mini|Joß-Fritz-Brunnen in Untergrombach Joß Fritz (auch: Joss Fritz; * um 1470 in Untergrombach; † um 1525) war ein deutscher Bauernführer und Sozialrebell in Oberschwaben und Initiator der Bundschuh-Bewegungen in Untergrombach, Lehen und am Oberrhein.

Leben und Wirken Joß Fritz wurde um 1470 in Untergrombach bei Bruchsal als Sohn der Leibeigenen Michel und Magdalena Fritz geboren und auf den Namen Jodocus getauft. Er lernte als LandsknechtJoß Fritz lernte die Welt nicht als Landsknecht kennen. So heißt es bei Rosenkranz im Band 1 auf Seite 180 f.: „Gerne wüßten wir, ob er in seinen jungen Jahren selber im Kriegshandwerk gedient hat.“ Jansen behauptet es. (Siehe dazu auch die andere Darstellung in Ganghofers Roman.) die Welt kennen und einiges spricht dafür, dass er über die Fähigkeit des Lesens und Schreibens verfügte, darüber ist allerdings weder eine handschriftliche Notiz noch ein konkreter Hinweis auf den Bildungsstand des Bundschuhführers erhalten bzw. vorhanden. Nach seiner Rückkehr wollte er sich mit der Unterdrückung und Ausbeutung der armen Landbevölkerung (vor allem der Bauern) nicht mehr abfinden.

In den Jahren 1501 und 1502 war Joß Fritz einer der Initiatoren der Bundschuh-Bewegung in Untergrombach. Das Dorf gehörte zum Bistum Speyer, dessen Bischof Ludwig von Helmstatt kostspielige Bauten durch Erhöhung der Abgaben und Einschränkung der Forst-, Weide- und Fischereirechte seiner Untertanen finanzierte. Die Artikel der Bundschuh-Bewegung verlangten die Abschaffung des Zehnten und anderer Zölle, die Beseitigung adeliger Vorrechte bei der Nutznießung der Wälder und Fischgründe sowie die Einziehung eines Großteils der Klöster. Die Bewegung umfasste bald mindestens 7400 Personen im Gebiet zwischen Main und Neckar.Wilhelm Zimmermann: Der große deutsche Bauernkrieg. 1989, S. 43. Der Heimatverein Untergrombach berichtet in seinem Beitrag zur Heimatgeschichte von über „10 000 Personen, darunter ca 400 Frauen“. Die Losung der Verschwörer war: „Gott grüß dich Gesell! Was ist dir für ein Wesen?“ (Antwort) „Wir mögen von den Pfaffen (und Adel) nit genesen!“Um 1513 war die Losungsantwort: „Der arme Mann in der Welt mag nit mehr genesen!“In Ludwig Ganghofers Roman Neue Wesen wird daraus: „Wir müssen von Herren und Pfaffen genesen.“ Geplant waren zunächst die Besetzung Untergrombachs und anschließend ein Zug in die Markgrafschaft Baden. Die Bewegung wurde jedoch von einem ehemaligen badischen Söldner (Lux Rapp) bei seiner Beichte verraten und von einem Pfarrer, unter Missachtung des Beichtgeheimnisses, an die Obrigkeit gemeldet. Nach einer Sitzung in Schlettstadt und einem Befehl Kaiser Maximilians I. begann die Verfolgung der Bewegung. Die meisten der bäuerlichen Anführer, darunter Joß Fritz, konnten entkommen. mini|hochkant|Joß Fritz. Holzschnitt von Albrecht Dürer Joß Fritz verbrachte die folgenden Jahre mit Umherziehen im oberschwäbischen Raum. Er hielt sich im Gebiet des Bodensees in den Ortschaften Lenzkirch und Stockach auf. Um 1510 heiratete er in Nenzingen bei Stockach die Bauerstochter Else Schmid.In Ganghofers Roman wird um 1512 „Elsle“ von den Häschern gehängt und seine drei Buben, die in acht Jahren herangewachsen waren, werden verbrannt. Dieses wäre schlüssig mit seinem Wegzug nach Lehen, jedoch wäre der älteste Bub schon sechs Jahre vor der Heirat, 1504, geboren worden. Später wohnte er zeitweilig in Villingen und Horb. Während dieser Zeit kontaktierte er ehemalige Anhänger des Untergrombacher Bundschuhs und fand auch neue Gesinnungsgenossen. Um 1512 zog er nach Lehen, wo er als Bannwart unter dem Gerichtsherrn Balthasar von Blumeneck tätig war. Bald darauf begann er politisch zu agieren, wobei er zunächst den moralischen Verfall der Zeit beklagte; später ging er mehr und mehr auf die politische Situation und die Unterdrückung der unteren Bevölkerungsschichten durch Fürsten und Geistlichkeit ein. Auf einer abgelegenen Wiese, die als Hartmatte bezeichnet wurde, hielt er Versammlungen ab, in denen er von der Aufhebung der Obrigkeit sprach.

Erste Anhänger Seine ersten Anhänger, die fortan für seine Ideen warben, waren:

Hans Enderlin (Altvogt, hingerichtet in Freiburg 1513) Augustin Enderlin (Bauer, hingerichtet in Schaffhausen 1513) Kilian Mayer/Kilius Meyger (Bauer, hingerichtet in Basel 1513) Hans Heitz (Bauer) Karius Heitz (Bauer) Peter Stüblin (Bauer) Jakob Hauser/Huser (Bauer, hingerichtet in Schaffhausen 1513) Thomas Müller/Muller (hingerichtet in Schaffhausen 1513) Marx Sudlin (hingerichtet in Freiburg 1514) Hans Hummel (Schneider aus Feuerbach bei Stuttgart, hingerichtet in Freiburg 1514)Hans Hummel wurde 1514 verhaftet und hingerichtet Hieronymus (Bäckerknecht aus Tirol) Johannes Schwarz (Dorfpfarrer in Lehen)Johannes Schwarz wurde 1514 verhaftet und wieder freigelassen

Neben Joß Fritz wirkte als Oberer der Bewegung Stoffel von Freiburg. Gemeinsam schufen sie sich im schwäbischen Gebiet eine große Gefolgschaft, auch unter den Bettlergruppierungen in dieser Region. Vor Verrat wurde die Bewegung dadurch geschützt, dass jedes Mitglied jeweils nur einen kleinen Teil seiner Mitstreiter kannte. Den Hauptleuten der Bettlergruppen wurden 2000 Gulden versprochen, wenn sie zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Markgrafschaft Baden Aufruhr verursachen und sich mit 2000 Bettlern zur Einnahme der Stadt Rosen bereitfinden würden.Wilhelm Zimmermann: Der große deutsche Bauernkrieg. 1989, S. 51.

Neben den Bettlern waren für jede Region gesonderte Unterhauptleute zuständig, denen pro neu angeworbenem Mitglied ein Pfennig versprochen wurde. Joß Fritz und Stoffel von Freiburg zogen von Zeit zu Zeit durch diese Gebiete und nahmen Musterungen vor.

Die Bundschuhfahne Die geheimnisumwitterte Bundschuhfahne von Joß Fritz war nur ein Fähnlein. Sie galt als Zeichen der Verschwörung, er gab sie nie aus der Hand, und sie wurde anfangs nur wenigen ausgewählten Personen gezeigt. Selbst der zum Fähnrich gewählte Jakob Huser musste sich mit einer verbalen Beschreibung des Banners zufriedengeben. Das Bemalen der Fahne gelang erst im dritten Anlauf: In Freiburg lehnte es der dort ansässige Maler ab, auch ein in Lehen gegenwärtiger Maler konnte hierfür nicht gewonnen werden. Erst in Heilbronn (oder Metz)Der Ort und der Maler des Fähnleins sind nicht genau bekannt, evtl. unterschiedliche Quellenangaben wurde ein Maler hierzu überredet.Die Bundschuhfahne-Literatur: Rosenkranz, Bundschuh. Band 2, 183f (Nr. 64) 187 (Nr. 66) 195 (Nr. 69); Lehen ebd. 184 (Nr. 64) Heilbronn 142 (Nr. 18);Dito: Josef Blickle: Bundschuh S. 91;Dito: Ulrich Steinmann: Die Bundschuhfahnen des Joß Fritz. In: Deutsches Jahrbuch für Volkskunde. Nr. 6, 1960, S. 243–284, 247–255 (Digitalisat). Laut Angaben auf einem lokalen Schild in Lehen enthielt die Fahne auf der einen Seite ein weißes Kreuz und einen Bundschuh auf blauem Grund, auf der anderen Seite das Wappen des Kaisers und des Papstes sowie ein Kruzifix auf weißem Grund mit einem knienden Bauern samt der Inschrift: „Herr, steh' deiner göttlichen Gerechtigkeit bei.“Originalspruch: „Herr, stand diner gottlichen gerechtigkeit bi.“

Die 14 Artikel Bei Versammlungen auf der Hartmatte wurden 14 Artikel festgesetzt.

Hierüber kam es zu Konflikten, und Joß Fritz musste die Rechtmäßigkeit der Artikel auf Grundlage der Bibel nachweisen. Daraufhin wurde der Bundeseid von den Versammelten geleistet.Die Aufnahme in den Bundschuh erfolgte zur Bekräftigung des Schwures mit fünf Vaterunser und fünf Ave Maria. Im Jahr 1513 unternahm Joß Fritz erneut eine Reise in Schwaben und Vorderösterreich,In Baden bereiste er die Orte Betzenhausen, Merdingen, Mengen, Neuershausen oder Munzingen, Schallstadt, Wolfenweiler oder Eichstetten. nach deren Beendigung der Aufstand losbrechen sollte. Hierzu hatte er den 9. Oktober als Versammlungstag in Biengen bestimmt. Während seiner Abwesenheit wurde die Bewegung jedoch der Stadt Freiburg und dem Markgrafen Philipp von Baden bekannt gemacht. Nachdem man in Lehen davon erfahren hatte, wurde auf einer von Kilian Mayer geleiteten Versammlung die Aufgabe der Aufstandspläne beschlossen. Bald darauf wurden führende Mitglieder der Bewegung verhaftet. Auch Joß Fritz’ Frau Else wurde in Freiburg inhaftiert.

Joß Fritz floh mit Hieronymus in die Schweiz. Im solothurnischen Seewen traf er sich unter anderem mit Mayer, Hauser, Enderlin und Hieronymus. Es wurden eine erweiterte Zusammenkunft in Schaffhausen und ein Auftritt an der Tagsatzung in Zürich vereinbart. Auf dem Weg zwischen Seewen und Liestal wurden Mayer und Hauser am 19. Oktober 1513 von Bewaffneten des Rats der Stadt Basel gefangen genommen. Joß Fritz, der sich von den anderen getrennt hatte, konnte trotz weiterer Straßenkontrollen nicht gefasst werden.Nach manchen Angaben soll sich Fritz danach nach Einsiedeln begeben haben. Vgl. Horst Buszello: Joß Fritz und der Bundschuh zu Lehen. 2004, S. 97 f. Seine Frau Else Schmid wurde am 24. Oktober 1513 aus der Haft entlassen.Das Protokoll nach der Haftentlassung lautete: In den folgenden Jahren wurde vermutet, dass ihr Mann mehrmals bei ihr zu Besuch gewesen sei.

Joß Fritz initiierte 1517 noch eine Verschwörung am Oberrhein. Die letzte Erwähnung seines Namens gab es 1524 oder 1525., abgerufen am 22. Oktober 2016.

Rezeption Ein Denkmal schuf ihm der Liedermacher Franz Josef Degenhardt in seinem Lied Ballade von Joß Fritz (LP: Kommt an den Tisch unter Pflaumenbäumen, Polydor 1973). Wilhelm Eichner verewigte ihn in seinem Roman Wir können von den Pfaffen nit genesen. 1999, ISBN 3-8004-1389-2. Gustav Regler verewigte ihn in seinem Bauernkriegsroman Die Saat 1936. Nach ihm benannt sind in Untergrombach eine Straße, eine Schule und das zweijährliche DorffestWebsite des Joss Fritz Festes sowie eine Straße in Lehen (heute Stadtteil von Freiburg im Breisgau). In Freiburg im Breisgau bezieht sich die 1975 gegründete Buchhandlung „Jos Fritz“Website der jos fritz buchhandlung (mit angeschlossenem Café), seit den späten 70er Jahren ein Zentrum der linksalternativen Szene, auf Joß Fritz. Quirin Engasser: Der Ursächer. Roman. Ludwig Ganghofer: Das neue Wesen. Historischer Roman über das Leben von Joß Fritz. 1902. (Neuauflage. 2007, ISBN 978-3-89836-638-0). Joß Fritz erscheint in diesem Roman um 1524„Sebastian Häferle“ kommt nach Berchtesgaden, an einem neu errichteten Haus fällt ihm ein Hausspruch ins Auge, der lautet: als Schwabe unter dem Decknamen „Sebastian Häferle“ im Berchtesgadener Land. Zuvor hatte er dem bayerischen Salzamt als Säumer von Reichenhall gedient. Ohne Steuerschuld bekam er vom Reichenhaller Salzmeister den Laufpass. Als Landsknecht hätte er im neunzehnten Lebensjahr für sieben Jahre gedient (errechnete Jahre um 1489 bis etwa 1496) und dabei Über seinen Vater heißt es darin: Dieser Kirchenbrand dürfte somit um das Jahr 1473 stattgefunden haben, was sich auch mit dem Neubau einer Kirche bzw. der Michaelskapelle (Untergrombach) um 1474 durch den Baumeister Hensel Frosch deckt. 1900 wurde das musikalische Werk Jos Fritz. (Aus den Bauernkriegen) vom Freiburger Chorleiter und Komponisten Alexander Adam uraufgeführt, der Text ist von Maidy Koch. 1908 ist das Werk im Verlag von Julius Feuchtinger in Stuttgart erschienen.Universitätsbibliothek Heidelberg Die zweite Aufführung fand am 30. November 1912 in der Freiburger Festhalle statt.Walter Mossmann: Vor 500 Jahren zettelte der Lehener Jos Fritz einen Aufstand an. In: Badische Zeitung. 6. April 2013, abgerufen am 20. Mai 2015.

Literatur

Thomas Adam: Joß Fritz – das verborgene Feuer der Revolution (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission der Stadt Bruchsal. Band 20). Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2002, ISBN 3-89735-192-7; 4., aktualisierte, umfassend überarbeitete und ergänzte Auflage, Ubstadt-Weiher 2025, ISBN 978-3-95505-532-5. Horst Buszello: Joß Fritz und der Bundschuh zu Lehen 1513. Obrigkeitliche Inszenierung und geschichtswissenschaftliche Rekonstruktion. In: Schau-ins-Land Jg. 132 (2013), S. 41–79 (UB Freiburg).