Unter Großwetterlagen (GWL) versteht man Wetterlagen über einem Großraum, die sich während eines mehrtägigen Zeitraumes nicht wesentlich verändern.

mini|hochkant=1.4|Beispiele von Großwetterlagen (Lage der Aktionszentren) nach Hann Atlas der Meteorologie 1887

Grundlagen Eine Großwetterlage ist ein bestimmter atmosphärischer Zustand, der in seiner charakteristischen Strömungsanordnung mehrere Tage im Wesentlichen gleich bleibt (Definition nach Baur). Im Allgemeinen nimmt man drei Tage als Bemessungszeitraum.

Das Wetter selbst kann während einer Großwetterlage wechseln, der Charakter der jeweiligen regionalen Witterung bleibt erhalten. Die regionale Ausbildung und typische Aufeinanderfolge der Großwetterlagen gestalten wesentlich das Klima eines Gebietes. Die Großwetterlage ist für die Voraussage der Entwicklung des Wetters und der Witterung für einen längeren Zeitraum von großer Bedeutung.

Großwetterlagen Europas Für Europa lassen sich etliche verschiedene Großwetterlagen unterscheiden, und es gibt verschiedene Systematiken.

Tiefdruckwanderwege nach Bebber

mini|Großwetterlagen nach W. J. v. Bebber Wilhelm Jacob van Bebber entwickelte schon in den 1890er-Jahren ein grundlegendes Schema von typischen Zugstraßen der barometrischen Minima (Tiefdrucktrajektorien), das er in fünf Gruppen einteilte: I: vom Atlantik nordostwärts über die nördlichen Britischen Inseln nach Nordskandinavien (Ia), und von dort südost- (Ib), ost- (Ic), oder nordostwärts (Id) II: vom Nordatlantik ostwärts über Zentral- und Südskandinavien nach Nordosteuropa III: vom Nordatlantik südostwärts über Südskandinavien nach Zentralosteuropa IV: vom Mittelatlantik nordostwärts über die südlichen Britischen Inseln und Südskandinavien (IVa) oder Nord-Mitteleuropa (IVb) nach Nordosteuropa V: vom Mittelatlantik südostwärts über Biskaya in den Mittelmeerraum (Va), und von dort nordost- (Vb), ost- (Vc), oder südostwärts (Vd) Von diesem einfachen Modell, das aber keine konkreten Wetterlagen im Verlauf der einzelnen Bahnen definierte, hat sich insbesondere die Bezeichnung Vb-Wetterlage erhalten, die Hauptphase der Nordostzugbahn eines Mittelmeertiefs über Adria und Donauraum zum Baltikum, die zu heftigen Niederschlägen durch Aufgleiten aus Südost an Alpen und Karpaten führt.

Großwettertypologie nach Hess/Brezowsky Neben EDV-gestützten Verfahren werden beim Deutschen Wetterdienst die Großwetterlagen auch nach Paul Hess und Helmuth Brezowsky eingeteilt – insbesondere nach der Strömungssituation (zyklonal oder antizyklonal) sowie nach der Lage der Aktionszentren in der Erdatmosphäre und der Frontalzone. Zirkulationsformen zonale Zirkulationsform: Folgt einer glatten West-Ost-Strömung zwischen einem hochreichenden subtropischen Hochdruckgebiet in Normallage über dem Nordatlantik und einem hochreichenden Tiefdruckgebiet im subpolaren Raum – Typische Beispiele: Westlagen gemischte Zirkulationsform: Die antizyklonalen Steuerungszentren sind gegenüber den Westlagen nordwärts bis etwa 50° Breite verschoben – Beispiele: Südwestlagen (Steuerungszentrum Osteuropa), Nordwestlagen (Steuerungszentrum Ostatlantik), Hoch Mitteleuropa (als Zentrum), einschließlich Tief Mitteleuropa meridionale Zirkulationsform: Stationäre, blockierende Hochdruckgebiete zwischen 50° und 65° Breite – Typisch: Nordlagen, Südlagen, Ostlagen, sowie Troglagen mit nordsüdlicher Achsenrichtung, Nordost- und Südostlagen

+ Großwetterlagen Nr. Abk. Bsp.Beispiele: Analysen. DWD, auf der Webseite Institut für Meteorologie, FU Berlin (met.fu-berlin.de). A) Großwetterlagen der zonalen Zirkulationsform 1 Westlage, antizyklonal WA Analyse 20030112 2 Westlage, zyklonal WZ 3 Südliche Westlage WS 4 Winkelförmige Westlage WW B) Großwetterlagen der gemischten Zirkulationsform 5 Südwestlage, antizyklonal SWA 6 Südwestlage, zyklonal SWZ 7 Nordwestlage, antizyklonal NWA 8 Nordwestlage, zyklonal NWZ 9 Hoch Mitteleuropa HM 10 Hochdruckbrücke (Rücken) Mitteleuropa BM 11 Tief Mitteleuropa TM C) Großwetterlagen der meridionalen Zirkulationsform 12 Nordlage, antizyklonal NA 13 Nordlage, zyklonal NZ 15 Hoch Nordmeer-Island, antizyklonal HNA 15 Hoch Nordmeer-Island, zyklonal HNZ 16 Hoch Britische Inseln HB Analyse 20030105 17 Trog Mitteleuropa TRM 18 Nordostlage, antizyklonal NEA 19 Nordostlage, zyklonal NEZ 20 Hoch Fennoskandien, antizyklonal HFA 21 Hoch Fennoskandien, zyklonal HFZ 22 Hoch Nordmeer-Fennoskandien, antizyklonal HNFA Analyse 20031013 23 Hoch Nordmeer-Fennoskandien, zyklonal HNFZ 24 Südostlage, antizyklonal SEA 25 Südostlage, zyklonal SEZ 26 Südlage, antizyklonal SA 27 Südlage, zyklonal SZ 28 Tief Britische Inseln TB 29 Trog Westeuropa TRW Übergang U

Objektive Wetterlagenklassifikation für Deutschland (DWD) Der Deutsche Wetterdienst hat auf Basis dreier Meßkriterien ein ModellDie objektive Wetterlagenklassifikation; und Beschreibung des Verfahrens und der Wetterlagenklassen; Ernst Dittmann u. a. (S. Barth, G. Müller-Westermeier, J. Lang): Objektive Wetterlagenklassifikation. Reihe Berichte des Deutschen Wetterdienstes 197, Offenbach am Main 1995 (pdf); Objektive Wetterlagenklassifikation. (In: Wetterlexikon.) Alle: Deutscher Wetterdienst, dwd.de (abgerufen am 30. Mai 2016). entwickelt, das 40 Wetterlagen für Deutschland und Umgebung umfasst.Klassifikationsgebiet. dwd.de Dabei werden großräumige Anströmrichtung (5 Werte: undefiniert, Nordost, Südost, Südwest, Nordwest), Zyklonalität bzw. Antizyklonalität jeweils der bodennahen und mitteltroposphärischen Strömung (1000/550 hPa; 4 Werte) sowie der Feuchtegehalt der Atmosphäre (2 Werte: trocken, feucht) kombiniert. Ein Beispiel ist dann:Dittmann u. a.: Objektive Wetterlagenklassifikation. 1991, Tabelle 2: Numerierung, Definition und Kurzkennung der Wetterlagenklassen, S. 27; desgl. Kennzahlen und Kennungen der 40 objektiven Wetterlagen, dwd.de. Klassen-Nr. 4: Anströmrichtung Südwest, Strömung A/A, trocken → Kurzkennung SWAAT Dabei wurden alle Kombinationen klassiert, auch die, die extrem selten (nur wenige Male per Jahrzehnt) vorkommen.Dittmann 1991, S. 7. Die fünf häufigsten Wetterlagen (1979–1990) sind:Dittmann 1991, 5.1 Wetterlagenkalender, S. 17 ff, insb. S. 19. Klassen-Nr. Kurzkennung Häufigkeit (in %) 1 1 XXAAT 9,4 2 15 NWAZT 8,8 3 9 SWAAF 8,7 4 5 NWAAT 8,3 5 10 NWAAF 7,5

Österreichisches Wetterlagen-Schema (ZAMG)

Da die österreichische Meteorologie neben dem atlantischen Klima auch das Pannonische und das Mittelmeerklima mit dem Subtypus des Illyrischen Klimas (siehe österreichische Klimaprovinzen) zu berücksichtigen hat, und auch Aktionszentren von der Sahara bis in den Schwarzmeerraum (die nach Hess/Brezowsky nicht berücksichtigt sind), verwendet die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien folgendes Schema: Wetterlage Abk. Bsp. Hoch über West- und Mitteleuropa H Zwischenhoch h Analyse 20030901 Zonale Hochdruckbrücke Hz Hoch mit Kern über Fennoskandien HF Hoch mit Kern über Osteuropa HE Nordlage N Nordwestlage NW Westlage W Südwestlage SW Südlage S Gradientschwache Lage G Tief südlich der Alpen TS Tief über dem westlichen Mittelmeer TwM Tief im Südwesten Europas TSW Tief bei den Britischen Inseln TB Meridionale Tiefdruckrinne TR Kontinentales Tief Tk Tief auf der Zugstraße Adria – Polen Vb (Alpenhochwasser 2005)

Literatur

Weblinks

Großwetterlage: Jahres- und Monatsübersichten, Deutscher Wetterdienst DWD, seit 2007 Monatsübersicht: Wetterlagen. Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik ZAMG (Abfrage, seit 1999, mit Legende) COST 733 – Harmonisation and Applications of Weather Type Classifications for European regions. Auf der Webseite geo.uni-augsburg.deProjekt (ex cost733.org) beendet, siehe cost733.met.no; abgerufen am 30. Mai 2016; Abschlussberichte auf , European Cooperation in Science and Technology, cost.eu.

Nachweise

Kategorie:Druckgebiete und Fronten Kategorie:Wetter und Klima Europas