Die Schlacht bei Olustee oder Schlacht am Ocean Pond fand während des Sezessionskrieges am 20. Februar 1864 bei Olustee in Ostflorida statt. Nachdem eine Expeditionsstreitmacht des US-Heeres unter General Truman Seymour Teile Ostfloridas besetzt hatte, marschierte sie weiter ins Landesinnere, um eine strategisch wichtige Eisenbahnbrücke zu zerstören. In der Nähe von Olustee traf sie auf General Joseph Finegans und General Alfred H. Colquitts konföderierte Truppen.
Die Schlacht begann als Begegnungsgefecht, bei dem beide Seiten nur Teile ihrer Truppen zur Verfügung hatten. Seymour und Finegan verstärkten ihre Positionen, wobei es den Konföderierten schneller gelang, ihre Verbände in Stellung zu bringen. Sie konnten dadurch die Linie der Nordstaatler mehrmals überflügeln und unter konzentrisches Feuer nehmen. Ein erster konföderierter Angriff zerschlug den linken Flügel der Unionsarmee und führte zur Erbeutung von fünf Geschützen, jedoch konnte Seymour dank rechtzeitig eintreffender Verstärkungstruppen und konföderierten Munitionsmangels eine zweite Stellung bilden. Auch diese wurde jedoch überflügelt und von den Konföderierten überrannt, sodass sich die Nordstaatler wieder nach Jacksonville zurückziehen mussten. Hierbei wurden sie allerdings von den Konföderierten nicht verfolgt. Der Sieg der Konföderierten sicherte ihnen den Besitz des Inneren Floridas bis zum Kriegsende. Nach der Schlacht wurden mehrere verwundete schwarze Soldaten der Unionsarmee von den Konföderierten ermordet.
Vorgeschichte Florida in den ersten Kriegsjahren Florida hatte 1861 als einer der ersten Staaten die Sezession von den Vereinigten Staaten erklärt und sich den Konföderierten Staaten angeschlossen. Im darauf folgenden Sezessionskrieg blieb der Staat jedoch ein Nebenschauplatz. Er war dünn besiedelt, hatte kaum nennenswerte Industrie und keinen großen strategischen Wert. Die lange Küstenlinie Floridas mit ihren vielen Flussmündungen und Buchten war aus konföderierter Sicht Fluch und Segen zugleich. Einerseits machte sie es der US-Marine schwerer, ihre Blockade der Konföderation aufrechtzuerhalten. Andererseits war sie gegenüber der Übermacht der nordstaatlichen Marine kaum zu verteidigen. Als General Robert Edward Lee im Herbst 1861 den Befehl über den konföderierten Wehrbereich South Carolina, Georgia und Florida (Department of South Carolina, Georgia, and Florida) übernahm, gab er die starre Verteidigung entlang der Küste deswegen auf und konzentrierte die Truppen im Hinterland, um sie bei Bedarf schneller zusammenziehen und verlegen zu können. Nulty, Confederate Florida, S. VII, S. 20, S. 24, S. 33 Die Verteidigung Floridas wurde weiter geschwächt, als im Februar 1862 die konföderierte Position in Mitteltennessee und Kentucky infolge der Niederlagen bei Mill Springs, Fort Henry und Fort Donelson zusammenbrach. Als Reaktion darauf zog die Regierung fast alle Truppen aus Florida ab, um die Armee von Albert Sidney Johnston in Nordmississippi zu verstärken.Steven E. Woodworth, Jefferson Davis and his Generals, S. 70, 85 und 90
Für die Union ihrerseits war Florida vor allem im Hinblick auf die Aufrechterhaltung der Seeblockade relevant. Im März 1862 besetzten nordstaatliche Truppen deswegen zunächst die Küstenstädte Fernandina, Jacksonville und St. Augustine im Nordosten des Landes. Die beiden Golfhäfen Apalachicola und Pensacola folgten im April und Mai. Da die konföderierten Verteidiger abgezogen worden waren, verliefen diese Eroberungen in der Regel unblutig und kampflos.Shelby Foote, Fort Sumter to Perryville, S. 352f. mini|Generalmajor Quincy A. Gillmore schlug Ende 1863 eine Expedition nach Ostflorida vor. Nicht alle diese Städte wurden jedoch permanent gehalten. Die Strategie der Unionsmarine in Florida setzte darauf, einzelne Häfen als Basen zu besetzen und von ihnen aus an der restlichen Küste zu patrouillieren und von dort gelegentlich ins Hinterland zu wirken. Der Krieg entlang der Küste von Florida 1862 und 1863 war deswegen geprägt von kleinen Landeunternehmungen und Raids, bei denen Unionstruppen Blockadebrecher oder Salzwerke zerstörten oder Städte kurzzeitig wieder besetzten. Jacksonville zum Beispiel wurde im April 1862 geräumt, aber im Herbst 1862 und Frühjahr 1863 wieder für kurze Zeit besetzt. Nulty, Confederate Florida, S. 42f. Ende 1863 hatte das US-Heer in Florida nur fünf permanente Garnisonen: Fernandina und St. Augustine an der Atlantikküste unterstanden Generalmajor Gillmores Wehrbereich Süd (Department of the South) und beherbergten insgesamt rund 2.300 Unionssoldaten. Eine ähnliche Anzahl war in Key West, Pensacola und Charlotte Harbor stationiert und gehörte zu Generalmajor Banks’ Wehrbereich Golf (Department of the Gulf).Siehe die Stärkeberichte des Wehrbereichs Süd vom 31. Dezember 1863, Official Records, Serie 1, Band 28, Teil 2, S. 136 und des Wehrbereichts Golf vom gleichen Datum, Official Records, Serie 1, Band 26, Teil 1, S. 892 und S. 895f. Ihnen gegenüber standen rund 2.400 Konföderierte in General Gardners Wehrbezirk Mittelflorida und 1.300 in General Finegans Wehrbezirk Ostflorida. Beide Distrikte gehörten zum Wehrbereich South Carolina, Georgia und Florida, der General Beauregard unterstand. Stärkebericht des Wehrbereichs South Carolina, Georgia und Florida zum 31. Dezember 1863, Official Records, Serie 1, Band 28, Teil 2, S. 601
Planung der Expedition Ende 1863 gab es auf Seite der Union wieder verstärktes Interesse an Florida. Zum einen war der Staat kriegswirtschaftlich wichtiger geworden. Die Konföderierten Staaten hatten 1862 und 1863 große Teile ihres Territoriums verloren, darunter viele landwirtschaftlich wichtige Gebiete. Der Fall Vicksburgs und Port Hudsons im Juli 1863 verstärkte dies weiter, denn dadurch erlangten die Nordstaaten die Kontrolle über den gesamten Mississippi und schnitten die östlichen Südstaaten von Texas ab. Florida wurde zu einem der bedeutendsten Nahrungsmittelproduzenten, die dem Süden noch verblieben waren. Von besonderer Bedeutung war Florida für die Versorgung der Armeen mit Rindfleisch. Ende 1863 wetteiferten die Versorgungsoffiziere verschiedener südstaatlicher Armeen miteinander darum, in Florida Fleisch für ihre Armeen zu beschaffen. Dem Norden blieb diese Entwicklung nicht verborgen: Im Dezember 1863 zum Beispiel meldete der Unionskommandeur in Key West seinem Vorgesetzten, dass laut Berichten jede Woche 2.000 Rinder aus Florida zu den konföderierten Armeen transportiert würden. Nulty, Confederate Florida, S. 61–67 Eine Offensive in Florida bot die Möglichkeit, diesen Versorgungsfluss zu unterbinden, entweder indem man die landwirtschaftlich wichtigen Gebiete direkt unter eigene Kontrolle brachte, oder indem man zumindest das Eisenbahnnetzwerk des Staates zerstörte.Broadwater, The Battle of Olustee, 1864, S. 10
mini|Kompanie E des 4. US Colored Infanterie-Regiment. Ein Motiv für die Florida-Expedition war es, schwarze Rekruten für die Unionsarmee zu gewinnen. Ein weiterer Grund für das verstärkte Interesse der Nordstaaten an Florida war die Rekrutierung schwarzer Freiwilliger. Seit Juli 1862 konnten Schwarze im US-Heer dienen, und viele Sklaven, die ihren Besitzern entkommen waren, nahmen diese Gelegenheit wahr. General Gillmores Wehrbereich Süd hatte hierbei eine Vorreiterrolle gespielt, und man hatte ihn ermächtigt, in seinem Wehrbereich so viele schwarze Regimenter aufzustellen, wie er Rekruten finden konnte.Nulty, Confederate Florida, S. 54–57 Das von den Konföderierten kaum verteidigte Florida mit seiner bedeutenden Anzahl an Sklaven schien ein geeigneter Ort, um solche Rekruten zu finden.Broadwater, The Battle of Olustee, 1864, S. 10ff.
Darüber hinaus bot eine Offensive in Florida auch politische Aussichten. US-Präsident Abraham Lincoln hatte am 8. Dezember eine Proklamation erlassen, die eine Amnestie in Aussicht stellte. Laut dieser würden die Vereinigten Staaten die Regierung eines abtrünnigen Staates als legitim anerkennen, wenn mindestens 10 % der 1860 wahlberechtigten Bevölkerung einen Treueeid schwören und eine neue Regierung wählen würden.Nulty, Confederate Florida, S. 71 In Arkansas und Louisiana gab es bereits entsprechende Bestrebungen, und auch in Florida schien es Potential dafür zu geben. Solcherart wieder in die Union aufgenommene Staaten versprachen, Lincolns Chancen bei der anstehenden Präsidentschaftswahl zu erhöhen, sowohl beim Kampf um die Nominierung der Republikanischen Partei als auch bei der eigentlichen Wahl.Broadwater, The Battle of Olustee, 1864, S. 12ff., S. 15
General Gillmore schrieb im Dezember 1863 an General Halleck in Washington und präsentierte die militärischen Argumente für eine Offensive in Florida. Lincoln erweiterte die Zielsetzung der Expedition jedoch, indem er seinen Privatsekretär John Hay nach Florida schickte, um dort die für die Wiederherstellung einer loyalen Regierung benötigten Treueeide zu sammeln. Gillmore bat er dabei um seine Unterstützung, soweit es die militärischen Gegebenheiten zuließen.Nulty, Confederate Florida, S. 72f. Lincoln kommunizierte dabei direkt mit Gillmore und überging sowohl Kriegsminister Stanton als auch Generalmajor Halleck, den Oberbefehlshaber des US-Heeres.Broadwater, The Battle of Olustee, 1864, S. 19 Gillmore griff dies auf und präsentierte Kriegsminister Stanton und Generalmajor Halleck seinen Plan, am Westufer des St. Johns River zu landen und von dort Florida bis zum Suwannee zu besetzen. Zur Durchführung dieser Expedition bildete er eine gemischte Division unter dem Befehl von Brigadegeneral Truman Seymour, die am 6. Februar in Hilton Head Island auf ihre Transportschiffe eingeschifft wurde. Foote, Fredericksburg to Meridian, S. 900
Landung und erste Vorstöße ins Landesinnere mini|Karte von Nordostflorida zur Zeit des Sezessionskrieges. Olustee und der Ocean Pond sind in der linken unteren Kartenecke entlang der Eisenbahnlinie östlich von Lake City zu sehen. Am Morgen des 7. Februar erreichte die Unionsflotte die Küste Floridas und fuhr den St. Johns River hinauf nach Jacksonville. Die Stadt war nach drei Kriegsjahren stark geschrumpft: Statt der 3.000 Menschen, die der Zensus 1860 gezählt hatte, wohnten nur noch 25 Familien in der Stadt, vor allem Frauen und Kinder. Die Konföderierten wurden durch die Landung der Nordstaatler überrascht. Zwar war ihren Spähern die Aktivität der US-Flotte nicht entgangen, aber das Ziel konnten sie nicht herausfinden. Aus diesem Grund gab es bei der Landung in Florida außer ein paar Heckenschützen kaum Gegenwehr und die Nordstaatler machten auch nur elf Gefangene.Nulty, The Road to Olustee, S. 79–82
Die Landung der Unionstruppen in Florida wurde dem konföderierten Wehrbereichskommandeur Beauregard in Charleston noch am gleichen Tag gemeldet, aber Beauregard sah sich einer schwierigen Situation gegenüber, denn etwa zeitgleich mit der Landung brach auch an der Front vor Charleston Aktivität aus: Unionsgeneral Alexander Schimmelfennig landete mit einer Division auf John’s Island, südwestlich der Stadt. Beauregard nahm richtigerweise an, dass es sich hierbei um ein Ablenkungsmanöver handelte, konnte sich aber nicht sicher sein. Er sandte zwar vereinzelte Truppenteile nach Florida und ordnete an, die dortigen Truppen zusammenzuziehen, behielt aber Colquitts Brigade vorerst in Reserve, um sie notfalls gegen Schimmelfennig werfen zu können. Dank diesem Ablenkungsmanöver blieb Seymours Kolonne in Florida deswegen zahlenmäßig stark überlegen. Nulty, Confederate Florida, S. 82–85 Während Seymours Expeditionsstreitmacht rund 7.000 Mann umfasste, hatten die Konföderierten bis zum 10. Februar gerade einmal 700 Mann zusammengezogen. Beauregards Befehl an General Finegan, den konföderierten Befehlshaber in Ostflorida, war es deswegen, nur hinhaltenden Widerstand zu leisten und eine offene Schlacht zu vermeiden. Broadwater, The Battle of Olustee, S. 32f.