Die Technisch-Literarische Gesellschaft (TELI) ist eine 1929 in Berlin gegründete deutsche Vereinigung von Wissenschafts- und Technikjournalisten sowie Wissenschaftskommunikatoren. Die Journalistenvereinigung für technisch-wissenschaftliche Publizistik zählt zu den ältesten Fachorganisationen des Wissenschaftsjournalismus im deutschsprachigen Raum. Ziel des Vereins ist die Förderung einer unabhängigen Berichterstattung über Wissenschaft und Technik sowie des Dialogs zwischen Wissenschaft, Medien und Öffentlichkeit.
Geschichte
Gründung und Entwicklung bis 1933 Die Technisch-Literarische Gesellschaft wurde am 11. Januar 1929 in Berlin gegründet. An der Gründungsversammlung nahmen 32 Technikjournalisten und Pressefachleute teil. Sie vertraten Tageszeitungen, Fachzeitschriften sowie die Presseabteilungen großer Industrieunternehmen wie Siemens, AEG, Telefunken und der Deutschen Reichsbahn.Hans Christian Förster: ‘‘Am Anfang war die TELI. Journalismus für Wissenschaft und Technik 1929–1945.’’ Berlin 2007.
Zum ersten Vorsitzenden wurde Siegfried Hartmann, technischer Redakteur der Deutsche Allgemeine Zeitung, gewählt. Dem ersten Vorstand gehörten außerdem Hans Baumann, Hans Dominik, Heinrich Kluth, Hans August Steudel und Willy Möbus an.
Die Gründung fiel in eine Phase tiefgreifender wissenschaftlicher, technischer und industrieller Veränderungen während der Weimarer Republik. Berlin entwickelte sich in dieser Zeit zu einem bedeutenden Zentrum von Forschung, Industrie und Presse. Einrichtungen der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft sowie die Technische Universität Berlin und Unternehmen der Elektro- und Nachrichtenindustrie prägten das wissenschaftlich-technische Umfeld. Gleichzeitig gewann die Berichterstattung über technische Entwicklungen in Tageszeitungen und Fachzeitschriften zunehmend an Bedeutung.
Die Gründer der TELI verfolgten das Ziel, die journalistische Berichterstattung über Wissenschaft und Technik zu professionalisieren und ihre öffentliche Vermittlung zu verbessern. Wissenschaftliche und technische Entwicklungen sollten nicht ausschließlich Gegenstand von Unternehmensmitteilungen oder Fachpublikationen sein, sondern als eigenständige journalistische Themen Eingang in die allgemeine Presse finden. Die Gesellschaft verstand sich als Forum für Journalisten, Ingenieure und Pressevertreter, die an einer allgemeinverständlichen Darstellung wissenschaftlicher Entwicklungen interessiert waren.
Zu den bekanntesten Gründungsmitgliedern gehörte der Schriftsteller und Technikpublizist Hans Dominik, der mit seinen populärwissenschaftlichen Veröffentlichungen und Zukunftsromanen zu den prägenden Autoren technisch-wissenschaftlicher Literatur der Zwischenkriegszeit zählte.
Neugründung und Wiederaufbau 1952 wurde die Technisch-Literarische Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland neu gegründet. Sie knüpfte an die Ziele der Vorkriegsorganisation an und verstand sich erneut als Forum für Wissenschafts- und Technikjournalisten sowie für die Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse in der Öffentlichkeit.
Während der Jahrzehnte des wirtschaftlichen Wiederaufbaus gewann die Berichterstattung über Forschung und Technik zunehmend an Bedeutung. Die Entwicklung der Chemie-, Elektro-, Maschinenbau- und später der Computerindustrie schuf neue Themenfelder für den Wissenschaftsjournalismus. Die TELI begleitete diese Entwicklung durch Vortragsveranstaltungen, Betriebsbesichtigungen, Tagungen und Publikationen.
Enge Beziehungen bestanden insbesondere zur Technischen Universität Berlin sowie zu wissenschaftlichen Einrichtungen und Forschungsinstitutionen. Darüber hinaus entstanden Regionalgruppen in mehreren deutschen Städten, die den fachlichen Austausch förderten und Vortragsveranstaltungen organisierten.
Die Mitglieder der Gesellschaft stammten überwiegend aus dem Technik- und Wissenschaftsjournalismus, aus Fachredaktionen sowie aus der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit wissenschaftlicher Einrichtungen. Damit blieb die TELI ihrem Gründungsprinzip treu, Journalismus und wissenschaftliche Kommunikation in einer Organisation zusammenzuführen.
Europäische Zusammenarbeit Mit der zunehmenden europäischen Zusammenarbeit im Wissenschaftsjournalismus weitete die TELI ihre internationalen Aktivitäten aus. Sie gehörte 1971 zu den Gründungsmitgliedern der European Union of Science Journalists’ Associations (EUSJA). Ziel der neuen Dachorganisation war es, den fachlichen Austausch wissenschaftsjournalistischer Vereinigungen in Europa zu fördern und gemeinsame Fortbildungsprogramme sowie internationale Begegnungen zu organisieren.
Die TELI beteiligte sich seitdem regelmäßig an den Aktivitäten der EUSJA. Mitglieder der Gesellschaft übernahmen wiederholt Funktionen innerhalb der europäischen Organisation bis hin zum Vorsitz respektive zur Präsidentschaft.
Darüber hinaus gehört die TELI der World Federation of Science Journalists (WFSJ) an, dem internationalen Dachverband wissenschaftsjournalistischer Vereinigungen.
Wissenschaftsjournalismus seit den 1970er Jahren Seit den 1970er Jahren differenzierte sich der Wissenschaftsjournalismus in der Bundesrepublik Deutschland zunehmend aus. Tageszeitungen richteten Wissenschaftsressorts ein, neue populärwissenschaftliche Zeitschriften entstanden, und Rundfunk sowie Fernsehen bauten ihre Wissenschaftsprogramme aus.
Die TELI begleitete diese Entwicklung durch Fachveranstaltungen und Veröffentlichungen. Anlässlich ihres fünfzigjährigen Bestehens erschien 1979 der Sammelband Forschung – kritisch gesehen. Die TELI erschließt Wissenschaft und Technik von heute und morgen, herausgegeben von Ernst von Khuon und Hermann Laupsien. Das Werk dokumentiert das damalige Selbstverständnis der Gesellschaft und behandelt Fragen der Technikberichterstattung, Wissenschaftskommunikation und journalistischen Verantwortung.
Mit der zunehmenden Professionalisierung des Wissenschaftsjournalismus entstanden weitere Fachorganisationen, darunter 1986 die Wissenschafts-Pressekonferenz (WPK). Während diese sich vor allem als Vertretung unabhängiger Wissenschaftsjournalisten etablierte, hielt die TELI an ihrem interdisziplinären Ansatz fest und vereinte weiterhin Journalisten, Fachautoren, Wissenschaftler und Kommunikatoren.
Deutsche Wiedervereinigung und Neuorientierung Nach der deutschen Wiedervereinigung öffnete sich die Gesellschaft verstärkt Wissenschaftsjournalisten aus den neuen Bundesländern. Mitglieder ehemaliger journalistischer Fachverbände der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) wurden in die Vereinsarbeit einbezogen und übernahmen Funktionen.
Zum 70-jährigen Bestehen veranstaltete die TELI 1999 in Berlin einen internationalen Kongress unter dem Titel ‘‘Kompass für die Zukunft? Journalismus im Spannungsfeld der Wissens- und Mediengesellschaft’’. An der Veranstaltung nahmen Vertreter wissenschaftsjournalistischer Organisationen aus Deutschland und anderen europäischen Ländern teil.
Seit den 1990er Jahren wandelte sich das Selbstverständnis der Gesellschaft. Während in den ersten Jahrzehnten vor allem technische Berichterstattung im Mittelpunkt gestanden hatte, rückten nun Themen der Wissenschaftskommunikation, der öffentlichen Beteiligung an wissenschaftlichen Debatten sowie der gesellschaftlichen Verantwortung von Wissenschaft und Medien stärker in den Vordergrund.
Mit der Digitalisierung des Mediensystems erweiterten sich auch die Arbeitsfelder der Mitglieder. Neben klassischen Wissenschaftsjournalisten engagieren sich heute verstärkt Wissenschaftskommunikatoren, Autoren, Moderatoren sowie Fachleute aus Hochschulen, Forschungseinrichtungen und wissenschaftsnahen Institutionen innerhalb der Gesellschaft.
Ziele Zweck der Gesellschaft ist es, zur Entwicklung und Verbreitung der unabhängigen technisch-wissenschaftlichen Publizistik in der Öffentlichkeit und damit zur Förderung von Wissenschaft, Forschung und Bildung beizutragen. Der TELI gehören Journalisten an, die hauptberuflich für Medien aller Art als Redakteure bzw. generell als Urheber tätig sind.
Nach ihrer Satzung verfolgt die Technisch-Literarische Gesellschaft das Ziel, die unabhängige technisch-wissenschaftliche Publizistik sowie deren Verbreitung in der Öffentlichkeit zu fördern. Sie versteht Wissenschaftsjournalismus als Beitrag zur demokratischen Meinungsbildung und zur öffentlichen Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen, technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen.
Im Mittelpunkt der Vereinsarbeit stehen die Förderung einer allgemeinverständlichen Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse, der fachliche Austausch zwischen Journalismus, Wissenschaft und Kommunikatorinnen und Kommunikatoren sowie die Diskussion über die Rolle von Wissenschaft und Medien in einer demokratischen Gesellschaft.
Anders als Berufsverbände oder Gewerkschaften vertritt die TELI keine tarifpolitischen Interessen. Sie versteht sich als unabhängiges Forum des Wissenschaftsjournalismus und der Wissenschaftskommunikation.
Aktivitäten Die Gesellschaft organisiert Fachtagungen, Vortragsveranstaltungen, Exkursionen sowie öffentliche Diskussionsforen zu aktuellen Themen aus Wissenschaft, Technik, Medizin und Gesellschaft.
Zu den regelmäßigen Veranstaltungsformaten gehören regionale Jours fixes, bei denen Vertreter aus Wissenschaft, Medien, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft miteinander ins Gespräch kommen. Ergänzt werden diese durch Podiumsdiskussionen, Vorträge und Besuche wissenschaftlicher Einrichtungen, Forschungsinstitute und Industrieunternehmen.
Seit den 2010er Jahren entwickelte die TELI das Veranstaltungsformat "Wissenschaftsdebatte", das den Dialog zwischen Wissenschaft, Journalismus und Öffentlichkeit fördern soll. Im Mittelpunkt stehen aktuelle Themen wie Digitalisierung, Energiewende, Künstliche Intelligenz, Klimawandel, Gesundheitskommunikation sowie Fragen der Wissenschaftsethik.
Die Gesellschaft veröffentlicht auf ihrer Internetplattform Berichte über Veranstaltungen, Rezensionen wissenschaftlicher Publikationen sowie Beiträge zur Geschichte des Wissenschaftsjournalismus und zur Wissenschaftskommunikation.
Organisation Die Technisch-Literarische Gesellschaft ist ein gemeinnütziger eingetragener Verein mit Sitz in Berlin. Sie wird von einem ehrenamtlichen Vorstand geleitet, der von der Mitgliederversammlung gewählt wird.
Die Vereinsarbeit erfolgt sowohl auf Bundesebene als auch in Regionalgruppen, die eigenständig Vorträge, Exkursionen und Diskussionsveranstaltungen organisieren. Zu den langjährig aktiven Regionalgruppen gehört insbesondere der Regionalkreis Süd mit Sitz in München.
Mitglieder Mitglieder der TELI sind haupt- und nebenberufliche Wissenschafts- und Technikjournalistinnen, Fachautoren, Wissenschaftskommunikatoren sowie Presse- und Öffentlichkeitsreferenten wissenschaftlicher Einrichtungen, Hochschulen und Forschungsorganisationen.
Zu den bekannten Mitgliedern gehörten oder gehören unter anderem
Hans Dominik Ernst von Khuon Günter Siefarth Reiner Korbmann Jean Pütz Dietmar Schmidt Arno Kral Tilman Steiner
Darüber hinaus engagierten sich zahlreiche Wissenschaftler, Ingenieure, Autoren und Pressesprecher wissenschaftlicher Institutionen in der Gesellschaft.
Mit Ruth Hahn von Dorsche, einer Mitarbeiterin der Pressestelle der Technischen Universität Berlin, wurde 1959 die erste Frau in die Technisch-Literarische Gesellschaft aufgenommen.
Auszeichnungen Über mehrere Jahrzehnte verlieh die TELI die Siegfried-Hartmann-Medaille, benannt nach ihrem ersten Vorsitzenden Siegfried Hartmann. Mit ihr wurden Persönlichkeiten ausgezeichnet, die sich um den Wissenschafts- und Technikjournalismus oder die öffentliche Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse verdient gemacht hatten.
Die TELI vergab die Siegfried Hartmann-Medaille z. B. 1969 an Ernst von Khuon.
Publikationen