mini|hochkant=1.4|Huysburg, Luftaufnahme, 2015 Das Kloster Huysburg (Benediktinerpriorat von der Aufnahme Mariens in den Himmel) ist ein Benediktinerkloster in etwa 300 Meter Höhe auf dem Huy, einem bewaldeten Höhenrücken nördlich des Harzes und neun Kilometer nordwestlich von Halberstadt im Harzkreis des Landes Sachsen-Anhalt.

Staatsrechtlich der Gemeinde Huy zugeordnet, gehört das Benediktinerkloster Huysburg kirchenrechtlich zum Bistum Magdeburg, ist darin jedoch exemt. Patronin ist Maria. Die Huysburg ist die erste Station des Jakobsweges im HarzgebietStation am Jakobsweg und liegt auf dem Südweg der Straße der Romanik.

Geschichte Nach der Unterwerfung der Sachsen durch Karl den Großen errichteten die Franken um 780 auf dem Huy eine Militärstation.„Um 780. Die Huysburg ist eine Militärstation der fränkischen Herrscher zu Sicherung der Grenze gegen Slawen.“ In: „Die Huysburg. Geschichte. Chronik der Huysburg.“ auf huysburg.de (abgerufen am 4. Oktober 2024). Sie diente zur Sicherung der Region gegenüber den Slawen. Die Reste eines Ringwalls sind noch im Wald erkennbar. Keramikfunde deuten auf eine Besiedlung schon in der Bronzezeit hin.

Nach dem Ausbau Magdeburgs durch Kaiser Otto den Großen verlor die Huysburg an strategischer Bedeutung. Kaiser Otto III. schenkte am 20. April 997 Bischof Arnulf von Halberstadt die Hoheitsrechte über die Wälder Hakel, Huy, Fallstein, Asse, Elm und Nordwand. Dies ist zugleich die erste urkundliche Erwähnung des Huys. Die herrschaftliche Zuordnung des Klosters und seiner Besitztümer folgt der allgemeinen Geschichte des Klosters im Rahmen des Hochstifts Halberstadt. Der Höhenzug Huy war seit 977 Eigentum der Bischöfe von Halberstadt.

Gründung Der kleine Wirtschaftshof auf dem Huy, bestehend aus einem Steinhaus und einigen Fachwerkgebäuden, wurde nun Bischofshof. Bischof Burchard I. von Halberstadt errichtete eine zweigeschossige Kapelle, die 1058 unter Beteiligung des Erzbischofs Engelhard von Magdeburg geweiht wurde. In dieser Kapelle standen ein Marien- und Kryptaaltar. In dem folgenden Gründungsprozess trat zunächst kein geistlicher oder weltlicher Stifter in Erscheinung. Bischof Burchard II., auch Buko genannt, gab ab 1070 die Erlaubnis, dass sich nahe der kleinen Kirche Einsiedlerinnen niederlassen durften. Die ersten waren die Nonnen Bia (Pia) und Ida aus Quedlinburg und Adelheid aus Gandersheim. Aus Unzufriedenheit mit der verfallenden klösterlichen Zucht in Gandersheim verließ dort 1076 Adelheid den Marienkonvent, um am Aufbau des Reformklosters auf dem Huy mitzuwirken.Paschasia Stumpf OSB: Gandersheim, St. Marien. In: Germania Benedictina. 1984, S. 223. Die huysburgischen Konventualen um 1070 waren die Mönche Thizelin und Mainzo (Meinhold) vom Johanniskloster auf dem Berge vor Magdeburg.Christof Römer: Huysburg. In: Germania Benedictina. Bd. X-1, 2012, S. 629.

Der Halberstädter Kanoniker Ekkehard wurde von Bischof Burchard II. mit der Betreuung der Huysburger Kapelle und der kleinen Gemeinschaft betraut. Am 24. Dezember 1080 wurde Ekkehard als Klostervorsteher bestimmt, und am 21. Juni 1081 spendete ihm der Halberstädter Bischof die Abtsweihe. Er war der erste Abt des Klosters, legte sein Amt aber schon am 18. August 1083 nieder und starb am 28. Juni 1084.

Mit Ekkehard endete der Gründungsprozess des Benediktinerklosters auf dem Huy.

Frauenklause auf der Huysburg Die drei Klausnerinnen, die sich 1070 und 1076 auf der Huysburg ansiedelten, wohnten in den bischöflichen Gebäuden aus der Zeit Burchards I. und benutzten die dortige Kapelle, die der Halberstädter Kanoniker Ekkehard betreute. Die inclusa Bia (Pia) kam mit Erlaubnis der Äbtissin Luthmodis des Benediktinerinnenklosters St. Maria zu Quedlinburg. Eine ancilla Dei wurde von Ekkehard aus dem monasterio in Gandersheim zur Huysburger Klause eingeladen. Offenbar in der Zeit des Abbatiates von Ekkehard wurde von diesem eine dritte Klausnerin namens Ida, auch aus dem Quedlinburger Kloster, aufgenommen. Die Klausnerinnen waren keine Inklusinnen, keine Eingemauerten, denn die Nonnen Bia und Adelheid nahmen an der Gründung des Reformklosters Lippoldsberg im Jahre 1100 persönlich teil.

Ob die Klausnerinnen an der Gründung des Benediktinerklosters auf der Huysburg mitwirkten, ist nach 1084 nicht vermerkt worden. Am 11. Juni 1156 forderte Papst Hadrian IV. vom Bischof Ulrich von Halberstadt, den Frauenkonvent auf der Huysburg abzuschaffen und die Betreuung durch die Mönche einzustellen.UB Hochstift Halberstadt I, 1883, S. 281 Nr. 311. Aber 1158 lebten die Klausnerinnen noch immer dort, und Bischof Dietrich von Krosigk verfügte über eine Zuwendung von zwei Hufen zu Badersleben für die Matrone Adelheid. Weitere Nachrichten zur finanziellen Sicherung der Klausnerinnen sind 1314, 1316 und 1323 überliefert.LHASA, MD, Copiar 754 b. Mit dem Tod der letzten Klausnerin endete 1411 die Frauengemeinschaft auf der Huysburg. Da auf der Huysburg kein diözesanrechtlich anerkanntes Frauenkloster und keine zweite Klausur bestanden hatten, ist die verbreitete Bezeichnung als Doppelkloster verfehlt.Christof Römer: Huysburg. In: Germania Benedictina. Bd. X-1, 2012, S. 673.

Wirtschaftliche Verhältnisse Das Kloster Huysburg verdankte den Grundbestand seiner Besitzausstattung den Bischöfen Burchard II. und Reinhard. Eine erste und recht umfassende Besitzurkunde erteilte Bischof Burchard II. am 1. November 1084.UB Hochstift Halberstadt I, 1883, S. 73 Nr. 731. Das neue Kloster erhielt die Gebäude auf dem Berg Huy, ein Großteil des Waldes am Huy und das ganze Umland mit den landbebauenden Inhabern. Die Urkunde verzeichnet auch die Schenkung der durch Bischof Burchard I. 1058 errichteten Kapelle auf dem Huy. Zwischen 1114 und 1118 erfolgten weitere, gezielte Schenkungen durch Bischof Reinhard von Blankenburg. Neuerwerbungen gab es 1138 durch Bischof Rudolf I. von Halberstadt und 1156 durch Bischof Ulrich. 1195 gab es noch Besitzbestätigungen durch Bischof Gardolf von Harbke; danach stagnierten die Besitzvermehrungen.

mini|Copiarium monasterii Huysburg Ende des 13. Jahrhunderts kam es zu einer finanziellen Krise, doch Mitte des 14. Jahrhunderts stabilisierte sich die Kirchenökonomie wieder. Abt Jasper Edler von Berwinkel hat 1403 das älteste erhaltene Kopiar des Klosters angelegt. Durch seinen notarius publicus Sparenberg ließ der Abt alle Urkunden, Abmachungen und Ereignisse von der Gründung bis in seine Zeit beschreiben und transsumieren.LHASA, MD, Copiar 753. Zu Beginn der Reformzeit entstand um 1450 unter Abt Dietrich Brand ein umfassendes Registrum censum mit zugeordneten Urkunden zu den einzelnen Orten.LHASA, MD, Copiar 754 e.

Im Laufe des 15. und 16. Jahrhunderts wurden die Lehn-, Zins- und Pachtregister stetig verbessert. Mittelpunkt der Kirchenökonomie waren im 15. Jahrhundert die großen Klosterhöfe in Eilenstedt, Dingelstedt, Badersleben, Anderbeck und Sargstedt. Der Röderhof am Nordhang des Huys entstand im Bereich des wüst gefallenen Neudorfes. Die großen Höfe konnten als Freihöfe von den landesherrlichen Steuern und Diensten abgehalten werden.

Die Bauernunruhen 1525 und der Schmalkaldische Krieg 1547 bereiteten dem Kloster wirtschaftliche Schwierigkeiten. Die militärischen Invasionen im halberstädtischen Land zwischen 1626 und 1648 schädigten das Kloster und die Klosterherrschaft schwer. Erst nach 1677 kam durch Abt Nikolaus von Zitzewitz das Kloster wieder zu neuem Wohlstand und einer weiteren Ausdehnung seines Besitzes. Dieser war im Lande sehr verstreut. Die Haupthöfe Röderhof und Eilenstedt wurden von mönchischen Provisoren geleitet. 1804 wurde das Kloster aufgehoben und zur staatlichen Domäne umgewandelt.LASA, A 19, a XI. Nr. 276.

Baulichkeiten mini|Klosteranlage mit Ekkehard-Haus (Gästehaus), 2006 Drei mittelalterliche Quellen bezeugen aus relativ geringem zeitlichem Abstand die bauliche Entstehung des Klosters. Der Annalista Saxo bezeichnet für das Jahr 1070/71 Huysburg bereits als locus excelsus und bemerkt, dass sich dort eine von Bischof Burchard I. von Halberstadt erbaute capella befände.Annalista Saxo. In: . Die Gesta Episcoporum Halberstadensium nennen zu 1046 eine capella in einem palacium Huiesburch Bischof Burchards I.Gesta episcoporum Halberstadensium. In: . Nach dem Chronicon Hujesburgens sollen zwischen 1051 und 1059 vom Erzbischof Engelhard von Magdeburg die zwei in der Kapelle vorhandenen superius Quidam altare geweiht worden sein. Berichtet wird auch, dass der erste Abt Ekkehard im östlichen Teil der civitas eine zweite capella errichten ließ.Chronicon Hujesburgense: Menzel 1934, S. 137. Unter dem zweiten Abt Alfried wurde die ursprüngliche Kapelle unter Bewahrung des sanctuarium abgebrochen und eine neue gebaut. Die Weihe erfolgte durch den Merseburger Bischof Werner von Wolkenburg. Diese ecclesia, eine dreischiffige Anlage mit zwei Geschossen, wurde unter Bischof Reinhard von Blankenburg teilweise abgebrochen und bis 1121 als aufwendiges Münster monasterium neu gebaut.

Das mit einer Bruchsteinmauer umgebene, über sechs Hektar große Klosterareal befindet sich auf der höchsten Höhe des Huywaldes. Westlich auf der Anhöhe stehen die Klostergebäude mit Kirche und Klausur. In dem östlich fast vier Meter tiefer liegenden Gelände befinden sich die Wirtschaftsgebäude und der Klostergarten. 1967 wurden dort das Trafohaus und die Kläranlage und 1979 die neue Treppenanlage gebaut.

Man betritt den Klosterhof an der Südwestecke durch das 1786 mit drei Bogen vollendete Torhaus. Die Inschrift im oberen Bogen auf der Hofseite deutet dies als Zeichen der Verehrung des dreieinigen Gottes:

saCra Deo trIno trIpLICI patet absIDe porta, ter trIa fata foras proVIDa Verte trIas.Abbildung. „Das Tor ist geöffnet mit dreifachem Bogen und ist dem dreifaltigen Gott geweiht. Halte dreifach fern, bewahrende Dreifaltigkeit, die drei Unheilsmächte!“ Gemeint sind die drei Parzen, die römischen Schicksalsgöttinnen, die tödliches Unheil symbolisieren. Es handelt sich um ein Chronogramm, dessen Großbuchstaben, die jeweils einen römischen Zahlenwert darstellen, zusammen die Jahreszahl 1768 ergeben. In jenem Jahr wurde die Wiederherstellung der Klosteranlage vollendet.Athanasius Polag OSB: Huysburg. Benediktinerkloster. 2008, S. 22.

Auf der Nordseite des Hofes steht die kreuzförmige, rund 48 Meter lange Klosterkirche. Sie ist nicht exakt geostet, sondern besitzt eine Ausrichtung des Chores nach Südosten. Ostwärts der Kirche schließt das zweigeschossige, langgestreckte, barock veränderte Konventgebäude, das ehemalige Dormitorium, aus dem 16. Jahrhundert an. Davor befindet sich das Klosterquadrum. In seinem 2005 erbauten eingeschossige Westflügel befinden sich neben der Klosterpforte noch das Sprechzimmer und die Sakristei.

Vom Südflügel des Klosterquadrums, dem sogenannten Mittelgebäude, ist das romanische Refektorium erhalten geblieben. In der Barockzeit war in diesem Saal die Bibliothek eingerichtet worden. Archäologische und bauhistorische Untersuchungen in den Jahren 1994 bis 1996Barbara Pregla, Reinhard Schmitt: Neue Befunde zur Klosterkirche auf der Huysburg und ihren Vorgängerbauten. In: Denkmalpflege in Sachsen-Anhalt. Heft 2/1996, Berlin 1997. und 2006 und 2007 belegen, dass es sich hier um ein bedeutendes Zeugnis romanischer Klosterbaukunst handelt. Denn in der Nordwand sind Reste von einem ersten Bau um 1130 erhalten und lassen Reste eines Kreuzgangs erkennen. Um 1160 errichtete man ein größeres und breiteres, zweigeschossiges Gebäude mit den zwei großen, übereinander stehenden, zweischiffigen und sechs Jochen langen Sälen.

Nach Verlegung des Pflegeheimes konnte 1993 mit der Entkernung der 1953 eingezogenen Trennwände in der sogenannten Bibliothek des Südflügels der Klausur begonnen werden.Kloster Huysburg bei Halberstadt. In: Denkmalpflege in Sachsen-Anhalt. Berlin 1994, Heft 2, S. 186. 1994 wurde mit umfangreichen Baumaßnahmen am nördlichen Klausurflügel begonnen.