Die Trompetervögel (Psophia) sind eine Gattung in der gleichnamigen Familie der Trompetervögel (Psophiidae) innerhalb der Ordnung der Kranichvögel (Gruiformes). Die Gattung besteht aus drei einander sehr ähnlichen, bodenlebenden Arten, von denen lediglich der Weißflügel-Trompetervogel genauer erforscht ist. Das Verbreitungsgebiet der in Gruppen lebenden, etwa hühnergroßen Vögel ist der tropische Regenwald des nördlichen und zentralen Südamerika. Die IUCN führt die drei Arten als nicht gefährdet.

Merkmale Körperbau Trompetervögel erreichen eine Körperlänge von circa 49 Zentimetern und ein Gewicht von maximal 1,5 Kilogramm, die drei Arten unterscheiden sich in diesen Maßen nicht voneinander. Männchen des Weißflügel-Trompetervogels sind durchschnittlich 10 % schwerer als Weibchen, ob dieser Geschlechtsdimorphismus des Gewichtes bei den zwei weiteren Arten ebenfalls besteht, ist nicht bekannt. Durch die kompakte Körperform und das bucklige Profil erinnern Trompetervögel auf den ersten Blick eher an Hühnervögel als an andere ihnen verwandte Kranichvögel. Das stämmige Aussehen des Körpers täuscht jedoch, da die Vögel ihre Flügel stets gewölbt und leicht vom Körper abgespreizt halten und mit ihnen die Körperflanken sowie den sehr kurzen Schwanz bedecken. Der eigentliche, schlanke Rumpf kommt nur zum Vorschein, wenn die Vögel ihre Flügel anheben. Auf einem langen, schlanken und meist in S-Form gehaltenen Hals sitzt ein im Verhältnis zum Körper klein erscheinender Kopf mit großen Augen. Der kräftige, etwa kopflange Schnabel ist leicht nach unten gebogen und endet in einer scharfen Spitze. Er erinnert in seiner Form an den Schnabel einiger Hühnervögel, etwa den des Auerhuhns.

Wie die meisten bodenlebenden Vögel besitzen Trompetervögel starke, verhältnismäßig lange Beine. Drei kräftige Zehen sind nach vorne gerichtet, ein einzelner, kürzerer und schmalerer Zeh weist nach hinten. Dieser setzt wie bei anderen Kranichvögeln, etwa den Rallenvögeln, etwas höher am Bein an. Trotz einer gut entwickelten Muskulatur sind die Vögel mit ihren kurzen, abgerundeten Flügeln nur zu Flügen über kurze Strecken in der Lage.

Färbung und Gefieder mini|Blau schillerndes Brustgefieder eines Grauflügel-Trompetervogels Alle Trompetervögel haben ein überwiegend schwarzes Gefieder, Armschwingen und Armdecken sind heller gefärbt: Grau beim Grauflügel-Trompetervogel, ockerfarben bis weiß beim Weißflügel-Trompetervogel und schillernd dunkelgrün bis schwarz beim Grünflügel-Trompetervogel. Die hellen Partien des Gefieders bilden bei in Ruheposition gehaltenen Flügeln einen großen, ovalen Fleck, der einen Großteil des Rückens bis zum Steiß und Teile der Flanken bedeckt. An den Armdecken ansetzende, haarähnliche und kaum miteinander verhakte Filamente liegen locker auf diesem Bereich auf. Der Flügel weist einen verhältnismäßig großen, blau oder grün metallisch schillernden Spiegel auf. Es wird vermutet, dass der Spiegel Auskunft über das ungefähre Alter eines Vogels geben kann, da er bei jüngeren Trompetervögeln zu einem größeren Anteil aus dunklen, matt gefärbten Federn besteht als bei älteren Individuen. Kopf und Nacken sind dicht von äußerst kurzen, schwarz glänzenden Federn bedeckt, auf der Brust befindet sich ein je nach Lichteinfall blau oder grün schillernder Fleck, der von kurzen, gekräuselten Federn gebildet wird. Die Iris ist dunkel kastanienbraun gefärbt. Der Schnabel variiert je nach Art und Unterart in der Farbe von leuchtend gelb mit grauer Spitze bis hin zu gänzlich schwarz oder grau. Die Färbung der Beine ist hell- bis dunkelgrau. Vom Weißflügel-Trompetervogel ist bekannt, dass eine Permanentmauser stattfindet, dies trifft höchstwahrscheinlich auch bei den anderen Arten der Gattung zu.

Bewegung Trompetervögel bewegen sich während der Nahrungssuche mit einer Geschwindigkeit, die in etwa der eines laufenden Menschen entspricht, rennend können jedoch weit höhere Geschwindigkeiten erreicht werden. Als bodenlebende Vögel fliegen sie nur selten und vermeiden es wenn möglich. Lediglich um einen Schlaf- oder Nistplatz zu erreichen, seltener um Hindernisse zu überwinden, fliegen die Vögel. Obwohl sie schwimmen können, meiden Trompetervögel das Wasser. Während des Laufens wird der Körper parallel zum Boden gehalten, der Hals wird leicht nach vorn gestreckt und führt bei jedem Schritt eine nickende Bewegung aus.

Stimme Als sehr ruffreudige Vögel verfügen Trompetervögel über eine ganze Reihe verschiedener Lautäußerungen. Der namensgebende Ruf der Trompetervögel klingt weniger wie eine Trompete, sondern ist eine Reihe grunzender, schnell hintereinander ausgestoßener, abgehackt klingender Laute, auf die meist ein langgezogenes, leiserer vorgetragenes und klagendes „Oh-oh-oh-oh-ooooooooooh“ folgt. Etwa alle zweieinhalb Stunden wird dieser Ruf sowohl tagsüber als auch während der Nacht zur Verteidigung des Territoriums eingesetzt.

Bei Bedrohung oder Erschrecken stoßen Trompetervögel einen dem Territorialruf ähnlichen, aber schriller und schärfer klingenden Ruf aus, bei dem das „ooooooh“ am Ende fehlt. Küken sind ebenso wie Jungvögel und adulte Tiere in der Lage, einen zwitschernden Bettelruf auszustoßen. Dieser kommt während der verschiedenen sozialen Rituale innerhalb der Gruppe zum Einsatz. Ein Nahrung im Schnabel tragender Vogel, der diese an einen bettelnden Vogel verfüttern möchte, stößt oft ein nasal klingendes „inhh-inhh-inhh-inhh“ aus. Dieser Ruf wird von Männchen und Weibchen auch in der Phase unmittelbar vor der Verpaarung ausgestoßen. Entdeckt ein Vogel eine Schlange, warnt er die anderen Mitglieder seiner Gruppe, indem er mehrmals hintereinander einen leisen, aneinandergereiht wie „hm-hm-hm-hm“ klingenden Ton brummt, bis die Aufmerksamkeit aller Gruppenmitglieder auf die Schlange gerichtet ist.N. Seddon, J. A. Tobias, A. Alvarez: Vocal communication in the pale-winged trumpeter (Psophia leucoptera): repertoire, context and functional reference. In: Behaviour 2002, Vol. 139, No. 10, pp. 1331–1359. Weblink:

Verbreitung und Lebensraum mini|Verbreitung der Trompetervögel: Trompetervögel leben in Gebieten mit dichtem, unberührten tropischen Regenwald des Amazonasbeckens im nördlichen und zentralen Südamerika. Die drei Arten werden durch die großen Ströme des Tieflandes räumlich voneinander getrennt. Das Verbreitungsgebiet des Grauflügel-Trompetervogels liegt nördlich des Amazonas, das des Weißflügel-Trompetervogels südlich des Amazonas und westlich des Rio Madeira, der Grünflügel-Trompetervogel tritt südlich des Amazonas und östlich des Rio Madeira auf. Besiedelt werden sowohl höher gelegene Bergregenwälder bis zu einer Höhe von 750 Metern als auch Tieflandregenwald und sumpfartige Gebiete am Rand großer Gewässer. Bevorzugt werden in jedem Habitat Bereiche mit lichtem Bodenbewuchs und einer hohen Diversität fruchttragender Bäume. Seltener besiedeln Trompetervögel auch Sukzessionsflächen, jedoch niemals von Menschenhand angelegte oder nach menschlichen Eingriffen entstehende Sekundärwälder. Während der Regenzeit können mitunter große Flächen des Habitats überflutet werden.

Territorium und Streifgebiet Das von den Gruppen ganzjährig verteidigte Territorium erreicht je nach Nahrungsangebot eine Größe von 58 bis 88 Hektar, die Territorien benachbarter Gruppen überschneiden sich nicht und haben genauestens festgelegte Grenzen, welche nur selten überschritten werden. Wesentlichen Einfluss auf die Größe des verteidigten Gebietes hat die Anzahl der darin befindlichen, regelmäßig auch in der Trockenzeit Früchte tragenden Bäume,P. T. Sherman, P. K. Eason: Size Determinants in Territories with Inflexible Boundaries: Manipulation Experiments on White-Winged Trumpeters' Territories. In: Ecology 1998, Vol. 79, No. 4, pp. 1147–1159. da Früchte die Hauptnahrungsquelle aller Trompetervögel sind. Während eines Tages legen Trompetervögel durchschnittlich 3,7 Kilometer zurück.

Lebensweise Aktivität und Komfortverhalten Bei Sonnenaufgang begeben sich die Vögel von ihrem Schlafplatz auf den Boden und beginnen zunächst mit der unter Sozialverhalten geschilderten Interaktion, bevor sie meist gezielt einen in der Nähe befindlichen, Früchte tragenden Baum aufsuchen und mit der Nahrungsaufnahme beginnen. Ein Großteil des Tages wird damit verbracht, zwischen im Territorium verstreut stehenden fruchttragenden Bäumen zu wechseln. Sind Früchte im Überfluss vorhanden, verbringen Trompetervögel mehr Zeit mit Baden, Sonnen und sozialer Interaktion. Das Komfortverhalten besteht neben dem Putzen aus dem Abspreizen eines Flügels, dem Strecken und Zusammenlegen des Halses sowie einem leichten Aufplustern des Gefieders, meist verbunden mit leisen Lautäußerungen. Bei beginnender Dämmerung begeben sich die Trompetervögel zu einem von Nacht zu Nacht wechselnden Schlafplatz. Dieser befindet sich auf den Ästen eines hohen Baumes, in der Regel zwischen 8 und 15 Metern Höhe, und wird fliegend erreicht.

Sozialverhalten Gruppengröße und Zusammensetzung Trompetervögel leben in hochsozialen, hierarchisch organisierten Verbänden von 3 bis 13 Individuen. Durchschnittlich besteht eine Gruppe aus sieben Individuen, von denen im Regelfall drei Vögel nicht miteinander verwandte Männchen, zwei Vögel nicht miteinander verwandte Weibchen und zwei Jungvögel der letzten Brut sind.

Dominanz- und Unterwürfigkeitsverhalten Der schillernde Spiegel an den Flügeln dient den Mitgliedern einer Gruppe während der Nahrungsaufnahme offenbar zur optischen Kommunikation, außerdem scheint er eine Rolle beim Imponierverhalten zwischen Individuen einer Gruppe zu spielen. Dieses am frühen Morgen unmittelbar nach Sonnenaufgang und Verlassen des Schlafplatzes zu beobachtende Verhalten dient der Festlegung und Festigung der Hierarchie innerhalb einer Gruppe. Rangniedere Vögel kriechen dabei mit ausgebreiteten Flügeln auf ranghöhere Vögel zu und stoßen währenddessen zwitschernde Laute aus, die denen von Jungvögeln gleichen. Die dominanten Vögel antworten auf das symbolische Unterwerfen mit raschen, flatternden Flügelschlägen. Die Hierarchie ist dabei geschlechtsspezifisch, das allmorgendliche Ritual wird von beiden Geschlechtern getrennt durchgeführt. Nach einigen Minuten beenden die Vögel das Ritual und beginnen gemeinsam mit der Nahrungssuche.

Gefiederpflege, Füttern und Spiel Während des Tages pflegen sich Mitglieder einer Gruppe häufig gegenseitig das Gefieder. Dieses Verhalten wird durch die Annäherung zweier Individuen mit gesenktem Kopf eingeleitet. Einer der beiden stets gleichgeschlechtlichen Vögel beginnt, dem anderen mit schnellem Öffnen und Schließen des Schnabels Schmutz, Parasiten und andere Unreinheiten aus dem Gefieder an Kopf und Nacken zu zupfen. Der die Pflege empfangende Vogel scheint dies sehr zu genießen, er schließt die Augen, senkt den Kopf weiter ab, entspannt sich und verliert infolgedessen gelegentlich sogar das Gleichgewicht. Ist die Gefiederpflege beendet, wechseln die Vögel die Rollen.

mini|350px|links|Gruppe des Grauflügel-Trompetervogels Ein weiteres Verhalten ist zu beobachten, wenn Nahrung im Überfluss vorhanden ist, etwa wenn viele Bäume zur selben Zeit Früchte tragen. Zu diesen Zeiten nehmen einzelne Individuen Nahrung in den Schnabel, heben ihre Flügel leicht an, recken den Hals nach oben und stolzieren umher. Dabei stoßen sie kurze Rufe aus. Vögel desselben Geschlechts und Jungvögel rennen zu dem herumstolzierenden Vogel, kriechen auf ihn zu und stoßen zwitschernde Bettellaute aus. Nach einigen Sekunden wird die Nahrung einem der bettelnden Vögel übergeben und von diesem in der Regel sofort gefressen, seltener wird die Nahrung noch einmal zurückgegeben und danach erneut aufgenommen.

Nicht selten spielen Trompetervögel miteinander. Dabei verhalten sie sich ähnlich wie während Territorialkämpfen. Sie jagen einander, allerdings ohne zu treten oder zu hacken, flattern in die Luft, attackieren Blätter, Steine und Zweige und zwitschern währenddessen lautstark. Das Spiel dauert in der Regel nur wenige Minuten.