Der Antike Orden der Bruderschaft der Freigärtner oder ursprünglich ye Fraternitie of Gardiners East Lothian, wie sie sich im ältesten Protokoll vom 16. August 1676 nennt, wurde in Haddington gegründet. Sie ist ein brüderlicher Zusammenschluss, der sich von Schottland nach England, Irland und in die britischen Kolonien ausgebreitet hat. Die modernen Freigärtner aus Schottland sind nicht mit den preußischen Freigärtnern zu verwechseln.
Die Freigärtnerlogen existierten parallel zur Freimaurerei. Die moderne Freigärtnerei (1676) ist älter als die moderne Freimaurerei (1717). Sowohl die Freimaurerlogen als auch die Freigärtnerlogen enthielten von Beginn an Klauseln, die es Berufsfremden und Nichthandwerkern ermöglichten, Mitglied zu werden. Diese Mitglieder bezeichnete man entweder als spekulative Mitglieder oder als Gentlemen-Mitglieder.
Bei den Freigärtnern war zudem klar geregelt, dass der Mitgliedsbeitrag für Berufsgärtner niedriger als der Beitrag aller anderen Berufsgruppen und Nichthandwerker zu sein hatte. Homepage Freigärtnerloge Carl Theodor zum goldenen Garten e.V. (aufgerufen am 14. April 2020) - Geschichte der Freigärtner Sie waren im Wesentlichen demokratisch organisiert.Interjunctions for ye Fraternitie of the Gardiners of East Lothian. 16. August 1676. Die Logenkasse (Box genannt), in der sich Logengelder und Logenpapiere befanden, wurde einer regelmäßigen und akribischen Prüfung unterzogen.Robert L.D. Cooper. The Origin and History of the Order of Free Gardeners, Quatuor Coronati Lodge, No.2076 (2000). S. 112
Geschichte 17. Jahrhundert Der Wunsch der schottischen Freigärtner des 17. Jahrhunderts, sich zu organisieren, scheint hauptsächlich mit dem wachsenden Interesse des lokalen Adels an der Renaissance und an Landschaftsgärten zusammenzufallen, der den Bedarf an Berufsgärtnern zunehmen ließ.Cracking the Freemason's Code: The Truth About Solomon's Key and the Brotherhood, Rider, 5. Oktober 2006, London, S. 165. Die meisten frühen Regeln befassen sich mit den praktischen Aspekten der Gartenarbeit, sowie mit der Streuung von Informationen innerhalb der Freigärtnerlogen bezüglich spekulativ-spirituellem sowie fachlichem Wissen. Einige soziale Regeln sehen unter anderem vor, wie Spenden und Geldbeiträge verwendet werden sollen, um z. B. notleidenden Witwen, Waisen und Armen zu helfen. Die 15 Pflichten (InterjunctionsInterjunctions for ye Fraternitie of the Gardiners of East Lothian. 16. August 1676. genannt), die dem Protokoll von 1676 beigefügt sind, zeigen außerdem, dass sehr viel Wert auf gutes Betragen, Benehmen und gute Sitten gelegt wird.
18. Jahrhundert Um 1715 wurde in Dunfermline eine zweite Freigärtnerloge gegründet, die von zwei Mitgliedern der örtlichen Aristokratie, dem Earl of Moray und dem Marquess of Tweeddale, stark gefördert und unterstützt wurde. Ihre veröffentlichte Chronik enthielt eine Mitgliederliste, in der ein Duke, ein Marquess, sechs Earls, sieben Lords, acht Ritter und Hunderte von Offizieren, Ministern, Anwälten und anderen Landbesitzern und Lairds aufgelistet waren.Cracking the Freemason's Code: The Truth About Solomon's Key and the Brotherhood, Rider, 5. Oktober 2006, London, S. 166.
Die beiden Mutterlogen in Haddington und Dunfermline erweiterten ihren Rekrutierungsbereich erheblich, aber ohne die Gründung neuer Freigärtnerlogen. Erst 1796 wurden drei neue Freigärtnerlogen gestiftet: in Arbroath, Bothwell und Cumbnathan.
19. Jahrhundert Es gab mehrere Bestrebungen, sich stadtübergreifend zusammenzuschließen; jedoch blieben einige der älteren Freigärtnerlogen bewusst unabhängig. Zu einer gemeinsamen Verwaltung oder zu einer Großloge der Freigärtner kam es erst 1849 in Penicuik.Cracking the Freemason's Code: The Truth About Solomon's Key and the Brotherhood, Rider, 5. Oktober 2006, London, S. 164: By 1849, twenty Lodges were known to exist, and on 6 November 1849 a meeting was held at Lasswade, Midlothian, to which all known Lodges were invited, with the intention of establishing a Grand Lodge. Es wurden drei Freigärtnerlogen in den USA gegründet: die Ash-Loge in New Jersey, die First-Thistle-Loge in New York und die Lonaconing-Thistle-Loge in Maryland. Die Freigärtner dehnten sich von Schottland in die ehemaligen Kolonien aus.
Mitte des 19. Jahrhunderts zählte die Freigärtner-Bruderschaft Tausende von Mitgliedern. Auf dem Höhepunkt gab es allein in der Region Lothian über 10.000 Freigärtner, die mehr als 50 Freigärtnerlogen angehörten. Nur zum Vergleich: Lothian ist ein Gebiet südlich von Edinburgh von 1.725 km² Größe, d. h. ein Gebiet, das halb so groß ist wie die Insel Mallorca.Ende des 19. Jahrhunderts wurden Zweigstellen für Frauen und Jugendliche eröffnet. Ganz ähnlich, wie das bei der Freimaurerei war: Shriners, DeMolay, Eastern Star usw.
20. Jahrhundert Im 20. Jahrhundert fielen die meisten Mitglieder den beiden Weltkriegen zum Opfer. Die Gesamtmitgliederzahlen waren schließlich zu gering, um zu überleben.
1911 wurde zudem in Großbritannien ein nationales Gesetz eingeführt, das den Staat zur Sozialversorgung seiner Bürger verpflichtete. Daraufhin trafen sich im gleichen Jahr die Großloge und einige unabhängige Freigärtnerlogen. 1939 wurde das Protokoll der Haddington-Freigärtnerloge ausgesetzt, zum ersten und einzigen Mal in ihrer Geschichte. Trotz der Rekrutierung neuer Mitglieder erklärten die Haddington-Freigärtner am 22. Februar 1953 ihre Auflösung.Cracking the Freemason's Code: The Truth About Solomon's Key and the Brotherhood, Rider, 5. Oktober 2006, London, S. 184: The order could not survive, as the destinies of the Lodges of Dunfermline and Haddington, legally terminated in 1953, prove.
1956 wurde schließlich der Stammsitz der schottischen Großloge von Penicuik in Schottland nach Kapstadt in Südafrika verlegt. Ende der 1960er Jahre waren die Freigärtnerlogen in Großbritannien als Organisation nahezu ausgestorben. Außerhalb der britischen Inseln – besonders in Südafrika und Australien – existierte und florierte die organisierte Freigärtnerei aber weiter.
21. Jahrhundert In Australien schlossen sich 1866 die Freigärtnerlogen zum Grand United Order of Free Gardeners zusammen. Über 140 Jahre lang blühten und gediehen sie auf dem australischen Kontinent. Jedoch traf sie 2006 ein bitterer Schicksalsschlag. Aus einem Bericht der Australian Prudential Regulatory Authority (APRA) vom September des Jahres 2006 geht hervor, dass festgestellt wurde, dass die Standards für Genossenschaften nicht mehr mit dem alten Steuerrecht vereinbar waren.https://www.smh.com.au/business/free-gardeners-withers-on-the-vine-20060929-gdohu4.html aufgerufen am 21. April 2020 Es waren schließlich die gleichen Gründe, die bereits ein halbes Jahrhundert zuvor zum Niedergang der Freigärtnerei in Großbritannien geführt hatten. Dennoch waren sie für eine Wiederbelebung der Freigärtnerei in Großbritannien mitverantwortlich, denn sie hatten sich vier Jahre zuvor auf Spurensuche nach ihren eigenen Ursprüngen nach Schottland begeben.
Zwischen den Jahren 2000 und 2002 unternahmen Freigärtner aus Südafrika und Australien den Schritt, die Freigärtner-Bruderschaft in Schottland wiederzubeleben. Glücklicherweise trafen sie auf ehemalige Freigärtner. 2002 etablierten schottische, englische, australische und südafrikanische Freigärtner eine Stiftung zur Förderung und Wiederbelebung der Freigärtnerei in Großbritannien. Ziel der Stiftung ist es, die Wiederbelebung und Bewahrung der Freigärtnerei sowie ihrer Zeremonien, spekulativen Erkenntnisse, Geheimnisse, ihres spirituellen Wissens und ihres Brauchtums.
Freigärtnerei heute Die Freigärtnerloge The Countess of Elgin trug die Matrikelnummer 105 der alten Großloge (1849). Daraufhin erhielt sie die Matrikelnummer 3, denn sie gehörte zu den drei Gründerlogen der neuen Großloge, die sich aus der alten herausgebildet hatte und heute gemeinhin New Order 2002 genannt wird. Die drei Gründerlogen des New Order 2002 sind Caledonian Thistle Lodge No. 1 (2002/Edinburgh), Cianalas Lodge No. 2 (2002/Brora) und The Countess of Elgin Lodge No. 3 (2002/Kirkcaldy). Die neue Großloge hat bis heute 33 Freigärtnerlogen gegründet, nämlich in Schottland, England, USA, Wales, Monaco, Frankreich, Australien, Spanien, Belgien und auf den Philippinen sowie in Deutschland.http://adelphibluebell4.scot/about.html aufgerufen am 21. April 2020
Am 17. März 2020 wurde in Schwetzingen die Freigärtnerloge Carl Theodor zum goldenen Garten e. V. gegründet. Sie ist die allererste Freigärtnerloge Deutschlands. Sie ist gemeinnützig, im Vereinsregister eingetragen und steht mit der ältesten schottischen Tradition der Freigärtnerei von 1676 in direkter Verbindung. Sie erhielt von der neuen Großloge die Matrikelnummer 30.http://freigaertner.org/unsere-freigaertnerloge aufgerufen am 21. April 2020
Die erste Freigärtner-Großlogehttp://freigaertner.org/unsere-grossloge aufgerufen am 15. November 2023 wurde am 14. Mai 2023 in Schwetzingen gegründet und am 10. November 2023 deren Groß-Bewahrer installiert. Traditionsgemäß sind dies immer acht Bewahrer in den Einzellogen und acht Groß-Bewahrer in der Großloge. Dabei versteht sich aber die Freigärtnerei als ein Orden und in der Großloge verbleibt nur der administrative und repräsentative Charakter der Freigärtnerei.
Geistige Inhalte Freigärtner sehen unter anderem im Garten einen spirituellen Zugang zu sich selbst. Die Idee der Freigärtner nimmt insbesondere Bezug auf den biblischen Paradiesgarten sowie auf die Pflege des Erdbodens, was metaphorisch mit der Kultivierung des Geistes, der Seele und der Tugenden gleichgesetzt wird. Ihre Haltung entspricht einer tiefen Zuneigung gegenüber dem Schöpfer, der Schöpfung, der Natur und dem Menschen. Die Berufung auf den Paradiesgarten, aber auch auf den Lebensbaum, der mitten im Paradiesgarten steht, stellt eine bewusste Verbindung zur jüdisch-christlichen Mystik, der Kabbala dar.
Die vier Grade der Freigärtner Die Zeremonien der Freigärtner nehmen Bezug auf die biblische Geschichte des Gartens Eden. Adam wird bei den Freigärtnern als erster Urahn der Freigärtner verehrt. Folglich liegt die Bibel auf dem Altar beim Buch Genesis bei Kapitel 2, Vers 15 aufgeschlagen. Es wird in Deutschland, Kanada, der Schweiz und Australien der vierte Grad bearbeitet und in den drei erstgenannten werden auch Frauen aufgenommen. In Belgien und UK erfolgt allmählich auch eine Öffnung gegenüber Frauen, wobei dort nur drei Grade bearbeitet werden.
1. Grad = Freigärtner-Lehrling Der erste Grad handelt von der biblischen Geschichte über den Garten Eden und über den Fall des Menschen, der zur Verbannung aus dem Garten führte.vgl. 1. Buch Moses 2,15: Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn baute und bewahrte.
Es werden zudem die symbolischen Werkzeuge der Freigärtner vorgestellt: Winkelmaß, Zirkel und das Gärtnermesser.
Interessant in diesem Grad ist, dass seine Erkenntnis darin liegt, dass das ursprüngliche Geheimnis der Schöpfung Adam und Eva zugleich anvertraut wurde, was dem Vers 15 des 2. Kapitels der Genesis entspricht. Denn die Trennung des Menschen in Mann und Frau erfolgte später, nämlich erst ab dem Vers 18 ff. des 3. Kapitels.
2. Grad = Freigärtner-Mitbruder Der zweite Grad schlägt eine Brücke vom Garten Eden zu Noah und seiner Arche. Noah war nach der Sintflut nicht nur der erste Patriarch seiner achtköpfigen Familie, sondern auch der ganzen Menschheit. Er wird darum bei den Freigärtnern als der zweite Urahn der Freigärtner betrachtet.
Die Zeremonie des zweiten Grades führt den Freigärtner auf eine Reise vom Garten Eden über andere Gärten zum Garten Gethsemane. Sie sollen ihm als Vorbilder eines mit der Natur verbundenen Lebens dienen.
3. Grad = Freigärtner-Meister