Die portugiesische Sprache (portugiesisch a língua portuguesa) ist eine Sprache aus dem romanischen Zweig der indogermanischen Sprachfamilie und bildet mit dem Spanischen (der kastilischen Sprache), Katalanischen und weiteren Sprachen der Iberischen Halbinsel (jedoch nicht mit dem Baskischen) die engere Einheit des Iberoromanischen. Zusammen mit dem Galicischen in Nordwest-Spanien geht sie auf eine gemeinsame Ursprungssprache zurück, das Galicisch-Portugiesische, das sich zwischen Spätantike und Frühmittelalter aus dem örtlichen Vulgärlatein entwickelte. Nach der Herausbildung der Staatlichkeit Portugals entwickelten sich aus dem Galicisch-Portugiesischen die beiden heutigen Sprachen. Seit der Kolonialzeit gilt Portugiesisch als Weltsprache, und es ist eine der offiziellen Sprachen der Vereinten Nationen. Die meisten Sprecher des Portugiesischen leben in Brasilien.
Portugiesisch wird von mehr als 240 Millionen Muttersprachlern gesprochen; einschließlich der Zweitsprachler beläuft sich die Zahl der Sprecher auf etwa 270 Millionen. Die portugiesische Sprache gilt laut UN-Studien zusammen mit dem Arabischen als stark wachsende Sprache, mit zunehmender Bedeutung im südlichen Afrika (wachsende Volkswirtschaften von Angola und Mosambik) und in Südamerika, mit Brasilien als größter Volkswirtschaft und größter, weiterhin wachsender Landesbevölkerung Lateinamerikas. Einige Wissenschaftler erwarten eine Sprecherzahl von etwa 500 Millionen zum Ende des 21. Jahrhunderts.Augusto Santos Silva vai estar nas comemorações no bicentenário da independência do Brasil - „[Außenminister Augusto Santos Silva wird der 200-Jahr-Feier Brasiliens beiwohnen“], Artikel vom 6. Mai 2022 der RTP Madeira, abgerufen am 19. Juni 2022
Die portugiesische Sprache verbreitete sich weltweit im 15. und 16. Jahrhundert, als mit dem portugiesischen Kolonialreich erstmals in der Menschheitsgeschichte ein nahezu weltumspannendes Kolonialreich entstand. Es überdauerte in Teilen bis in das Jahr 1975 und umfasste insbesondere das heutige Brasilien, das jedoch bereits 1822/1825 von Portugal unabhängig wurde, sowie Gebiete in Afrika und an den Küsten Asiens, die länger bei Portugal blieben. Als letzte portugiesische Kolonie ging Macau aus portugiesischem Besitz an China über. Daraus ergab sich, dass Portugiesisch heute die Amtssprache mehrerer unabhängiger Staaten ist und darüber hinaus von vielen Menschen als Minderheiten- oder Zweitsprache beherrscht wird. Daneben gibt es etwa zwanzig Kreolsprachen, die sich auf überwiegend portugiesischer Basis gebildet haben. Durch die Auswanderung aus Portugal ist Portugiesisch in den letzten Jahrzehnten in mehreren Staaten Westeuropas und in Nordamerika zu einer wichtigen Minderheitensprache geworden.
Im Jahr 2019 erklärte die UNESCO den 5. Mai unter dem Titel Dia da Língua Portuguesa e da Cultura Lusófona (zu deutsch: Tag der portugiesischen Sprache und der lusophonen Kultur) zum jährlichen Gedenktag. Er wird bereits seit 2009 von der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder begangen.
Verbreitung Portugiesisch ist die alleinige Amtssprache in Angola, Brasilien, Mosambik, Portugal und São Tomé und Príncipe. Zusammen mit anderen Sprachen ist Portugiesisch Amtssprache in Osttimor (zusammen mit Tetum), Macau (zusammen mit Chinesisch) und Äquatorialguinea (zusammen mit Französisch und Spanisch). In Kap Verde und in Guinea-Bissau ist es zwar alleinige Amtssprache, jedoch nicht die wichtigste Sprache. Eine wichtige Sprache, aber keine Amtssprache ist Portugiesisch in Andorra, Luxemburg (aufgrund der Zuwanderung von portugiesischen Arbeitskräften von etwa zehn Prozent der Bevölkerung gesprochen), Namibia und Südafrika.
mini|links|hochkant=2.2|Die portugiesischsprachige oder lusophone Welt:
Amerika Mit rund 200 Millionen Sprechern in Brasilien ist Portugiesisch nach Spanisch die am weitesten verbreitete Sprache Südamerikas. Auch in spanischsprachigen Ländern Südamerikas erfreut sich Portugiesisch wachsender Bedeutung: Wegen des großen Einflusses Brasiliens wird Portugiesisch in einigen der anderen südamerikanischen Staaten unterrichtet, besonders in Argentinien und weiteren Mercosur/Mercosul-Mitgliedsstaaten. Im Grenzgebiet von Brasilien zu Argentinien, Bolivien, Paraguay (Brasiguayos) und Uruguay gibt es Menschen, deren Muttersprache Portugiesisch ist (in Paraguay leben 122.520 Portugiesisch-Muttersprachler gemäß der 2002 durchgeführten Volkszählung). Unter den Menschen, die im Grenzgebiet leben, aber der jeweils anderer Sprache nicht mächtig sind, hat sich teilweise eine Mischsprache aus Portugiesisch und Spanisch, das Portunhol, herausgebildet. Darüber hinaus ist Portugiesisch eine wichtige Minderheitensprache in Guyana und Venezuela.
In Nordamerika und der Karibik gibt es große portugiesischsprachige Kolonien in Antigua und Barbuda, Bermuda, Kanada, Jamaika und den Vereinigten Staaten, wobei sich die Mehrzahl aus Einwanderern beziehungsweise Gastarbeitern aus Brasilien oder Portugal zusammensetzt. In Mittelamerika ist die portugiesische Sprache dagegen nur von geringer Bedeutung.
Europa In Europa wird Portugiesisch vor allem von den 10,6 Millionen Einwohnern Portugals gesprochen. In Westeuropa hat sich die Sprache durch Einwanderung aus Portugal in den letzten Jahrzehnten verbreitet und wird zum Beispiel von mehr als zehn Prozent der Bevölkerung Luxemburgs und Andorras gesprochen. Des Weiteren besteht ein nennenswerter Anteil portugiesischsprachiger Bevölkerung in Belgien, Frankreich, Deutschland, auf Jersey und in der Schweiz. In Spanien wird Portugiesisch im Valle de Jálama gesprochen, wo es als a fala bezeichnet wird. Im heute spanischen Olivenza wurde bis in die 1940er Jahre ein portugiesischer Dialekt gesprochen. Das mit Portugiesisch sehr eng verwandte Galicisch wird im nordwestspanischen Galicien gesprochen.
Galicisch und Portugiesisch haben dieselben Wurzeln und bildeten bis ins Mittelalter zusammen eine einzige Sprache, die man heute als Galicisch-Portugiesisch bezeichnet. Diese Sprache wurde in Spanien (Kastilien) im poetischen Schaffen verwendet. Auch heute werden von vielen Linguisten Galicisch und Portugiesisch als eine Einheit gesehen. Aus soziolinguistischen Gründen werden die beiden Sprachen jedoch häufig getrennt behandelt. In Galicien haben sich zwei Standards der Schriftsprache gebildet, wobei sich derjenige, der von der Galicischen Autonomen Regierung unterstützt wird, mehr am Spanischen (Kastilischen) anlehnt, während sich in gewissen politischen und universitären Kreisen ein Standard etabliert hat, der nah am Portugiesischen liegt.Der ehemalige galicische Abgeordnete im Europäischen Parlament, Camilo Nogueira Román, spricht nach eigenen Angaben Portugiesisch, nicht Galicisch.
Afrika
Portugiesisch ist eine wichtige Sprache im Afrika südlich der Sahara. Angola und Mosambik sind zusammen mit São Tomé und Príncipe, Kap Verde, Äquatorialguinea und Guinea-Bissau als PALOP (Paises Africanos de Língua Oficial Portuguesa) bekannt und organisiert; sie vertreten etwa 32 Millionen Sprecher des Portugiesischen (großzügige Schätzungen gehen dabei von neun Millionen Muttersprachlern aus, der Rest ist zweisprachig). Paradoxerweise ist der Gebrauch der portugiesischen Sprache nach der Unabhängigkeit der früheren Kolonien von Portugal gewachsen. Die Regierungen der jungen Staaten sahen die portugiesische Sprache als Instrument zur Entwicklung des Landes und einer nationalen Einheit.
Im zentralen sowie südlichen Afrika ist Portugiesisch eine – je nach Land beziehungsweise Gebiet – mehr oder weniger wichtige Minderheitensprache in der Demokratischen Republik Kongo (Grenzregion zu Angola), der Republik KongoCongo passará a ensinar português nas escolas (2010), Malawi, Namibia110 mil lusófonos na Namíbia (2012)Interesse pelo português cresce na Namíbia (2016), Südafrika (mehr als eine Million Sprecher), Sambia und Simbabwe.
In anderen Teilen Afrikas gibt es portugiesische Kreolsprachen. Im Süden Senegals (2006)17 mil senegaleses estudam português no ensino secundário (2008) (2011), in der Casamance, lebt eine Gemeinschaft, die sprachlich und kulturell mit Guinea-Bissau verwandt ist. Auf der Insel Annobón (Äquatorialguinea) gibt es eine weitere Kreolsprache, die mit der von São Tomé und Príncipe eng verwandt ist.
In Angola wurde Portugiesisch schnell zu einer Nationalsprache statt nur einer Verkehrssprache. Dies gilt insbesondere für die Hauptstadt Luanda. Gemäß der offiziellen Volkszählung von 1983 war Portugiesisch damals die Muttersprache von 75 % der Bevölkerung Luandas von etwa 2,5 Millionen (mindestens 300.000 davon sprachen es dazu als einzige Sprache), und 99 % davon konnten sich auf Portugiesisch verständigen, wenn auch mit unterschiedlicher Sprachkompetenz. Dieses Ergebnis ist kaum erstaunlich, denn bereits eine 1979 in den Slums Luandas durchgeführte Umfrage ergab, dass alle dort lebenden afrikanischen Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren Portugiesisch sprachen, aber nur 47 % eine afrikanische Sprache. Heute sprechen vor allem in Luanda junge Angolaner neben dem Portugiesischen nur noch selten eine afrikanische Sprache. Landesweit benutzen etwa 60 % der Bevölkerung, die laut Volkszählung von 2014 25,8 Millionen beträgt,Rede Angola: Somos 24,3 milhões Portugiesisch als Umgangssprache. Ebenfalls bei der Volkszählung von 2014 gaben 71,15 % der Befragten an, dass sie Portugiesisch auch zu Hause sprechen (85 % in den städtischen und 49 % in den ländlichen Gebieten). Fernsehprogramme aus Portugal und Brasilien, die in Angola überaus populär sind, tragen dazu ihren Anteil bei.
Das angolanische Portugiesisch beeinflusste auch das heute in Portugal gesprochene Portugiesisch, da die Retornados, (portugiesische Rückkehrer nach der Unabhängigkeit Angolas) und angolanische Zuwanderer Wörter mitbrachten, die sich insbesondere in der jungen Stadtbevölkerung verbreiteten. Dazu gehören iá (ja), bué (viele/sehr; synonym zum standardsprachlichen muito) oder bazar (weggehen).
Mosambik gehört zu den Ländern, in denen Portugiesisch Amtssprache ist, aber von den meisten Einwohnern nur als Zweitsprache gesprochen wird. In den Städten ist es dennoch die am meisten verbreitete Sprache. Gemäß der Volkszählung von 1997 sprechen etwa 40 % der Gesamtbevölkerung Portugiesisch, jedoch etwa 72 % der Stadtbevölkerung. Andererseits bezeichnen im Durchschnitt nur 6,5 % der Bevölkerung (17 % in den Städten und 2 % in den ländlichen Gebieten) Portugiesisch als ihre Muttersprache. Die mosambikanischen Schriftsteller verwenden alle ein Portugiesisch, das sich an die mosambikanische Kultur angepasst hat.
In Kap Verde und Guinea-Bissau sind die wichtigsten Sprachen portugiesische Kreolsprachen, die als Crioulos bezeichnet werden. Die meisten Kapverdier können dennoch auch Standard-Portugiesisch sprechen, das in formellen Situationen, so auch in Schulbildung und Fernsehen aus Portugal und Brasilien Verwendung findet. In Guinea-Bissau hingegen sprechen nur etwa 60 % der Bevölkerung Kreolisch, und nur 10,4 % davon beherrschen Standard-Portugiesisch (gemäß der Volkszählung von 1992).
In São Tomé und Príncipe spricht die Bevölkerung eine Art archaisches Portugiesisch, das viele Ähnlichkeiten mit brasilianischem Portugiesisch aufweist. Die Elite des Landes verwendet jedoch eher die europäische Sprachnorm, ähnlich wie in den anderen PALOP-Ländern. Neben dem eigentlichen Portugiesisch bestehen noch drei Kreolsprachen. Kinder lernen in der Regel Portugiesisch als Muttersprache und eignen sich das Forro genannte Kreolisch erst später an. Der tägliche Gebrauch der portugiesischen Sprache auch als Umgangssprache nimmt zu, fast die gesamte Bevölkerung beherrscht sie.
Asien