung der Bewegung und erste Aktionen 1977 hielt Maathai einen Vortrag über ihr Anliegen beim Nationalen Frauenrat Kenias (Maendeleo Ya Wanawake). Wenige Monate später wurde Maathai Mitglied der Umweltkommission des Frauenrates und schlug bei einer Sitzung eine Kampagne zur Aufforstung vor. Nach anfänglichem Zögern entschied man sich für das Projekt, das man Save the Land – Harambee () nannte. Ziel war es, die Kenianerinnen dazu zu bringen, aktiv an der Aufforstung und Wiederaufforstung mitzuwirken und so der drohenden Wüstenbildung zu begegnen.

Die erste Pflanzzeremonie fand im Juni 1977, am Weltumwelttag, in Nairobi statt. Die Teilnehmerinnen liefen zunächst vom Kenyatta International Conference Centre zum außerhalb der Stadt gelegenen Kamukunji-Park, und pflanzten dort sieben Bäume. Im September folgte anlässlich der United-Nations-Wüstenkonferenz, unter Mitwirkung von Richard St. Barbe Baker, die nächste Baumpflanzaktion in Naivasha. Die Kampagne erregte großes Medieninteresse und wurde schnell ausgeweitet, so dass der Frauenrat die Nachfrage nach Baumsetzlingen bald nicht mehr befriedigen konnte. Ziel war es, 15 Millionen Bäume zu pflanzen, was der damaligen Bevölkerungszahl Kenias entsprach. Das Motto lautete dementsprechend „Ein Baum pro Person“. Als es für den Frauenrat immer schwieriger wurde, die Baumsetzlinge in der nachgefragten Anzahl selbst zu ziehen, und die Beschaffung über staatliche Baumschulen kompliziert und teuer war, begann man, Frauengruppen zur Gründung eigener Baumschulen zu motivieren. Save the Land - Harambee hielt Seminare mit Forstwissenschaftlern ab, um den interessierten Frauen die Grundlagen der Forstwirtschaft nahezubringen. Bald wurde jedoch auf die Mitwirkung der Fachleute verzichtet und Methoden des Gemüse- und Getreideanbaus auf die Baumzucht übertragen. Die interessierten Frauen zeigten viel Initiative und Ideenreichtum. Die Bewegung, die inzwischen als Green Belt Movement bezeichnet wurde, wuchs schnell. Mittlerweile zeigten auch viele ländliche Gemeindeverwaltungen großes Interesse an den Baumpflanzungsaktionen. Es wurden örtliche Baumpflanzstrategien entwickelt und auf öffentlichem Grund grüne Gürtel von mehr als 1000 Bäumen angelegt. Zum Erfolg bei den Gemeindeverwaltungen trug bei, dass die Setzlinge weiterhin kostenlos ausgegeben wurden und die leeren Kassen der Gemeindeverwaltungen nicht belasteten.

Erfolg und Ausweitung mini|Der kenianische Botschafter in Deutschland, Ken Osinde, pflanzt im Oktober 2011 zu Ehren Wangari Maathais einen Baum im Garten der Geschäftsstelle der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin. 1990 hatte das Green Belt Movement bereits mehr als 39.000 Mitglieder und mehr als sieben Millionen Bäume gepflanzt. Im Jahr 2002 war die Mitgliederzahl auf mehr als eine Million gewachsen, acht Jahre später vermeldete der Jahresbericht der GBM, in Kenia seien seit 1977 knapp 47 Millionen Bäume gepflanzt worden.

1986 wurde Pan African Green Belt Movement gegründet. Mittlerweile ist die Grüngürtel-Bewegung in 13 afrikanischen Ländern aktiv, so unter anderem in Tansania, Uganda, Malawi, Lesotho, Äthiopien und Simbabwe, und hat mehr als 30 Millionen Bäume gepflanzt.

Seit dem Jahr 2004 arbeitet die Grüngürtel-Bewegung auch mit den kenianischen Streitkräften zusammen, ebenso engagiert sie sich in Gefängnissen. Die kenianischen Streitkräfte beteiligen sich an Baumpflanzaktionen, in den Gefängnissen werden gemeinsam mit den Häftlingen unter anderem die Innenhöfe begrünt. Im Jahr 2006 übernahm Maathai gemeinsam mit Albert von Monaco die Schirmherrschaft über die One Billion Trees Campaign der UNEP. Die Kampagne gilt als großer Erfolg, bis Ende 2009 wurden über 7,4 Milliarden Bäume in 170 Ländern gepflanzt, im April 2012 vermeldete die UNEP 12,5 Milliarden Pflanzungen weltweit.

Im Jahresbericht 2011 meldete die Grüngürtelbewegung 4034 lokale Baumschulen und 3,9 Millionen gepflanzte Bäume bei insgesamt mehr als 51 Millionen Pflanzungen seit der Gründung der Bewegung. , greenbeltmovement.org (PDF), abgerufen am 16. November 2012.

Die Grüngürtel-Bewegung ist seit Ende 2015 Partner bei der African Forest Landscape Restoration Initiative, die anstrebt bis 2030 eine Fläche von 100 Mio. Hektar in Afrika aufzuforsten.RELEASE: African Countries Launch AFR100 to Restore 100 Million Hectares of Land, AFR100.org, 5. Dezember 2015

Ziele Aufbau nachhaltiger Brennholzressourcen und Vermeidung von Mangelernährung Die Green Belt Movement setzt sich für die Anpflanzung verschiedener Baumsorten in unmittelbarer Umgebung der Wohnorte ein und fördert den Anbau von Obstbäumen, um eine energiesparende und gleichzeitig vitaminreiche Ernährung der Familien zu gewährleisten. Neben dem Feuerholz liefern Bäume auch düngendes Laub, Honig und Rohstoffe für den Hausbau, für Zäune und Gebrauchswaren. Weiterhin werden Kurse über ökologische und nachhaltige Landwirtschaft, Fruchtfolge und landwirtschaftliche Techniken gehalten und diese in Versuchsgärten demonstriert. Die Kleinbäuerinnen sollen sich so das nötige Wissen aneignen, um den Lebensmittelbedarf ihres Haushaltes selbst herzustellen und damit Ernährungssicherheit für ihre Familie zu erreichen.

Verbesserung des Haushaltseinkommens und Förderung der Selbstbestimmung Um das Einkommen der Frauen zu verbessern, die in Baumschulen mitgearbeitet und landwirtschaftliche Fortbildungen für andere Frauen gegeben haben, kaufte GBM alle noch nicht ausgepflanzten Setzlinge, die älter als drei Monate waren, von den Frauengruppen auf. Damit verdienten sich die Frauen ein Zubrot und profitierten gleichzeitig von den wieder wachsenden Brennholzressourcen. Die Bewegung vergibt Führungsaufgaben an Mitglieder der Baumschulen und überträgt die Verantwortung für die Dokumentation, die Buchführung, die Organisation von Versammlungen und die Leitung der Baumschulen an Frauen vor Ort. Die so erlernten Fähigkeiten können die Frauen später in anderen Bereichen einsetzen und zum Beispiel Verwaltungs- oder Führungsaufgaben in ihrer Gemeinde übernehmen.

Förderung des Umweltbewusstseins und Bekämpfung der Bodenerosion Um die nächste Generation Kenianer für die Themen des Green Belt Movements zu sensibilisieren, gründet die Bewegung Baumschulen an öffentlichen Schulen und unterrichtet die Schüler in Umweltschutzthemen. Die Schüler werden zur Beteiligung an den Baumpflanzungsaktionen motiviert. Ergänzend dazu werden Seminare und Konferenzen für alle Interessierten durchgeführt, in denen die Zusammenhänge zwischen Abholzung und Hunger, Mangelernährung, Armut, Bodenerosion, dem Absinken des Grundwasserspiegels und dem damit verbundenen Mangel an Trinkwasser erklärt werden. Die Bekämpfung der Bodenerosion ist Thema weiterer Seminare, in denen das Green Belt Movement kostengünstige Maßnahmen erklärt, um die Abtragung von Böden durch Wind oder Wasser zu vermeiden. Die GBM leitet dabei zum Beispiel zur Auswahl der richtigen Baumsorten an und erklärt die Schaffung von Windschutzstreifen und Terrassen und die Errichtung von Drainagen.

Politische Bildung