Das Management von Wassereinzugsgebieten (auch Flusseinzugsgebiets-Management genannt) beschäftigt sich mit der Verwaltung, Untersuchung, Analyse, Diagnose und Ausführung von multidisziplinären Maßnahmen innerhalb eines durch natürliche Wasserscheiden begrenzten Einzugsgebietes eines Gewässers.

Definition Integrated Watershed Management ist das optimale Management von Naturressourcen. Dazu gehören die Wasser-, Land- und Forstwirtschaft, Naturschutz, Stadtplanung, Infrastruktur, Regionalplanung und -entwicklung, Wechselwirkungen über lokale mikroklimatische Erscheinungen und der zu erwartenden globalen Erwärmung ebenso wie die Analyse der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse des Gebietes, einschließlich der verschiedenen Interessengruppen (Stakeholders), welche Einfluss auf die verschiedenen Naturressourcen innerhalb des Einzugsgebietes haben. Ein wichtiger Teil bildet dabei das Integrated Water Ressource Management (IWRM), oder Integriertes Wasserressourcenmanagement.

Die Zieleː

optimale Regionalentwicklung Kontrolle des Wasserhaushaltes im Einzugsgebiet; Vermeidung und Kontrolle von Überschwemmungen durch vorbeugende und vorausschauende Massnahmen, gesicherte Versorgung mit Wasser während länger anhaltender Dürreperioden, Kontrolle über die Wasserqualität im gesamten Einzugsgebiet. Bodenschutz Schutz der Vegetationsdecke, besonders der Wälder, aber auch Pflanzungen zum Bodenschutz in der Landwirtschaft oder urbanisierten Gebieten Schutz natürlicher Ökosysteme

Um ein erfolgreiches Einzugsgebietsmanagement durchführen zu können, bedarf es multidisziplinärer Arbeitsgruppen mit flächendeckender Präsenz innerhalb des Einzugsgebietes, mit Experten aus den verschiedensten Fachrichtungen, welche die inneren Zusammenhänge erfassen, analysieren und Strategien entwickeln und ausführen, um eine optimale Regionalentwicklung zu erzielen. Ein multidisziplinäres Zusammenwirken für eine effiziente gemeinsame Verwaltung und Bearbeitung des Einzugsgebietes ist erforderlich.

Das Einzugsgebiet ist die natürliche Einheit, wo alle natürlichen und vom Menschen erschaffenen Ressourcen und Tätigkeiten untereinander in einem Netzwerk in gegenseitiger Abhängigkeit stehen und es vielfache Wechselwirkungen unter diesen geben. Dazu gehören auch die soziale und ökonomische Faktoren, Interessengruppen, Landeigentumsverhältnisse, soziale und ökonomische Entwicklungen.

Die Naturressourcen müssen bemessen (Bodennutzungssysteme, Vegetationsdecke, Hangneigung, Niederschlagsmenge und -intensitäten), errechnet, analysiert, kartiert, digitalisiert und modelliert werden, wie unter anderem potenzieller und tatsächlicher Bodenverlust, Oberflächenabfluss, Infiltration, Dynamik des Landnutzungswechsels, die Ermittlung Schlick oder Sedimente produzierende Flächen, die Balance des Grundwassers.

Probleme müssen identifiziert und analysiert sowie Umweltauswirkungen festgestellt und Informationen ausgetauscht werden. Dann können Zusammenhänge erklärt und die entsprechenden Aktionen eingeleitet werden. Das betrifft nicht nur die Naturressourcen, auch bedarf es intensiver sozialer und ökonomischer Studien. Die verschiedenen Interessengruppen müssen erkannt, zusammengebracht und harmonisiert werden, ebenfalls Gruppen, welche aktiven Einfluss auf die Naturressourcen ausüben, wie Landwirte, Landeigentümer (die wenigsten davon sind Landwirte), Unternehmer, staatliche Institutionen, multidisziplinäre Experten und Forschungsinstitute, welche direkten oder indirekten Einfluss auf Landnutzungsform-Wechsel haben und letztlich auch die gesamte Öffentlichkeit, welche durch die staatlichen Institutionen vertreten sind. Das betrifft auch und ganz besonders die Frage nach dem „Warum“ ländlich abgehängter Regionen, oder Umweltproblemen der zunehmenden Verstädterung und Versiegelung von Ballungsräumen, Landnutzungsveränderungen, Veränderungen der Waldflächen mit dem entsprechenden Einfluss auf Klimaveränderungen. Mit der Modellierung kann man voraussagen, was unter bestimmten Umständen passieren kann, wenn bestimmte Maßnahmen getroffen werden.

Internationale Organisationen fordern multidisziplinäres Flusseinzugsgebiets-Management Multidisziplinäres Flusseinzugsgebiets-Management wird von folgenden internationalen Organisationen gefordert: Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie 2000/60/EG vom Jahr 2000, ebenso von der UN-Gewässerkonvention, der World Water Vision, dem World Water Council und der UN Global Water Partnership.

Prinzipien des multidisziplinären Flusseinzugsgebiets-Management Multidisziplinäres Flusseinzugsgebiets-Management basiert auf die folgenden 6 Prinzipien.

- (1) Multidisziplinäres Vorgehen Die Wechselwirkungen unter den verschiedenen Naturressourcen (Klima, Luft, Wasser, Vegetationsdecke, Böden, Topografie, geologischer Untergrund) und menschlichen Einwirkungen (Wasser- und Landnutzungssysteme, Siedlungswesen, Infrastruktur, Bergbau, Abfall, Schadstoffe, sozialer, ökonomischer und juristischer Rahmen, Interessengruppen) müssen erkannt, analysiert und in Einklang gebracht werden.

- (2) Vorgehen nach natürlichen Fluss-oder Bacheinzugsgebieten:

Bundesländer sind hier eher ein Hindernis. Dieses Netzwerk von gegenseitigen Wechselwirkungen finden innerhalb natürlicher Wassereinzugsgebieten statt. Deshalb sollen diese nicht durch künstliche politische Grenzen getrennt werden. Sie müssen (wie der Arzt den gesamten menschlichen Körper) in ihrer Gesamtheit digitalisiert, analysiert, bearbeitet und verwaltet werden. Die engste Zusammenarbeit von Klima, Land-, Forst- und Wasserwirtschaft, Naturschutz, Schadstoffmanagement, Bergbau, Stadt- und Regionalplanung, soziale und ökonomische Entwicklung sind dabei unersetzlich.

Das Prinzip der Arbeit nach Flusseinzugsgebieten ist in der europäischen Wasserrahmenrichtlinie EU-WRRL 2000/60/EG seit 2000 festgelegt. Dieses wird aber in Deutschland nur „halbherzig“ angewendet, da das Grundgesetz die Verantwortung über die Naturressourcen den Bundesländern übergeben hat, deren Grenzen aber fast überall kleine Bäche bis hin zu großen Flüssen und deren Wasserscheiden queren; d. h. im offenen Widerspruch zu dieser steht.

Hier bedarf es der Anpassung unseres Grundgesetzes nicht nur an die EU WRRL 2000/60/EG, sondern an die Anforderungen der Natur. "Ein Arzt kann nicht nur Teilstücke eines kranken Organs diagnostizieren und behandeln, ohne mindestens das gesamte kranke Organ im Auge zu haben, einschließlich des restlichen menschlichen Organismus und deren Umwelt".

- (3) Anpassung an örtliche Gegebenheiten: Für jedes noch so kleine Teileinzugsgebiet- und hier innerhalb dieses jede Umwelteinheit (Territorium mit gleicher Vegetationsdecke oder Bodennutzung, gleichem Bodentyp, gleicher Hanglage) muss der „Maßgeschneiderte Anzug“ entworfen und dann hergestellt (Maßnahmen umgesetzt) werden, damit das gesamte System (Einzugsgebiet) in optimaler Weise wie ein gut geschmierter Motor laufen kann.

- (4) Flächendeckende Arbeit: Flächendeckendes Arbeiten und Präsenz, wie einst die Meliorationsbetriebe der DDR, welche diverse Dienstleistungen für den Agrarsektor erbrachten, aber nach der Wiedervereinigung ersatzlos aufgelöst wurden,

- (5) Sensibilisierung, Beteiligung und Mitarbeit der Bevölkerung

Die verschiedenen Bevölkerungsgruppen müssen sensibilisiert werden, speziell Landwirte, regionale Fachleute, welche mit Naturressourcen arbeiten, unter anderem Landeigentümer, Unternehmen, Kommunen; auch die Forstwirtschaft, der Naturschutz, ebenso wie der Bergbau, all die verschiedensten Interessengruppen, welche die Naturressourcen nutzen; damit diese aktiv in allen Prozessen des Managements mit einbezogen werden, diese innerhalb einer speziell dazu gebildeten Flusseinzugsgebiets-Kommission organisieren, welche aktiv an der Verwaltung, Sanierung, Verteilung und Bewirtschaftung des Einzugsgebietes beteiligt werden. Auch gilt es die örtliche Bevölkerung zu sensibilisieren, damit sie sich mit ihrem” Einzugsgebiet identifizieren können, um somit auch in Bearbeitungs-, Planungs- und Entscheidungsprozessen mit einbezogen werden können. Sie sind die direkten Nutznießer, welche langfristig das Naturressourcenmanagement am Leben halten werden. Das gilt besonders für die jungen Menschen: „Naturressourcen-Management in Flusseinzugsgebieten“ sollte neben „Grundlagen der Meteorologie und Klimawandel“ Pflichtfach werden für zukünftige Abiturienten, da beides miteinander verwachsen ist.

- (6) Bildung bundesländerübergreifender Flusseinzugsgebiets-Kommissionen

Organisation der verschiedenen Interessengruppen und Nutznießer der Naturressourcen in Flusseinzugsgebiets-Kommissionen, unabhängig der politischen Grenzen, aber innerhalb des natürlichen Flusseinzugsgebiets, welche gemeinsam mit der Expertengruppe sich aktiv an der Verwaltung; geordneten Verteilung und nachhaltigen Bewirtschaftung beteiligen Das gilt für alle Einzugsgebiete oder Abschnitte größerer Einzugsgebiete zwischen 400 km² (20 × 20 km) und etwa 3600 km² (60 × 60 km).

Beispiel Mexiko: Wie überall auf der Welt ist auch das Vorgehen nach natürlichen Flusseinzugsgebieten im Wassergesetz von Mexiko (Ley Nacional de Agua) bereits seit mehreren Jahren festgelegt worden, wodurch folgende Organisationen innerhalb der Nationalen Wasserkommission (Comision Nacional de Agua) geschaffen wurden, um das notwendige Vorgehen nach natürlichen Flusseinzugsgebieten zu sichernː

- (a) Flusseinzugsgebietsorgane (Organismos de Cuenca), welche für die Verwaltung und dem guten Zustand aller Ressourcen innerhalb der Haupteinzugsgebiete (Regiones Hidrológicas) verantwortlich sind;

- (b) Flusseinzugsgebiets-Räte (Consejos de Cuenca), welche als Koordinierungs- und Konzertierungsinstanzen funktionieren. Hier werden folgende Institutionen zusammengeführtː (i) Nationale Wasserkommission (Comisión Nacional de Agua), mit Personen, welche über die entsprechenden Fachkenntnisse verfügen; (ii) Regierungen (Mexikanische Bundesregierung (estado federal), Bundesländer (gobiernos de entidades estatales), Kreise bzw. Kommunen (gobiernos municipales)); (iii) Vertreter unterschiedlicher Nutzer und Interessengruppen (stakeholder) der verschiedenen Ressourcen; (iv) Nichtregierungsorganisationen; (iv) betroffene Bevölkerung im Allgemeinen.

Es handelt sich um eine gemischte Organisation aus Fachleuten, Regierung, Nutzern von Ressourcen (stakeholder) und Zivilgesellschaft, welche sich gegenseitig beraten, Erfahrungen austauschen, Vorschläge unterbreiten, Kompromisse erarbeiten, und letztendlich gleiches Stimmrecht genießen. Weiterhin gibt es (c) Flusseinzugsgebiets-Kommissionen (Comisión de Cuenca), welche in den verschiedenen Teileinzugsgebieten tätig sind; (d) Flusseinzugsgebiets-Ausschüsse (Comité de Cuenca), welche die Verantwortung für kleinere Fluss- und Bacheinzugsgebiete auf lokaler Ebene haben; und (e) Grundwasser Fachausschüsse (Comité Técnico de Aguas Subterraneos (COTAS)), welche für Grundwasserleiter (aquíferos) verantwortlich sind.

Weitere Information hier:

Relevanz und Dringlichkeit zur Durchführung von multidisziplinärem Wassereinzugsgebietsmanagement